Seminar für Gynäkologie der Universität Basel
(Summary)
Zusammenfassung
Die Entwicklung der gegenwärtigen Fortpflanzungsmedizin wird in kurzen Zügen skizziert. Diese ist nicht älter als etwa 80 Jahre. Sie begann mit der Erkenntnis über Zusammenhänge zwischen Menstruation und Ovulation, mit der Reindarstellung von Steroidhormonen und der Aufklärung über die Rolle der hypothalamisch-hypophysären Achse in der menschlichen Reproduktion. Aber erst die laparoskopischen Diagnosemöglichkeiten und endoskopischen Techniken führten, also von der chirurgischen Seite her, zur gelungenen extrakorporalen Befruchtung beim Menschen. Die Entfaltung der ärztlich-assistierten Fortpflanzung wäre aber unvorstellbar ohne die wissenschaftlichen Grundlagen, welche in der gynäkologischen Endokrinologie erarbeitet worden sind. Erst die Synthese beider Quellen in der Hand erfahrener Ärzte hat Methoden geschaffen, welche sowohl die gewollte Verhinderung der Empfängnis ermöglichen als auch seit bald 20 Jahren zwar eingreifendere, aber auch erfolgversprechende Hilfen bei der Verwirklichung eines auf natürliche Weise nicht erfüllbaren Kinderwunsches anbieten. Die ethische Diskussion, was einerseits machbar ist und wieweit andererseits geholfen werden dürfe, hat sich an diesem Gebiet der Medizin weltweit entfacht. Grundlage der Diskussion sollte ein breit gefaßter Begriff von Gesundheit bleiben, welcher die Fortpflanzung, ob gewollt oder eben nicht gewollt, einschließt.
Therapeutische Umschau, Band 56, 1999, Heft 5, © 1999 Verlag Hans Huber Bern
Abteilung für Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin, Universitäts-Frauenklinik, Basel
(Summary)
Zusammenfassung
Die bisherige Entwicklung der in-vitro Fertilisation (IVF) ist weltweit durch eine rasche Zunahme der Indikationenstellungen und der Anzahl durchgeführter Behandlungen gekennzeichnet. Die Effektivität dieser Therapieform wurde im Laufe der Zeit durch eine Vielzahl Modifikationen in den Behandlungsprotokollen ständig optimiert, so daß jetzt Schwangerschaftsraten über 30% pro Behandlungsversuch keine Seltenheit mehr sind. Eine weitere Steigerung der Schwangerschaftsrate wird möglicherweise in nächster Zukunft durch die assistierte Schlüpfung («assisted hatching») bewirkt. Dieses Verfahren wird zur Zeit im Rahmen einer großen multizentrischen Studie ausgehend von der Universität in Lausanne getestet. Neben Fortschritten in der Effektivität der Therapie besteht in vielen Behandlungszentren das Bestreben, durch die Übertragung weniger Embryonen die Mehrlingsschwangerschaftsrate bei ausgewählten Patientinnen zu senken. Auch das ovarielle Überstimulationssyndrom könnte durch die rezente Verfügbarkeit neuartiger Medikamente für die ovarielle Stimulationsbehandlung seltener werden, da diese den differenzierteren Umgang vorhandener Behandlungsprotokolle zum Vorteil einzelner Patientinnen ermöglichen. Leider verursachen diese neuen Medikamente auch eine weitere Steigerung der Behandlungskosten. Zur Zeit wird daher die in-vitro Reifung von Eizellen erprobt, nachdem diese zuvor aus kurz mit rekombinanten FSH anstimulierten Ovarialfollikel aspiriert wurden. Die Verkürzung der Stimulationsphase bei gleichzeitiger Verlängerung der Laborphase könnte zur Senkung der Behandlungskosten beitragen. Die in-vitro Reifung unter Mitverwendung der Kryopräservation von Oozyten oder Ovarialgewebe verfügt über ein großes Potential für Frauen mit einer zur Zeit noch schwer behandelbaren Ovarialinsuffizienz. Obwohl zur assistierten Reproduktionsmedizin in absehbarer Zeit kaum eine Alternative bei der Überwindung der Sterilität erwartet wird, steht die jetzige Dominanz dieser Technologie möglicherweise der Entwicklung neuer, mehr ursachenbezogener Therapieverfahren im Wege.
Therapeutische Umschau, Band 56, 1999, Heft 4, © 1999 Verlag Hans Huber Bern
During the last two decades in-vitro fertilization (IVF) developed on a worldwide scale by increasing numbers of treated couples and by extending the medical indications. Existing treatment protocols have been optimized to such an extent that pregnancy rates over 30% are reached in many treatment units. Further improvements of the pregnancy rate may be achieved with assisted hatching, which is now the subject of a large European multicentric prospective study based on the University of Lausanne. On the other hand, the occurrence of multiple pregnancies, which is the main complication of IVF, may be limited by reducing the number of embryos replaced. Further improvements of treatment efficacy may result from the introduction of new medications, such as recombinant FSH or GnRH-antagonists, allowing for the adaptation of the treatment protocol used to the individual needs of each patient. A treatment protocol combining a GnRH-antagonist and gonadotropins may be particularly valuable in young patients for the purpose of avoiding the ovarian hyperstimulation syndrome. The major disadvantage of these novel medications consists of their increased costs. Therefore, a new treatment strategy is currently developed aiming at shortening the ovarian stimulation in combination of a prolongation of the laboratory phase. The in-vitro maturation of immature oocytes aspirated from small follicles previously primed with recombinant FSH has been shown to be a feasible alternative to the present treatment modalities. Cryopreservation of unfertilized oocytes together with in-vitro maturation may prove to be helpful for women prior to chemotherapy or radiation because of malignant diseases or for patients suffering from incipient ovarian failure. At present, there seems to be no alternative to assisted reproduction although the dominance of this technique may impede the development of more cause-related treatment strategies in infertility.
Therapeutische Umschau, Band 56, 1999, Heft 5, © 1999 Verlag Hans Huber Bern
Universitäts-Frauenklinik, Kantonsspital Basel
(Summary)
Zusammenfassung
Die psychosomatische Beratung und Betreuung kinderloser Paare hat folgende
Ziele: Entwicklung und Gewährleistung einer patientenzentrierten Kommunikation
und Interaktion bei der Diagnostik und Therapie der Kinderlosigkeit; Erkennung
und Behandlung bestehender psychosozialer Probleme und Schwierigkeiten,
welche die Fertilität des Paares beeinträchtigen oder zu negativen
Konsequenzen der Behandlung führen können; Begleitung und Unterstützung
bei emotionalen Krisen während der Behandlung mit dem Ziel der Streßbewältigung
und Streßminderung; therapeutische Unterstützung bei der Bewältigung
der Ablösung vom Kinderwunsch.
Die Erfüllung dieser Aufgaben verlangt zum einen eine Integration psychosomatischer
Denk- und Handlungskonzepte in die Sprechstunde selbst im Sinne der patientenzentrierten
Kommunikation. Wir haben dazu Inhalte und kommunikative Fertigkeiten in
den verschiedenen Phasen des diagnostischen und therapeutischen Prozesses
dargestellt. Zum andern aber ist auch eine spezialisierte psychotherapeutische
Arbeit mit den Paaren und eine Hilfe und Supervision für das Behandlungsteam
erforderlich. Dieses «duale» Prinzip der psychosomatischen Arbeit
gewährleistet am besten eine hohe Qualität der persönlichen
Betreuung der Paare.
Therapeutische Umschau, Band 56, 1999, Heft 5, © 1999 Verlag Hans Huber Bern
Psychosomatic counselling and care of infertile couples has the following
objectives: Development and implementation of a patient centered communication
in the consultation itself during diagnostic workup and treatment; detection
and management of psychosocial problems and difficulties that present barriers
to the fertility of the couple and may lead to negative consequences of
treatment; support and help during emotional crisis occurring in the context
of the treatment and counselling with respect to stress management; therapeutic
interventions to help couples to cope with the unfilfilled wish for a child
and to terminate treatment.
To fulfill these tasks an integration of psychosomatic concepts of thinking
and acting in the everyday work in the consultation is needed. For this
purpose we have developped a model of patient centered communication. Furthermore
a specialized psychotherapeutic help for couples as well as a help and supervision
for the infertility team is needed. This 'dual' principle of psychosomatic
work is the best precondition to assure a high quality of personal care
for infertile couples.
Therapeutische Umschau, Band 56, 1999, Heft 5, © 1999 Verlag Hans Huber Bern
Kinder- und Jugendpsychiatrische Universitätsklinik und -poliklinik, Basel
(Summary)
Zusammenfassung
Adoption und Reproduktionsmedizin stehen heute Elternpaaren mit ungewollter
Kinderlosigkeit als Möglichkeit zur Verfügung, ihren Kinderwunsch
zu erfüllen. In beiden Situationen besteht die Notwendigkeit einer
Trauerarbeit der zukünftigen Eltern über ihr imaginäres Kind,
das ohne einen Dritten (Adoptionsvermittlung oder Reproduktionsmedizin)
hätte gezeugt werden können.
Die Adoption bedeutet für das Kind immer den Abbruch der Beziehung
zu den biologischen Eltern und den Aufbau einer Beziehung zu den Adoptiveltern.
Sie kann als lebenslänglicher Prozeß der an diesem Dreieck beteiligten
Personen, nämlich der biologischen Eltern, der Adoptiveltern und dem
Kind, betrachtet werden. Der Artikel diskutiert den Beziehungsabbruch aus
dem Gesichtspunkt des psychischen Traumas und der Probleme bei der Bearbeitung
des Verlustes der biologischen Eltern. Die mit dem Beziehungsaufbau verbundenen
Schwierigkeiten wie Loyalitätskonflikte und die Enthüllung des
Adoptionsstatuts werden aufgezeigt. Die spezifische Familienromanphantasie
in der Adoption und Aspekte der Familiendynamik sowie spezifische Schwierigkeiten,
denen Adoptiveltern begegnen, werden erörtert.
Therapeutische Umschau, Band 56, 1999, Heft 5, © 1999 Verlag Hans Huber Bern
Adoption and medically assisted reproduction are alternative options
for childless parents to fullfill their wish for having a child. In both
situations, there is a necessity for the future parents to mourn the loss
of their imagined child, which could have been conceived without a third
party (adoption agency or medically assisted reproduction).
Adoption always represents for the child a loss of emotional ties with birthparents
and the development of new attachments with adoptive parents. Adoption can
be considered as a lifetime process of the members involved in the adoption
triangle, that is birth parents, adoptive parents and the child. The article
discusses the loss of emotional bonds from primary caretakers as a psychological
trauma and addresses mourning difficulties in adoptees. Problems with the
development of new attachments with adoptive parents such as loyalty conflicts
and the revelation of the adoption are described. Family romance fantasy
in adoption and aspects of family dynamics as well as the specific difficulties
adoptive parents encounter are explored.
Therapeutische Umschau, Band 56, 1999, Heft 5, © 1999 Verlag Hans Huber Bern
Abteilung Psychotherapie und Psychohygiene, Psychiatrische Universitätsklinik, Basel
(Summary)
Zusammenfassung
Das subjektive Leiden der Männer am unerfüllten Kinderwunsch ist Gegenstand der vorliegenden Arbeit. Einleitend werden zwei unterschiedliche psychische Belastungen durch die Kinderlosigkeit herausgearbeitet, die Kränkung durch die Zeugungsunfähigkeit und die Enttäuschung der Sehnsucht nach einem Kind. In einer Literaturübersicht wird sodann ein Überblick über die Literatur zur Verarbeitung des unerfüllten männlichen Kinderwunsches gegeben. Sie zeigt, daß Männer persönlich betroffen sind; sie erlaubt allerdings nicht, die Art des Leidens genauer zu differenzieren. Zu diesem Zweck werden in einem dritten Teil Ergebnisse eines eigenen Forschungsprojektes zusammengefaßt. Nicht alle Wunschväter leiden; aber es gibt eine Untergruppe von Männern, die aus seelischen Motiven an die Erfüllung des Kinderwunsches fixiert bleiben. Die Hintergründe dieser Fixierung werden aufgrund der eigenen Untersuchungen weiter aufgeschlüsselt. Sie zeigen, daß heute die wichtigste psychologische Belastung die Enttäuschung der Sehnsucht nach einem Kind ist, auf das vielerlei Beziehungswünsche projiziert werden.
Therapeutische Umschau, Band 56, 1999, Heft 5, © 1999 Verlag Hans Huber Bern
The present paper addresses the topic of unvoluntary childlessness and its psychological sequelae for the fathers-to-be. There are at least two different psychological stresses men have to cope with: not being able to generate a child, and missing a child as one's life fulfilment. A short review of empirical research on male coping with infertility illustrates that men suffer from unvoluntary childlessness as do women. Nevertheless, the quality of the psychological burden remains open. Results from the Heidelberg Research Project on Male Infertility are summarized to assess this quality. Unvoluntary childlessness does not entail psychological sufferings for all patients; indeed, it is only a subgroup that remains fixated to the wish to have a child for psychological reasons. The project data elucidate the motives behind this fixation. They show that the most important psychological burden is not the narcissistic wound not to be able to generate a child, but the frustration of hope invested into the longed for child on whom many otherwise unfulfilled aspirations are projected.
Therapeutische Umschau, Band 56, 1999, Heft 5, © 1999 Verlag Hans Huber Bern
Abteilung Medizinische Genetik, Universitäts-Kinderspital beider Basel, Basel1 und Aristogen GmbH, Ingelheim2
(Summary)
Zusammenfassung
Genetische Ursachen von Infertilität sind offenbar keineswegs selten. Exakte Häufigkeitsdaten fehlen allerdings bislang. Neben den klassischen gonosomalen Aneuploidien (47,XXY, 45,X) sind in beiden Geschlechtern zahlreiche verschiedene gonosomale Strukturanomalien beobachtet worden, die zur Infertilität führen. Auch balancierte autosomale Chromosomenstrukturanomalien können die Fertilität beeinträchtigen, vermutlich im Zusammenhang mit einer gestörten Paarung der betroffenen Chromosomen in der Meiose. Störungen der Geschlechtsdeterminierung bzw. -differenzierung haben meist monogen erbliche Ursachen, die manchmal zu einer familiären Häufung von Infertilität führen. Von besonderem aktuellem Interesse sind genetische Defekte der Gametogenese, die z.T. an Mausmodellen studiert werden. Zu den häufigeren genetischen Ursachen von Infertilität speziell im männlichen Geschlecht zählen Mikrodeletionen im AZF-Lokus des euchromatischen Teils des langen Arms vom Y-Chromosom sowie eine congenitale Vas deferens Aplasie aufgrund von Mutationen im CFTR-Gen.
Therapeutische Umschau, Band 56, 1999, Heft 5 © 1999 Verlag Hans Huber Bern
Genetic causes of infertility are probably not rare. Today only a fraction of genes directly or indirectly involved in reproduction including sex determination and differentiation are known. Nevertheless, the list of well-defined genetic disorders impairing fertility is impressing already today and growing rapidly. Gonosomal aneuploidy and structural rearrangements represent a significant portion of the genetic causes of infertility in both sexes. Other chromosomal conditions include autosomal balanced structural changes (e.g. translocations), probably due to pairing disturbances of the affected chromosomes during meiosis. Some fundamental mechanisms in sex determination and differentiation have been characterized in recent years. Mutations in some of the genes involved in this process may lead to familial infertility. Genetic defects in gametogenesis of both sexes are currently being investigated using mouse models. Male specific causes of infertility include microdeletion within the AZF region of the euchromatic part of the long arm of the Y chromosome and obstructive azoospermia due congenital aplasia of the vas deferens in the presence of mutations in the CFTR gene.
Therapeutische Umschau, Band 56, 1999, Heft 5, © 1999 Verlag Hans Huber Bern
Abteilung für gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin, Universitäts-Frauenklinik, Basel
(Summary)
Zusammenfassung
Das Syndrom der Polycystischen Ovarien ist mit einer geschätzten
Prävalenz von 5% eine der häufigsten endokrinen Störungen
der Frau. Häufig wird die Diagnose in der gynäkologischen Praxis
gestellt, weil die betroffenen Frauen vor allem durch die Blutungsunregelmäßigkeiten,
Sterilität und Hirsutismus gestört sind.
In diesem Artikel wird die Wichtigkeit der mit PCOS assoziierten Faktoren
wie Hyperinsulinämie, Adipositas, Dyslipidämien und andere hingewiesen.
In diesem Zusammenhang wird ein interdisziplinärer Ansatz gemeinsam
mit gynäkologischen und internistischen Endokrinologen an der Universitäts-Frauenklinik
Basel vorgestellt. Ziel dieser gemeinsam geführten Sprechstunde ist
die Prävention späterer Morbidität, z.B. durch koronare Herzkrankheit,
Diabetes melllitus oder des Endometriumkarzinoms und die Erprobung neuer
therapeutischer Ansätze.
Therapeutische Umschau, Band 56, 1999, Heft 5, © 1999 Verlag Hans Huber Bern
The Polycystic Ovary Disease (PCOD) is one of the most common endocrine
disorders in women with a prevalence of 5%. Affected women often consult
a gynecologist because of menstrual irregularities, fertility problems or
problems of androgen excess. However, PCOD is a metabolic disorder affecting
multiple organs. Studies suggest that those women are at risk for developing
several complications such as type II diabetes mellitus, hypertension, dyslipedemia
and myocardial infarction. The risk to develop endometrial carcinoma is
also elevated.
To give adequate treatment to women with PCOD, an interdisciplinary approach
of gynecologists together with endocrinologists specialized in metabolic
and nutritional disorders at the University of Basel is presented. The work-up
for diagnosis and assessment of risk factors is outlined. Goal of this interdisciplinary
approach is an adequate evaluation of affected patients and their long-term
follow-up to test if proposed interventions as weight loss, treatment of
hyperinsulinemia, regulation of menstrual cycle and others can avoid long-term sequelae.
Therapeutische Umschau, Band 56, 1999, Heft 5, © 1999 Verlag Hans Huber Bern
Universitäts-Frauenklinik Basel
(Summary)
Zusammenfassung
Als Folge einer Chemo- und/oder Strahlentherapie kann man bei weiblichen
und männlichen Patienten eine Schädigung der Gonadenfunktion beobachten.
Langzeitnebenwirkungen wie Zyklusstörungen, vorzeitige Menopause und
Infertilität betreffen hauptsächlich Kinder, Jugendliche und junge
Erwachsene, welche an Tumoren mit einer heute hohen Überlebensrate
erkrankt sind.
Junge Frauen, welche aufgrund einer Tumortherapie eine frühzeitige
Ovarialinsuffizienz erleben, brauchen, um möglichen Spätfolgen
entgegen zu wirken, eine fachärztlich überwachte Hormon-Substitutionstherapie.
Das Ausmaß der Gonadenschädigung ist abhängig von der applizierten
kumulativen Dosis der Chemo-, Strahlen- oder Kombinationstherapie. Bei weiblichen
Tumorpatienten spielt zudem das Alter bei Therapiebeginn eine Rolle. Im
Falle einer Chemotherapie erweisen sich die alkylierenden Substanzen als
besonders toxisch für die Gonaden, während die übrigen Chemotherapeutika
lediglich passagere Störungen verursachen.
Diagnostiziert man bei einer ehemaligen Tumorpatientin eine Schwangerschaft,
handelt es sich immer um eine Risikoschwangerschaft, welche engmaschig überwacht
werden muß. Die Nachkommen von Tumorpatienten zeigen jedoch keine
erhöhte Inzidenz an chromosomalen Aberrationen, kongenitalen Anomalien
oder Neoplasien.
Vor jeder Tumortherapie sollten die Patienten über Langzeitnebenwirkungen
aufgeklärt werden. Das Anlegen einer Fertilitätsreserve durch
Kryokonservierung von Samenproben wird, bei jungen Männern und Adoleszenten,
vor einer Tumortherapie schon seit Jahren routinemäßig durchgeführt.
Ob und inwieweit auch bei Frauen durch Kryokonservierung eine Fertilitätsreserve
angelegt werden kann, ist Gegenstand der Forschung.
Therapeutische Umschau, Band 56, 1999, Heft 5, © 1999 Verlag Hans Huber Bern
After a chemo- and/or radiotherapy not only acute side effects but also
longterm side effects do occur. The following longterm side effects are
observed: irregularities in the menstrual cycle, early onset of menopause
and infertility. They are of special importance to children, teenagers and
young adults having survived a malignancy.
For young women experiencing a premature menopause a hormon replacement
therapy is indicated.
The degree of gonadal failure depends on the total dose of cytotoxics, radiation
or the combination of both. Alkylating substances are responsible for gonadal
failure whereas other cytotoxic agents lead to reversible gonadal dysfunction.
An important risk factor for the development of ovarian failure is the woman's
age at the time of treatment.
A pregnancy in patients with a history of malignancy always is a high risk
pregnancy and needs a close follow up. The offspring of cancer survivors
do not show a higher rate of chromosomal abnormalities or neoplasms.
Before starting a chemo- and/or radiotherapy the patient should be informed
about acute and late effects. Men and adolescent boys should be given the
opportunity for sperm cryopreservation. It is unclear whether a fertility
reserve can be achieved by cryopreservation also in women.
Therapeutische Umschau, Band 56, 1999, Heft 5, © 1999 Verlag Hans Huber Bern