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Osteologie Nr. 2, 1996


Verteilung der anatomischen Gelenkspaltweite und Flächenpressung im menschlichen Hüftgelenk - eine quantitative Analyse
Distribution of Anatomical Joint Space Width and Contact Pressure in the Human Hip-Joint - a Quantitative Analysis

R. von Eisenhart-Rothe1, F. Eckstein1, J. Landgraf1, F. Löhe2, M. Müller-Gerbl1, R. Putz1

1 Anatomische Anstalt der Ludwig Maximilians Universität München (Direktor: Prof. Dr. med. R. Putz)
2 Chirurgische Klinik, Klinikum Großhadern, München (Direktor: Prof. Dr. med. Schildberg)

Auszugsweise vorgetragen bei der 10. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Osteologie am
16. - 18. März 1995 in München

(Summary)

Zusammenfassung

Befunde zur subchondralen Mineralisierung des Acetabulums legen nahe, daß die längerfristige Beanspruchung im ventralen und dorsalen Bereich häufig höher ist als im Pfannendach. Ziel der vorliegenden Studie war daher die quantitative Bestimmung der anatomischen Gelenkspaltweite und der Flächenpressung im Hüftgelenk während der Standbeinphase.
An zwölf Hüftgelenkspräparaten ohne makroskopisch sichtbare Knorpelläsionen (zwei frisch, Alter 34 und 52 Jahre; zehn fixiert, Alter 64 - 86 Jahre) wurde die Gelenkspaltweite mittels Polyätherabdrücken und die Druckverteilung im Gelenk mittels Fuji Prescale Film bei einer Krafteinleitung von 50% bis 300% des Körpergewichtes bestimmt. Bei fast allen Präparaten nahm der anatomische Gelenkspalt vom Pfannenrand in Richtung Fossa acetabuli zu; im peripheren Anteil der Facies lunata ergaben sich höhere Druckwerte als in den zentralen Bereichen. Bei einigen Präparaten wurde ein meßbarer Gelenkspalt im Pfannendach bei einer Krafteinleitung bis zum Doppelten des Körpergewichtes beobachtet; Druckmaxima traten dabei im ventralen und dorsalen Bereich der Gelenkfläche auf. Bei den übrigen Gelenken war das Pfannendach schon bei geringer Anpreßkraft an der Druckübertragung beteiligt. Diese Ergebnisse können der Erstellung und Validierung von Computermodellen dienen, welche die Simulation der Druckübertragung und der Knochenumbauprozesse im Hüftgelenk zum Ziel haben.

Schlüsselwörter

Hüftgelenk - Inkongruenz - Kontaktflächen - Gelenkspaltweite - Druckübertragung - Flächenpressung - subchondrale Mineralisierung

Osteologie, 1996, Heft 2, © Verlag Hans Huber, Bern

Summary

Distribution patterns of subchondral bone density in the human acetabulum suggest that the long-term stress is frequently higher in the ventral and dorsal parts of the joint surfaces than in the acetabular roof. Therefore the anatomical joint space width and pressure distribution of the hip-joint was quantitatively determined during the stance phase.
In twelve cadaveric hip-joint specimens without apparent cartilage lesions (two fresh, age 34 and 52 years; ten fixed, age 64 to 86 years) the joint space width was examined using polyether casting and the pressure distribution analyzed with Fuji Prescale film at loads ranging from 50% to 300% body weight. In almost all specimens the anatomical joint space increased from the equator to the acetabular fossa; in the peripheral parts of the lunate surface the pressure was higher than in its central parts. In some joints a measurable joint space was present in the acetabular roof up to a load of twice the weight of the body, in these cases pressure maxima were observed in the ventral and dorsal aspect of the lunate surface. In other specimens the acetabular roof took part in the load transmission already at relatively low joint reaction forces. Such data may be used for the generation and validation of computer models simulating the load transmission and bone remodeling in the human hip-joint.

Key words

Hip-joint - incongruity - contact areas - joint space width - load transmission - pressure distribution - subchondral mineralisation

Osteologie, 1996, Heft 2, © Verlag Hans Huber, Bern


Zum Einfluß des Tractus iliotibialis auf die femorale Dehnungsverteilung
Influence of the Iliotibial Tract on Femoral Strain Distribution. A

Eine Sensitivitätsstudie mit der Methode der Finiten Elemente
Sensitivity Analysis with the Finite Element Method

J. Kaminsky, M. Lengsfeld

Klinik für Orthopädie, Philipps-Universität Marburg (Vorstand: Prof. Dr. med. P. Griss)

(Summary)

Zusammenfassung

In einer 3D Finite Elemente Studie wurde ein beträchtlicher Einfluß der Tractus iliotibialis-Kraft auf die femorale Dehnungsverteilung beobachtet. Hohe Traktus-Kräfte reduzieren die Dehnungsenergiedichte (strain energy density; SED) im Bereich des proximalen Femurschaftes, während sich die SED im distalen Schaft stark erhöht. Unter Berücksichtigung des gesamten Femurs liegt das SED-Minimum bei einer Traktus-Kraft von 45% bezogen auf die Abduktorenkraft im Einbeinstand. Im Zuge der separaten Betrachtung der einzelnen Schaftabschnitte wurden die gegenüberliegenden SED-Maxima an der Knochenoberfläche bestimmt, über das untersuchte Höhensegment gemittelt und der Winkel der Verbindungsgerade zwischen beiden Maxima zur Frontalebene berechnet. Mit wachsender Traktus-Kraftgröße ändert diese transversale Beanspruchungsebene in den oberen und mittleren Schaftsegmenten ihren zunächst ventromedial-dorsolateralen in einen dorsomedial-ventrolateralen Verlauf.
Die Ergebnisse unterstützen die Einbeziehung des Tractus iliotibialis in experimentelle und theoretische Teststandards für Hüftprothesenschäfte.

Schlüsselwörter

Finite Elemente Studie - femorale Dehnungsverteilung - Tractus iliotibialis

Osteologie, 1996, Heft 2, © Verlag Hans Huber, Bern

Summary

A 3D finite element study demonstrated a striking influence of the iliotibial tract force on the femoral strain distribution. The minimum strain energy density (SED) values at the distal shaft were calculated when applying a small tract force. The minimum SED of the proximal shaft was computed after definition of a large tract force. The minimum SED of the whole model was calculated at 45% tract force relative to the abductor force in the single leg stance. The connecting line between the surface-SED-peaks in the horizontal view of the proximal and central parts of the femoral shaft showed an antero-medial/postero-lateral orientation when applying a small tract force. The orientation changed to a postero-medial/antero-lateral direction when applying a large tract force. These results suggest the implementation of the iliotibial tract in experimental and theoretical testing standards of hip stem endoprostheses.

Key words

finite element study - femoral strain - iliotibial tract

Osteologie, 1996, Heft 2, © Verlag Hans Huber, Bern


Knochendichte - Referenzwerte von deutschen Frauen - Untersuchung der LWS mit dem Lunar DPX-Densitometer
Bone Mineral Density - Reference Values of Healthy German Females - Examination of the Lumbar Spine Using Lunar DPX

R. Wetzel, S. Pfandl, R. Bodenburg, W. Puhl

Orthopädische Abteilung des Rehabilitationskrankenhauses, Orthopädische Klinik mit Querschnittgelähmtenzentrum, Universität Ulm (Vorstand: Prof. Dr. med. W. Puhl)

(Summary)

Zusammenfassung

Die DXA-Methode ist ein etabliertes Untersuchungsverfahren zur Bestimmung des Knochenmineralgehaltes. Bis heute fehlen Referenzwerte für die weibliche Bevölkerung Deutschlands. Wir haben nun eine Querschnittstudie, basierend auf 1744 knochengesunden deutschstämmigen Frauen im Alter von 20 - 89 Jahren durchgeführt. Die hier erhobenen Knochendichtewerte wurden mit denen von der Herstellerfirma zur Verfügung gestellten Referenzwerten verglichen. Die Peak Bone Mass beträgt 1,26 g/cm2 und wird zwischen dem 32. und 35. Lebensjahr erreicht. Die BMD in der 3. Lebensdekade beträgt 1,18±0,107 g/cm2 und steigt bis zur Peak Bone Mass im Alter von 32 - 35 Jahren an. Die Knochendichtewerte einer knochengesunden Frau fallen dann ab, während der sechsten Dekade beträgt die Knochendichte noch 1,102±0,164 g/cm2. In der siebten Dekade reduziert sich die Knochendichte auf 1,005±0,154 g/cm2. Im 8. und 9. Lebensjahrzehnt betragen die Knochendichtewerte lediglich noch 0,984±0,166 bzw. 0,99±0,157 g/cm2 bei der knochengesunden Frau.
Bei prämenopausalen Frauen besteht kein signifikanter Unterschied zwischen Knochendichte undAlter, bei den postmenopausalen Frauen besteht ein signifikanter Verlust der Knochendichte im Verhältnis zum Alter.
Der Vergleich der erhobenen Werte dieserStudie mit den Werten der Herstellerfirma zeigt eine Übereinstimmung für die 3., 4. und 5. Dekade. In der 6. Dekade liegen die von der Firma mitgeteilten Referenzwerte signifikant, in der 7. und 8. Dekade nicht signifikant niedriger als die Werte dieser Studie (6. Dekade: p<0,01, LUNAR-Wert 1,081 g/cm2, der Knochendichtewert der Studie 1,102 g/cm2).
Der Vergleich mit einer finnischen Studie zeigt eine Übereinstimmung der Messwerte in nahezu allen Dekaden, lediglich in der 6. Dekade finden sich in der finnischen Studie Knochendichtewerte, die um 5,4% niedriger liegen. Der Vergleich mit einem japanischen Referenzkollektiv zeigt, daß die dort erhobenen BMD-Werte im Vergleich zu den Meßwerten dieserStudie um bis zu 14% niedriger liegen.
Die Ergebnisse dieserStudie weisen darauf hin, daß amerikanische Referenzwerte nicht kritiklos übernommen werden dürfen. Referenzdaten der Gerätehersteller müssen um die Referenzwerte für Europa ergänzt werden.

Schlüsselwörter

DXA - Referenzwerte - weiblich - Deutschland

Osteologie, 1996, Heft 2, © Verlag Hans Huber, Bern

Summary

The DXA-technique is a well established method to study bone mineral density (BMD). Until now there are no reliable reference data based on the female population ofGermany. So a cross-sectional study based on 1744 healthy females with German ethnic background (age 20 - 89 years) was carried out.
Comparison was made to the ap spine reference range provided by the manufacturer of the DXA equipment.
The peak bone mass was 1,26 g/cm2 at the age of 32 - 35 years. There was an increase in BMD starting at 1,18±0,107 g/cm2 at the third decade to the peak bone mass at the age of 32 - 35 years. After that there was a decrease of BMD, in the sixth decade the BMD was 1,102±0,164 g/cm2. In the seventh decade BMD reduces to 1,005±0,154 g/cm2. In the eighth and nineth decade there are BMD values of 0,984±0,166 g/cm2 and 0,99±0,157 g/cm2.
In premenopausal women there was no significant difference in BMD and age, in the postmenopausal women there was a significant decrease of BMD correlated to age.
In the sixth decade there are statistically significant differences in BMD (p<0.01; LUNAR data base 1,081 g/cm2, our data base 1,102 g/cm2). Regarding the third through the fifth decade there are good correlations to the reference data base provided by the manufacturer, in the seventh and eight decade the reference data given by LUNAR are lower than ours but not in a significant degree. Looking at one comparable Finnish study there were good correlations in all decades but the sixth, the BMD values there are 5,4% lower than ours. Regarding a Japanese study there are BMD values 14% lower than ours. So we conclude that it is not valuable to transfer the data based on healthy American white females to the German female population.

Key words

DXA - reference values - female - Germany

Osteologie, 1996, Heft 2, © Verlag Hans Huber, Bern


Der Dübelmechanismus als Verankerungsprinzip von zementfreien Endoprothesen am Beispiel des Kniegleitflächenersatzes «APS» und monokondylären Schlitten «APB»
The Dowel Mechanism as Anchorage Principle of Cementless Endoprostheses, Using the Gliding Knee Joint Endoprosthesis «APS» and the Unicondylar Knee Implant «APB»

F. Lintner1, M. Huber1, G. Böhm1, N. Böhler2, W. Zenz3

1 Pathologisch-Bakteriologisches Institut, Baumgartner Höhe, Wien (Direktor: Prim. Univ. Prof. Dr. F. Lintner)
2 Orthopädische Abteilung am allgemein öffentlichen Krankenhaus der Stadt Linz (Direktor: Prim. Univ. Prof. Dr. N. Böhler)
3 Orthopädische Abteilung des Pulmologischen Zentrums, Baumgartner Höhe, Wien (Direktor: Prim. Univ. Prof. Dr. W. Schwägerl)

(Summary)

Zusammenfassung

Anhand mehrerer Jahre implantierter und zum Teil explantierter «APS»-Kniegleitflächenersätze als auch längerer Zeit implantierter monokondylärer Knieschlitten «APB» wird das morphologische Verhaltensmuster der verwendeten Dübelverankerungen aufgezeigt.
Im Beobachtungszeitraum zeigt sich eine völlige Osseointegration im Dübelverbindungsbereich.
Durch Knochenabbauprozesse entlang der ungeschützten Polyäthylenoberfläche des Spreizdornes kann jedoch bei «APS» das Auftreten von Abrieb mit Destruktion der Polyäthylenoberfläche und Zerstörung des Lagerknochens mit nachfolgenden Zeichen der Lockerung nachgewiesen werden.
Die Weiterentwicklung des Dübelsystems und der Ersatz des Polyäthylens durch Titan bei gleichzeitiger Rauhstrahlung aller verwendeten Teile verhindert den aufgezeigten Destruktionsmechanismus und führt darüber hinaus zu einer verstärkten Osteointegration.
Polyäthylen alleine oder in Kombination mit anderen Werkstoffen sollte daher im direkten Knochenverbund nicht mehr zur zementfreien Verankerung von Endoprothesen eingesetzt werden.

Schlüsselwörter

Knieendoprothesenimplantation - Dübelverankerung - Polyäthylenabrieb - Titanium

Osteologie, 1996, Heft 2, © Verlag Hans Huber, Bern

Summary

The morphological behavior pattern of the employed dowel anchorage system is described with the aid of the gliding knee joint system «APS» as well as the unicondylar knee implant «APB», with an implantation period of several years.
Complete osseointegration was observed histologically in the dowel connection area.
Bone ongrowth along the unprotected polyethylene (Chirulen) parts cause severe surface defects leading to wear and consecutive implant loosening.
The further development of the dowel system and replacement of the polyethylene pegs by titanium with rough surface of all the implant parts hinder the shown mechanism of destruction and favours better osseointegration.
Polyethylene alone or in combination with other materials should not be used in direct bone contact in case of cementless implantation.

Key words

knee endoprosthesis implantation - dowel anchorage - polyethylene wear - titanium

Osteologie, 1996, Heft 2, © Verlag Hans Huber, Bern


Das McCune-Albright Syndrom assoziiert mit Hashimoto Thyreoiditis - Ein Fallbericht
Hashimoto's Thyreoiditis associated with McCune-Albright's Syndrome

M. Porsch, Th. Walther

Orthopädische Universitätsklinik Frankfurt am Main (Ärztlicher Direktor: Prof. Dr. L. Zichner)

(Summary)

Zusammenfassung

Das McCune-Albright Syndrom ist häufig mit endokrinen Überfunktionen vergesellschaftet. Die Kombination mit endokrinen Unterfunktionen ist seltener. 1990 wurde erstmals eine Hashimoto Thyreoiditis im Rahmen des Albright Syndroms beschrieben. Wir berichten über eine 31jährige, minderwüchsige Patientin, die wegen einer Osteolyse im Bereich des rechten proximalen Femurs im Rahmen einer polyostotischen fibrösen Dysplasie operativ behandelt wurde. Anamnestisch bestand eine Pubertas praecox, die im 4. Lebensjahr aufgetreten war. Seit der Kindheit bestanden café au lait spots sowie klein- bis mittelgroße Naevi, vorwiegend stammnah. Im 28. Lebensjahr fanden sich Symptome einer hypothyreoten Stoffwechsellage mit erhöhten Titern der Thyreoglobulinantikörper und makrosomalen Antikörpern.
Andere autoimmune Erkrankungen (z.B. M. Basedow) im Rahmen des McCune-Albright Syndroms legen die Vermutung nahe, daß diese Patienten für die Entwicklung autoimmuner Erkrankungen prädisponiert sind.

Schlüsselwörter

McCune-Albright Syndrom - Fibröse Dysplasie - Hashimoto Thyreoiditis

Osteologie, 1996, Heft 2, © Verlag Hans Huber, Bern

Summary

The association of Albright's syndrome and endocrine disturbances is well documented. The combination with hypofunction of endocrine glands is rare. Albright's syndrome with Hashimoto's thyroiditis was first described in 1990. We report about a case of a 31-year-old woman, treated in our hospital for a polyostotic fibrous dysplasia of the right proximal femur. She had a precocious puberty at the age of 4. Later, she developed some café au lait spots of the skin. At the age of 28, Hashimoto's thyroiditis was diagnosed by elevated thyroid antibodies and hypothyroidism. The association of other autoimmune diseases suggests that patients with Albright's syndrome are predisposed to autoimmune diseases.

Key words

McCune-Albright syndrome - fibrous dysplasia - Hashimoto's thyreoiditis

Osteologie, 1996, Heft 2, © Verlag Hans Huber, Bern


wwwadmin@hanshuber.com, 26. Juni 1997