../Verlag%20Hans%20Huber

Zeitschrift für Gefässkrankheiten / Journal of Vascular Diseases 1996, Heft 1


Oral anticoagulation alone or in combination with aspirin: risks and benefits

J. Hafner, P. de Moerloose and H. Bounameaux

Division of Angiology and Hemostasis, Department of Internal Medicine,
University Hospital of Geneva

(Zusammenfassung, Summary)

Summary

The combination of oral anticoagulants with antiplatelet agents has been advocated as particularly efficient in prophylaxis of arterial thromboembolism. The indications at issue are nonrheumatic chronic atrial fibrillation, mechanical and biological heart valve prostheses, coronary artery disease, coronary stents and peripheral arterial occlusive disease. However, such a combined prophylaxis might also be associated with a higher bleeding risk. Clinical trials addressing administration of coumarines with antiaggregants are rare and inhomogeneous. The present article reviews the literature on oral anticoagulants combined with aspirin in the prevention and treatment of arterial thromboembolism and draws a comparison to oral anticoagulation alone and aspirin alone, respectively. It clearly shows that this potentially dangerous combination should not be recommended in most indications until specifically designed trials have addressed its benefit-to-risk ratio.

Zeitschrift für Gefässkrankheiten / Journal of Vascular Diseases Heft 1, 1996; © Hans Huber AG, Bern

Zusammenfassung

Die Kombination von oraler Antikoagulation mit Plättchen-Aggregationshemmern wird immer wieder als speziell wirksame Prophylaxe gegen arterielle Thromboembolien erachtet. Die folgenden Indikationen kommen in erster Linie dafür in Betracht: Nicht-rheumatisches Vorhofflimmern, mechanische und biologische Herzklappenprothesen, koronare Herzkrankheit, koronare Stents und die periphere arterielle Verschlußkrankheit. Eine kombinierte Prophylaxe dürfte jedoch mit einem erhöhten Blutungsrisiko assoziiert sein. Es gibt nur sehr wenige und inhomogene Studien über die Kombinationsprophylaxe bzw. Kombinationstherapie mit Kumarinen und Aggregationshemmern. Der folgende Artikel gibt eine Literatur-Übersicht über die Kombination oraler Antikoagulantien mit Aspirin in der arteriellen Thromboembolie-Prophylaxe und zieht den Vergleich zur Monoprophylaxe (und Monotherapie) mit oraler Antikoagulation bzw. mit Aspirin. Es zeigt sich klar, daß diese potentiell gefährliche Kombination für die meisten Indikationen nicht empfohlen werden kann, solange das Nutzen-Risiko-Verhältnis nicht durch spezifisch geplante Studien geklärt ist.

Zeitschrift für Gefässkrankheiten / Journal of Vascular Diseases Heft 1, 1996; © Hans Huber AG, Bern


Restenose nach perkutaner transluminaler Angioplastie: I. Ätiologie und klinische Bedeutung

H. Alfke 1), R. H. Böger 2) und S. M. Bode-Böger 2)

1 Abteilung Strahlendiagnostik (Leiter: Prof. Dr. K. J. Klose), Philipps-Universität Marburg
2 Institut für Klinische Pharmakologie (Leiter: Prof. Dr. J. C. Frölich), Medizinische Hochschule Hannover

(Zusammenfassung, Summary)

Zusammenfassung

Die Restenose nach PTA ist ein häufiger und klinisch wichtiger pathologischer Prozeß. In dieser Übersicht werden die derzeitigen Kenntnisse über Ätiologie und Pathomorphologie der Restenoseentstehung referiert und neue Forschungsansätze aufgezeigt. In einem zweiten Teil werden auf dieser Grundlage derzeit praktizierte und neue Therapieansätze besprochen.

Zeitschrift für Gefässkrankheiten / Journal of Vascular Diseases Heft 1, 1996; © Hans Huber AG, Bern

Summary

Post-angioplasty restenosis is a common and clinically important pathological process. In this review information about etiology and pathomorphology of restenosis is given and new developments in research are discussed. A second part of this review will deal with the preventive and therapeutic aspects of restenosis.

Zeitschrift für Gefässkrankheiten / Journal of Vascular Diseases Heft 1, 1996; © Hans Huber AG, Bern


Restenose nach perkutaner transluminaler Angioplastie: II. Möglichkeiten der pharmakologischen Intervention

R. H. Böger 1), S. M. Bode-Böger 1) und H. Alfke 2)

1 Institut für Klinische Pharmakologie (Leiter: Prof. Dr. J. C. Frölich), Medizinische Hochschule Hannover
2 Abteilung Strahlendiagnostik (Leiter: Prof. Dr. K. J. Klose), Philipps-Universität Marburg

(Zusammenfassung, Summary)

Zusammenfassung

Reverschlüsse nach perkutaner transluminaler Angioplastie tragen maßgeblich zur Morbidität der Patienten nach interventionellen Katheterverfahren bei. Die bisherigen Möglichkeiten einer pharmakologischen Intervention waren allerdings eher enttäuschend, da nur die frühe Phase der thrombotischen Reverschlüsse, in der Thrombozytenaktivierung eine wesentliche pathophysiologische Rolle spielt, mit aggregations- und gerinnungshemmenden Substanzen therapeutisch zugänglich war. In jüngster Zeit gibt es eine Vielzahl von neuen pharmakotherapeutischen Ansätzen, wie die Entwicklung von Thromboxan-Rezeptorantagonisten, GPIIb/IIIaAntagonisten und Hirudin als neue aggregations- bzw. gerinnungshemmende Substanzklassen, PDGF-Antagonisten als Inhibitoren der Intimaproliferation, und Modulatoren der Funktion des Gefäßendothels, von denen z. T. auch eine Wirkung auf die späte, myointimale Proliferationsphase der Restenosen zu erwarten ist. Allerdings haben viele Substanzen und Wirkprinzipien, die zunächst im Tierexperiment vielversprechende Resultate zeigten, in ersten klinischen Studien negative Ergebnisse erbracht. In neuester Zeit werden zunehmend auch molekular-biologische Verfahren experimentell eingesetzt. Die Bedeutung all dieser neuen Therapieansätze in der Klinik bleibt noch zu erforschen.

Zeitschrift für Gefässkrankheiten / Journal of Vascular Diseases Heft 1, 1996; © Hans Huber AG, Bern

Summary

Reocclusion after percutaneous transluminal angioplasty is a major mechanism contributing to morbidity of patients after catheterization. Until now, pharmacological approaches to the prevention of restenosis were mostly disappointing, as only the early phase of thrombotic reocclusion, in which platelet activation is a major patho-physiological mechanism, could be treated with inhibitors of platelet aggregation and coagulation. Recently, several new approaches to the pharmacotherapy of restenosis have been introduced, for example thromboxane receptor antagonists or synthase inhibitors, GPIIb/IIa antagonists and hirudin as new inhibitors of platelet aggregation and coagulation, PDGF antagonists as inhibitors of intimal proliferation, and modulators of endothelial cell function, some of which may be effective in the late phase of myointimal proliferation. However, many substances that had been promising in experimental restenosis have proven ineffective in the first clinical trials. More recently, molecular biological techniques are increasingly used in experimental angioplasty. The role of these different approaches for the prevention of restenosis still has to be proven in clinical trials.

Zeitschrift für Gefässkrankheiten / Journal of Vascular Diseases Heft 1, 1996; © Hans Huber AG, Bern


Institut für Medizinische Psychologie der Ludwig Maximilians-Universität München

(Stellvertretender Vorstand: Prof. Dr. I. Rentschler)

Entwicklung eines krankheitsspezifischen Instruments zur Erfassung der Lebensqualität von Patienten mit arterieller Verschlußkrankheit (PAVK-86 Fragebogen)

M. Bullinger 1), M. Cachovan 2), A. Creutzig 3), C. Diehm 4), J. Gruss 5), H. Heidrich 6),
I. Kirchberger 1), H. Loeprecht 7) und W. Rogatti 8)

1) Institut für Medizinische Psychologie, Universität München
2) Abt. Angiologie, Herz-Kreislaufklinik Bad Bevensen
3) Abt. Angiologie, Med. Hochschule Hannover
4) Med. Klinik Rehabilitationskrankenhaus Karlsbad
5) Abt. Gefäßchirurgie, Kurhessisches Diakonissenkrankenhaus Kassel
6) Abt. Innere Medizin, Franziskuskrankenhaus Berlin
7) Gefäß- und Thoraxchirurgie, Zentralklinikum Augsburg
8) Köln, Nerthusstr.

(Zusammenfassung, Summary)

Zusammenfassung

Beeinträchtigungen der Lebensqualität von Patienten mit peripherer arterieller Verschlußkrankheit (AVK) sind aus der klinischen Erfahrung zwar bekannt, wurden bisher aber wegen fehlender krankheitsspezifischer Meßinstrumente noch nicht systematisch untersucht. Wir stellen die Entwicklung und psychometrische Prüfung eines 86 Fragen umfassenden Fragebogens zur Lebensqualität von AVK-Patienten vor, der sieben Lebensqualitätsdimensionen aus Sicht der Patienten berücksichtigt: Funktioneller Status, Schmerz, Beschwerden, Stimmung, krankheitsspezifische Ängste, Sozialleben und Behandlungserwartung. Der Fragebogen wurde in einer Längsschnittstudie 308 Patienten mit gesicherter AVK der Fontainestadien I bis IV zusammen mit bereits validierten Lebensqualitätstestverfahren erstmals zu Behandlungsbeginn und in einwöchigem Abstand wiederholt vorgegeben. Die psychometrische Prüfung bezog sich auf die Reliabilität (interne Konsistenz, Testwiederholung), die Validität (konvergent, diskriminant) und die Sensitivität (Veränderung bei klinisch verbesserten Patienten); zusätzlich wurde die Akzeptanz des Fragebogens durch die Patienten erfaßt.

Die psychometrische Auswertung erbrachte sehr gute Ergebnisse zur Skalenstruktur und Reliabilität des neu entwickelten Fragebogens. Die Validität des Verfahrens zeigte sich in der hohen Korrelation mit bereits validierten, krankheitsübergreifenden Fragebogen und in der Differenzierung klinisch unterschiedlicher Gruppen nach ihrer Lebensqualität. Die Sensitivität zeigte sich bei Patienten des Stadiums II, bei denen die laufbandergometrisch gemessene Gehstreckenverbesserung mit erhöhten Lebensqualitätswerten einherging. Die Patienten benötigten im Durchschnitt 20 Minuten zum Ausfüllen und beurteilten den Fragebogen als leicht verständlich und wenig anstrengend. Diese Ergebnisse belegen, daß der neuentwickelte Fragebogen PAVK-86 ein reliables, valides und sensitives Verfahren zur Erfassung der Lebensqualität von Patienten mit AVK ist, der in klinischen Studien, aber auch in der epidemiologischen Forschung und der Qualitätssicherung der Versorgung bei der AVK eingesetzt werden kann.

Zeitschrift für Gefässkrankheiten / Journal of Vascular Diseases Heft 1, 1996; © Hans Huber AG, Bern

Summary

Impairment in health-related quality of life in patients with peripheral arterial occlusive disease (PAOD) are well-known to clinicians, but due to the lack of disease specific assessment instruments, have not been systematically investigated.

We describe the development and psychometric testing of a 86-items patient-based questionnaire for the assessment of the quality of life in PAOD containing 7 dimensions: functional status, pain, symptoms, mood, disease related anxiety, social life and treatment evaluation. The questionnaire was included along with standard questionnaires in a prospective study with 308 patients suffering from PAOD in Fontaine stages I to IV before and one week into treatment. Psychometric testing pertained to reliability (internal consistency, retest), validity (convergent, discriminant) and sensitivity (treatment-related change over time). In addition patient acceptance of the questionnaire was assessed.

Psychometric testing yield exellent results regarding scale structure and reliability of the newly developed questionnaire. Validity was reflected in high correlations with standard generic questionnaires and in discriminating in quality of life between patients according to disease severity. The sensitivity was reflected in improved quality of life ratings in patients with improved treadmill performance. Patients needed 20 minutes for responding and rated the questionnaire to be easily understandable and not exhausting.

These results show that the newly developed PAVK-86 questionnaire is a reliable, valid and sensitive instrument for the assessment of quality of life in patients with arterial occlusive disease which can be used in clinical studies, epidemiological research and quality assurance programs.

Zeitschrift für Gefässkrankheiten / Journal of Vascular Diseases Heft 1, 1996; © Hans Huber AG, Bern


Plasma human atrial natriuretic peptide under compression therapy in patients with chronic venous insufficiency with or without cardiac insufficiency

O. Galm, W. Jansen-Genzel, J. v. Helden and V. Wienert

Department of Dermatology, Phlebology Division, University Hospital RWTH Aachen (Professor Dr. med. V. Wienert)

(Zusammenfassung, Summary)

Summary

The influence of a therapy with compression knee stockings on hemodynamics was investigated; we measured the mean blood pressure (MBP), the heart rate (HR) and the plasma level of the human atrial natriuretic peptide (hANP) was measured under standardized conditions for a period of three hours. This study comprised three groups of patients; group 1: five volunteers with a sound heart and healthy venous function (age 72 ± 9 years); group 2: five patients suffering from II to III stage chronic venous insufficiency (CVI) (age 72 ± 10 years); Group 3: 5 patients with CVI II-III as well as existing heart insufficiency NYHA II (age 77 ± 10 years). Whereas the hANP basal values of group 1 and 2 showed no marked differences when compared to each other (58.1 ± 5.7 pg/ml and 64.8 ± 22.8 pg/ml), the values of group 3 were almost twice as high (108 ± 24.2 pg/ml, p < 0.05-0.01). During the course of the compression therapy, no significant plasma hANP changes were observed in groups 1 and 2 but there was a significant increase in group 3 after 10 minutes (+ 17.2 ±

7.2%, p < 0.06) which, however, normalized again. No significant changes of the MBP could be detected in group 1, whereas a significant increase of the MBP values was measured in group 2 patients after 10 (+ 4.1 ± 0.9%, p < 0.001) and 20 minutes (+ 3.1 ± 2.2%, p < 0.05).
In the further course of the examination, the MBP values of group 2 and 3 were not significantly different from the initial values. There were no marked changes of the HR in all three groups. We can conclude from our study that cardiac stress from a compression therapy in patients with CVI and cardiac insufficiency is only a short-term stress and therefore does not represent any risk.

Zeitschrift für Gefässkrankheiten / Journal of Vascular Diseases Heft 1, 1996; © Hans Huber AG, Bern

Zusammenfassung

Hämodynamische Einflüsse einer Kompressionstherapie mit Kompressionskniestrümpfen wurden mittels Bestimmung des arteriellen Mitteldrucks (MBP), der Herzfrequenz (HR) und der Plasmaspiegel des humanen atrialen natriuretischen Peptids (hANP) unter standardisierten Bedingungen über einen Zeitraum von drei Stunden untersucht. An der Studie nahmen fünf herz- und venengesunde Probanden (Gruppe 1, Alter 72 ± 9 Jahre), fünf Patienten, die an einer chronisch venösen Insuffizienz (CVI) Grad II-III (Gruppe 2, Alter 72 ± 10 Jahre) litten, sowie fünf Patienten mit CVI II-III und zusätzlich bestehender Herzinsuffizienz NYHA II (Gruppe 3, Alter 77 ± 10 Jahre) teil. Die Gruppen 1 und 2 zeigten keine signifikanten Unterschiede der Basalwerte des hANP (58.1 ± 5.7 pg/ml bzw. 64.8 ± 22.8 pg/ml), während Gruppe 3 nahezu doppelt so hohe Werte aufwies (108 ± 24.2 pg/ml, p < 0.05-0.01). Im Verlauf der Kompressionstherapie konnten bei den Gruppen 1 und 2 keine signifikanten Plasma-hANP-Veränderungen beobachtet werden. Gruppe 3 reagierte nach 10 min. mit einem signifikanten Anstieg der hANP-Spiegel (+ 17.2 ± 7.2%, p < 0.05), die sich jedoch im weiteren Verlauf normalisierten. Gruppe 1 wies keine wesentlichen Änderungen des MBP auf, während bei allen Patienten der Gruppe 2 nach 10 (+ 4.1 ± 0.9%, p < 0.001) und 20 Minuten (+ 3.1 ± 2.2%, p < 0.05) signifikant erhöhte MBP-Werte gemessen werden konnten. Ein einheitlicher Anstieg des MBP konnte bei den Patienten der Gruppe 3 erst nach 20 Minuten (+ 5.8 ± 4.2%, p < 0.05) nachgewiesen werden. Im weiteren Verlauf der Untersuchung unterschieden sich die MBP-Werte der Gruppen 2 und 3 nicht mehr signifikant von den Ausgangswerten. Die HF zeigte bei allen drei Gruppen keine signifikanten Veränderungen. Aus unseren Ergebnissen schließen wir, daß die Herzbelastung durch eine Kompressionstherapie bei Patienten mit CVI und Herzinsuffizienz NYHA II nur kurzfristig ist und daher keine Gefährdung darstellt.

Zeitschrift für Gefässkrankheiten / Journal of Vascular Diseases Heft 1, 1996; © Hans Huber AG, Bern


Pulmonary arteriovenous malformations: aspects of surgical therapy

M. Storck, V. Mickley, D. Abendroth and L. Sunder-Plassmann

Department of Thoracic and Vascular Surgery, University of Ulm (Chairman: Prof. Dr. L. Sunder-Plassmann)

(Zusammenfassung, Summary)

Summary

Pulmonary arteriovenous malformations (PAVM) may occur primarily or in association with hereditary hemorrhagic telangiectasia (HHT, Rendu-Osler-Weber syndrome). Solitary or multiple fistulas may lead to clinical symptoms such as dyspnoe on exertion, central cyanosis, polycythemia, cerebral embolism, or brain abscess formation. Major neurological events may be first symptoms of PAVM.

Between 1991 and 1995, 6 patients (age 25-69 years) underwent surgical treatment (2 segmental, 1 atypical, 3 anatomical resections) due to PAVM. The highest right-to left shunt fraction was 60% in a patient with a large posttraumatic fistula following war injury 50 years ago. Average shunt fraction was significantly reduced from 24 to 3% (p < 0.01), with no recurrance during follow-up.

Aims of surgical resection in patients with PAVM are to reduce shunt fraction and to prevent neurological events following repeated cerebral embolism. Atypical or segmental resection is the operative method of choice; however, this is only recommended, if all contributing arteries are identified and selectively ligated. In case of central location of large fistulas, lobectomy may be necessary. Percutaneous selective embolization is an alternative treatment for patients with high operative risk or multiple fistulas. Its role for routine therapy remains to be determined by clinical studies.

Zeitschrift für Gefässkrankheiten / Journal of Vascular Diseases Heft 1, 1996; © Hans Huber AG, Bern

Zusammenfassung

Pulmonale AV-Fisteln (PAVM) können primär auftreten oder in Verbindung mit einer hereditären hämorrhagischen Telangiektasie (HHT, Rendu-Osler-Weber-Syndrom). Die solitär oder multipel auftretenden Fisteln können zu Symptomen wie Belastungsdyspnoe, zentraler Zyanose, Polyzythämie, oder auch zu Komplikationen wie cerebraler Embolie oder Hirnabszeß führen. Neurologische Ereignisse sind unter Umständen sogar klinisches Primärsymptom dieser Erkrankung.

Zwischen 1991 und 1995 wurden 6 Patienten im Alter von 24-69 Jahren wegen pulmonaler AV-Fisteln operiert, darunter 2 Segmentresektionen, 1 tangentiale Keilexzision sowie 3 anatomische Lungenresektionen. Die höchste Ausprägung eines Rechts-Links-Shunts betrug 60% bei einem Patient mit einer großen posttraumatischen AV-Fistel nach einer alten Kriegsverletzung vor 50 Jahren. Die durchschnittliche Shuntfraktion konnte von 24% auf 3% effektiv reduziert werden (p < 0.05). Rezidive traten im Nachbeobachtungszeitraum bisher nicht auf.

Das Ziel der chirurgischen Therapie von Patienten mit pulmonalen AV-Fisteln ist die Reduktion des unphysiologischen Rechts-Links-Shunts sowie die Prophylaxe zerebraler Embolien. Methode der Wahl des operativen Vorgehens ist die Mini- oder Segmentresektion; dies ist jedoch nur dann möglich, wenn alle zuführenden Gefäße eindeutig identifiziert und ligiert werden. Bei zentralem Sitz kann eine Lobektomie erforderlich werden. Die perkutane selektive Embolisation ist eine alternative Behandlungsform für Patienten mit hohem Operationsrisiko oder bei multiplem Auftreten. Ihre Bedeutung für die klinische Routine muß im Rahmen von klinischen Studien noch belegt werden.

Zeitschrift für Gefässkrankheiten / Journal of Vascular Diseases Heft 1, 1996; © Hans Huber AG, Bern


Beeinflussung der Beweglichkeit im oberen und unteren Sprunggelenk durch medizinische Kompressionsstrümpfe

A. Lentner, F. Späth und V. Wienert

Hautklinik der Medizinischen Fakultät der RWTH Aachen, Dermatologische Phlebologie (Leiter: Univ. Prof. Dr. med. V. Wienert)

(Zusammenfassung, Summary)

Zusammenfassung

An 10 gesunden Probanden führten wir mittels eines speziellen, gradgenauen Meßgerätes vergleichende Untersuchungen der Beweglichkeit im oberen und unteren Sprunggelenk mit und ohne Kompressionskniestrumpf durch. Dabei wurden Produkte von 4 verschiedenen Herstellern in allen 4 Kompressionsklassen geprüft. In den Kompressionsklassen 1 und 2 fand sich mit Kompressionsstrumpf keine Einschränkung der Sprunggelenksbeweglichkeit. In den Klassen 3 und 4 wurde die Sprunggelenksbeweglichkeit durch alle geprüften Produkte eingeschränkt, wobei diese Verringerung der Beweglichkeit im oberen Sprunggelenk bei je einem Fabrikat in beiden Kompressionsklassen das Signifikanzniveau überschritt.

Zeitschrift für Gefässkrankheiten / Journal of Vascular Diseases Heft 1, 1996; © Hans Huber AG, Bern

Summary

Using a special measurement equipment the motility range of the ankle joint and the talo-calcaneo-navicular joint in healthy young volunteers was compared with and without compression hosiery. There was no limitation in joint motility using the stockings of moderate compression (german compression class 1 and 2) but a reduced motility using strong compression hosiery (german compression class 3 and 4) was found especially in the ankle joint. This difference was significant in the products of two manufacturers.

Zeitschrift für Gefässkrankheiten / Journal of Vascular Diseases Heft 1, 1996; © Hans Huber AG, Bern


Der Einfluß von Taprosten auf Thrombozytenaktivierung und klinischen Verlauf nach perkutaner transluminaler Angioplastie

M. Heinz, W. Theiss, E. van de Flierdt 1) und M. Söhngen 2)

I. Medizinische Klinik und Poliklinik (Direktor: Univ. Prof. Dr. med. A. Schömig) und
1) Nuklearmedizinische Klinik und Poliklinik (Direktor: Univ. Prof. Dr. med. M. Schwaiger) der Technischen Universität München
2) Fa. Grünenthal GmbH, Aachen

(Zusammenfassung, Summary)

Zusammenfassung

In einer doppelblind angelegten Pilotstudie wurde der Effekt von Taprosten, einem Prostazyklinanalogon, im Vergleich zu einer Kombination von Azetylsalizylsäure und Dipyridamol auf Thrombozytenablagerung und klinischen Verlauf nach peripherer perkutaner Angioplastie geprüft. Dazu erhielten 19 Patienten beginnend 2 Stunden vor bis 8 Stunden (n = 6) bzw. 24 Stunden (n = 6) nach PTA Taprosten infundiert, 7 Kontrollpatienten erhielten eine Kombination von 330 mg Azetylsalizylsäure und 75 mg Dipyridamol. Die Thrombozytenablagerungsintensität (Markierung mit Indium-111) wurde 3 Stunden vor sowie 4 und 24 Stunden nach PTA gemessen, die klinischen Befunde wurden vor und am Tag nach der Prozedur sowie 3 Monate später erfaßt.

Die Thrombozytenablagerung nach PTA lag in den Taprostengruppen tendenziell etwas höher als in der Kontrollgruppe, wobei diese Unterschiede vornehmlich bei Patienten mit komplizierten Eingriffen nachweisbar waren. Hinsichtlich Primärerfolg und periinterventioneller Komplikationsrate fanden sich keine Unterschiede zwischen den einzelnen Gruppen. 3 der mit Taprosten behandelten Patienten erlitten einen Frühverschluß innerhalb der ersten 72 Stunden nach PTA, ein weiterer Patient einen Spätverschluß innerhalb der ersten 3 Monate. In der Kontrollgruppe fand sich innerhalb des Beobachtungszeitraumes kein Rezidivverschluß.

Es konnte also kein Vorteil einer Gabe von Taprosten während PTA im Vergleich zu einer konventionellen Behandlung mit Azetylsalizylsäure und Dipyridamol festgestellt werden.

Zeitschrift für Gefässkrankheiten / Journal of Vascular Diseases Heft 1, 1996; © Hans Huber AG, Bern

Summary

In a double blind pilot study, we examined the effects of the stable prostacyclin derivate taprostene compared to a combination of aspirin and dipyridamole on platelet uptake and clinical outcome after peripheral percutaneous angioplasty. Taprostene was administered to 19 patients as a continuous intravenous infusion from 2 hours before until 8 (n = 6) or 24

(n = 6) hours after angioplasty; 7 control patients were given a combination of 330 mg aspirin and 75 mg dipyridamole. Uptake of 111-indium labelled platelets at the site of the PTA was measured 3 hours before and 4 and 24 hours after angioplasty. Clinical parameters were obtained one day before PTA, on the following day and 3 months after the procedure.

There was a tendency for slightly higher platelet uptake ratios in the taprostene groups as compared to the control group especially in patients requiring technically difficult procedures. There were no differences between the 3 groups with regard to primary success or periinterventional complications. In the taprostene patients, 3 early reocclusions were found up to 72 hours after the procedure and 1 late reocclusion within 3 months. In the control group, no reocclusion was apparent in the observation time.

No advantages were found when taprostene was administered during angioplasty as compared to conventional treatment with aspirine and dipyridamole.

Zeitschrift für Gefässkrankheiten / Journal of Vascular Diseases Heft 1, 1996; © Hans Huber AG, Bern


Varicose veins combined with mucoid degeneration of the venous wall Case report

R. Fischer, H. J. Leu*, J. Schneider and P. M. Liechti

Private Practice of Dr. Fischer (St. Gallen), of Dr. Liechti (Sargans) and Department of Pathology, University of Zürich (Prof. Dr. Ph. U. Heitz)

(Zusammenfassung, Summary)

Summary

We report on a 56-year-old woman with bilateral chronic venous insufficiency, a cavernous hemangioma at the right thigh and an aneurysm of the left femoral vein, without bone or soft tissue hypertrophy. Histopathology revealed a mucoid degeneration of the media musculature of the venous wall. Such a finding has not yet been described in the world literature.

The differential diagnosis must consider a secondary hitherto unknown alteration of varicose veins, a variety of a vascular malformation not yet described, and a primary degeneration of the smooth muscles of the vascular wall followed by the development of varicose veins.

Zeitschrift für Gefässkrankheiten / Journal of Vascular Diseases Heft 1, 1996; © Hans Huber AG, Bern

Zusammenfassung

Es wird über eine 56jährige Frau mit bilateraler chronisch-venöser Insuffizienz, kavernösem Hämangiom am rechten Oberschenkel und einem Aneurysma der linken V. femoralis bei fehlender Knochen- und/oder Weichteil-Hypertrophie berichtet. Die Histopathologie ergab einen bisher nicht beschriebenen Befund einer schweren mukoiden Degeneration der glatten Media-Muskulatur der Venenwand. Differentialdiagnostisch müssen 1) eine sekundäre, bisher unbekannte Veränderung als Folge der Varikosis, 2) eine bisher nicht beschriebene Variante einer vaskulären Malformation und 3) eine primäre, möglicherweise hereditäre Degeneration der Venenwandmuskulatur mit konsekutiver Varizenbildung in Betracht gezogen werden.

Zeitschrift für Gefässkrankheiten / Journal of Vascular Diseases Heft 1, 1996; © Hans Huber AG, Bern


Simultaneous manifestation of an aortocaval and aortoduodenal fistula A case report

U. Bengisun, I. Alaçayir, K. Karayalçin, C. Köksoy and A. Tüzüner

Department of General Surgery, Ankara University Medical School, Ankara (Director: Prof. Dr. I. Ceylan)

(Zusammenfassung, Summary)

Summary

An unusual case of traumatic aortocaval and aortoduodenal fistula is presented in which the two conditions occurred simultaneously. A 19-year-old man was admitted with acute upper gastrointestinal bleeding and a pulsatile abdominal mass. An aortography revelead an aortocaval fistula and at the operation an aortocaval and aortoduodenal fistula was found. An aortocaval fistula can be discovered when a patient presents with an abdominal bruit or cardiomegaly with or without heart failure. The diagnosis of an aortoenteric fistula is difficult because of the subtleties in manifestation. The presence of an abdominal pulsatile mass and acute gastrointestinal bleeding should indicate that an aortoenteric fistula is possible.

Zeitschrift für Gefässkrankheiten / Journal of Vascular Diseases Heft 1, 1996; © Hans Huber AG, Bern

Zusammenfassung

Es wird das ungewöhnliche Auftreten einer gleichzeitigen, traumatisch bedingten aorto-kavalen und aorto-duodenalen Fistel beschrieben. Es handelte sich um einen 19jährigen Mann mit einer Schußverletzung, der mit akuter gastrointestinaler Blutung und pulsierendem Abdominaltumor eingewiesen wurde. Die Aortographie zeigte eine aorto-kavale Fistel. Bei der Operation wurde gleichzeitig auch eine aorto-duodenale Fistel entdeckt. Eine aorto-kavale Fistel kann vermutet werden, wenn der Befund eines abdominalen Strömungsgeräusches oder eine Kardiomegalie mit oder ohne Herzinsuffizient vorliegt. Die Diagnose einer aorto-duodenalen Fistel ist wegen der verschleierten Symptome schwierig. Das Vorliegen eines abdominalen pulsierenden Tumors und einer akuten gastrointestinalen Blutung müssen an die Möglichkeit einer aorto-enterischen Fistel denken lassen.

Zeitschrift für Gefässkrankheiten / Journal of Vascular Diseases Heft 1, 1996; © Hans Huber AG, Bern


Mykotisches Aortenaneurysma nach Appendektomie

M. Rhomberg 1), F. Allerberger 2), M. Mittermair 3) und G. Flora 1)

1) I. Universitätsklinik für Chirurgie/Abteilung für Gefäßchirurgie (Leiter: Univ.-Prof. Dr. G. Flora) der Universität Innsbruck
2) Institut für Hygiene (Leiter: Univ.-Prof. Dr. M. P. Dierich) der Universität Innsbruck
3) Chirurgische Abteilung des Krankenhauses St. Johann i. T. (Leiter: Univ.-Prof. Dr. D. Ladurner)

(Zusammenfassung, Summary)

Zusammenfassung

Mykotische Aortenaneurysmen sind eine selten auftretende Komplikation im Rahmen septischer Erkrankungen. Die Diagnose wird oft erst im fortgeschrittenen Stadium gestellt, die Prognose ist dementsprechend schlecht. Wir berichten über ein perforiertes mykotisches abdominelles Aortenaneurysma fünf Wochen nach Appendektomie. In der Kultur gezüchtet wurde unter anderem ein beim Menschen sehr selten isolierter Keim mit hoher Letalität.

Zeitschrift für Gefässkrankheiten / Journal of Vascular Diseases Heft 1, 1996; © Hans Huber AG, Bern

Summary

Mycotic aneurysms are a rare complication of septic diseases. Frequently they are recognized only in an advanced stage, with resulting poor prognosis. This case report describes a perforated mycotic abdominal aortic aneurysm following appendectomy. Bacterial culture revealed the presence of streptococcus zooepidemicus, an unusual finding in humans.

Zeitschrift für Gefässkrankheiten / Journal of Vascular Diseases Heft 1, 1996; © Hans Huber AG, Bern


wwwadmin@hanshuber.com, 26. Juni 1997