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Therapeutische Umschau 7/96
Zerebrale Durchblutungsstörungen

Praktisches Vorgehen beim Hirninarkt und Differentialdiagnose
Evaluation of the stroke patient and differential diagnosis

H.P. Mattle1, W. Hacke2

1 Neurologische Universitätsklinik, Inselspital, Bern
2 Neurologische Universitätsklinik, Heidelberg

(Summary)

Zusammenfassung
Rasch erkannt und innerhalb von 3 bis längstens 6 Std. behandelt, kann heute das Schicksal der Patienten mit ischämischen Insulten entscheidend verbessert werden. Nachfolgend kann das Risiko eines Rezidivinfarkts und anderer vaskulärer Ereignisse vermindert werden, insbesondere wenn die Ursache des Insults bekannt ist. Sowohl für die Therapie in der Akutphase als auch für die Sekundärprophylaxe ist eine rasche und gezielte Diagnostik erforderlich. In dieser Einführung wird das praktische Vorgehen in der Akutphase sowie nach den ersten diagnostischen Schritten und nach der Therapieeinleitung dargelegt. Auch differentialdiagnostische Überlegungen werden diskutiert.

Therapeutische Umschau Band 53, 1996, Heft 07, © Verlag Hans Huber, Bern

Summary
The outcome of stroke improves significantly, when recognized and treated within 3 hours and in certain cases not later than 6 hours. In addition, secondary preventive measures potentially ameliorate the fate of the patient as well, especially when the cause of stroke is known. In this first article we outline the practical diagnosis and evaluation of stroke, both in the acute stage and thereafter. The differential diagnosis is also considered.

Therapeutische Umschau Band 53, 1996, Heft 07, © Verlag Hans Huber, Bern


Epidemiologie und Risikofaktoren des Schlaganfalls
Epidemiology of stroke and risk facots

G. Leonhardt, H.Ch. Diener

Klinik und Poliklinik für Neurologie, Universitätsklinikum, Essen

(Summary)

Zusammenfassung
Schlaganfälle sind eine Erkrankung vorwiegend des höheren Alters und treten dort mit einer jährlichen Inzidenz von 3% pro Jahr auf. Die Prävalenz schwankt zwischen 5 und 8%. Etwa 42% der vom Schlaganfall Betroffenen sind nach einem Jahr gestorben. Die Mortalität weist regional mit Raten zwischen 20 und 80 pro 100’000 Personen bei einem vergleichbaren Kollektiv auch innerhalb Europas große Unterschiede auf. Hypertonie, Rauchen und Herzerkrankungen sind die wichtigsten Risikofaktoren. Diabetes melltius und Hypercholesterinämie spielen eine geringere Rolle.

Therapeutische Umschau Band 53, 1996, Heft 07, © Verlag Hans Huber, Bern

Summary
Epidemiology focuses on frequency and distribution of diseases and their relevant risk factors. Eipdemiologic data are the basis for development of therapeutic strategies, evaluation of prevention and rehabilitation. Stroke in terms of epidemiology includes ischemic brain infarction as well as intracerebral and subarachnoidal hemorrhage. Stroke is most prominent in the elderly with an annual incidence of about 3%. Stroke prevalence varies between 5 and 8%. The 1-year case fatality is about 42%. The mortality rate varies considerably between 20 and 80 per 100’000 in comparable populations in Europe. Hypertension, smoking and atrial fibrillation are the most prominent risk factors; diabetes and elevated serum cholesterol also contribute.

Therapeutische Umschau Band 53, 1996, Heft 07, © Verlag Hans Huber, Bern


Klinische Symptome und Syndrome des Hirnschlags
Symptoms and signs of ischemic stroke

C. Bassetti1, J. Bogusslavsky2

1 Neurologische Universitätsklinik, Inselspital, Bern
2 Neurologische Universitätsklinik, CHUV, Lausanne

(Summary)

Zusammenfassung
Eine sorgfältige klinische Unterschung erlaubt meist die genaue Topographie einer Hirnläsion zu bestimmen. Dieser Artikel gibt eine Übersicht über die wichtigsten Symptome und vaskulären Syndrome eines Hirnschlag. Die Gefäßterritorien der Hirnarterien werden auf zwei Abbildungen vorgestellt.

Therapeutische Umschau Band 53, 1996, Heft 07, © Verlag Hans Huber, Bern

Summary
A careful clinical examination usually allows a precise topographic stroke diagnosis. This article reviews the main symptoms and signs and the vascular syndromes of stroke. Vascular territories of the brain are described and illustrated with two figures.

Therapeutische Umschau Band 53, 1996, Heft 07, © Verlag Hans Huber, Bern


Zerebrovaskuläre Ultraschalldiagnostik
Neurovascular ultrasound

R.W. Baumgartner1, E.B. Ringelstein2

1 Neurologische Universitätsklinik, Inselspital, Bern
2 Neurologische Klinik, Westfälische Wilhelms-Universität Münster, Münster

(Summary)

Zusammenfassung
Die zerebrovaskuläre Ultraschalldiagnostik hat in den letzten Jahren durch das Hinzukommen der Farbduplexsonographie weiter an Zuverlässigkeit gewonnen. Dadurch findet die nichtinvasive präoperative Untersuchung von Patienten mit Karotisstenosen immer größere Verbreitung, um die Komplikationen der zerebralen Angiographie zu vermeiden. Außerdem können subtotale Stenosen und Verschlüsse der Karotiden mit großer Zuverlässigkeit erfaßt werden. Die transkranielle Ultrasonographie erlaubt den zuverlässigen Nachweis von Kollateralkreisläufen, Stenosen, Verschlüssen und Spasmen der Hirnbasisarterien. Mittels der Farbduplexsonographie ist zusätzlich die Abbildung von intrakraniellen Blutungen, Gefäßmißbildungen und eines Hydrozephalus möglich, doch ist sie neuroradiologischen Verfahren unterlegen. Die intensitätskodierte Farbduplexsonographie („power Doppler") und die zurzeit in Erprobung stehenden lungengängigen Ultraschallkontrastmittel werden wahrscheinlich die diagnostische Sicherheit der zerebrovaskulären Ultrasonographie weiter erhöhen. Ob Emboliesignale, die sogenannten „high intensity transient signals", zu einem Marker für die emboligene Aktivität von Karotisstenosen oder Herzerkrankungen werden können, muss noch verifiziert werden.

Therapeutische Umschau Band 53, 1996, Heft 07, © Verlag Hans Huber, Bern

Summary
Introduction of color-coded duplex sonography as further increased diagnostic confidence of neurovascular ultrasound. Thus, reliable and noninvasive preoperative assessment of patients with carotid artery stenoses becomes feasible, preventing potential adverse effects of cerebral angiography. Moreover, reliable diagnosis of subtotal stenoses and occlusions of the carotid arteries is possible. Transcranial ultrasonography provides reliable assessment of cross-flow through the circle of Willis, and stenoses, occlusions and vasospasm of the major basal cerebral arteries. Transcranial color-coded duplex sonography identifies intracranial hemorrhage, cerebrovascular malformations and hydrocephalus but is inferior to neuroradiological techniques. It is likely that power Doppler sonography and transpulmonary contrast agents will provide an additional increase in diagnostic confidence of neurovascular ultrasonography. In the future, cerebral microemboli may become a marker for embolic activity of occlusive carotid artery and cardiac disease.

Therapeutische Umschau Band 53, 1996, Heft 07, © Verlag Hans Huber, Bern


Neuroradiologische Unterschungen und Befunde beim Hirnschlag
Nuroradiology in stroke syndromes

M. Forsting, A. Dörfler, M. Knauth, R. von Kummer

Abteilung Klinische Neuroradiologie der Universität Heidelberg

(Summary)

Zusammenfassung
Ziel dieser Arbeit ist es, einen Überblick über den heutigen Erkenntnisstand bei der radiologischen Diagnostik des akuten Hirnschlags zu geben. Trotz vieler Verbesserungen der Magnetresonanz-(MR-)Technolgoie spielt die Comptertomographie (CT) in der Akutdiagnostik immer noch die führende Rolle, nicht zuletzt auch wegen der immer noch besseren Verfügbarkeit des CT. Entgegen einer lange bestehenden Auffassung ist die CT auch in der Frühphase der zerebralen Ischämie ein wertvolles diagnostisches Verfahren. Zusammen mit der neuen Spiral-CT-Technik (CT-Angiograhpie) sollten sich innerhalb der ersten 6 Std. nach Eintreten der Ischämie die für die Therapie wichtigsten Fragen beantworten lassen. Neue MR-Techniken zur Darstellung der zerebralen Perfusion befinden sich gerade auf dem Weg zur klinischen Anwendung. Die Angiographie ist im Akutstadium der zerebralen Ischämie nur noch selten indiziert. Auch die Diagnostik der intrazerebralen Blutungen ist eine Domäne der CT. Magnetresonanztomographie und Katheterangiographie sind hilfreich bei der weiteren Abklärung der Blutungsursache. Zur Diagnostik einer zerebralen Sinusthrombose hingegen wird die Angiographie praktisch nicht mehr eingesetzt. Bei einigen Patienten kann bereits computertomographisch die Diagnose gesichert werden, die Kombination von verschiedenen MR-Sequenzen ermöglicht mit hoher Sensitivität den Nachweis oder den Ausschluß einer Sinusthrombose.

Therapeutische Umschau Band 53, 1996, Heft 07, © Verlag Hans Huber, Bern

Summary
This overview is about today’s radiologic diagnostic possibilities in acute stroke. Despite many improvements in MR technology, CT is still the method of choice for most of these patients. Contrary to a long existing opinion, CT is a good diagnostic instrument even in the early phase of acute ischemic stroke. In combination with the new helical CT technique (CT angiography) all important questions regarding early therapeutic decisions can be answered. New MR perfusion techniques are just on the way to clinical aplication. Invasive angiography is only rarely indicated in acute ischemic stroke. The diagnosis of intracerebral hemorrhage is also mainly CT-based. MR and DSA are mandatory for further evaluation of the etiology of the hemorrhage. Nowadays, DSA ist not longer mandatory for the diagnosis of cerebral venous sinus thrombosis. In some patients CT is already diagnostic; the combination of different MR and MRA techniques nearly always allows a definite diagnosis or exclusion of a venous thrombosis.

Therapeutische Umschau Band 53, 1996, Heft 07, © Verlag Hans Huber, Bern


Dissektionen der Hirnartieren
Dissection of cervicocerebral arteries

M. Sturzenegger1, W. Steinke2

1 Neurologische Universitätsklinik, Inselspital, Bern
2 Neurologische Klinik, Klinikum Mannheim der Universität Heidelberg

(Summary)

Zusammenfassung
Akute heftige einseitige Kopfschmerzen von bisher unbekanntem Charakter stellen das initiale Leitsymptom bei mehr als zwei Dritteln der Patienten mit einer Dissektion hirnversorgender Arterien dar. Sie sind im Falle einer Karotisdissektion temporal oder periokulär lokalisiert, im Falle einer Vertebralisdissektion nuchal und mastoidal. Im weitern Verlauf, seltener auch gleichzeitig, manifestiert sich als zweites Leitsymptom mit etwa gleicher Häufigkeit eine ipsilaterale Ischämie. Diese kann bei der Karotisdissektion das Auge (Amaurosis fugax) oder die Großhirnhemisphären, bei der Vertebraldissektion den Hirnstamm, das Kleinhirn oder die Sehrinde betreffen. Sie äußert sich als transiente ischämische Attacke oder als Schlaganfall variablen Schweregrads. Ein Horner-Syndrom als Zeichen der Läsion perivaskulärer sympathischer Nervenfasern tritt als drittes Hauptsymptom bei mehr als einem Drittel auf. Seltener sind Symptome, die aus einer lokalen Druckwirkung des Gefäßwandhämatoms resultieren, wie ipsilaterale Hirnnervenparesen oder zervikale Wurzelsyndrome. Diese Konstellation von Symptomen sollte bei jüngeren Patienten ohne vakuläre Risikofaktoren immer an eine Karotis- bzw. Vertebralisdissektion denken lassen. Dies gilt besonders auch, wenn sich ein vorangegangenes, allenfalls auch „triviales" Trauma eruieren läßt. Die Doppler- und die Duplexsonographie ermöglichen schon im Frühstadium die Bestätigung der klinischen Verdachtsdiagnose bei fast allen Karotisdissektionen und der Mehrzahl der Vertebraldissektionen.
Heutzutage stellt die nichtinvasive Kernspintomographie (MRI), welche das Wandhämatom direkt nachzuweisen vermag, die Methode der Wahl zur Diagnosebestätigung dar. Nur in seltenen Fällen (Verdacht auf Pseudoaneurysma), und häufiger bei Vertebralisdissektionen, ist eine intraarterielle Angiographie notwenidg. Ergibt sich klinisch und aufgrund des Doppler-/Duplexbefunds der Verdacht auf eine Dissektion, sollte unserer Meinung nach die Antikoagulation initial mit intravenösem Heparin umgehend eingeleitet werden, selbst vor bildgebender Diagnosebestätigung mit MRI. Hirninfarkte sind durch die Antikoagulation potentiell zu verhindern, wenn man die in 60 bis 80% dem Infarkt vorangehenden prämonitorischen Symptome der Dissektion rechtzeitig erkennt. Diese Therapiestrategie scheint auch unter Berücksichtigung der Literatur adäquat, selbst wenn ihre Effizienz nicht in kontrollierten Studien belegt ist. Der Ausschluß einer intrakraniellen Dissektion ist allerdings Voraussetzung wegen der Gefahr einer Subarachnoidalblutung. Die Atikoagulation sollte bis zum Zeitpunkt der Rekanalisation, der leicht mittels Ultraschallverlaufsuntersuchungen bestimmt werden kann, fortgeführt werden. Nach heutigem Kenntnisstand ist es nicht klar, ob nach vollständiger Rekanalisation, die bei mehr als zwei Dritteln der Fälle stattfindet und in der Regel innerhalb einiger Wochen bis Monate erfolgt, eine Langzeittherapie, z.B. mit einem Thrombozytenaggregationshemmer, erforderlich ist.

Therapeutische Umschau Band 53, 1996, Heft 07, © Verlag Hans Huber, Bern

Summary
The main symptom of arterial dissection is intense acute unilateral headache. The pain is commonly located around the eye, in the temple or the front with a carotid artery dissection (CAD) and in the posterior neck and occiput with a vertebral artery dissection (VAD). Transient or persistent cerebral ischemic symptoms are similarly frequent but usually occur later in the time course. Horner’s syndrome indicating a lesion of perivascular sympathetic fibres represents the third leading symptom and occurs in more than one third of the patients. Compression of local structures such as lower cranial nerve or radicular palsies is rare. This constellation of symptoms in a young patient without vascular risk factors should rise suspicion of a dissection, in particular, if there is a preceeding ‘trivial’ trauma. Characteristic features on Doppler/duplex sonography provide the diagnosis of dissection in almost all CAD and the majority of VAD. MRI demonstrating the mural hematoma allows reliable confirmation of the suspected diagnosis. Angiography is necessary only in selected cases, more often in VAD than in CAD. Brain infarction may be prevented, if premonitory sympoms, which occur in 60 to 80% of the patients, are recognized as such. Therefore, if there is clinical and sonographic suspicion of CAD or VAD, anticogulation therapy with heparin should be started before other imaging procedures finally prove the diagnosis. Because immediate anticoagulation may prevent cerebral embolism, this treatment strategy seems appropriate, although its efficacy has not been established by a controlled study. Anticoagulation should be continued until resolution of the dissection.

Therapeutische Umschau Band 53, 1996, Heft 07, © Verlag Hans Huber, Bern


Zerebrale Sinus- und Venenthrombosen
Cerebral sinus and venous thrombosis

K.M. Einhäupl, F. Masuhr

Neurologische Klinik der Charité Berlin

(Summary)

Zusammenfassung
Zerebrale Sinusvenenthrombosen machen weniger als 1% aller Schlaganfälle aus. wobei die Diagnose jedoch aufgrund der Vielfalt der klinischen Syndrome und der Variabilität des Verlaufs oft übersehen wird. Die Ätiologie unterscheidet sich nicht wesentlich von den extrazerebralen venösen Thrombosen. Während früher eine konventionelle 4-Gefäß-Angiographie die einzige Methode darstellte, um die Diagnose zu sichern, sind heute die Magnetresonanztomographie und die Magentresonanzangiographie in vielen Fällen zur Diagnosestellung ausreichend. Die Behandlung erfolgt durch eine intravenöse Vollheparinisierung, auch wenn bereits ein hämorrhagischer Infarkt vorliegt. Bei frühzeitigem Therapiebeginn liegt die Letalität blander Formen unter 10%. Analog zur Prophylaxe extrazerebraler venöser Thrombosen sollten Patienten für mindestens drei Monate mit oralen Antikoagulantien weiterbehandelt werden.

Therapeutische Umschau Band 53, 1996, Heft 07, © Verlag Hans Huber, Bern

Summary
Cerebral sinus and venous thrombosis account for less than 1% of all strokes, but diagnosis is often overlooked due to the variety of clinical syndromes and the variable clinical course. Underlying conditions do not significantly differ from those seen in extracerebral venous thrombosis. Conventional intra-arterial four-vessel angiography was long the only diagnostic technique for confirming diagnosis, but nowadays magnetic resonance imaging and angiography are sufficient in many cases. Full-dose herparin treatment is the therapy of choice and is performed even if an hemorrhagic infarct already exists. If treatment is initiated early, the mortality rate of nonseptic cerebral sinus and venous thrombosis is less than 10%. According to general rules of postthrombotic treatment, patients should be treated with oral anticoagulants for a period of at least three months.

Therapeutische Umschau Band 53, 1996, Heft 07, © Verlag Hans Huber, Bern


Vaskulitis
Vasculitis

P. Berlit

Neurologische Klinik mit klinischer Neurophysiologie, Alfried-Krupp-Krankenhaus, Essen

(Summary)

Zusammenfassung
Neben Enzephalopathien und Kopfschmerzen gehören zerebrale Durchblutungsstörungen zu den Leitsymptomen zerebraler Vaskulitiden, die jedoch insgesamt nur eine seltene Ursache zerebraler Ischämien darstellen. Zu den relevanten systemischen Vaskulitiden, welche zu Hirninfarkten führen können, zählen die Panarteriitis nodosa, das Churg-Strauss-Syndrom, die Riesenzellartieriitiden (Arteriitis temporalis, Takayasu-Arteriitis), die Behçet-Krankheit und selten die Wegener-Granulomatose. Eine ausgesprochen seltene Erkrankung ist die isolierte Angiitis des Zentralnervensystems, welche keinerlei systemische Manifestationen zeigt und eine Ausschlußdiagnose darstellt. Bei einzelnen Kollagenkrankheiten (Systemischer Lupus erythematodes, Sjögren-Syndrom) sind zwar zentralnervöse Symptome einschließlich zerebraler Ischämien häufig, jedoch nur selten auf eine Vaskulitis zurückzuführen.

Therapeutische Umschau Band 53, 1996, Heft 07, © Verlag Hans Huber, Bern

Summary

Vasculitis, restricted to the central nervous system, may be an idiopathic disorder or may be socondary to toxins, infections or neoplasm. Alternatively, it may be part of a systemic autoimmune disease. Temporal arteritis presents, with headache, jaw claudication, polymyalgia rheumatica and constitutional symptoms. Hemispheric strokes occur in 10%, especially in the territory supplied by the posterior or the middle cerebral artieries. Corticosteroids are the treatment of choice. Isolated angiitis of the central nervous system is an idiopathic recurrent inflammatory disease of the small and medium-sized vessels, confined to the brain and the spinal cord. Persisting headaches, encephalopathy with personality changes, cognitive disorders and memory disturbances as well as multifocal neurologic deficits resulting from recurrent cerebral ischemia and cranial nerve involvement are the most frequent presenting symptoms of the disease. Angiography of the intracranial vessels presents segmental stenoses or dilatations of the medium and small vessels; a leptomeningeal biopsy demonstrating vasculitis is the only reliable diagnostic method. Treatment is instituted with prednisone and cyclophosphaminde. At least one year of therapy is necessary. The typical dermatological manifestations of Behçet’s disease are aphthous stomatitis, genital ulcerations and ocular inflammation. Neurological involvement has been described in 30% of all patients with Behçet’s disease. Sinus thrombosis presents with the signs of intracranial hypertension. A meningoen-cephalitis with headaches, disturbances of consciousness and focal neurologic symptoms is frequent; spinal cord involvement occurs. The treatment of choice for Behçet’s disease consists of steroids in combination with chlorambucil or azathioprine. While polyarteritis nodosa and the Churg-Strauss syndrome most frequently involve the peripheral nervous system, CNS involvement is encountered in Wegener’s granulomatosis. In lupus erythematosus and Sjogren’s syndrome, cerebral symptoms are rarely caused by a true vasculitis. In lupus erythematosus, nervous system involvement has been attributed to autoantibodies which interact directly with neurons (antineuronal antibodies) or indirectly lead to thrombotic vasculopathy by influencing the coagulation system (antiphospholipid antibodies).

Therapeutische Umschau Band 53, 1996, Heft 07, © Verlag Hans Huber, Bern


Intensivmedizin bei akuter Ischämie
Intensive care in acute ischemic stroke

T. Steiner, St. Schwab, W. Hacke

Neurologische Universitätsklinik, Heidelberg

(Summary)

Zusammenfassung
Neue pathophysiologische Erkenntnisse auf dem Gebiet der zerebralen Ischämie, die Erfolge der Thrombolyse, neue Methoden der Diagnostik und Möglichkeiten der intensivmedizinischen Therapie haben in den vergangenen zehn Jahren zu einem enormen Wandel in der Therapie des zerebralen Infarkts geführt. Der therapeutische Fatalismus nach einen Schlaganfall ist heute keinesfalls zu rechtfertigen. Viemehr wird der Erfolg der Therapie durch ein schnelles und konsequentes Handeln bestimmt: Patienten mit ischämischem Hirninfarkt, die innerhalb des „therapeutischen Fensters" von 6 Std. die Klinik erreichen, werden nach Stabilisierung lysiert, sofern bestimmte Einschlußkriterien erfüllt sind. Wird der weitere Verlauf durch ein raumforderndes Hirnödem kompliziert, erfolgt eine stufenweise, antiödematöse Hirndruckherapie, die in Ausnahmefällen bis zur Hemikraniektomie reicht. Bei analgosedierten und beatmeten Patienten ist über die intensivmedizinische Routineüberwachung hinaus ein Monitoring mittels evozierter Potentiale, Hirndurcksonden und Doppler-Sonographie unerläßich.

Therapeutische Umschau Band 53, 1996, Heft 07, © Verlag Hans Huber, Bern

Summary

Therapy of ischemic infarction has changed enormously during the last decade. This is due to an increase of pathophysiological knowledge on cerebrovascular disease, new diagnostic and intensive-care methods and success in thrombolytic therapy strategies; new neuroprotective drugs are on the way to be used on a routine base. The old fatalistic attitude towards treatment of stroke can nowadays not be justified. The success of stroke treatment is dependent on a fast and consequent therapeutic performing: patients with ischemic stroke who reach the hospital within six hous after onset of symptoms are candidates for thrombolysis, if certain inclusion criteria are fulfilled. Increasing intracranial pressure is one of the major problems during the acute phase. Antiedematous treatment follows a stepwise scheme. In some selected cases we perform hemicraniectomy. Besides the routine intensive-care monitoring, further monitoring is necessary by evoked potentials, brain pressure probes and Doppler ultrasound.

Therapeutische Umschau Band 53, 1996, Heft 07, © Verlag Hans Huber, Bern


Therapie und Prophylaxe zerebraler Ischämien
Treatment and prevention of cerebral ischemia

H.P. Mattle1, E.B. Ringelstein2

1 Neurologische Universiätsklinik, Inselspital, Bern
2 Neurologische Universitätsklinik, Münster

(Summary)

Zusammenfassung
Zum ersten Mal in der Geschichte der Schlaganfallbehandlung gibt es jetzt Hinweise auf wirksame spezifische Behandlungsmethoden. Zwei große randomisierte Studien – NINDS und ECASS – haben gezeigt, daß eine Fibrinolyse beim Hirninfarkt das Schicksal des Patienten entscheidend verbessern kann. Voraussetzung ist, daß die Behandlung spätestens drei Stunden nach Auftreten der Symptome erfolgen muß. In den Stunden vier bis sechs kann die Fibrinolyse eines Mediainfarkts immer noch eingeleitet werden, wenn bestimmte computertomographische Kriterien erfüllt sind. Nach Ablauf dieser kritischen ersten sechs Stunden oder bei Vorliegen von CT-Ausschlußkriterien wirkt eine Fibrinolyse deletär bzw. Mortalität und Morbidität steigen massiv an. Eine weitere Studie zeigt kürzlich, dass innerhalb 48 Std. nach dem Infarkt verabreichtes, fraktioniertes Heparin Mortalität und Morbidität signifikant senkt. Dieses Ergebnis muß an größeren Patientengruppen noch bestätigt werden. Der potentielle Nutzen von unfraktioniertem Heparin oder Aspirin beim akuten Hirninfarkt ist noch nicht sicher bekannt; diesbezügliche Therapiestudien und auch weitere Studien mit fraktionierten Heparinen sind im Gang. Nach der Akutphase gilt es, Rezidivinfarkte und andere vaskuläre Komplikationen zu vermeiden. Dies geschieht durch Elimination und Behandlung von Risikofaktoren, gezielten Einsatz von Antikoagulantien und Thrombozytenaggregationshemmern und in indizierten Fällen mittels Karotisendarteriektomie.

Therapeutische Umschau Band 53, 1996, Heft 07, © Verlag Hans Huber, Bern

Summary
Two large randomized studies – NINDS and ECASS – have shown that fibrinolytics, when given early enough, reduce morbidity and mortality in acute stroke. The treatment has to be initiated within three hours after onset of symptoms. In middle cerebral artery stroke, fibrinolysis can be performed within six hours from onset, guided by computed tomography criteria. Thereafter, subcutaneously administered low-molecular-weight heparin can still improve the fate of the patient. Currently, the potential benefit or harm of unfractionated herparin and aspirin is not yet known. However, large-scale studies using standard heparin, aspirin or low-molecular-weight heparin are in progress with results expected soon. After the acute stage of stroke, risk factors have to be eliminated or modified, and anticoagulants, platelet inhibitors and, in selected cases, carotid endarterectomy are useful in preventing recurrent stroke or other vascular events.

Therapeutische Umschau Band 53, 1996, Heft 07, © Verlag Hans Huber, Bern


Subarachnoidalblutungen
Subarachnoid hemorrhage

R.W. Seiler1, J. van Gijn2

1 Neurochirurgische Universitätsklinik, Inselspital, Bern
2 Neurologische Universitätsklinik, Utrecht

(Summary)

Zusammenfassung

Die wichtigste Ursache der spontanen Subarachnoidalblutung (SAB) ist die Ruptur eines Aneurysmas der basalen Hirnartieren. Komplikationen nach der initialen Blutung sind Rezidivblutungen, Entwicklung eines Hydrozephalus und von ischämischen Symptomen. Hauptsymptom der SAB ist der plötzlich einschießende, rasende Kopfschmerz, oft gefolgt von Bewußtseinsstörungen. Die Diagnose erfolgt heute mittels Computertomogramm (CT). Bei negativem CT muß unbedingt eine Lumbalpunktion angeschlossen werden, da etwa 5% der Blutungen im CT nicht erfaßt werden. Bei gesicherter Diagnose sollte der Patient notfallmäßig einem neurochirurgischen Zentrum zugewiesen werden. Sofern der klinische Zustand des Patienten es erlaubt, wird die mikrochirurgische Klippung des Aneurysmas in den ersten Tagen nach der Blutung angestrebt. Wenn das chirurgische Risiko wegen schwieriger Lage des Aneurysmas oder schlechten Allgemeinzustandes des Patienten hoch ist, steht als Alternative das endovasale Coiling durch den interventionellen Neuroradiologen zur Verfügung.

Therapeutische Umschau Band 53, 1996, Heft 07, © Verlag Hans Huber, Bern

Summary
The rupture of a cerebral aneurysm is the main cause of a spontaneous subarachnoid hemorrhage. Complications after the initial hermorrhage are recurrent bleeds, hydrocephalus and ischemia. Main symptom of a subarachnoid hemorrhage is the sudden, intense headache, often followed by loss of consciousness. The diagnosis is made by CT. If the CT is negative, lumbar puncture has to be performed, because in 5% of patients the blood may not be seen on the CT. If the diagnosis is confirmed, the patient has to be transferred as an emergency to a neurosurgical center. If his condition is satisfactory, the aim of the treatment is to occlude the ruptured aneurysm by microsurgical technique within the first three days after the hemorrhage. In patients with high surgical risk or bad general condition, the aneuysm can also be treated by the interventional neuroradiologist with endovascular techniques.

Therapeutische Umschau Band 53, 1996, Heft 07, © Verlag Hans Huber, Bern


Intrazerebrale Blutungen
Cerebral hemorrhage

H. Schütz

Neurologische Klinik Frankfurt-Höchst

(Summary)

Zusammenfassung
Spontane intrazerebrale Hämatome sind nach den Hirninfarkten die zweithäufigste Subgruppe der Hirninsulte. In den letzten Jahren trat eine Neubewertung der Risikofaktoren ein, auch wird heute die Prognose sowohl quo ad vitam als auch ad sanationem günstiger eingeschätzt als in früheren Jahren. Die Prognose wird von der Größe des Hämatoms, seiner Lokalisation und dem Ausmaß der Ventrikeleinbruchsblutung bestimmt. Je nach Entstehungsort der Hämatome lassen sich unterschiedliche klinische Krankheitsbilder differenzieren. Zerebelläre Hämatome müssen generell ab einem Volumen von 20 ml operativ entfernt werden. Bei Lobär- und Putamenblutungen empfehlen wir eine operative Ausräumung nur im Rahmen einer lebenserhaltenden Maßnahme.

Therapeutische Umschau Band 53, 1996, Heft 07, © Verlag Hans Huber, Bern

Summary
Next to cerebral infarcts, spontaneous intracerebral hematomas are the second most frequent of cerebral insults. In recent years, the risk factors have been re-evaluated. The prognosis with respect to morbidity and mortality is also more favorably estimated as compared to previous years. The prognosis is determined by the size of the hematoma, its location, and the degree of intraventricular hemorrhage. The varius clinical syndromes can be differentiated depending on the origin of the hematoma. In general, cerebellar hematomas over 20 ml volume must be surgically removed. We recommend surgical removal of lobar and putaminal hemorrhages only when life saving measures are necessary.

Therapeutische Umschau Band 53, 1996, Heft 07, © Verlag Hans Huber, Bern


Operative Therapie intrazerebraler Blutungen
Sugical therapy of spontaneous intracerebral hemorrhage

H.-J. Steiger

Neurochirurgische Klinik, Ludwig-Maximilians-Universität, Klinikum Grosshadern, München

(Summary)

Zusammenfassung
Die Bewußtseinslage und die fokalen neurologischen Defizite nach einer intrazerebralen Spontanblutung sind sowohl Folge einer Gewebsdestruktion als auch einer Kompression. Die Operationsindikation ist dann gegeben, wenn die Kompression im Vordergrund steht. Dies ist bei oberflächlichen hemisphärischen Hämatomen in Abhängigkeit von den intrakraniellen Reserveräumen bei Hämatomvolumina von mehr als 50 bis 100 ml der Fall. Bei zerebellären Hämatomen von mehr als 20 bis 30 ml besteht im allgemeinen eine wesentliche Hirnstammkompression. Ob Basalganglienblutungen operiert werden sollen, ist noch nicht definitiv geklärt. Aneurysmen und arteriovenöse Malformationen, die mit manchen Spontanblutungen assoziiert sind, stellen spezielle therapeutische Probleme dar.

Therapeutische Umschau Band 53, 1996, Heft 07, © Verlag Hans Huber, Bern

Summary

Level of consciousness and focal neurological deficits following spontaneous intracerebral hemorrhage are a consequence of tissue destruction and compression. Surgical indications are given, if compression is the principal factor. Accepted indication are superficial cerebral hemorrhages of more than 50 to 100 ml and cerebellar hemorrhages of more than 20 to 30 ml. If basal ganglia hematomas should be surgically evacuated is still a matter of discussion. Arterial aneurysms and arteriovenous malformations associated with some spontaneous hematomas require special treatment strategies.

Therapeutische Umschau Band 53, 1996, Heft 07, © Verlag Hans Huber, Bern


wwwadmin@hanshuber.com, 20. August 1997