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Therapeutische Umschau 2/95
Psychosomatik


Reaktionen auf die kardiopulmonale Reanimation: eine Untersuchung über Emotionen und Kommunikationsverhalten reanimierender Aerzte
Physicians' reactions to cardiopulmonary resuscitation - a study about emotions and communication of resuscitating physicians

W. Meyer, F. Black und V. E. Kollenbaum

Klinik für Psychotherapie und Psychosomatik, Universität Kiel
Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie, Medizinische Universität Lübeck
Tumorzentrum im Universitätsklinikum, Universität Kiel

(Zusammenfassung, Summary)

Zusammenfassung

Reaktionen von 20 Aerzten nach über 260 Reanimationen und/oder Todesfeststellungen werden durch die Erfassung der Emotionen sowie der Kommunikation beschrieben. Alle ärztlich hilfreichen Handlungen, die auch für die Trauer der Angehörigen günstig sind, verändern die Emotionen der Aerzte nach einer Reanimation oder Todesfeststellung. Zeigt der Arzt hier Abwehr, so ist er in der Konfrontation mit den Anghörigen und deren Trauer geschützt, aber zugleich ist eine emotionale Auseinandersetzung behindert.

In den Bewältigungsstrategien fanden sich Unterschiede: Junge Aerzte zeigen ein Muster von emotionaler Vermeidung und Ueberaktivität, während die erfahrenen Aerzte weniger verdrängen. Aerzte mit jüngeren Trennungserlebnissen schienen in eine Auseinandersetzung wenig eintreten zu können. Für den Zeitraum nach der Reanimation führt durchgreifendes Reanimationsverhalten zwar kurzfristig zur Erleichterung und Gelassenheit, zugleich ist aber die Bewältigung infolge des Gebundenseins in die Aktivität behindert. Entlastend wirkt Sprechen nach dem Einsatz.

Therapeutische Umschau Band 52, 1995, Heft 2 © Verlag Hans Huber AG, Bern

Summary

Reactions of 20 physicians to cardiopulmonary resuscitation were examined by discribing their emotions and communication in over 260 situations of resuscitation.

All actions of physicians being helpful for the relatives in their grief change physicians' emotions after resusciation. Though denial helps the physicians in confrontation with the realtives, it also seems to impair their emotional coping.

Coping strategies of physicians show a pattern of emotional denial and activity in their resuscitation behaviour. Doctors being more experienced tend to deny less in this sense.

Physicians with recent loss seem to cope very little emotionally. Active resuscitation behaviour results after resuscitation in being relieved for a short time, but coping is impaired because of the activity pattern. Speaking after resuscitation seems to improve coping.

Therapeutische Umschau Band 52, 1995, Heft 2 © Verlag Hans Huber AG, Bern


Chronische Rückenschmerzen - eine psychosoziobiologische Krankheit
Chronic back pain - a psychosocio-biological disease

K. Laederach-Hofmann

Station für Psychosomatik und Psychosoziale Medizin, Medizinische Universitätspoliklinik, Inselspital Bern

(Zusammenfassung, Summary)

Zusammenfassung

Anhand des epidemiologisch-medizinischen Problems von chronischen Rückenschmerzen versucht der Autor eine Gewichtung der verschiedenen psychosoziobiologischen "Risikofaktoren", welche zu einer Chronifizierung führen, vorzunehmen. Dabei wird sichtbar, daß die häufigsten Auslöser für akute Rückenschmerzen wie auch die Elemente, welche in der Chronifizierung wesentlich sind, die psychosozialen Inhalte darstellen. Schließlich wird auch den in der Chronifizierung oder denselben unmittelbar vorausgehenden therapeutischen Möglichkeiten genügend Platz eingeräumt und damit dem Praktiker die Möglichkeit des frühen Eingreifens gegeben.

Therapeutische Umschau Band 52, 1995, Heft 2 © Verlag Hans Huber AG, Bern

Summary

Chronic back pain is one of the eight most important symptoms of mankind in several lifetime prevalence studies. In the chronification process, an utmost important role is devoted to psychosocial influences, whereas structural abnormalities normally do not have a primal function in this process. The author also includes the discussion of the posibilities for the generalist to influence early the chronification process with the aim to keep the patient in his/her working environment.

Therapeutische Umschau Band 52, 1995, Heft 2 © Verlag Hans Huber AG, Bern


Verarbeitung einer Totgeburt: Komplikationen, Risikomerkmale und Möglichkeiten ärztlicher Hilfen
Coping with a stillbirth - pathological grief, risk factors and support

M. Beutel, M. Kuse-Isingschulte, B. Hahlweg und M. Stauber

Abteilung für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie (Chefarzt Prof. M. von Rad)
Krankenhaus München-Harlaching und I. Frauenklinik der LMU

(Zusammenfassung, Summary)

Zusammenfassung

Erst in den letzten Jahren wurde eine Totgeburt als schwerwiegendes Verlustereignis anerkannt. Anhand klinischen Erfahrungen und empirischer Befunde werden der Verlauf von Trauerreaktionen sowie Komplikationen und Risikomerkmale dargestellt und durch eine Fallvignette veranschaulicht. Gegenwärtige Empfehlungen zur ärztlichen Betreuung Betroffener werden diskutiert.

Therapeutische Umschau Band 52, 1995, Heft 2 © Verlag Hans Huber AG, Bern

Summary

Only recently a stillbirth has been recognized as a major loss for the majority of women. Based on psychotherapeutic experience and clinical investigations, symptoms and risk factorsof normal and pathological courses of grief are delineated and illustraded by a case vignette. Risk factors for complicated grief refer to quality of inpatient care, partner support, previous depression, anxiety or unresolved strains. Recommendations for inpatient care include validating the loss, making it real, enabling the bereaved parents to make informed decisions. Ambulatory aftercare should provide for monitoring and supporting the grief process.

Therapeutische Umschau Band 52, 1995, Heft 2 © Verlag Hans Huber AG, Bern


Die Ausbildung im Fach Psychosomatische Medizin und Psychotherapie in der Bundesrepublik Deutschland
Teaching psychosomatic medicine in Germany

V. Köllner

Institut für Psychoanalyse, Psychotherapie und Psychosomatische Medizin, Universitätskliniken des Saarlandes, Homburg

(Zusammenfassung, Summary)

Zusammenfassung

Dargestellt werden zunächst die Auswirkungen der Einführung von Psychosomatik und Psychotherapie als Pflichtfach in der studentischen Ausbildung durch die Approbationsordnung von 1970, die zu einer Institutionalisierung des Fachs an den deutschen Universitäten geführt hat. Dies ermöglicht auch ein nahezu flächendeckendes Angebot an freiwilligen Lehrveranstaltungen, wie Anamnesegruppen und Studenten-Balintgruppen. Die Auswertung einer Befragung von 158 Medizinstudenten und -studentinnen an der Universität Bonn zeigt, wie der Pflichtkurs von den Studenten angenommen und bewertet wird. Dabei wird eine praxisorientierte Unterrichtsgestaltung und eine stärkere Berücksichtigung psychosomatischer Aspekte in den Lehrplänen der übrigen Fächer gewünscht. Anschließend folgt ein kurzer Ueberblick über die ärztliche Fort- und Weiterbildung in psychosomatischer Grundversorgung, zum Zusatztitel Psychotherapie und zum Arzt für psychotherapeutische Medizin.

Therapeutische Umschau Band 52, 1995, Heft 2 © Verlag Hans Huber AG, Bern

Summary

The institutionalization of the subject of psychosomatic medicine and psychotherapy at German universities has been implicated by the Approbationsordnung of 1970. Since then, this topic is a compulsory subject for medical students. This allowed the creation of a nearly complete covering supply of the teaching demands by various teaching organization forms, as interview groups and students ' Balint groups.

A study questioning 158 medical students at the Medical Faculty of the University of Bonn showed how this topic was assessed and accepted. The ambition of the students was to have an instruction focussing on more practical aspects and a more powerful consideration of psychosomatic aspects in the curriculum of the medical faculty.

Finally, a short overview will be given on the postgraduate training of physicians as well as on the implications of psychosomatics in general health care. Also several aspects to the subtitle psychosomatics and psychotherapy as well as to the litle psychotherapy in general medicine are given.

Therapeutische Umschau Band 52, 1995, Heft 2 © Verlag Hans Huber AG, Bern


Das psychoimmunologische Netzwerk von Panikstörung, Agoraphobie und allergischer Reaktion
The psychoimmunological network of panic disorder, agoraphobie and allergic reaction

S. Schmidt-Traub

Universität Essen, FB1, Sozialmedizin

(Zusammenfassung, Summary)

Zusammenfassung

Die verhaltenstherapeutische Erfahrung hat bei Panik- und Agoraphobiepatienten ein gehäuftes Vorkommen von allergischen Sofortreaktionen vom IgE-vermittelten Typ 1 erkennen lassen. Panikstörung, Agoraphobie, Allergien und vasomotorische Reaktionen werden in dem Bezugsrahmen eines psychoimmonologischen Netzwerk diskutiert. Der mutmaßliche psychoimmunologische Zusammenhang zwischen Panik und allergischer Reaktion wurde an 100 Allergikern, 79 Panikpatienten und 66 Kontrollpersonen überprüft, die sich einer psychodiagnostischen und allergologischen Untersuchung unterziehen ließen. 70 % der Panikpatienten zeigten milde bis mittelschwere allergische Typ-1-Reaktionen (28 % der Kontrollen), und 15 % reagierten verspätet (Typ IV) auf Nickelsulfat (7 % der Kontrollen). Umgekehrt wiesen 10 % der Allergiker eine Panikstörung mit und ohne Agoraphobie auf im Gegensatz zu nur 2 % der Kontrollen.

Ein psychoimmunologischer Zusammenhang konnte in dieser Studie nachgewiesen werden. Die naheliegende Schlußfolgerung ist ein mehr ganzheitliches, speziell verhaltensmedizinisches Vorgehen bei der Diagnose und Behandlung von Panikstörung und Allergien.

Therapeutische Umschau Band 52, 1995, Heft 2 © Verlag Hans Huber AG, Bern

Summary

While treating panic and agoraphobia patients with behaviour therapy, a high frequency of allergic reaction of the IgE-mediated type I was observed. Panic disorder, agoraphobia, allergic disorder, and vasomotor reactions are briefly discussed in the framework of psycho-endocrine-immunological research. A pilot study had shown a high correlation between panic disorder with and without agoraphobia and allergic reaction. A controlled study was then planned to test the hypothesized psychoimmunological relationship. 100 allergic patients, 79 panic/agoraphobic patients, and 66 controls underwent psychodiagnostic and allergic screening. 70 % of the anxiety patients responded to test allergens with IgE-mediated type-1 immediate reactions in comparison to 28 % of the control persons. Another 15 % of the panic patients reacted to nickle compound with type-IV delayed skin reactions (7 % of the controls). Conversely, 10 % of the allergic patients suffered from panic disorder (45 % had experienced panic attacks) in contrast to 2 % of the controls (24 % of these reported panic attacks). The relative risk for allergic patients to develop panic disorder with and without agoraphobia is obviously five times as high as for controls.

With this assumption of a psychoimmunological preparedness in mind, a behavioural medical diagnostic and therapeutic concept seems more adequate in coping both with panic/agoraphobia and allergic disorder.

Therapeutische Umschau Band 52, 1995, Heft 2 © Verlag Hans Huber AG, Bern


Psychovegetative Syndrome in der Praxis
Psychovegetative syndromes

K. Laederach-Hofmann

Station für Psychosomatik und Psychosoziale Medizin, Medizinische Universitätspoliklinik, Inselspital, Bern

(Zusammenfassung, Summary)

Zusammenfassung

In diesem Artikel werden die wichtigsten Aspekte sogenannter funktioneller Störungen in epidemiologischer, pathophysiologischer und sematischer Hinsicht diskutiert. Ebenso wird Gewicht auf Aspekte der Abklärung, auf Erhebung einer adäquaten biopsychosozialen Anamnese gelegt, und es werden allgemeine therapeutische Aspekte beim Vorliegen von psychovegetativen Störungen angeführt. Mit der Erklärung einerseits, welche somatischen Aeußerungen funktionelle Symptome annehmen können, und anderseits, welche psychologischen Hintergründe vorliegen, werden auch Hinweise für den Praktiker gegeben, wie mit Patienten umgegangen werden kann. Schließlich bleibt auch das Problem der unterschiedlichen nosologischen Einteilung solcher Störungen nicht unreflektiert, welches zu erheblicher Verwirrung führen kann.

Therapeutische Umschau Band 52, 1995, Heft 2 © Verlag Hans Huber AG, Bern

Summary

In this paper the autor delineates the most important aspects of diagnosing and understanding various functional medical disorders. Thereby the diffentiation to psychiatric morbidity should be included, and the patient should become assessed very skillfully. For these reasons, the interview, which includes biological, psychic and somatic aspects, will be able to extend understanding of such patients. Also some important therapeutic aspects are given.

Therapeutische Umschau Band 52, 1995, Heft 2 © Verlag Hans Huber AG, Bern


Klinische Diagnostik funktioneller Syndrome bei alten Patienten
Clinical diagnostics at acute functional symptomatologies in elderly people

C. Schmeling-Kludas

Medizinische Abteilung II, Allgemeines Krankenhaus Ochsenzoll, Hamburg

(Zusammenfassung, Summary)

Zusammenfassung

Funktionelle Syndrome bei alten Menschen sind oft schwierig zu diagnostizieren, weil sowohl der Ausschluß einer Organerkrankung als auch der Nachweis der zugrunde liegenden seelischen Problematik im höheren Lebensalter erschwert ist. Die klinische Diagnostik kann verbessert werden, wenn die Eindrücke gezielt beachtet werden, welche die verschiedenen Mitarbeiter auf der Station von den Patienten gewinnen, so daß eine umfassende und integrierende Bewertung aller somatischen und psychischen Befunde gewährleistet ist.

Therapeutische Umschau Band 52, 1995, Heft 2 © Verlag Hans Huber AG, Bern

Summary

At elderly people with acute functional symptomatologies it is often difficult to make an accurate diagnosis, because the exclusion of somatic diseases as well as finding out the psychic problems forming the base of the symptomatology are more complicated in higher age. Clinical diagnostics can be improved, if attention is given to the impressions the different members of the hospital staff get from the patients' behaviour in order to ensure an extensive and integrating assessment of all somatic and psychic findings.

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Psychosomatische Aspekte der multiplen Sklerose
Psychosomatic aspects of multiple sclerosis

J. Münch

Abteilung für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie des Städtischen Krankenhauses München-Harlaching

(Zusammenfassung, Summary)

Zusammenfassung

Multiple Sklerose ist eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen. Zu wenig Beachtung wird bis heute den psychosomatischen Aspekten dieser Erkrankung geschenkt. Im Sinn einer psychosomatisch-somatopsychisch ganzheitlichen Behandlung wird im ersten Teil dieses Beitrags eine differenzierte und in mehreren Schritten erfolgende Aufklärung der Betroffenen empfohlen. Dies beinhaltet die Aufgliederung der schmelztiegelartigen Pauschaldiagnose in differenzierte Unterform mit unterschiedlicher Prognose, denn sie ist entscheidend für die Patienten zu aktivierenden Coping-Mechanismen, wobei er in keinem Fall vom Arzt allein gelassen werden darf. Im zweiten Teil wird ein psychodynamischer Faktor beim Ausbruch der mulitfaktoriell bedingten multiplen Sklerose vorgestellt. Dieser ist gekennzeichnet durch die Verlagerung eines intraindividuellen Machtkampfs ins Körperliche. Es geht dabei um die Auseinandersetzung zweier Selbstanteile des Patienten, nämlich den leistungsfordernden Intojekten auf der einen Seite und einem unerfüllten Wunsch nach Zuwendung und Geborgenheit auf der anderen Seite. Diesem Wunsch wird durch die Symptome bei multipler Sklerose unmittelbar Geltung verschafft - zu einem hohen Preis. Als Schlußfolgerung wird exemplarisch anhand der multiplen Sklerose die Aufgabe der künstlichen Trennung zwischen Psychosomatosen und organischen Erkrankungen vorgeschlagen.

Therapeutische Umschau Band 52, 1995, Heft 2 © Verlag Hans Huber AG, Bern

Summary

Multiple sclerosis os one of the most frequent neurological disease. Till today too little attention has been laid upon ist psychosomatic aspects. In the psychosomatic-somatopsychicgloba sense of a therapy a differentiated enlightenmet performed step by step, is recommended in the first part of this article. This includes a differentiation of the melting-pot-like unspecific diagnoses into subdiagnoses with different prognoses. This is important for the coping-mechanisms to be performed by the patient, in which necessarily he must be supported by his doctor. The second part shows a psychodynamic factor to the onset of this disease which is caused by several different factors. This psychodynamic factor is characterized by the shift of an intraindividual struggle of power into the soma and it performsa dispute between two parts of the self, Introjects asking for performance on one side, the unfulfilled wish of love and bestowal on the other side. This wish is fulfilled directly by the symptoms of multiple scleroses - at a high price. As a conclusion of this article a giving up of the artificial distination between psychosomatic and somatic disease is suggested by taking MS as an example.

Therapeutische Umschau Band 52, 1995, Heft 2 © Verlag Hans Huber AG, Bern


Untersuchungen zur sexuellen Entwicklung, zum Sexualverhalten und zur sexuellen Erlebnisfähigkeit junger Frauen mit Ullrich-Turner-Syndrom (UTS)
Psychosexual functioning in young patients with the Turner syndrome (TS)

E. Hettmer, W. Hoepffner, E. Keller und E. Brähler

Universitäts-Kinderklinik Leipzig und
Abteilung für Medizinische Psychologie der Universität Leipzig

(Zusammenfassung, Summary)

Zusammenfassung

An der Untersuchung nahmen 25 UTS-Patientinnen (6 mit spontaner und 19 induzierter Menarche) teil. In einem halbstrukturierten Interview wurden die Probandinnen zu ihrem Sexualverhalten und ihrem Orgasmusleben befragt. Es wurde bei festgestellten Differenzen zur weiblichen Normalpopulation der Einfluß des Alters, der Körpergröße, des Zeitpunkts der biologischen Reifung und der Qualität des Regelzyklus geprüft. Zur Analyse der Persönlichkeitsstruktur wurden der Giessen-Test (GT) und das Freiburger Persönlichkeitsinventur (FPI) eingesetzt. Der Einfluß des elterlichen Erziehungsverhaltens wurde mit der deutschen Fassung des schwedischen EMBU-(Egna-Minnen-Beträffende-Uppfostran-) Fragebogens erfaßt.

Das hormonelle Profil der Patientinnen mit induzierter erster Regelblutung zeichnet sich durch erhöhte LH- und FSH- Werte sowie durch erniedrigte Estradiolwerte aus.

Die biologische Reifung der Gesamtgruppe war gegenüber der Normalpopulation um etwa drei Jahre verzögert. Zu spät und unzureichend mit Sexualsteroiden substituierte UTS-Patientinnen zeigten Defizite in ihrem psychischen Wohlbefinden, in ihrer sozialen und sexuellen Entwicklung sowie in ihrer psychosexuellen Erlebnisfähigkeit. Diese Defizite ließen sich bei statistischer Prüfung nur mit dem unphysiologischen hormonellen Milieu und der verzögerten biologischen Reifung erklären, nicht aber mit dem Alter, dem gynäkologischen Alter, dem Karyotyp, der Körpergröße oder dem elterlichen Erziehungsverhalten.

Therapeutische Umschau Band 52, 1995, Heft 2 © Verlag Hans Huber AG, Bern

Summary

In this investigation 25 female patients were included with the Turner syndrome (TS). Rom the 25 patients 6 had spontenous menstruations, 19 had menstruations only after a hormonal stimulation. In a semi-structured interview the patients were questioned about their sexual activities, comportment and orgiastic capacity. The findings were related to a matched normal female population. Moreover an analysis of personality traits by means of the Freiburger Persönlichkeitsinventur (FPI), the Giessen Test (GT), and a questionnaire on education styles of parents (EMBU) has been undertaken. The endocrine profile of the patients with induced menarche showed an elevated value of LH and FSH in serum, and a low level of estradiol.

The sexual development of all patients was normal during the prepubertal phase. However the biological puberty was delayed by three years in the study patients, in relation to a normal population. Each of these women had a normal female identity and was heterosexual oriented.

In concordance with the literature, patients who were substituted too late, showed defined deficits in their psychic well being, as well as in their social and psychosexual functioning. These deficits only were significant in relation to delayed menarche, but not to chronological age, gynecological age, caryotype, body height or parental education style. Therefore, an early and adequately dosed hormonal intervention and a consequently and regularly performed substitution therapy with sexual steroids has to be undertaken beside the well known intervention with growth hormone.

Therapeutische Umschau Band 52, 1995, Heft 2 © Verlag Hans Huber AG, Bern


Psychosomatische Aspekte der Schrittmachertherapie
Psychosomatic aspects of pacemaker therapy

R. Schüppel

Uinversitätsklinikum Ulm, Abteilung Psychosomatik, Ulm

(Zusammenfassung, Summary)

Zusammenfassung

Die modernen Schrittmachertherapie bietet bei geringem operativem Aufwand und Risiko eine hochdifferzierte, wenig störungsanfällige Behandlung bestimmter bradykarder Rhythmusstörungen. Psychosozialen Aspekten wurde dabei in der Vergangenheit vergleichsweise wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Dies erklärt noch bestehende Wissenslücken. Vor der Implantation ist vor allem eine hohe Rate an Depressivität zu verzeichnen, die postoperativ stark absinkt. Sowohl für die akute als auch für die chronische Anpassung an das Aggregat sind eine Reihe von begünstigenden und hinderlichen Faktoren beschrieben. Emotionale und kognitive Funktionen besser sich im Langzeitverlauf deutlich gegenüber der präoperativen Ausgangssituation. Dies sowie die soziale Rehabilitation, letztere gelingt allerdings nur partiell, führen zu einer akzeptablen Lebensqualität. Daher erscheint für die Mehrzahl der Schrittmacherpatienten keine wesentliche Korrektur der üblichen Kontrolluntersuchungen erforderlich. Eine kleine Gruppe von Risikopatienten erfordert aber die erhöhte Aufmerksamkeit der betreuenden Aerzte und gegebenenfalls auch interdisziplinäre Hilfe.

Therapeutische Umschau Band 52, 1995, Heft 2 © Verlag Hans Huber AG, Bern

Summary

Modern pacemaker therapy offers a highly differentiated treatment of symptomatic bradykardia, hardly susceptible to failfure, combined with low operative intervention and risk. Only little attention has been paid to psychosocial aspects during the past; this explains the sketchy knowledge of this field. Prior to implantation there is, at first, a high rate of depression, which decreases after the operation. A number of favourable and unfavourable

factors are described, concerning the acute and the long-term adaptation to the unit. Emotional and cognitive functions usually improve significantly during the follow-up period compared to the pre-operative state. This fact as well as social rehabilitation, which can only be realized partially, lead to an acceptable quality of life; therefore, for the majority of pacemaker patients, no essential modification of the usual control examinations seems to be necessary. But a small group of risk patients need the enhanced attention of their cardiologists and eventually interdisciplinary assistance.

Therapeutische Umschau Band 52, 1995, Heft 2 © Verlag Hans Huber AG, Bern


wwwadmin@hanshuber.com, 26. Juni 1997