Verlag Hans Huber


Therapeutische Umschau 9, 2000:
Individuelle Arzneimitteltherapie

Contents/Inhalt

W. E. Haefeli
Individualisierte Arzneimitteltherapie - es gibt etwas zu verbessern
Individualization of drug treatment - need for optimization
Zusammenfassung
Summary
E. Gysling
Informationen zur Arzneimitteltherapie im Internet
Internet drug information
Zusammenfassung
Summary
I. Arnet
Individualisierung der Compliance
Individualization of compliance
Zusammenfassung
Summary
I. Walter-Sack, W. E. Haefeli
Berücksichtigung der Arzneimittelabsorption in der Individualisierung der Arzneimitteltherapie
Considering absorption to individualize oral drug treatment
Zusammenfassung
Summary
T. Hoppe-Tichy, K. Simon, B. W. Hentze
Inkompatibilitäten in der Praxis
Practical aspects of incompatibilities
Zusammenfassung
Summary
M. Martin-Facklam
Individualisierung der Arzneimitteltherapie bei Nieren- und Leberinsuffizienz
Individualisation of drug therapy in patients with renal or hepatic failure
Zusammenfassung
Summary
G. Mikus
Klinische Relevanz von Polymorphismen des Arzneimittelstoffwechsels
Clinical relevance of drug metabolism polymorphisms
Zusammenfassung
Summary
M. Martin-Facklam, W.E. Haefeli
Unerwünschte, klinisch relevante Arzneimittelinteraktionen
Clinically relevant drug interactions
Zusammenfassung
Summary
R. G. Schlienger
Umgang mit unerwünschten Arzneimittelwirkungen
Managing adverse drug reactions
Zusammenfassung
Summary



Zusammenfassungen / Summaries



Contents/
Inhalt
   

Individualisierte Arzneimitteltherapie - es gibt etwas zu verbessern
Individualization of drug treatment ­ need for optimization

W. E. Haefeli

Abteilung Innere Medizin VI, Klinische Pharmakologie und Pharmakoepidemiologie, Medizinische Klinik und Poliklinik der Universität Heidelberg

(Summary)

Zusammenfassung

Die fehlende Individualisierung der Pharmakotherapie auf die Gegebenheiten des Einzelpatienten sind einer der Hauptgründe, warum große Unterschiede zwischen den erwarteten Therapieresultaten und den tatsächlich beobachteten Erfolgsraten auftreten (reduzierte Effectiveness). Diese Unterschiede betreffen außerdem die Sicherheit der Arzneimitteltherapien und schlussendlich auch die Kosten. Strategien zur Sicherstellung einer guten Compliance, zur Dosisoptimierung bei Eliminationsstörungen, zur Verhinderung von Inkompatibilitäten, unerwünschten Wechselwirkungen und Arzneimittelwirkungen sollten deshalb regelmäßig in die Patientenbetreuung einfließen. Techniken und Maßnahmen zum Erreichen dieser Ziele werden in diesem Sonderheft dargestellt.

Therapeutische Umschau, Band 57, 2000, Heft 9, © 2000 Verlag Hans Huber Bern

Summary

The lack of dose adjustment to the individual needs of a patient are a major cause for the substantial difference between the efficacy of therapies established in large trials and the therapeutic results obtained in everyday practice (reduced effectiveness). In addition, these differences affect drug safety and ultimately also costs. Hence strategies to maintain good compliance and to avoid incompatibilities, drug interactions and adverse events should be applied whenever drugs are prescribed. This supplement compiles different techniques and measures which may support health professionals in reaching these goals.

Therapeutische Umschau, Band 57, 2000, Heft 9, © 2000 Verlag Hans Huber Bern


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Informationen zur Arzneimitteltherapie im Internet
Internet Drug Information

E. Gysling

Info-Pharma Wil

(Summary)

Zusammenfassung

Über das Internet sind heute viele Informationen zur Arzneimitteltherapie abrufbar. Die hier angebotene Auswahl von Webadressen sollte es dem Arzt erleichtern, eine individualisierte Verschreibung vorzunehmen.

Therapeutische Umschau, Band 57, 2000, Heft 9, © 2000 Verlag Hans Huber Bern

Summary

Many reliable drug information resources are now available free via the internet. The websites selected for this synopsis are apt to help the busy practitioner in his or her decision on an individualised drug therapy.

Therapeutische Umschau, Band 57, 2000, Heft 9, © 2000 Verlag Hans Huber Bern


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Individualisierung der Compliance
Individualization of compliance

I. Arnet

Institut für Spitalpharmazie, Kantonsspital Basel, Schweiz

(Summary)

Zusammenfassung

Schätzungsweise die Hälfte aller verschriebenen Arzneimittel wird von den Patienten inkorrekt, mangelhaft oder überhaupt nicht angewendet. Die Gründe für diese ungenügende Patienten-Compliance sind vielseitig und erfordern entsprechend vielseitige Arten ärztlicher Intervention und Prävention. In diesem Artikel wurden konkrete Werkzeuge zusammengestellt, welche dem praktizierenden Arzt helfen sollen, die individuelle Compliance zu optimieren. Diese Strategien umfassen Information, Kommunikation mit mündlichem Vertrag, Behandlungsplan, Hilfsmittel und Folgekontrollen.

Therapeutische Umschau, Band 57, 2000, Heft 9, © 2000 Verlag Hans Huber Bern

Summary

Almost half of all prescribed drugs is taken by patients in an incorrect way, in a deficient way or not at all. Reasons for such an insufficient compliance behavior are multifaceted. In order to optimize patients' compliance, an individualized approach is necessary which requires both medical intervention and preventive measures. In the present article tools are described that may assist the physician in optimizing individual compliance. Such strategies are information, communication and verbal contract, treatment plan, auxiliary aids and follow-up appointments.

Therapeutische Umschau, Band 57, 2000, Heft 9, © 2000 Verlag Hans Huber Bern


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Berücksichtigung der Arzneimittelabsorption in der Individualisierung der Arzneimitteltherapie
Considering absorption to individualize oral drug treatment

I. Walter-Sack, W. E. Haefeli

Abteilung Innere Medizin VI, Klinische Pharmakologie und Pharmakoepidemiologie, Medizinische Klinik und Poliklinik der Universität Heidelberg

(Summary)

Zusammenfassung

Beginn und Ausmaß der Absorption eines Arzneistoffes aus dem Dünndarm sind abhängig von seiner Freisetzung aus der gewählten Darreichungsform, seiner Löslichkeit und Stabilität in der flüssigen Phase des Magen-/Darm-Inhaltes und von der Magenentleerung, also vom Transport des gelösten Wirkstoffes oder einer intakten Arzneiform vom Magen in das Duodenum. Bei Darreichungsformen, die den Wirkstoff im Magen freisetzen, und bei dünndarmlöslichen Arzneizubereitungen in «Mikro»-Form (Mikropellets) kann der Transport des Arzneimittels in das Duodenum sowohl bei Nüchternmotilität als auch in der digestiven Phase erfolgen. Potentielle Unterschiede der Wirkstoffabsorption bei Nüchterneinnahme und bei Einnahme solcher Arzneiformen während der digestiven Phase sind nicht vorhersagbar, da sie abhängig sind von den Freisetzungseigenschaften des gewählten Präparates. Größere dünndarmlösliche Arzneiformen (Dragees, Tabletten) können dagegen den Magen nur bei Nüchternmotilität verlassen und werden bei Einnahme in der digestiven Phase vom enggestellten Pylorus zurückgehalten, solange der Magen Nahrung enthält. Der Beginn der Arzneimittelabsorption wird dementsprechend verzögert. Dieser Effekt tritt regelhaft ein und ist daher vorhersagbar; er sollte bei der Verordnung von dünndarmlöslichen (magensaftresistenten) Arzneiformen stets berücksichtigt werden. Wenn bei intakter Pylorus-Funktion eine zeitgleiche Aufnahme von dünndarmlöslichen Arzneiformen und von Nahrung unumgänglich, dabei aber ein rascher Wirkungseintritt erforderlich ist, stellen Mikropellets die Arzneiform der Wahl dar. Bei unbefriedigendem therapeutischem Effekt sollten die Darreichungsform und die Einnahmezeit überprüft werden, bevor ein anderer Wirkstoff verordnet wird.

Therapeutische Umschau, Band 57, 2000, Heft 9, © 2000 Verlag Hans Huber Bern

Summary

The rate and extent of drug absorption from the small intestine are related to the release of the active ingredient from a dosage form, its solubility in the liquid phase of gastrointestinal contents, and the transport of the dissolved compound or the intact dosage form from the stomach into the duodenum. With pharmaceutical preparations releasing the active compound within the stomach, and enteric-coated «micro»-formulations (micropellets), gastric emptying is possible during the interdigestive and the digestive period. Potential differences of drug absorption between fasting administration and intake during the digestive period are unpredictable, because they are related to the release characteristics of the dosage form. However, larger enteric-coated preparations like tablets can leave the stomach only with a phase 3 contraction of fasting motility; intake during the digestive period will result in gastric retention of this type of dosage form until all food has left the stomach and fasting motility is restored. Consequently the onset of drug absorption is delayed. This interaction between food and large enteric-coated dosage forms is predictable from pyloric function in relation to the gastric motility. As it occurs regularly, it can be taken into account when prescribing enteric-coated dosage forms. If concomitant intake of food and enteric-coated drugs is unavoidable, but a rapid onset of drug absorption is necessary, micropellets are the dosage form of choice. When the therapeutic effect is insufficient, drug dosage form and timing of drug administration should be checked before prescribing a different active compound.

Therapeutische Umschau, Band 57, 2000, Heft 9, © 2000 Verlag Hans Huber Bern


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Inkompatibilitäten in der Praxis
Practical aspects of incompatibilities

T. Hoppe-Tichy, K. Simon, B. W. Hentze

Apotheke des Universitätsklinikums Heidelberg

(Summary)

Zusammenfassung

Bei der Verabreichung von Arzneimitteln bei Patienten stellen die Stabilität und die Kompatibilität von Arzneimitteln kritische Elemente dar, die unter dem Aspekt der Arzneimittelsicherheit besondere Beachtung finden müssen. In ihrer Relevanz sind hierbei die Bereiche Krankenhaus und niedergelassene Praxis gesondert zu betrachten. Für den Arzt und den Apotheker im Krankenhaus ist die Beurteilung des Inkompatibilitätsrisikos von Arzneimittelmischungen eine große Herausforderung, werden sie doch teilweise mit enorm komplexen Arzneimittelmischungen konfrontiert. So ist es auf Intensivstationen keine Seltenheit, dass bis zu 20 Arzneimittel ­ inklusive Träger- und Infusionslösungen ­ über wenige Zugänge verabreicht werden müssen. Im niedergelassenen Bereich liegen die Herausforderungen vor allem im Bereich der individuell rezeptierten Zubereitung von dermatologischen Arzneimitteln. Außerdem ist in den letzten Jahren die Problematik der ambulanten Zytostatikazubereitungen und deren Umfeld der Supportivtherapie dazugekommen. Auch hier sind Inkompatibilitäten sorgfältig zu beachten.

Therapeutische Umschau, Band 57, 2000, Heft 9 © 2000 Verlag Hans Huber Bern

Summary

As potential modulators of drug safety and effectiveness the compatibility and stability of drugs are important elements in drug prescription and drug administration to patients. According to various characteristics, important differences between areas of stationary hospital care and ambulatory care are evident. While the challenges in the ambulatory care setting have been focussed on dermatological topical medication, incompatibility assessment is a challenge for the physician and the pharmacist in a hospital setting. Particularly in intensive care patients often up to 20 different drugs are administered in only few infusion devices or through a limited number of parenteral infusion lines. Among the compounds most often incriminated to cause incompatibilities are furosemide, phenytoin, midazolam and diazepam when used as i.v. admixtures. In recent years new challenges arose in ambulatory care in the area of oncologic treatment. Cytotoxic drug therapy and supportive care therefore requires increasing attention in terms of incompatibility of ready to use combined drug admixtures. To prevent incompatibilities never more than one drug should be added, nutrition solutions should never be used as carrier solutions for drug administration, mixtures should not be stored and should be administered immediately after preparation. During the administration of unavoidable mixtures visible changes of the solutions should be carefully sought.

Therapeutische Umschau, Band 57, 2000, Heft 9, © 2000 Verlag Hans Huber Bern


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Individualisierung der Arzneimitteltherapie bei Nieren- und Leberinsuffizienz
Individualisation of drug therapy in patients with renal or hepatic failure

M. Martin-Facklam

Abteilung Innere Medizin VI, Klinische Pharmakologie und Pharmakoepidemiologie, Medizinische Klinik und Poliklinik, Universitätsklinikum Heidelberg

(Summary)

Zusammenfassung

Die Anpassung der Arzneimitteldosierung bei Nieren- und Leberinsuffizienz kann unerwünschte Arzneimittelwirkungen verhindern und Kosten reduzieren. Bei Niereninsuffizienz kann mittels des Serumkreatinin-Wertes die Nierenfunktion und die individuelle Ausscheidungskapazität eines Arzneimittels abgeschätzt und die Dosierung entsprechend angepasst werden. Bei Leberzirrhose sollte bei Arzneimitteln mit einer hohen hepatischen Extraktionsrate nach peroraler Gabe wegen der erhöhten Bioverfügbarkeit und verminderten Clearance die Erhaltungsdosis (Tagesdosis) stets durch Reduktion jeder Einzeldosis angepasst werden. Nach i.v. Administration respektive nach Verabreichung von Arzneimitteln mit einer niedrigen hepatischen Extraktionsrate sollte wegen der meist verminderten Clearance die Erhaltungsdosis (z.B. durch Verlängerung der Dosierungsintervalle oder Reduzierung der Einzeldosen) angepasst werden.

Therapeutische Umschau, Band 57, 2000, Heft 9, © 2000 Verlag Hans Huber Bern

Summary

Individualisation of drug dosage in patients with renal or hepatic failure may prevent excessive drug accumulation and thus potentially reduce adverse drug reactions and costs. In renal failure, renal function may be estimated by combined evaluation of serum creatinine values and patient characteristics. Then individual elimination capacity of a given drug in the individual patient may be calculated and dosage accordingly adjusted. In severe liver cirrhosis, after peroral administration of drugs with a high extraction ratio each single dose has to be reduced because of increased bioavailability and decreased clearance. After i.v. administration and dosing of drugs with a low extraction ratio maintenance dose should be reduced either by prolonging the dosing interval or by decreasing each single dose.

Therapeutische Umschau, Band 57, 2000, Heft 9, © 2000 Verlag Hans Huber Bern


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Klinische Relevanz von Polymorphismen des Arzneimittelstoffwechsels
Clinical relevance of drug metabolism polymorphisms

G. Mikus

Abteilung Innere Medizin VI, Klinische Pharmakologie und Pharmakoepidemiologie, Medizinische Klinik und Poliklinik, Universitätsklinikum Heidelberg

(Summary)

Zusammenfassung

Die Forschung auf dem Gebiet der Pharmakogenetik entwickelt sich gegenwärtig in zwei Richtungen, zum einen der Identifizierung von Genen und Genprodukten, die mit Krankheiten assoziiert sind, als Target für neue Medikamente und zum anderen der Identifizierung von Genen und Allelvarianten, die auf die erwünschten und unerwünschten Effekte derzeitiger (und künftiger) Arzneimittel Einfluss haben. In dieser Hinsicht haben die arzneimittelabbauenden Enzyme eine zentrale Rolle. Derzeit werden aber nur für wenige Polymorphismen sowohl Phänotypisierungen und/oder Genotypisierungen angeboten, da nur für einige wenige Substanzen die klinische Relevanz nachgewiesen werden konnte.

Therapeutische Umschau, Band 57, 2000, Heft 9, © 2000 Verlag Hans Huber Bern

Summary

Individual variation in drug response is a substantial clinical problem. Research in pharmacogenetics is currently evolving in two directions, firstly to identify genes and gene products associated with certain diseases, which may serve as targets for new drugs, and secondly to identify genes and allelic variants of genes that affect the expected and adverse response to current and future drugs. In that respect drug metabolising enzymes play a key role. A readily and widely available pheno- and/or genotyping service for drug metabolism polymorphisms is currently not established and the clinical relevance has only been shown for a limited number of drugs. The overall pharmacologic effects are typically not monogenic traits, they are a result of an interaction of several genes encoding proteins involved in drug metabolism, dispostion, and effects. Each individual represents a unique combination of polymorphic genes that are known to be involved in the metabolism and disposition of medications, in the target structures of drug therapy, and in the pathogenesis of diseases. This will lead to the development of DNA chips for genotyping which will guide the selection and dosing of drug therapy in the future.

Therapeutische Umschau, Band 57, 2000, Heft 9, © 2000 Verlag Hans Huber Bern


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Unerwünschte, klinisch relevante Arzneimittelinteraktionen
Clinically relevant drug interactions

M. Martin-Facklam, W.E. Haefeli

Abteilung Innere Medizin VI, Klinische Pharmakologie und Pharmakoepidemiologie, Medizinische Klinik und Poliklinik, Universitätsklinikum Heidelberg

(Summary)

Zusammenfassung

Arzneimittelinteraktionen können zu veränderten erwünschten oder unerwünschten Arzneimittelwirkungen und Therapieversagen führen. Vielen klinisch relevanten unerwünschten Interaktionen liegt eine Aktivitätsänderung von Cytochrom-P450 Isoenzymen oder Arzneimittel-Transportsystemen zugrunde. Die meisten dieser Interaktionen sind vorhersehbar und lassen sich durch therapeutische Alternativen oder Dosismodifikation verhindern.

Therapeutische Umschau, Band 57, 2000, Heft 9, © 2000 Verlag Hans Huber Bern

Summary

Drug interactions may lead to adverse drug effects or therapeutic failure. Many clinically relevant unwanted interactions are caused by a change in the activity of cytochrom P450 isoenzymes or the activity of active drug transport systems (e.g. p-glycoprotein). Most drug interactions may be anticipated and prevented by dose modification or using alternative drugs.

Therapeutische Umschau, Band 57, 2000, Heft 9, © 2000 Verlag Hans Huber Bern


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Umgang mit unerwünschten Arzneimittelwirkungen
Managing adverse drug reactions

R. G. Schlienger

Abteilung Klinische Pharmakologie, Departement Innere Medizin, Kantonsspital Basel und Institut für Klinische Pharmazie, Departement Pharmazie, Universität Basel

(Summary)

Zusammenfassung

Unerwünschte Arzneimittelwirkungen (UAWs) gehören zu den wichtigsten Problemen einer Pharmakotherapie. UAWs können zu einer Erhöhung der Morbidität wie auch Mortalität beitragen, die Compliance vermindern, so den Therapieerfolg gefährden, und führen damit zu beträchtlichen direkten und indirekten medizinischen Folgekosten. Das frühzeitige Erkennen potentieller UAWs kann einen entscheidenden Einfluss auf den Schweregrad einer Reaktion haben. Dabei ist es wichtig zu differenzieren, ob die Reaktion im Rahmen des pharmakologischen Wirkprofils eines Arzneimittels erklärbar ist oder andere, z.B. immunologische oder genetische Faktoren, pathogenetisch eine Rolle spielen. Solche Überlegungen und die Etablierung eines kausalen Zusammenhanges mit der Medikation können bei der Planung der Weiterführung einer Therapie mitentscheidend sein.
In der Mehrzahl der Fälle stehen UAWs im Zusammenhang mit den pharmakologischen Eigenschaften des Arzneimittels und sind damit zumindest potentiell vermeidbar. Eine auf die individuellen Bedürfnisse des einzelnen Patienten maßgeschneiderte Pharmakotherapie kann einen wichtigen Beitrag zur Verhinderung von UAWs leisten.

Therapeutische Umschau, Band 57, 2000, Heft 9, © 2000 Verlag Hans Huber Bern

Summary

Adverse drug reactions (ADRs) are still considered one of the main problems of drug therapy. ADRs are associated with considerable morbidity, mortality, decreased compliance and therapeutic success as well as high direct and indirect medical costs. Several considerations have to come into play when managing a potential ADR. It is critical to establish an accurate clinical diagnosis of the adverse event. Combining information about drug exposure together with considering other possible causes of the reaction is crucial to establish a causal relationship between the reaction and the suspected drug. Identification of the underlying pathogenesis of an ADR together with the severity of the reaction will have profound implications on continuation of drug therapy after an ADR. Since spontaneous reports about ADRs are a key stone of a functioning post-marketing surveillance system and therefore play a key role in improving drug safety, health care professionals are highly encouraged to report ADRs to a local or national organization. However, because the majority of ADRs is dose-dependent and therefore preventable, individualization of pharmacotherapy may have a major impact on reducing such events.

Therapeutische Umschau, Band 57, 2000, Heft 9, © 2000 Verlag Hans Huber Bern


wwwadmin@HansHuber.com, 4. September 2000