Freie Universität Berlin
Aufgrund der Finanzierungskrise des Gesundheitswesens steht der
Arzt in einem Konflikt zwischen Individual- und Sozialethik, da er
letztlich entscheiden muss, eine wie kostspielige Behandlung des
einzelnen der Solidargemeinschaft zugemutet werden kann. Durch die
gesellschaftliche Tendenz zur Entsolidarisierung zeigen sich gerade
im geriatrischen Bereich beklemmende Perspektiven des
Gesundheitsstrukturgesetzes.
Dieser Artikel beleuchtet die vieldiskutierten Schlagworte der
Verschuldensselbsthaftung, der Leistungskürzung und der
Kostentransparenz aus spezifisch geriatrischer Sicht und versucht,
die zugrundeliegenden ethischen Prinzipien aus Hippokratischer Ethik
abzuleiten und Konsequenzen für gesundheitspolitische Planung
aufzuzeigen.
Zeitschrift für Gerontopsychologie und -psychiatrie, 8, 1995, Heft 1/2, S. 3-7 © Verlag Hans Huber, Bern
Due to the financial crisis of the public health system, the
doctor stands in a conflict between individual and social ethics,
since in the end he must decide how expensive an individual treatment
can be tolerated by the community. Through the societal tendency
towards desolidarization, the fearful perspective of the health
structure reform becomes obvious especially for geriatrics.
The article focusses on the frequently discussed key words of
self-liability related to dangerous life-styles, shortening of
benefits and the transparency of cost especially from a geriatric
perspective and attempts to show the applied basic ethical principles
derived from hippocratic ethics and consequences for health political
designs.
Keywords: bioethics, geriatric research, health structure reform, shortening of benefits
Zeitschrift für Gerontopsychologie und -psychiatrie, 8, 1995, Heft 1/2, S. 3-7 © Verlag Hans Huber, Bern
Klinikum der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Ageism (wie Sexismus, Rassismus usw.) ist ein Begriff der angelsächsischen Literatur zur Geriatrie-Ethik und bedeutet das Vorurteil gegen alte Menschen. Dieses Vorurteil verhindert, die Ansprüche des älteren Menschen an seine Behandler in der Medizin angemessen wahrzunehmen. Dieses Vorurteil erscheint in dreifacher Maskierung: 1. als die Schwierigkeit, die Perspektive des Betroffenen einzunehmen, 2. als die geschichtlich gewachsene, nur schwach kaschierte, aber immer noch tabuisierte Aversion oder sogar Aggression gegen alte Menschen und 3. als unrealistische Wahrnehmung der Lebenswelt alter Menschen. Diesen Spielarten des Ageism soll ein systematischer Perspektivenwechsel, also wirkliche Multidimensionalität und Konzentrierung auf die Präferenzen und Vorlieben des alten Menschen, vorbeugen helfen.
Zeitschrift für Gerontopsychologie und -psychiatrie, 8, 1995, Heft 1/2, S. 9-16 © Verlag Hans Huber, Bern
The bioethical literature on geriatrical issues has coined the term ageism (like sexism, racism etc). It means the prejudice against elderlyly people. This prejudice prevents us from adequately noticing the needs of elderly people which is a scandal. For medicine has particular obligation to care for a trustful therapeutic relationship. Ageism can be described 1. as the difficulty to share the point of view with those concerned, 2. as the historically grown and even today hardly hidden antipathy and aggression against elderly people, and 3. as the unrealistical approach to the life world of the elderly people. A systematical change of the perspective, i.e. a real multidimensional treatment and concentration on the elderly patient`s preferences shall help to avoid the presented versions of ageism.
Keywords: beoethics, geriatric research, ageism, therapeutic relationship
Zeitschrift für Gerontopsychologie und -psychiatrie, 8, 1995, Heft 1/2, S. 9-16 © Verlag Hans Huber, Bern
Psychiatrische Klinik der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Gewalt im Fokus der Zweierbeziehung, ist die Kummulation von
Macht, Unterdrückung und Ohnmacht, Angst und Wut, Hilflosigkeit,
VerstrióSCKóTckung in Schuldgefühle und
Zusammenbruch, gespeist durch Erfahrungen aus den Lebensgeschichten
und im Rahmen institutioneller und gesellschaftlicher
Bedingungen.
Eigene Erfahrungen mit Gewalt in Beziehungen und aktualisierte
Konflikte aus der eigenen Lebensgeschichte werden in der Beziehung
zum alten Menschen als Eltern-Kind Uebertragung und ihrer Umkehrung
aktualisiert.
Die Dynamik der Gewalt in der asymmetrischen Zweierbeziehung zwischen
Pflegendem und Hilfeabhängigem ist verschiedentlich erklärt
worden. Ein Ansatz ist die Analyse von Beziehungsstörungen, wie
sie von Willi (1975) für Zweierbeziehungen allgemein formuliert
wurde und unter dem Aspekt der oralen Kollusion auf Pflegebeziehungen
übertragen werden kann.
Im Zentrum dieser Beziehung steht die Fürsorge, das Pflegen und
Nähren des anderen und kann ein Beziehungsmuster, das in einer
Phase der frühkindlichen Entwicklung prägend war, erneut
aktualisieren.
Die aufopfernde Pflege stillt letztlich das eigene Bedürfnis des
Pflegenden selbst nach gepflegt und genährt werden. Dies
verhindert eine Abgrenzung auf der Erwachsenenebene, erzeugt
Aggression und Wut, die von heftigen Schuldgefühlen begleitet
werden.
Gewalt unter dem Blickwinkel der Dyade zu betrachten, bedeutet auch,
dass sich die klaren Grenzen, wie sie die juristischen Termini von
Täter und Opfer vorgeben, sich in einem dynamischen Prozess der
wechselseitigen Bedingtheit von Gewaltanwendung auflösen.
Zeitschrift für Gerontopsychologie und -psychiatrie, 8, 1995, Heft 1/2, S. 17-21 © Verlag Hans Huber, Bern
Violence in the focus of partner-relationship, is the cummulation
of control, repression and powerlessness, anxiety and rage,
helplessness, entanglement in feelings of guilt and breakdown,
conditioned by experiences from the life histories and within the
bounds of institutional and social conditions.
Own experiences with violence in relations and actualised conflicts
from the own history become actualized in reference to the elderly as
parents-child transfer and its inversion.
The dynamics of the violence in the asymmetric relationship between
caregiver and dependent person has been defined repeated. An
extension is the analysis of disturbance of relationships, such as
Willi (1975) pointed out for two person relationships in generally
which can especially be transferred in regard to the aspect of the
oral collusion onto care relationships.
In the focus of this relationships the welfare, the caregiving and
nurishing of the other can actualize patterns of relationship, which
was important in a phase of early development.
The sacrificing care finally satisfies the own need of the caregiver
for care and become feeded. This disables an demarcation onto the
adult level, generates aggression and angriness, which are
accompanied by heavy emotions of guiltiness.
Violence under the view of the dyade, means also, that the clear
limits, such as the legal standards of committer and victim pretend,
break up into a process of mutual conditioned acts of violence in a
dynamic process.
Keywords: bioethics, geriatric research, violence, care relationship
Zeitschrift für Gerontopsychologie und -psychiatrie, 8, 1995, Heft 1/2, S. 17-21 © Verlag Hans Huber, Bern
Psychiatrische Universitätsklinik Zürich
Einleitend werden der Begriff des paranoiden Syndroms im Alter und einige Aspekte der ethischen Probleme in der Psychiatrie des Alterns diskutiert. Aufgrund der Daten aus dem eigenen Psychogeriatrischen Dienst stellt der Autor fest, dass die Handhabung der an paranoidem Syndrom leidenden älteren Menschen für alle Betreuer im Alltag ein erhebliches Problem darstellt. Weiter befasst er sich v. a. mit der Frage, ob ein sanfter Druck auf den Patienten ausgeübt werden darf, damit er Neuroleptika einnimmt, sowie mit dem Problem des heimlichen Verabreichens von Medikamenten. Er vertritt die Meinung, dass es fachlich und ethisch vertretbar ist, vom Patienten zu verlangen, dass er Medikamente einnimmt, rät jedoch aus therapeutischen und ethischen Gründen entschieden davon ab, Medikamente heimlich zu verabreichen.
Zeitschrift für Gerontopsychologie und -psychiatrie, 8, 1995, Heft 1/2, S. 23-29 © Verlag Hans Huber, Bern
The author discusses briefly the concept of the paranoid syndrom of old age as well as some aspects of the ethical problem of the psychiatry of old age. On the basis of the data of his own service of psychogeriatrics he points out to the fact that the management of the old people suffering from paranoid syndrom represents a major problem to the caregivers. Further he discusses the question whether the patients should be put under mild pressure in order to make sure that they take the prescribed antipsychotic drugs. He discusses also the question of the secret administration of the drugs. He puts forward the opinion that it is acceptable from the professional and ethical point of view to urge the patient to take his drugs. At the same time he advises strongly against secret administration of drugs.
Keywords: bioethics, geriatric research, paranoid old people
Zeitschrift für Gerontopsychologie und -psychiatrie, 8, 1995, Heft 1/2, S. 23-29 © Verlag Hans Huber, Bern
Humboldt-Universität Berlin
Die gegenwärtige Diskussion über intergenerationale Beziehungen in der Familie geht von zwei Annahmen aus; erstens, aufgrund von Modernisierungsprozessen wären Kinder nicht mehr in der Lage, ihre alten Eltern zu unterstützen. Zweitens, Unterstützung würde heute nur noch auf der Basis von Freiwilligkeit ähnlich wie bei Freundschaften geleistet. Gegen diese Annahmen wird hier die These vertreten, dass es sehr wohl eine moralische Norm gibt, die zur Hilfe auffordert, und dass wie empirische Untersuchungen zeigen die erwachsenen Kinder dieser Norm auch Folge leisten.
Zeitschrift für Gerontopsychologie und -psychiatrie, 8, 1995, Heft 1/2, S. 31-38 © Verlag Hans Huber, Bern
The current discussion about intergenerational relationships within the family is based on two assumptions: First, the claim is that due to modernization processes children do no longer support their parents. Second, it is argued that today support is based, akin to friendships, exclusively on voluntariness. Against these assumptions the thesis is put forward that there exists a moral obligation for children to support their old parents, and that - as can be seen from empirial research - children do follow that norm.
Keywords: bioethics, geriaric research, intergenerational relationship
Zeitschrift für Gerontopsychologie und -psychiatrie, 8, 1995, Heft 1/2, S. 31-38 © Verlag Hans Huber, Bern
Psychiatrie und Psychotherapie FMH, Zürich
Die stoische Auffassung, dass das Leben in der Altersgebrechlichkeit durch Suizid ein würdiges Ende finden könnte, begegnet heute wieder einer steigenden Akzeptanz. Indessen erweisen sich die Katamnesen junger wie betagter Geretteter nach ernsthaftem Suizidversuch als auffallend günstig. Es sind demnach die suizidalen Menschen selber, die den abstrakten Autonomiebegriff der EXIT-Vereinigungen ad absurdum führen. Der gegenwärtige Trend der öffentlichen Meinung birgt in sich die Gefahr, dass die wirtschaftlichen Motive, die hinter der Akzeptanz des Alterssuizids stehen, in barmherzige Motive umformuliert werden
Zeitschrift für Gerontopsychologie und -psychiatrie, 8, 1995, Heft 1/2, S. 39-45 © Verlag Hans Huber, Bern
Today the idea of the Stoa that a life in senile frailty can find a dignified end in suicide is increasingly gaining acceptance notwithstanding the testimony of catamnestic studies. They show a strikingly satisfactory outcome in old persons who survived serious suicide attempts. Thus the elderly themselves lead ad absurdum an abstract concept of autonomy as upheld by EXIT societies. The present time esteem of suicide in public opinion may harbour the danger that economic reasons for promoting suicide in the elderly pass unrecognized under the pretext of compassion.
Keywords: bioethics, geriatric research, suicide, old age, EXIT
Zeitschrift für Gerontopsychologie und -psychiatrie, 8, 1995, Heft 1/2, S. 39-45 © Verlag Hans Huber, Bern
Karl-Bonhoeffer-Nervenklinik, Berlin
Der Tod kommt in der Psychiatrie gewöhnlich als Suizid vor, in der Gerontopsychiatrie aber als natürlicher Tod. Allerdings darf dies nicht darüber hinwegtäuschen, dass Tod und Sterben durch Tun und Unterlassen sozial überformt und entfremdet sind. Eine retrospektive Untersuchung der Sterbefälle eines Jahrgangs einer Gerontopsychiatrischen Abteilung diente dazu, die Modalitäten des Sterbens hinsichtlich mehrerer Variablen zu erfassen, zu diskutieren und Verhaltensänderungen bei Mitarbeitern und Angehörigen zu erreichen. Die Ergebnisse dieser Studie werden dargelegt, wobei die besonderen ethischen Probleme finaler Demenzstadien Berücksichtigung finden.
Zeitschrift für Gerontopsychologie und -psychiatrie, 8, 1995, Heft 1/2, S.47-50 © Verlag Hans Huber, Bern
Death in psychiatry would mainly occur as suicide. Gerontopsychiatry however has to deal with natural death, notwithstanding the fact that dying is in many ways determined by social acting or non acting. To get more information about the conditions of dying one year`s population was examined. The results of the study confirm the need of further discussion, particularly concerning implicated ethical problems with dying of our severe demented patients.
Keywords: bioethics, geriatric research, death, gerontopsychiatric department
Zeitschrift für Gerontopsychologie und -psychiatrie, 8, 1995, Heft 1/2, S.47-50 © Verlag Hans Huber, Bern
Bundesärztekammer, Deutscher Aerztetag
Gesundheitsgüter sind nicht beliebig verfügbar. Aus diesem Grunde steuert jedes Gesundheitssystem auf eine Budgetierung zu. Budgetierung bedeutet, dass Gesundheitsgüter nicht mehr nach Bedarf verteilt, sondern nach Verfügbarkeit gerecht zugeteilt werden. Es geht also nicht nur um Rationalisierung, sondern auch um Rationierung. Rationieren bedeutet, das geplante Vorenthalten an sich gewünschter Gesundheitsgüter. Wir müssen feststellen, dass infolge der Mittelknappheit im Gesundheitswesen heute allgemein anerkannte ärztliche und medizinische Standards in Teilbereichen nicht mehr durchgehend eingehalten werden können. Wenn Sorgfaltsstandards im Zivilrecht im Widerspruch zu den Forderungen des Sozialrechtes stehen, bedeutet dies, dass die Einheit der Rechtsordnung gefährdet ist.
Zeitschrift für Gerontopsychologie und -psychiatrie, 8, 1995, Heft 1/2, S.51-56 © Verlag Hans Huber, Bern
Health care resources are not available without limits. For this reason, every health system is aiming at the budgeting of these resources. Budgeting means that health care resources are no longer allocated according to requirements but have to be distributed fairly according to their availability. This ist not only a question of rationalizing but also of rationing. Rationing includes a planned deprivation of health care resources yet in fact desired. We have to realize that it is now no longer possible to guarantee an unreserved compliance with generally acknowledged medical and medicinal standards in all subsections due to a shortage of resources in the health care. If care standards of civil law are conflicting with requirements of social law, the homogeneity of our legal system as such is compromised.
Keywords: bioethics, geriatric research, medical ressources, health policy
Zeitschrift für Gerontopsychologie und -psychiatrie, 8, 1995, Heft 1/2, S.51-56 © Verlag Hans Huber, Bern
Freie Universität Berlin, Psychische Klinik
Der Forschungsbedarf zur Früherkennung dementieller Erkrankungen und zur auf einem Verständnis der Pathogenese beruhenden Therapie ist angesichts der starken Zunahme dementieller Erkrankungen und ihrer weitgehenden Unbehandelbarkeit zwingend. Demenzerkrankungen zerstören jedoch mit der Einwilligungsfähigkeit die Voraussetzung für die Einbeziehung dieser Kranken in Forschung. - Feststellung von Einwilligungsunfähigkeit und Möglichkeiten ihres Ersatzes (antizipierte Verfügung, Bevollmächtigung in gesundheitlichen Angelegenheiten, Betreuung) sowie Vorschläge für Gesetzesänderungen (Zulässigkeit von diagnostischen Untersuchungen und Untersuchungen an Verwahrten) werden diskutiert.
Zeitschrift für Gerontopsychologie und -psychiatrie, 8, 1995, Heft 1/2, S.57-64 © Verlag Hans Huber, Bern
In view of the considerable increase of dementia and the far-reaching lack of its treatment there is an urgent need for research on early diagnosis and therapy based on knowledge of the pathogenesis of dementia. Dementia, however, destroys progressively the capacity to consent which is one essential prerequisite for including such patients into research. - Assessment of capacity to consent and possible substitutes in the case of incapacity (living will, durable power of attorney, legal guardian) as well as proposals for changes of the law (legalization of diagnostic research an research with patients institutionalized by law) will be discussed.
Keywords: bioethics, geriatric research, consent, law
Zeitschrift für Gerontopsychologie und -psychiatrie, 8, 1995, Heft 1/2, S.57-64 © Verlag Hans Huber, Bern
Instituut voor Gezondheidsethiek, Maastricht
In diesem Beitrag werden ethische und Wertekonflikte in der alltäglichen Praxis in Pflegeheimen betrachtet. Ein zentraler Konflikt tritt zwischen behütendem Wohltun und dem Respekt vor der Autonomie des Patienten auf. Um Berfürsorglichkeit zu bewerten ist es notwendig, unterschiedliche Facetten des Autonomiekonzeptes zu betrachten, nämlich: 1. Autonomie als ethischen und juristischen Rechtsanspruch; 2. Autonomie als Qualität oder Fähigkeit einer Person; 3. Autonomie als einen Zustand, und 4. Autonomie als ein Ideal. Zwischen den unterschiedlichen Autonomiekonzepten können Konflikte auftreten. Ein Beispiel ist der Konflikt zwischen früheren Wünschen (formuliert als antizipierte Willenserklärungen) und der aktuellen Autonomie und Interessen des Patienten.
Zeitschrift für Gerontopsychologie und -psychiatrie, 8, 1995, Heft 1/2, S.65-70 © Verlag Hans Huber, Bern
Attention is paid to ethical and value conflicts that may arise in everyday practice in nursing homes. A central conflict is between paternalistic beneficence and respect for the autonomy of the patient. In order to evaluate paternalism it is necessary to distinguish different senses of autonomy: 1. autonomy as a moral or legal right; 2. autonomy as a quality or capacity of a person; 3. autonomy as a condition, and 4. autonomy as an ideal. Conflicts can arise between different senses of autonomy. An illustration of such a conflict is between former wishes (formulated in an advance directive) or -precedent autonomy and the actual autonomy and interests of the patient.
Keywords: bioethics, geriatric research, nursing home care
Zeitschrift für Gerontopsychologie und -psychiatrie, 8, 1995, Heft 1/2, S.65-70 © Verlag Hans Huber, Bern
Vrije Universiteit Amsterdam
Im ersten Teil dieses Artikels werden Definitionen und allgemeine Daten über Sterbehilfe und Hilfe zur Selbsttötung präsentiert. Der zweite Teil enthält Daten aus einer Untersuchung in Pflegeheimen. 1990 begann an der Freien Universität Amsterdam eine Untersuchung, deren Ziel es war, Einsicht zu gewinnen, wie viele Anfragen nach Sterbehilfe und Hilfe zur Selbsttötung an niederländische Pflegeheimärzte gestellt werden, und wie viele dieser Anfragen letztlich erfüllt werden. Die Stichprobe bestand aus 713 Pflegeheimärzten (95% der niederländischen Pflegeheimärzte). Das Instrumentarium war eine schriftliche, anonyme Fragenliste. Die Daten wurden im Zeitraum von 1986 bis 1990 erhoben.
Niederländische Pflegeheimärzte bekommen jährlich 300 Anfragen nach Sterbehilfe/Hilfe zur Selbsttötung, wovon 25 erfüllt werden. 0,1% aller Sterbefälle in Pflegeheimen sind die Folge von Sterbehilfe/Hilfe zur Selbsttötung.
Zusammenfassend kann man konstatieren, dass die Fälle von Sterbehilfe/Hilfe zur Selbsttötung bei niederländischen Pflegeheimärzten entschieden seltener sind, als im allgemeinen angenommen wird. Niederländische Pflegeheimärzte bekommen weniger Anfragen nach Sterbehilfe/Hilfe zur Selbsttötung als Hausärzte und gehen darauf auch seltener ein.
Zeitschrift für Gerontopsychologie und -psychiatrie, 8, 1995, Heft 1/2, S.71-75 © Verlag Hans Huber, Bern
In the first part of this paper definitions and general data on euthanasia/physician assisted suicide (EAS) are presented. The second part discusses a research project in nursing homes. In 1990 the Free University of Amsterdam conducted a study to learn how many requests for euthanasia/physician assisted suicide (EAS) are made to nursing home physicians (NHPs) and how often these requests are honoured. All NHPs affiliated with the Dutch Association of Nursing Home Physicians were contacted for the study (95% of all NHPs). The survey instrument was an anonymous self-administered questionnaire. The investigation was restricted to the period 1986-1990.
The NHPs together received 300 requests for EAS yearly, of which they honoured 25. Of all deaths in nursing homes 0,1% is attributable to EAS.
It is concluded that NHPs practise EAS less often than was previously supposed. Dutch NHPs receive less requests for EAS than GPs and also practise less EAS.
Keywords: assisted suicide, euthanasia, nursing home physicians
Zeitschrift für Gerontopsychologie und -psychiatrie, 8, 1995, Heft 1/2, S.71-75 © Verlag Hans Huber, Bern
Queen`s Medical Centre, Nottingham
Von einer weiten Hintergrundperspektive ausgehend diskutiert dieser Beitrag Schwierigkeiten in der praktischen Anwendung akzeptierter medizinethischer Prinzipien: Autonomie, Wohltätigkeit, Schadensabwendung und Gerechtigkeit. Beachtung finden auch die Bereiche Selbsttötung und insbesondere Sterbehilfe bei diesen Patienten. Sich widersprechende Prinzipien müssen ethisch angemessen gegeneinander abgewägt werden. Wichtig sind Flexibilität und Entscheidungsfindung nahe am Patienten, Gedankenaustausch mit dem Pflegepersonal und dem multidisziplinären Team anstatt starrer bürokratischer Gesetzesauslegung.
Zeitschrift für Gerontopsychologie und -psychiatrie, 8, 1995, Heft 1/2, S.77-84 © Verlag Hans Huber, Bern
Starting with a broad background perspective, this paper discusses difficulties with the practical application of accepted medical ethical principles: autonomy, beneficence, non-maleficence and justice. Attention is also given to the areas of suicide, euthanasia and, especially, assisted death with these patients. An appropriate ethical balance must be sought between competing principles. Flexibility and decision making close to the patient, consulting with carers and the multidisciplinary team, rather than rigid legalistic bureaucratisation, are essential.
Keywords: Bioethics, geriatric research, beneficence, consent, suicide, euthanasia
Zeitschrift für Gerontopsychologie und -psychiatrie, 8, 1995, Heft 1/2, S.77-84 © Verlag Hans Huber, Bern