Besonderheiten der Kopfwehpatienten, so z. B. die Chronizität ihres Leidens, die dadurch notwendigen häufigen Konsultationen, die nicht immer erfolgreichen Therapieversuche, verleihen dem Umgang des Arztes mit diesen Patienten eine besondere Note. Diese Besonderheiten werden diskutiert und die wünschbaren Verhaltensweisen des Arztes beim Umgang mit Kopfwehpatienten besprochen.
Therapeutische Umschau Band 54, 1997, Heft 02, © Verlag Hans Huber AG, Bern
The chronicity of headache, the frequent consultations and the deceiving results of most headache treatments characterize the difficult relation of physicians with these patients. These particularities are discussed, and some recommandations for the relation with headache patients are given.
Therapeutische Umschau Band 54, 1997, Heft 02, © Verlag Hans Huber AG, Bern
Klinik für Neurologie, Kantonsspital, St. Gallen
Die Spannungstyp-Kopfschmerzen, von denen eine episodische und eine chronische Form unterschieden werden, sind viel häufiger als die Migräne. Die Schmerzen sind aber meist weniger intensiv, so daß häufig kein Arzt aufgesucht wird. Bei der Behandlung sollen in erster Linie die auslösenden Noxen angegangen werden. Es empfiehlt sich, mit analgetischen Medikamenten sehr zurückhaltend zu sein. Die Gefahr des Abusus und die damit verbundene Chronifizierung der Kopfschmerzen sind gross. Entspannungs- und Verhaltenstherapien können erfolgreich sein. Als medikamentöse Langzeittherapie eignet sich Amitriptylin am besten.
Therapeutische Umschau Band 54, 1997, Heft 02, © Verlag Hans Huber AG, Bern
According to the classification of the International Headache Society, an episodic and a chronic form of tension-type headache are distinguished. In most cases the headache is less severe than in migraine patients. For this reason many patients never consult their doctor. In the treatment of such patients, one must be very cautious with analgesics. There is a considerable risk of chronic use of these medications, which may be the cause of a chronic daily headache. Relaxation techniques and cognitive training have been shown to be helpful. Most experts consider amitriptyline to be the best long-term medication.
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Klinik und Poliklinik für Neurologie der Universität Essen
Die Migräne ist eine biologisch begründete Erkrankung des Gehirns. Die Attacken gehen mit heftigen, meist halbseitigen Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Lärmempfindlichkeit und allgemeinem Krankheitsgefühl einher. Die Prävalenz der Migräne beträgt 12 bis 20 % bei Frauen und 8 bis 12 % bei Männern. Akute Attacken werden mit Antiemetika in Kombination mit Analgetika behandelt. Bei schweren Attacken kommen Ergotamintartrat oder Sumatriptan zum Einsatz. In der ärztlichen Notfalltherapie ist parenteral applizierte Azetylsalizylsäure das Medikament der ersten Wahl. Bei häufigen oder schweren Attacken besteht die Indikation für eine medikamentöse Migräneprophylaxe. Diese kann mit Betablockern wie Metoprolol oder Propranolol, Flunarizin oder Cyclandelat erfolgen. Prophylaktika zweiter Wahl sind Valproinsäure, DHE, Pizotifen, Methysergid und Magnesium. Homöopathische Präparate wirken als Plazebos. Verhaltenstherapeutisch sind Sporttherapie und die progressive Muskelrelaxation nach Jacobsen hilfreich.
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Migraine is caused by intermittent brain dysfunction. Attacks result in severe unilateral headache with nausea, vomiting, photophobia, phonophobia and general weakness. The prevalence of migraine is 12 to 20 % in women and 8 to 12 % in man. Treatment of an acute attack is done by antiemetics in combination with analgesics. Severe migraine attacks are treated with ergotamine or sumatriptan. Parenteral treatment is performed most efficiently and safely with i.v. ASA. Frequent and severe attacks require prophylaxis. Drugs of first choice are metoprolol, propranolol, flunarizine and cyclandelate. Substances of second choice are valproic acid, DHE, pizotifen, methysergide and magnesium. Homeopathic remedies are not superior to placebo. Nonpharmacological treatment consists of sport therapy and muscle relaxation techniques.
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Ludwig-Boltzmann-Institut für Neuro-Rehabilitation und -Prophylaxe, Feldkirch
Psychogene Mitverursachung bei Kopfschmerzen finden wir mehr bei Cephalaea als bei Migräne. Die psychosomatischen Hauptbrücken sind die Vasomotorik und die Halswirbelsäule. Im Auslöserfeld befindet sich vor allem die persönliche biographische Psychodynamik im Zusammenwirken mit der Aktualsituation. Im Feld der Modifikatoren finden sich vor allem die Depressivität, die Gutachtensituation und der Abusus. Man wird dieser Vielfachwirkung der Psychogenie am besten über ein multifaktorielles Kopfschmerzkonzept gerecht. Daran anschliessen soll sich eine an Zielsymptomen orientierte Polypragmatik.
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There exists no 'typical' psychogenic headache. But there is no headache without psychogenic component. Preponderance of psychogenesis is given as follows:
- We find it more in permanent undulating headache than in
migraine.
- There are psychosomatic bridges via vasomotor functions and
cervical spine.
- In the field of triggers, personal biographic psychodynamics,
together with the actual situation, play a roll.
- There is a field of modificators containing depressivity,
expertise-situation and drug abuse.
Such psychogenic action on different levels can best be perceived via a multifactorial headache concept. This should lead towards a multideminsional therapy orientated on target symptoms.
Therapeutische Umschau Band 54, 1997, Heft 02, © Verlag Hans Huber AG, Bern
Gewisse Besonderheiten sind bei Kopfwehformen, die Ausdruck einer bedrohlichen Erkrankung sind, besonders häufig. Es sind dies das schlagartige Einsetzen des Schmerzes, eine sehr rasche Intensivierung, konstante Lokalisation, ungewohntes Kopfweh, die Zunahme von Häufigkeit und von Intensität des Kopfschmerzes sowie das Auftreten von begleitenden neurologischen oder psychopathologischen Auffälligkeiten. Die durch solche Besonderheiten charakterisierten Kopfwehformen werden im einzelnen besprochen.
Therapeutische Umschau Band 54, 1997, Heft 02, © Verlag Hans Huber AG, Bern
Some particularities are frequent in headache types due to a potentially dangerous disease, namely sudden onset, rapid increase of pain intensity, very localized headache, increasing frequency and intensity of pain, and the insurgence of neurological or psychopathological signs. The headache types showing one of these characteristics are discussed in detail.
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Neurochirurgie, Klinik im Park, Zürich
Die Trigeminusneuralgie muss von den anderen Gesichtsschmerzen klar getrennt werden. Das Auftreten blitzartig einschießender Schmerzattacken mit typischer Lokalisation, die Möglichkeit ihrer Triggerung und der unauffällige neurologische Befund sind für die Diagnose entscheidend. Als ein weiteres diagnostisch wertvolles Kriterium lässt sich noch, zumindest am Anfang des Leidens, promptes Ansprechen auf Carbamazepin hinzufügen. Ein Beginn des Leidens vor dem 50. Lebensjahr ist eher ungewöhnlich, während anderseits Erstmanifestationen noch in der siebten und achten Lebensdekade nicht selten sind. Das Leiden ist als primäre Nervenirritation zu verstehen, wie die Glossopharyngeusneuralgie und die Nasoziliarisneuralgie. Die anderen Gesichtsschmerzen werden auf Nervenläsionen zurückgeführt (postherpetische Schmerzen, iatrogene oder posttraumatische Schmerzen), auf eine gestörte autonome Innervation von Ganglien, Gefässen und Drüsen (Horton-Neuralgie, Sluder-Neuralgie, Auriculotemporalis-Neuralgie) und auf eine Funktionsstörung des Kiefergelenks. Andere chronische Gesichtsschmerzen lassen sich nicht eindeutig zuordnen. Die verschiedenen Therapiemöglichkeiten werden erwähnt und verglichen.
Therapeutische Umschau Band 54, 1997, Heft 02, © Verlag Hans Huber AG, Bern
The hallmark of trigeminal neuralgia is the abrupt onset of short
pains in the face or in a part of the face, described as stabbing,
lightning or electric shocks. Attacks are often triggered by
cutaneous stimuli to the face or the oral cavity, which may be such
minor activities as talking, chewing, brushing the teeth, or even
wind blowing on the face. As a result, facial hygiene as well as a
good diet may be neglected. Although 1 % of the patients may
eventually develop the disorder bilaterally, pain does not cross the
midline during any single episode. The clinical course is
characterized by exacerbations and remissions, but as the disorder
progresses, remissions become shorter and exacerbations more severe.
Carbamazepine is the most powerful drug for this condition, but side
effects may occur. Neurosurgical treatment may then be considered;
the different techniques and approaches are mentioned.
Other pain conditions in the face will be reviewed. If the trigeminal
neuralgia may be considered as a nerve irritation, like the
glossopharyngeal neuralgia and the nasoziliaris neuralgia, nerve
lesion may elicit neurogenic or neuropathic pain, characterized by
chronic burning pain; postzoster pain, iatrogenic and posttraumatic
pain illustrate this condition. Cluster headache (Horton neuralgia),
Sluder's neuralgia and auriculo-temporalis neuralgia may be related
to a dysfunction of the autonomous nervous system. Finally, lesion in
the mandibular joint may cause unilateral facial pain.
Therapeutische Umschau Band 54, 1997, Heft 02, © Verlag Hans Huber AG, Bern
Klinik für Kaufuntionsstörungen und Totalprothetik, Universität Zürich
Kopf-, Gesichts- und Zahnschmerzen sind schwer lokalisierbar und strahlen in weit entfernte Areale aus. Deshalb sind Zahnschmerzen nicht selten Ursache für Gesichts- und Kopfschmerzen und können umgekehrt durch diese vorgetäuscht werden, am häufigsten durch Myoarthropathien des Kausystems, Migräne, Spannungstyp-Kopfweh, neuropathische Schmerzen und Trigeminusneuralgie. Ein besonders schwierig zu diagnostizierender Zahnschmerz ist die atypische Odontalgie, die oft nur durch eine Lokalanästhesie festgestellt werden kann. Am häufigsten sind Kopfschmerzen aber mit den Myoarthropathien des Kausystems vergesellschaftet.
Therapeutische Umschau Band 54, 1997, Heft 02, © Verlag Hans Huber AG, Bern
Headache, facial pain and toothache are poorly localized and irradiate in distant areas. Thus, toothache often causes facial pain and headache, but, in turn, it can also be mimicked by several forms of these disorders, in particular by a myoarthropathy of the masticatory system, a migraine, a tension-type headache, a neurophatic pain and a trigeminal neuralgia. The atypical odontalgia is a nonodontogenic form of toothache that is difficult to diagnose; therefore, it leads to a number of invasive dental procedures which normally worsen the pain condition. The atypical odontalgia can often be solely diagnosed by means of a diagnostic block. Headache and facial pain can also be caused by a myoarthropathy of the masticatory system. This disorder is often misdiagnosed, because the signs and symptoms are not pathognomonic, and they are frequently present also in nondiseased individuals. The disorder has a good prognosis, the therapy is generally simple and follows the treatment principles for chronic musculoskeletal disorders. The burning-mouth syndrome is an other poorly understood form of intraoral pain that occurs primarily in postmenopausal females. Several etiologic factors have been described, but treatment based on one or more of these factors is often ineffective. Spontaneous remission occurs in about half of the patients after several years.
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1 Neurologische Abteilung,
Schulthess-Klinik, Zürich
2 Abteilung für orthopädische Chirurgie,
Limmattalspital, Schlieren
Kopfschmerzen werden in der Literatur als Begleitsymptom des Zervikalsyndroms degenerativer oder traumatischer Ätiologie beschrieben. Dabei wird die Inzidenz von Kopfschmerzen bei degenerativen Veränderungen der Halswirbelsäule mit 13 bis 79 % angegeben, diejenige nach indirekten Halswirbelsäulentraumata mit 48 bis 82 %. In einer 1995 erschienenen Publikation wird die Prävalenz von "cervicogenic headache" in etwa gleich der Prävalenz der klassischen Migräne gleichgesetzt. Die Schmerzen werden als dumpf, bewegungsabhängig uni- oder bilateral mit Lokalisation im Hinterhauptbereich und zum Teil nach vorne zur Stirne ausstrahlend beschrieben, wobei Begleitsymptome wie Schwindel, Sehstörungen, Parästhesien/Dysästhesien im Gesicht oder Schädel auftreten können. Neuroanatomische und neurophysiologische Verknüpfungen zwischen der oberen Halswirbelsäule und Kerngebieten des N. trigeminus wurden aufgezeigt und als Grundlage von Kopfschmerzen, die ihren Ursprung in der Halswirbelsäule haben, diskutiert. Einzelne Autoren haben sich aber auch grundsätzlich kritisch zu all diesen Konzepten geäußert und davor gewarnt, objektivierbare degenerative Veränderungen der Halswirbelsäule als Ursache von Kopfschmerzformen anzunehmen.
Therapeutische Umschau Band 54, 1997, Heft 02, © Verlag Hans Huber AG, Bern
Headache is a common symptom in patients suffering from cervical spine disorders. The percentage of headaches in association with degenerative changes of the cervical spine ranges from 13 to 79 % and that in association with indirect trauma of the cervical spine from 48 to 82 %. Based on neuroanatomical and neurophysiological studies, the relationship of the upper cervical spine and the trigeminal nuclei has been demonstrated and serves as an explanation for perceived head pain in cervical spine disorders. As a source of pain, tension in the suboccipital muscles, irritation of the third occipital nerve, and degenerative changes of the C2/C3 joints have been discussed. Bogduk, in his studies, asserts a direct causative role of mechanical derangement of the cervical spine in the pathogenesis of cervicogenic headaches. In 1983, Sjaastad et al. postulated the concept of 'cervicogenic headaches': a migraine-like headache due to certain disorders of the cervical spine, strictly located unilaterally, its manifestations being in the temporal, frontal, and ocular areas, with associated symptoms such as slight lacrimation, conjunctival injections, tinnitus, runny nose, and erythema in the forehead ipsilaterally. As arguments in favour of a cervical origin, Sjaastad mentioned the following features: precipitation of the headaches either by neck movements or by pressure against certain tender spots on the neck, the possibility of homolateral shoulder or arm pain, stiffness and pain of the neck, and reduced mobility of the cervical spine. In 1988, the Headache Classification Committee of the International Headache Society set strict criteria for 'headaches' to be classified as to be of cervical origin.
Therapeutische Umschau Band 54, 1997, Heft 02, © Verlag Hans Huber AG, Bern