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Therapeutische Umschau 9/96
Harnblasenprobleme

Das schmerzhafte Wasserlösen (Dysurie, Algurie)
The painful micturition

W. Hochreiter

Urologische Universitätsklinik, Inselspital, Bern

(Summary)

Zusammenfassung
Das schmerzhafte Wasserlösen ist eines der häufigsten Symptome urologischer Erkrankungen. Der Ausdruck „Dysurie" steht dabei als Oberbegriff für jede vom Patienten als unangenehm empfundene Miktion. Die dysurischen Beschwerden gehen meistens mit anderen Symptomen wie Pollakisurie (= gehäufte Miktionsfrequenz) und imperativem Harndrang (= nicht unterdrückbarer Miktionszwang) einher. Die Symptome können akut oder langsam progredient einsetzen und sind in der Regel nur mit dem Miktionsvorgang verbunden. Die Patienten klagen oft über brennende Schmerzen beim Wasserlösen, die am Anfang, während oder nach der Miktion auftreten. Diesbezügliche anamnestische Angaben können bereits erste Hinweise für die Lokalisation der Erkrankung liefern. Die häufigste Ursache des schmerzhaften Wasserlösens stellen Entzündungen des unteren Harntrakts dar. Differentialdiagnostisch müssen aber immer auch tumoröse und obstruktive Erkrankungen sowie Fremdkörper, Steine oder neurogene Blasenentleerungsstörungen als Ursache einer Dysurie in Betracht gezogen werden. Die Basisdiagnostik mit Urinanalyse, Urinkultur und Restharnbestimmung kann von jedem Allgemeinpraktiker durchgeführt werden. Bei unauffälligen Befunden oder differentialdiagnostischen Unklarheiten darf eine weiterführende urologische Spezialabklärung nicht unterlassen werden.

Therapeutische Umschau Band 53, 1996, Heft 09, © Verlag Hans Huber, Bern

Summary
Painful micturition is one of the most common symptoms of urological diseases. The term ‘dysura’ is descriptive for micturition which the patient perceives as unpleasant. Usually, dysuria is combined with other symptoms such as pollakisuria (increased frequency of micturition) and urge (non suppressable compulsion of micturition). The symptoms may arise acutely or progress slowly and are often strictly linked to the act of micturition. The patients frequently complain of a burning pain at the beginning or during micturition. Therefore the anamnesis may already give the first clue for localization of the disease. The most common cause of painful micturition ist an inflammation of the lower urinary tract. However, tumours, obstructive conditions and other less common urologic diseases must also be considered. Basic diagnostics with urine analysis and culture can easily be done by almost all general practitioners. In doubtful cases, however a special urologic examination is mandatory.

Therapeutische Umschau Band 53, 1996, Heft 09, ©; Verlag Hans Huber, Bern


Hämaturie
Hematuria

A.M. Blöchlinger, T.C. Gasser, F. Stoffel, S. Laschke, Ch. Bühring

Urologische Klinik, Universitätsspital Basel

(Summary)

Zusammenfassung
Die Hämaturie ist ein Kardinalsymptom, das der unverzüglichen Abklärung bedarf. Es werden Makro- und Mikrohämaturie sowie initiale, totale und terminale Hämaturie unterschieden. Eine Hämaturie ist bis zum Beweis des Gegenteils als tumorbedingt anzusehen. Jede Erkrankung des Urogenitalsystems kann eine Hämaturie verursachen. Dem Hausarzt stehen eine Reihe von diagnostischen Mitteln wie Anamnese, Labor und bildgebende Verfahren zur Vorabklärung der Hämaturie zur Verfügung. Das Harnblasenkarzinom und die komplizierte Zystitis müssen durch den Spezialisten abgekärt und behandelt werden.

Therapeutische Umschau Band 53, 1996, Heft 09, © Verlag Hans Huber, Bern

Summary
Hematuria is an important symptom to be taken seriously and to be investigated quickly and throughly. One can distinguish between gross and microscopic hematuria as well as between initial, total and terminal hematuria. The most common cause of hematuria is bladder infection. However, because of the grave consequences bladder cancer has to be excluded. Family doctors have many tools to investigate the urine, i.e. urinary sticks, microscopic urine analysis, urine culture as well as sonography of the urinary bladder. If suspicion of bladder cancer arises further investigations by an urologist using cystoscopy, intravenous or retrograde pyelogram and sonography must be considered. Treatment of bladder cancer consists in transuretheral resection of the tumor, local or systemic chemotherapy of radical cystectomy.

Therapeutische Umschau Band 53, 1996, Heft 09, © Verlag Hans Huber, Bern


Harnblaseninfektionen bei Erwachsenen
Infections of the lower urinary tract in adults

T. Sulser

Urologische Klinik und Poliklinik, Universitätsspital Zürich

(Summary)

Zusammenfassung
Harnweginfektionen gehören zu den am häufigsten auftretenden Infektionen überhaupt. In jungen Jahren sind überwiegend Frauen betroffen, für die Harnweginfektionen infolge des wiederholten Auftretens eine erhebliche Belastung darstellen können. Die unkomplizierte Zystitis ist weitgehend eine reine Frauensache, das Auftreten der Zystitis bei Männern ist verschwindend gering. Die Therapie kann durch eine empirische Kurztherapie von drei Tagen in den allermeisten Fällen zuverlässig durchgeführt werden. Abklärungen erübrigen sich in der Regel. Mit zunehmendem Alter, oft im Zusammenhang mit einer Prostatahyperplasie, nimmt die Häufigkeit auch bei Männern zu. Neben der einfachen, unkomplizierten Zystitis gilt es zwischen rezidivierenden einfachen Infektionen, komplizierten Infektionen und asymptomatischen Bakteriurien zu unterscheiden. Eine Sonderstellung der Zystitis nimmt die Infektion bei der schwangeren Frau ein. Wichtig ist dabei, eine asymptomatische Bakteriurie durch Kontrollen möglichst frühzeitig zu erkennen und damit das Risiko einer Pyelonephritis zu vermindern. Auch bei betagten Patienten stellen die Harnweginfektionen die häufigsten Infektionen dar. Pathogenetisch von entscheidender Bedeutung sind dabei involutive Veränderungen sowie eine oft vorbestehende Multimorbidität. Eine asymptomatische Bakteriurie bei betagten Patienten ist meist eine harmlose Erscheinung und bedarf keiner Therapie. Harnweginfektionen bei Dauerkatheterträgern sind ein häufiges Problem, da grundsätzlich jeder Dauerkatheter zur Bakteriurie führt. Eine resistenzgerechte Behandlung ist in der Regel nur bei symptomatischen Infektionen angezeigt.

Therapeutische Umschau Band 53, 1996, Heft 09, © Verlag Hans Huber, Bern

Summary
Urinary tract infections belong to the most frequent infections at all. It can be seen above all in younger women for whom it may be rather burdensome especially due to recurrence. The uncomlicated cystitis thus being a women’s disease whereas there is a rare incidence in men. Effective therapy consists in almost all the cases of a short empirical treatment of three days. Further investigating being often superflous. However, there is a higher incidence in ageing men at times to be seen in combination with prostatic hyperplasia. Apart from the simple and uncomplicated cystitis we know the recurrent simple infections as well as the complicated ones and the asymptomatic bacteriuria. Special care has to be taken of the pregnant woman’s cystitis in which case our diagnosing the asymptomatic bacteriuria right at the beginning by way of urine tests proves most significant in order to avoid the risk of a pyelonephritis. Even in gerontotherapy the urinary tract infection is a very common disease. Pathogenetically important are then involutional changes along with a possible multimorbidity. In this patient group the asymptomatic bacteriuria takes its course very often without any further need for therapy. Patients under continuous catheterism presenting with urinary tract infections are very common, every permanent catheter basically causing bacteriuria. Therapeutical measures with regard to restistance are indicated as a rule only in case of symptomatic urinary tract infections.

Therapeutische Umschau Band 53, 1996, Heft 09, © Verlag Hans Huber, Bern


Der Blasenkatheter
The transurethral catheter

D. M. Pestalozzi

Kantonsspital Schaffhausen

(Summary)

Zusammenfassung
Der Nutzen der Harnableitung über einen transurethralen Katheter zur Überwachung oder zum Schutz der Nierenfunktion ist unbestritten. Infektion und Urethrastriktur als Komplikationen verlangen eine klare, vorsichtige Indikationsstellung. Sorgfältiges Katheterisieren, Wahl des richtigen Materials und adäquate Katheterpflege helfen Komplikationen zu vermeiden. Mögliche Alternativen zum transurethralen Katheter werden besprochen.

Therapeutische Umschau Band 53, 1996, Heft 09, © Verlag Hans Huber, Bern

Summary
The benefit of the transurethral catheter to protect or measure renal function is well accepted. Urethral stricture and infection of the lower urinary tract as the complications should lead to a cautious use of catheters. A careful placement, the choice of the best material and a correct management help to avoid complications. Alternatives are discussed.

Therapeutische Umschau Band 53, 1996, Heft 09, © Verlag Hans Huber, Bern


Urininkontinenz
Urinary incontinence

F. B. Trinkler

Urologische Klinik, Universitätsspital Zürich

(Summary)

Zusammenfassung
Die Urininkontinenz ist trotz der Häufigkeit des Vorkommens ein Tabuthema, über das fast keiner spricht. Diese Übersichtsarbeit zeigt die verschiedenen Inkontinenzformen auf, wobei auf deren Pathophysiologie, Diagnostik und Therapiemöglichkeiten eingegangen wird.

Therapeutische Umschau Band 53, 1996, Heft 09, © Verlag Hans Huber, Bern

Summary
In spite of its high incidence the urinary incontinence remains a taboo subject, which people generally avoid speaking about. In this paper we describe the different forms of urinary incontinence with special stress on its pathophysiology, the diagnostics and therapeutical modalities.

Therapeutische Umschau Band 53, 1996, Heft 09, © Verlag Hans Huber, Bern


Harnblasentumoren
Bladder neoplasms

U. Egli

Urologische Klinik und Poliklinik, Universitätsspital Zürich

(Summary)

Zusammenfassung
Das Harnblasenkarzinom ist nach dem Prostatakarzinom der zweithäufigste Tumor des Urogentialtrakts. Es ist ein Tumor von vorwiegend älteren Patienten. Gemäß einer postulierten Karzinogentheorie treten die Tumoren häufig multifokal auf. Auch nach Resektion der Tumoren ist die Rezidivhäufigkeit erwartungsgemäß hoch. Vordringlich ist die Frühdiagnostik, denn im frühen Stadium, bei fehlender Infiltration, ist das Harnblasenkarzinom bei adäquater Behandlung heilbar. Die schmerzlose Hämaturie ist das Kardinalsymptom eines Blasentumors. Eine Hämaturie ist so lange tumorverdächtig, bis das Gegenteil bewiesen ist. Eine diagnostische Zystoskopie ist zwingend. Neben der Zystoskopie gehört das intravenöse Urogramm zur Basisuntersuchung bei der Blasentumordiagnostik. Die Therapie der Wahl des oberflächlichen Harblasenkarzinoms ist die vollständige transurethrale Resektion. Bei Risikopatienten wird zur Rezidivprophylaxe eine adjuvante topische Immuno- oder Chemotherapie eingeleitet. Beim muskelinvasiven Harnblasenkarzinom ist die Indikation zur radikalen Zystektomie mit gleichzeitiger Entfernung der Adnexen gegeben.

Therapeutische Umschau Band 53, 1996, Heft 09, © Verlag Hans Huber, Bern

Summary
Of possible tumours of the urogenital tract the carcinoma of the urinary bladder, which is to be seen above all in the elderly, comes as to its incidence after the carcinoma of the prostate. According to postulated theory of carcinogenesis tumours appear very often multifocally with a high relapse tendency in spite of resection.
Early diagnosis at primary noninvasive stage is recommended there being a good chance of recovery by adequate means of therapy. The painless haematuria as cardinal symptom of a bladder tumour remains tumour indicative until the contrary is being proved. To make the diagnosis we dispose of a cystoscopy and the intravenous urogram as part of the basic examination. The treatment of choice in case of a superficial carcinoma of the urinary bladder is the radical transurethral resection. In high-risk patients we initiate an adjuvant local immuno- or chemotherapy to prevent recurrence. In those with muscle invasive carcinoma of the urinary bladder the radical cystectomy together with simultaneous removal of the adnexa is indicated.

Therapeutische Umschau Band 53, 1996, Heft 09, © Verlag Hans Huber, Bern


wwwadmin@hanshuber.com, 21. August 1997