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Zeitschrift für Gerontopsychologie und -psychiatrie Nr. 3, 1995


Diagnostik hirnorganischer Psychosyndrome / Durchgangssyndrome mit dem Syndrom-Kurztest (SKT)
Diagnosis of organic brain syndroms with the Syndrome Short Test

M. Bergener1, U. E. Kranzhoff2, P. Fürwentsches3

1 Gerocon Bergisch-Gladbach,
2 Rheinische Landesklinik Bonn,
3 Rheinische Landesklinik Köln

Diagnostik hirnorganischer Psychosyndrome

(Zusammenfassung, Summary)

Zusammenfassung

Das Verfahren wird als Instrument zur Erfassung von Aufmerksamkeits- und Gedächtnisstörungen angeboten. Explizit werden gleichzeitig die Erwartungen, dabei ein differenziertes neuropsychologisches Leistungsmuster zu erhalten, zurückgewiesen; vielmehr sei lediglich eine psychopathometrische Schweregradeinstufung einer bereits diagnostizierten kognitiven Leistungseinbusse intendiert. Es ist nicht nachvollziehbar, wie mit den neun auf jeweils eine Minute begrenzten Subtests eine differenzierte Erfassung von Aufmerksamkeit und Gedächtnisleistungen erreicht werden soll. Die Bezeichnung des Testverfahrens ist damit irreführend. Einige im Manual nicht weiter begründete Besonderheiten sollen herausgehoben werden: (1) Sämtliche Untertests - auch die, die Gedächtnisleistungen erfassen sollen - werden als Speed-Tests vorgegeben; (2) die Vorlagetafeln für freie Reproduktion und für Rekognition zeigen farblich voneinander abweichende Bilder; (3) die Bilder selbst verändern sich inhaltlich und graphisch von einer Version zur nächsten. Auch die herkömmlichen Testgütekriterien erfahren eine unorthodoxe Behandlung. (Durchführungs-) Objektivität und Reliabilität werden aus klinischen resp. grundsätzlichen Erwägungen als irrelevant abgetan. Zum Nachweis der Validität des Verfahrens wird vordringlich auf die bewährte drug-sensitivity hingewiesen; externe Validität wird mit Hilfe von Korrelationen zu d2 und HAWIE belegt, wobei ausgerechnet die Korrelation mit ZN bedeutungslos ist. Die Normierung weist gravierende Defizite auf. Stichprobencharakteristika (Grösse, Alters- und Geschlechtsverteilung) werden nicht mitgeteilt; zwar wird die zweifelhafte Parallelität der Parallelformen konzidiert, trotzdem werden für jede Form die an Form A entwickelten Normen benutzt; dies auch noch, nachdem die Bilder der Vorlagetafeln inzwischen zur Gänze verändert wurden. In der vorliegenden Form muss vom Einsatz des Verfahrens zur Erfassung von Aufmerksamkeits- und Gedächtnisstörungen nachdrücklich abgeraten werden.

Zeitschrift für Gerontopsychologie und -psychiatrie, 8, 1995, Heft 3, S. 89-98 © Verlag Hans Huber, Bern

Summary

The SKT is presented as a procedure for the assessment of attentional and memory disorders. At the same time, however, expectations are refuted that the SKT might serve as a tool to establish a differential pattern of neuropsychological performance. Rather, the intention is to assess the degree of severity of a pre-diagnosed cognitive deficit. A procedure consisting of nine subtests, each restricted to one minute, cannot possibly assess a person`s attentional and memory competences and deficits. The procedure demonstrates several unfamiliar features: (1) Each subtest - even the memory subtests - is presented as a speed test; (2) recognition and reproduction tables for visual memory are not identical but show different colors; (3) the pictures change in content and graphical representation from one version to the next. Test criteria are treated rather unconventionally. Objectivity and reliability are renounced upon on clinical or theoretical grounds respectively. Validity is primarily asserted by citing studies demonstrating high drug-sensitivity. To prove external validity, correlations with the d2 and the German version of the WAIS are presented; unfortunately the SKT only spuriously correlates with ZN. Highly deficient are the norms presented: Sample characteristics are totally missing. Raw scores of forms A-E though doubtfully parallel are transformed into norm scores develloped for form A only and this procedure is followed even when the pictures of the memory tables are completely changed. On these grounds the test as presented by the author cannot be recommended as a procedure to assess attentional and memory disorders.

Keywords: organic brain syndroms, Syndrome Short Test, SKT

Zeitschrift für Gerontopsychologie und -psychiatrie, 8, 1995, Heft 3, S. 89-98 © Verlag Hans Huber, Bern


Alltagsauffälligkeiten bei hirnorganischen Patienten mit unterschiedlichen Schweregraden kognitiver Beeinträchtigung
Daily-living-performance in patients with cognitive impairment of variable severity

A. Zimber, T. Neuhauser

Institut für Gerontologie, Heidelberg

(Zusammenfassung, Summary)

Zusammenfassung

Bei einer Stichprobe von 32 Patienten mit dem CT-diagnostisch gesicherten hirnorganischen Befund einer Subkortikalen Arteriosklerotischen Enzephalopathie (SAE) wurden kognitive Beeinträchtigungen mit einer neuropsychologischen Testbatterie erhoben. Die Patienten lassen sich nach ihren Testergebnissen in 17 Demenzverdächtige weitgehend ohne kognitive Auffälligkeiten, 10 leicht Demente und 5 mittelgradig bis schwer Demente einteilen. Darüber hinaus wurde das Alltagsverhalten der Patienten mit Hilfe eines Auszugs aus dem alltagsdiagnostischen Inventar der Studie Möglichkeiten und Grenzen der selbständigen Lebensführung im Alter (MUGSLA) in einer Felduntersuchung erfasst. Bei einer Differenzierung des Alltagsverhaltens nach dem Schweregrad kognitiver Beeinträchtigung zeigte sich, dass mittelgradig bis schwer Demente in der selbständigen Lebensführung (ADL) schwerwiegend, leicht Demente im Vergleich zu Patienten ohne kognitive Auffälligkeiten relativ wenig eingeschränkt waren. Deutliche Unterschiede zwischen den beiden letztgenannten Gruppen traten in einzelnen Bereichen des Tagesablaufs, der Interessen und der subjektiven Einschätzung kognitiver Funktionen hervor. Die Befunde legen nahe, dass ADL-Skalen im Gegensatz zu Informationen aus anderen Alltagsbereichen weniger tauglich für eine Früherkennung dementieller Prozesse sind.

Zeitschrift für Gerontopsychologie und -psychiatrie, 8, 1995, Heft 3, S. 99-114 © Verlag Hans Huber, Bern

Summary

In a sample of 32 patients with positive diagnosis of Subcortical Arteriosclerotic Encephalopathy (SAE) based on CT-scan, cognitive impairment was neuropsychologically investigated. Test results imply dividing the sample into three subgroups: 17 cognitively non-impaired, 10 persons with mild cognitive impairment, and 5 severely demented. To assess the patients` behavior in daily living, an abbreviated version of the MUGSLA-inventory was used at a home visit. In a further step of analysis, functional impairment was referred to the degree of cognitive loss. The results indicate very poor daily-living-competence in the demented. In contrast, patients with moderate cognitive impairment, compared to cognitively non-impaired, had no significant disabilities in the activities of daily living and remained largely independent. However, differences between the latter two groups could be observed regarding their daily routines, some interests and their subjective assessment of cognitive function. It could be concluded, that peculiarities in daily living performance of patients with partial deficits rather than daily-living-competence itself can be used to detect dementia in its early stages.

Keywords: cognitive impairment, activities of daily living, MUGSLA, early diagnosis of dementia

Zeitschrift für Gerontopsychologie und -psychiatrie, 8, 1995, Heft 3, S. 99-114 © Verlag Hans Huber, Bern


Erhöhtes väterliches und mütterliches Alter bei Patienten mit nichtfamiliärer Alzheimerscher Krankheit - Eine Untersuchung an 100 Familien mit Hilfe des BAYES-Theorems
Increased paternal and maternal age in patients with nonfamilial Alzheimer`s disease - An investigation of 100 families using BAYES-theorem

Martina Kern, Nicola Lautenschlager, M. Haupt, A. Kurz

Psychiatrische Klinik der TU München

(Zusammenfassung, Summary)

Zusammenfassung

Bei 100 unselektierten Patienten mit der klinischen Diagnose einer Alzheimerschen Krankheit untersuchten wir den Zusammenhang zwischen der Wahrscheinlichkeit des Patienten, an der familiären Form der Krankheit zu leid en (MGADP = Major Gene Alzheimer`s Disease Probability) und dem Alter der Eltern bei seiner Geburt. Diese Wahrscheinlichkeit wurde mittels des BAYES-Theorems berechnet. Wir teilten die Patienten nach den Quartilen der MGADP in Gruppen auf und verglichen zwischen diesen das mittlere Alter der Eltern. Das durchschnittliche Alter der Väter bei Geburt der Patienten mit der niedrigsten MGAD-Wahrscheinlichkeit (1.ÒQuartil) betrug 40,17,8 Jahre, das der Mütter 33,96,6 Jahre. Bei Geburt der Patienten mit der höchsten MGAD-Wahrscheinlichkeit (4.Quartil) waren die Väter im Mittel 30,07,1 Jahre (p ð 0,000), die Mütter 28,25,8 Jahre (p ð 0,002) alt.

Zeitschrift für Gerontopsychologie und -psychiatrie, 8, 1995, Heft 3, S. 115-118 © Verlag Hans Huber, Bern

Summary

This study evaluated the association between parental age of 100 patients with clinically diagnosed Alzheimer`s disease and their probability to be affected by the familial form of the disease (Major Gene Alzheimer`s Disease Probability = MGADP). The patients were divided into four subgroups, representing the quartiles of the MGADP-distribution. Among these subgroupes we compared differences in the mean parental age. The mean paternal age of the patients with the lowest MGADP (1.quartil) was 40,17,8 years, the mean maternal age was 33,96,6 years. For the patients with the highest MGADP (4.Òquartil) we found values of 0,07,1 years (p ð 0,000) for paternal age and 28,25,8 years (p ð 0,002) for maternal age at the time of patient`s birth.

Keywords: Alzheimer`s disease, genetics, maternal age, paternal age, risk factors

Zeitschrift für Gerontopsychologie und -psychiatrie, 8, 1995, Heft 3, S. 115-118 © Verlag Hans Huber, Bern


Stationäre gerontopsychiatrische Versorgung: Evaluation von Krankengut und Verläufen
Gerontopsychiatric in-patient care: Evaluation of patients and outcome

T. Maier

Kantonale Psychiatrische Klinik, Wil SG/CH

(Zusammenfassung, Summary)

Zusammenfassung

Aufgrund der demographischen Entwicklung kommt gerontopsychiatrischen Versorgungseinrichtungen ein wachsender Stellenwert zu. Im Sinne einer Evaluation der stationären Behandlung wurde in der Gerontopsychiatrischen Abteilung der Kantonalen Psychiatrischen Klinik Wil SG der Eintrittsjahrgang 1993 untersucht. Von 119 über 65 Jahre alten Patienten wurden retrospektiv anhand der Krankengeschichte Daten über psychische und somatische Symptome erhoben. Die erhaltenen Resultate geben Aufschluss über die Häufigkeit verschiedener Syndrome und deren Verläufe. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer lag bei 43 Tagen, 58% der Patienten verliessen die Klinik in gebessertem, 30% in unverändertem Zustand. Organische Psychosen (Delir und Demenz) machten im untersuchten Kollektiv einen Anteil von 45% aus und gingen mit erhöhter somatischer Morbidität einher. Rund die Hälfte dieser Patienten konnten in gebessertem Zustand entlassen werden. Depressionen (26%) und psychotische Zustände (17%) zeigten in der Mehrzahl günstige Verläufe (67%-79% der Fälle gebessert).

Zeitschrift für Gerontopsychologie und -psychiatrie, 8, 1995, Heft 3, S. 119-133 © Verlag Hans Huber, Bern

Summary

Due to the demographic evolution, gerontopsychiatric care facilities are of increasing importance. Intending to evaluate the in-patient treatment, the Gerontopsychiatric Department of the Cantonal Psychiatric Clinic in Wil/Switzerland effected a study on all patients entering in 1993. Data about somatic and psychiatric symptoms of 119 patients aged over 65 were collected retrospectively based on the case history. The results give information about the frequency of different syndroms and their outcome.
The average duration of stay was 43 days, 58% of the patients left the clinic in improved state, 30% were unchanged. Organic psychoses (delirium and dementia) amounted to 45% of the sample and correlated with increased somatic morbidity. About one half of these patients could be dismissed in better shape. Depressions (26%) and psychotic disorders (17%) showed mostly favorable outcomes (67%-79% of the cases improved).

Keywords: Gerontopsychiatry, gerontopsychiatric in-patient care, treatment evaluation

Zeitschrift für Gerontopsychologie und -psychiatrie, 8, 1995, Heft 3, S. 119-133 © Verlag Hans Huber, Bern


Demenz und geistige Behinderung, Alzheimersche Krankheit und Down-Syndrom - Eine aktuelle Literaturübersicht
Dementia and mental retardation, Alzheimer`s disease and Down`s Syndrome - A review

W. Meins

Psychiatrische und Nervenklinik der Universität Hamburg

(Zusammenfassung, Summary)

Zusammenfassung

Der Zusammenhang zwischen der Demenz vom Alzheimer-Typ (DAT), und dem Down-Syndrom (DS) ist seit ca. 50 Jahren bekannt. Aufgrund der gestiegenen Lebenserwartung auch von Personen mit geistiger Behinderung anderer Aetiologie (Non-DS) dürften Demenzen hier ebenfalls häufiger als früher vorkommen. Probleme der Abgrenzung von Demenz und geistiger Behinderung werden erörtert. Die Prävalenz und klinische Manifestation von Demenzen bei DS und Non-DS sowie spezielle diagnostische und differentialdiagnostische Aspekte werden dargestellt. Anhand der Befunde zum DS wird die komplexe Beziehung zwischen neuropathologischen und klinischen DAT-Zeichen kritisch diskutiert.

Zeitschrift für Gerontopsychologie und -psychiatrie, 8, 1995, Heft 3, S. 135-151 © Verlag Hans Huber, Bern

Summary

The association between dementia of Alzheimer type (DAT) and Down`s syndrome (DS) is known since about 50 years. Due to increased life expectancy also in persons with mental retardation of other etiology (Non-DS) dementia may occur more frequently. Problems in differentiating dementia from mental retardation are discussed. Prevalence and clinical manifestation of dementia in DS and Non-DS as well as special aspects of diagnosis and differential diagnosis are reviewed. On the basis of results in DS-research the complex relationship between neuropathological and clinical DAT-signs is critically discussed.

Keywords: Dementia, mental retardation, Alzheimer`s disease, Down`s syndrome, neuropsychology

Zeitschrift für Gerontopsychologie und -psychiatrie, 8, 1995, Heft 3, S. 135-151 © Verlag Hans Huber, Bern


Abhängigkeit im Alter
Dependence in old age

W. Feuerlein

Max-Planck-lnstitut für Psychiatrie, München

(Zusammenfassung, Summary)

Zusammenfassung

Eingangs wird auf die Doppelbedeutung des Begriffs der Abhängigkeit hingewiesen: im psychosozialem Bereich wie im Bereich der stoffgebundenen und nichtstoffgebundenen Süchte. Beide Abhängigkeitsbereiche haben Nahtstellen. Die stoffgebundene Abhängigkeit im Alter betrifft in erster Linie Medikamente, vor allem Tranquilizer und Schlafmittel. Sie ist bei Personen über 60 Jahre höher als bei allen anderen Altersgruppen. Anders dagegen die Alkoholabhängigkeit bei alten Menschen. Hier ist, aus verschiedenen Gründen, die Zahl der Alkoholkonsumenten und erst die der Alkoholabhängigen geringer als in jüngeren Altersgruppen. Ausserdem ist der Verlauf der Alkoholabhängigkeit im allgemeinen im Alter günstiger als in jüngeren Jahren. Dennoch bleibt die Abhängigkeit bei alten Menschen ein Problem, das wahrscheinlich in Zukunft angesichts der zu erwartenden Zunahme der absoluten Zahl betagter Menschen in der Bevölkerung an Aktualität gewinnen wird. Von besonderem Interesse dürften die Spätanfänger sein, also die Personen, die erst nach dem 60. Lebensjahr mit dem Missbrauch begonnen haben. Allerdings bestehen hier wie auch sonst auf dem Gebiet der Altersabhängigkeit noch erhebliche Wissensdefizite. Es werden verschiedene Gründe benannt, die die Einführung oder zumindest Erprobung von speziellen Behandlungsprogrammen für Alkoholabhängige im Senium geraten sein lassen.

Zeitschrift für Gerontopsychologie und -psychiatrie, 8, 1995, Heft 3, S. 153-162 © Verlag Hans Huber, Bern

Summary

First of all the differences and interfaces between the two meanings of the term dependence are discussed. As to addiction in age, medicament abuse and misuse, particularly of hypnotics and tranquillizers, is most common in the elderly. For several reasons the use and the abuse of alcohol is rather rare among persons over 60 years, compared with the situation in groups of younger age. Nevertheless alcohol abuse and dependence in aged persons does exist. It has to be faced as a growing problem due to the increasing percentage of old people among our population. There are some pecularities of dependence in old age: e.g. old alcoholics have better prognosis than younger ones, late onset (beyond the 60th year of age) of dependence. The treatment of old alcoholics should be adapted to the special needs of the aged persons (e.g. by providing special programs). Finally some suggestions for further research have been formulated.

Keywords: dependence in old age, epidemiology, development, treatment, medicament abuse, alcohol abuse

Zeitschrift für Gerontopsychologie und -psychiatrie, 8, 1995, Heft 3, S. 153-162 © Verlag Hans Huber, Bern


Psychotherapeutische Unterstützung pflegebedürftiger alter Menschen in Heimen
Psychotherapeutical support of nursing home residents

J. Wojnar, J. Bruder

Landesbetrieb Pflegen & Wohnen, Hamburg

(Zusammenfassung, Summary)

Zusammenfassung

In der folgenden Arbeit wird über 6jährige Erfahrungen mit einer psychotherapeutisch orientierten Unterstützung von Pflegeheimbewohnern im Rahmen psychiatrischer Konsiliartätigkeit berichtet. Dabei handelt es sich um Hilfe durch die personale Begegnung und das stützende Gespräch mit vielfach eingeschränkten und multimorbiden Menschen, die mehrheitlich nach einschneidenden Gesundheitsveränderungen und Krankenhausaufenthalt in die Heime verlegt wurden. Sehr geschwächte Menschen müssen mit der Übersiedlung ins Heim eine der grössten Anpassungsleistungen ihres Lebens vollbringen. Dieser Wechsel ist mit einem besonders hohen Risiko seelischer Erkrankung verbunden. Die zuverlässig stattfindenden, durchschnittlich 20 Minuten dauernden Gespräche werden von den pflegebedürftigen alten Menschen in hohem Masse als Wertschätzung und Unterstützung erlebt. Sie wirken der massiven seelischen Verletzung durch den Verlust von Integrität und Autonomie entgegen. Bezogen auf die benötigte Zeit ist diese psychotherapeutische Unterstützung sehr alter Menschen effektvoller als bei jüngeren. Die Aussagen werden durch eine Reihe kurzer Fallbeispiele erläutert.

Zeitschrift für Gerontopsychologie und -psychiatrie, 8, 1995, Heft 3, S. 163-168 © Verlag Hans Huber, Bern

Summary

The following paper reflects 6 years experience in psychotherapeutically orientated support of nursing home residents. It was practised in the context of a gerontopsychiatric consulting service. The supportive effect evolves out of the personal encounter and psychotherapeutical communication with the multimorbid persons suffering from numerous dysfunctions. The majority of them has been moved to the nursing home following sudden changes of their health status causing hospital treatment. Their constitution being very weakened these persons have to fulfil one of the greatest adaptation-tasks in their life. This transition involves a high risk of psychic illness. The frail elderly patients experience the contacts of normally 20 minutes duration as a very helpful measure expressing a high esteem. It counteracts against the massive psychological violation caused by the loss of integrity and autonomy. With respect to the amount of time needed this psychotherapeutical support of very old persons is more effective than in younger age groups. The statements are illustrated by a number of brief case-histories.

Keywords: Supportive Psychotherapy, Nursing Home, Institutionalisation

Zeitschrift für Gerontopsychologie und -psychiatrie, 8, 1995, Heft 3, S. 163-168 © Verlag Hans Huber, Bern


Intelligenz- und Denkförderung bei älteren Menschen: Eine Evaluation des Aachener Denktrainings für Senior(inn)en
Improving old peoples` intelligence and thinking: An evaluation of the Aachen Inductive Reasoning Training for old Adults

M. Hasselhorn1, W. Hager2, M. Huber2, D. Gödecke2

1 Technische Universität Dresden
2 Georg-August Universität Göttingen

(Zusammenfassung, Summary)

Zusammenfassung

Die kurzfristige (Performanzverbesserung) und längerfristige Wirkung (Kompetenzsteigerung) des von Klauer (1992a) entwickelten Denktraining für Senioren und Seniorinnen auf das Verhalten in den Bereichen der Wahrnehmungsgeschwindigkeit, der Wahrnehmungsgenauigkeit und des induktiven Denkens im engeren Sinne wurde im Rahmen einer experimentellen Studie evaluiert. Während keine spezifische Trainingswirkung auf die Leistung im Geschwindigkeitsaspekt der visuellen Wahrnehmung bzw. der entsprechenden kognitiven Verarbeitung nachweisbar war (erfasst über den Zahlen-Symbol-Test), erwies sich das Denktraining auch einem aus Uebungen des Gehirn-Jogging nach Lehrl und Fischer (1986) zusammengestellten Quasi-Alternativtraining im Bereich der Wahrnehmungsgenauigkeit und des induktiven Denkens als überlegen (beide Aspekte erfasst über Items aus den Raven-Matrizen). Diese Trainingswirksamkeit war unabhängig vom Grad der Selbständigkeit, dem Bildungsniveau und dem relativen Ausgangsalter der über 60jährigen Trainingsteilnehmer(innen). Bei der langfristigen Effektivitätsüberprüfung etwa 11 Monate nach Abschluss des Trainings war von den ursprünglichen Trainingseffekten nichts mehr zu merken. Die mögliche Rolle des Selbstkonzeptes kognitiver Leistungsmöglichkeiten für das Ausbleiben längerfristiger Trainingswirkungen wird diskutiert.

Zeitschrift für Gerontopsychologie und -psychiatrie, 8, 1995, Heft 3, S. 169-180 © Verlag Hans Huber, Bern

Summary

In an experimental study we tested the short-term effect (increase of performance) as well as the long-term effectiveness (increase of competence) of Klauer`s (1992a) training program, which was developed to enhance inductive reasoning in old age. The effects were analyzed with regard to perceptual speed, to perceptual precision, and with regard to inductive thinking in the narrow sense of discovering a rule from particular cases. As compared to a quasi-alternative program of mental reactivation (according to Lehrl & Fischer`s, 1986, Brain Jogging) the Aachen Training was not superior with regard to perceptual comparison speed that was assessed by the digit-symbol Substitution Test. However, regarding perceptual precision and inductive reasoning (which both were assessed via items from the Raven`s matrices) the Aachen Training revealed to be superior to the alternative treatment in the pretest posttest gains. This superiority was evident irrespective of the degree of dwelling on their own, the chronological age, and the educational level of the subjects which were all above sixty years of age. None of the training effects was as robust as to be observed about 11 months after finishing the treatment. A discussion on the possible role of subjects` self concept of cognitive abilities for the absence of long-term effects is provided.

Keywords: Cognitive training, inductive reasoning, perceptual speed, performance vs.competence

Zeitschrift für Gerontopsychologie und -psychiatrie, 8, 1995, Heft 3, S. 169-180 © Verlag Hans Huber, Bern


wwwadmin@hanshuber.com, 26. Juni 1997