Institut für Psychologie I der Universität Erlangen-Nürnberg
Als Einfühung in das thematische Sonderheft der Zeitschrift für Gerontopsychologie und -psychiatrie wird ein überblick über die Studie Möglichkeiten und Grenzen selbständiger Lebensführung im Alter gegeben. Sie wurde im Anschluss an eine Repräsentativerhebung von Infratest durchgeführt. 1092 Personen im Alter von 60 Jahren und mehr wurden interviewt und getestet, um kognitive, motivationale und persönlichkeitsspezifische Merkmale zu bestimmen. Ihr Gesundheitszustand wurde von ihren Hausärzten detailliert beschrieben und subjektive Einschätzungen der eigenen Gesundheit wurden erhoben. überdies wurde das Wohn- und Lebensumfeld der alten Menschen mit seinen sozialen und ökologischen Bedingungen detailliert erfasst. Der Planung der Studie lag ein Verständnis von Hilfe- und Pflegebedarf zugrunde, der das Zusammenwirken von Person- und Umgebungsvariablen hervorhebt. 14 Ergebnisse der Studie werden zusammengefasst. Viele werden in den detaillierteren Beiträgen des thematischen Sonderheftes exakter analysiert und begründet. Es wird herausgestellt, dass Begrenzungen ebenso wie Möglichkeiten selbständiger Lebensführung im Alter in der Regel erst aus dem Zusammenspiel von persönlichen und situativen Faktoren erklärbar werden. Hilfe und Pflege sollten ebenso wie Rehabilitation und Prävention bei der Person und der Gestaltung ihrer Umgebung ansetzen. Dies wird konkretisiert und unter Bezug auf die Praxis beschrieben.
Zeitschrift für Gerontopsychologie und -psychiatrie, 8, 1995, Heft 4, S. 183-198 © Verlag Hans Huber, Bern
Summary
As an introduction to the papers collected in this thematic issue of Zeitschrift für Gerontopsychologie und -psychiatrie, a brief description of the in-depth study on limitations and chances of independent life in old age is given. Following a representative survey in Germany done by Infratest, 1902 persons aged 60 and older, who lived in the eastern as well as in the western parts of the Federal Republic of Germany, were interviewed and tested, in order to assess cognitive, motivational and personal functions. Physician`s assessment of their health status as well as subjectively rated health were recorded. In addition, variables of the elderly persons` social and ecological living environment were thoroughly described. 14 results of the study, some of them elaborated in greater detail in the following contributions to the thematic issue of the journal are summarized. Limitations and chances of independent life in old age can often be explained by transactions of person and environment only. So help and care for the elderly, rehabilitation and prevention should not only be directed to the person, but also to an optimization of his or her environment. This is elaborated in greater detail and with reference to practical work.
Keywords: Help and care for the elderly, description and explanation through person and environment variables, person-environment, transaction, rehabilitation, prevention
Zeitschrift für Gerontopsychologie und -psychiatrie, 8, 1995, Heft 4, S. 183-198 © Verlag Hans Huber, Bern
Institut für Psychologie I der Universität Erlangen-Nürnberg
Ergebnisse der Studie über Möglichkeiten und Grenzen selbständiger Lebensführung im Alter belegen, daá Aktivitäten des täglichen Lebens (ADL) und instrumentelle Aktivitäten des täglichen Lebens (IADL) erst aus dem Zusammenwirken zwischen Ressourcen der Person und Faktoren ihrer Umgebung erklärt werden können. Die Form des Zusammenspiels kann in Anlehnung an die environmental docility Hypothese (Umweltgefügigkeitshypothese) von Lawton durch einen kurvilinearen Zusammenhang zwischen Ressourcen der Person und erleichternden beziehungsweise erschwerenden Bedingungen ihrer Lebenssituation dargestellt werden. Die Befunde relativieren den theoretischen Wert von ADL und IADL für die Erklärung des Hilfe- und Pflegebedarfes. Insbesondere verweisen sie auf die Notwendigkeit erklärender Indikatoren für die Praxis der Rehabilitation.
Zeitschrift für Gerontopsychologie und -psychiatrie, 8, 1995, Heft 4, S. 199-212 © Verlag Hans Huber, Bern
Results of a study on Chances and Limitations of Independent Life in Old Age clearly point out that activities of daily living (ADL) and instrumental activities of daily living (IADL) must be explained as results of a transaction between personal resources and situational affordances. Refering to Lawton`s environmental docility hypothesis we could demonstrate that relations between older persons` resources and facilitating or restricting environmental conditions are best presented in a curvilinear graph. Results theoretically restrict the use of ADL and IADL for the explanation of help and care needed by the elerly. They point out that intervention should be based on explanatory information going beyond the descriptions of ADL and IADL.
Keywords: ADL, IADL, rehabilitation, help and care for the elderly
Zeitschrift für Gerontopsychologie und -psychiatrie, 8, 1995, Heft 4, S. 199-212 © Verlag Hans Huber, Bern
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Hilfebedarf wird als transaktionales Konzept aufgefasst; seine Ausprägung wird bestimmt durch das Zusammenwirken von personalen und Umweltfaktoren. Die Ergebnisse zeigen, dass in den neuen Bundesländern der Hilfebedarf aufgrund von ungünstigen Umweltbedingungen, wie schlechtere Wohnungsausstattung und Struktur des Wohnumfelds, höher ist. Im Gesundheitszustand - erfasst durch Aussagen der Probanden und Angaben des Hausarztes - finden sich keine Unterschiede zwischen den beiden Teilstichproben. Im Gegensatz dazu lassen sich Unterschiede im Ausmass der Hilfsbedürftigkeit von Männern und Frauen durch somatische Faktoren erklären. Frauen sind in der Ausführung von Alltagstätigkeiten deutlich stärker eingeschränkt als Männer. Sowohl die Aussagen der Patienten als auch die der Hausärzte zeigen, dass der Gesundheitszustand von Frauen schlechter ist als der der Männer. Deutliche Unterschiede finden sich auch in der Art der instrumentellen Unterstützung zwischen Befragten aus den neuen und den alten Bundesländern sowie zwischen Männern und Frauen. Ein offener Hilfebedarf besteht bei Tätigkeiten, die der Hilfsbedürftige nur mit Schwierigkeiten ausführen kann. Instrumentelle Unterstützung wird vor allem durch Familienmitglieder geleistet. Professionelle Helfer und technische Hilfsmittel spielen eine geringe Rolle.
Zeitschrift für Gerontopsychologie und -psychiatrie, 8, 1995, Heft 4, S. 213-226 © Verlag Hans Huber, Bern
Summary
The need of care is conceptualized as being a transaction between personal and environmental factors. Subjective and objective data concerning the health status does not indicate any differences between participants in the Eastern and Western Bundesländer. Results of the study do support the assumption that unfavourable conditions of housing and environmental facilities contribute to a significantly higher degree of need of care in the new Bundesländer compared to the old ones. In contrast to this finding a significantly higher amount of need of care is found to be true in women than in men. This is due to their lower health status, according to statements of the patients themselves and their doctor`s. We also found considerable differences in the amount of assistance given in the Eastern and Western part of Germany. The amount of assistance given was also distinct between men and women. Additional support is still necessary for activities of daily living which elderly people perform with difficulty. Assistance of the elderly is mainly provided by familiy members. Only in one third of the sample are professional care givers part of the support system. Likewise, technical aids are used in a relatively small extent to improve the performance of activities of daily living.
Keywords: need of care, health status, environment, instrumental support, primary caregiver
Zeitschrift für Gerontopsychologie und -psychiatrie, 8, 1995, Heft 4, S. 213-226 © Verlag Hans Huber, Bern
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald
Auf der Grundlage von 23 basalen und instrumentellen Aktivitäten wurden durch die Berechnung von Cluster- und Diskriminanzanalysen drei Formen der Selbständigkeit ermittelt: Relative Selbständigkeit, Hilfebedarf und Pflegebedarf. Ausgehend von der Annahme, dass die Ressourcen einer Person, sich mit den Anforderungen ihres Alltags kompetent auseinanderzusetzen und diese zu bewältigen, von Person- und Umweltmerkmalen abhängen - und sich die objektiven Umweltbedingungen in den alten und neuen Bundesländern erheblich unterscheiden -, wurden getrennte Clusteranalysen für die Untersuchungsteilnehmer aus den alten und neuen Bundesländern gerechnet. Die Validität der ermittelten Differenzierung zwischen drei Formen der Selbständigkeit wurde unter methodischen und inhaltlichen Gesichtspunkten geprüft. Die Varianzaufklärung durch die ermittelten Diskriminanzfunktionen und die Unterschiede zwischen den drei Selbständigkeitsformen in den ADL/iADL-Mittelwerten sprechen ebenso für die Validität der Clusterlösung wie Hausarzturteile zum Hilfe- und Pflegebedarf sowie zum aktuellen Gesundheitszustand der Untersuchungsteilnehmer. Eine Differenzierung nach Altersgruppen zeigt, dass die prozentuale Verteilung der drei Cluster über die verschiedenen Altersgruppen hinweg relativ stabil bleibt; erst in den höchsten Altersgruppen (80 Jahre und älter) steigt der Anteil der Probanden mit Pflegebedarf deutlich an. Weiterhin zeigen unsere Ergebnisse, dass sich verschiedene Formen der Selbständigkeit nicht allein durch den aktuellen Gesundheitszustand vorhersagen lassen, also eine Beachtung weiterer Person- und Umweltmerkmale erforderlich ist.
Zeitschrift für Gerontopsychologie und -psychiatrie, 8, 1995, Heft 4, S. 227-236 © Verlag Hans Huber, Bern
By means of clusteranalysis based on 23 basic and instrumental activities of daily living, three patterns of independence, relative independence, need of help and need of care could be distinguished. We assume that individual resources to cope efficiently with demands of daily life depend on both, personal and environmental factors. Taking into account the differences in objective living conditions in East- and West-Germany, separate clusteranalysis for both subsamples were calculated. The validity of the cluster solution was confirmed by discriminant analyses. The distinction between the three patterns of independence was also supported by objective data concerning the degree in need of care and health status. Ratings of medical doctors demonstrate a high amount of agreement with the cluster solution. The distribution of the three patterns of independence remains relatively stable between the age of 60 and 79 years, need of care however increases in people 80 years and older. Our results also give evidence for the fact, that individual`s health status alone is only a poor predictor for patterns of independece. Our data show the importance of environmental conditions and other personal variables for maintaining independence in old age.
Keywords: activities of daily living, health status, patterns of independence, need of care, environmental conditions
Zeitschrift für Gerontopsychologie und -psychiatrie, 8, 1995, Heft 4, S. 227-236 © Verlag Hans Huber, Bern
Universität Heidelberg, Universität Mannheim
Der Beitrag thematisiert die Inanspruchnahme sozialer Dienste von in Privathaushalten lebenden älteren Menschen in unterschiedlichen Lebenssituationen. Es wird untersucht, welcher Einfluss einzelnen gesundheitlichen und sozialen Variablen für die Nutzung der Dienste zukommt und wie sich die Inanspruchnahme der Dienste in komplexeren Lebenssituationen unterscheidet. Auf der Einzelmerkmalsebene erweisen sich verschiedene Grade der Selbständigkeit im Alltag, sozioökonomische Ressourcen sowie das vorhandene Ausmass familiärer Unterstützung als zentrale Prädiktoren für die Dienstenutzung. Darüber hinaus zeigt die Analyse komplexerer Beschreibungseinheiten, d. h. unterschiedlicher Lebenssituationen, dass für ein erweitertes Verständnis der Inanspruchnahme ambulanter sozialpflegerischer Dienste das Zusammenwirken von Einzelmerkmalen im Hinblick auf das konkrete Nutzerverhalten unbedingt berücksichtigt werden muss.
Zeitschrift für Gerontopsychologie und -psychiatrie, 8, 1995, Heft 4, S. 237-246 © Verlag Hans Huber, Bern
This article has systematically examined the use of social services among non-institutionalized elderly people living in different socio-economic conditions. On the one hand the relationship between medical and social variables on service use is analyzed. On the other hand the variation of service use with regard to socio-economic living conditions is discussed. We found, that use of services is affected by indicators of everyday competence, socio-economic resources and the informal support system. Beyond this, analyzing the interaction of medical and social factors of service use in different life space (housing conditions, social class, social network) is necessary for a better understanding of service use
Keywords: Medical and social factors of using social services in the elderly, socio-economic life space
Zeitschrift für Gerontopsychologie und -psychiatrie, 8, 1995, Heft 4, S. 237-246 © Verlag Hans Huber, Bern
Bezirkskrankenhaus Erlangen
In einer 1991 sowohl in den alten wie den neuen Bundesländern durchgeführten Untersuchungen wurden 408 Hauptpflegepersonen intensiv hinsichtlich vielfältiger Aspekte ihrer Lebenssituation exploriert. Die hilfs- und pflegebedürftigen Personen waren alle in einem Alter über 60 Jahre. Als zentrale Ergebnisse dieser Untersuchung werden die familiären Bedingungen zur Hilfe und Pflege, die Motivation der Hauptpflegepersonen, das Spektrum ihrer Belastungen sowie Möglichkeiten der Hilfestellungen auf sozialer, sachlicher und institutioneller Ebene differenziert analysiert. Alle empirische Befunde werden in einem Ost-West-Vergleich aufgearbeitet und interpretiert. Es muss als bedeutsamte Erkenntnis eine sehr hohe multifaktorielle Belastung der Hauptpflegepersonen festgehalten werden, die derzeit weder durch deren soziale Netzwerke noch durch sachliche, finanzielle oder institutionelle Hilfen in einem adäquaten Ausmass aufgegangen werden kann.
Zeitschrift für Gerontopsychologie und -psychiatrie, 8, 1995, Heft 4, S. 237-246 © Verlag Hans Huber, Bern
In a survey done in 1991 in the so-called old and new German states, 408 primary care givers were submitted to an intense interview regarding numerous aspects of their life situation. The individuals in need of care and assistence were all older than 60 years. The results are discussed in terms of the need to analyse the family conditions of the care givers, their motivation, the spectrum of their personal burdens as well as the social, practical and instiutional means of assistence. These emprical patterns of findings are presented by means of an east-west comparison. Our research illustrates most notably that primary care givers are exposed to multiple strains which presently can neither be aleviated by the availability of social networks nor by menas of practical, financial or institutional assistence.
Keywords: primary care giver, family care, care in old age
Zeitschrift für Gerontopsychologie und -psychiatrie, 8, 1995, Heft 4, S. 237-246 © Verlag Hans Huber, Bern
Universität Rostock, Nervenklinik
Im Rahmen des Forschungsprojekts "Möglichkeiten und Grenzen selbständiger Lebensführung im Alter" wurde von einem transaktionalen Untersuchungsansatz ausgehend die Lebenssituation alter hilfe- und pflegebedürftiger Personen in den alten (n=745) und neuen Bundesländern (n=347) verglichen sowie die epochalen und biographisch verankerten Einflüsse auf die Lebensgestaltung alter Menschen (Durchschnittsalter 76 Jahre) dargestellt. Die Ergebnisse lassen erkennen, dass bei vergleichbaren körperlichen Einschränkungen in den neuen Bundesländern ein erhöhter Hilfebedarf aus ungünstigen Wohnbedingungen erwächst. Soziale Kontakte und die Freizeitgestaltung beschränken sich stärker auf den privaten, häuslichen Bereich. Die berufliche Integration der Frauen, wie sie in der ehemaligen DDR typisch war, begünstigt eine positiveLebensbilanz und beugt depressiver Verstimmtheit im Alter vor. Werden biographisch verankerte Einflussfaktoren in die Analyse einbezogen, treten Unterschiede im Ost-West-Vergleich in den Hintergrund.
Zeitschrift für Gerontopsychologie und -psychiatrie, 8, 1995, Heft 4, S. 237-246 © Verlag Hans Huber, Bern
A transactional study undertaken within the framework of the research project "Possibilities and limits for leading an independent life during old age" served as a basis to compare the life situation of elderly people in need of care and help in the original federal länder (n=745) and the new ones (n=347) and to describe the epochal and biographic factors influencing the organization of the lives of the elderly (mean age: 76 years). The results reveal that, for a comparable level of physical impairment, a greater need for assistance exists in the new federal länder owing to unfavourable housing conditions. Social contacts are restricted more to the private, domestic sector. The integration of women into working life, a typical feature of the former GDR, tends to engender a positive life balance and to prevent depressive dissatisfaction during old age. If biographical factors are taken into account, the differences revealed by the east-west comparison are less pronounced.
Keywords: aging-psychology, Activities of Daily Living, ADL, quality of life, east-west compariso
Zeitschrift für Gerontopsychologie und -psychiatrie, 8, 1995, Heft 4, S. 237-246 © Verlag Hans Huber, Bern
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald
In unserer Studie "Möglichkeiten und Grenzen der selbständigen Lebensführung im Alter" wurden Zusammenhänge zwischen unterschiedlichen Formen der Selbständigkeit in der Ausführung von Alltagsaktivitäten und der psychischen Situation analysiert. Unter "psychischer Situation" verstehen wir in unserer Studie die Wahrnehmung und Bewertung der eigenen Situation (einschliesslich der in ihr gegebenen Möglichkeiten und Grenzen), die Fähigkeit, belastende Ereignisse zu verarbeiten und eine tragfähige Lebensperspektive aufrechtzuerhalten oder wiederherzustellen. In einer Teilstichprobe von 300 Personen aus den alten Bundesländern wurden das Ausmass positiv bewerteter und belastend erlebter Ereignisse im letzten Jahr, die erlebten gesundheitlichen und familiären Belastungen, die allgemeine Zufriedenheit mit der gegenwärtigen Lebenssituation und die erlebte Gleichförmigkeit vs. Variabilität des Alltags erfasst (Personen, bei denen ein Verdacht auf das Vorliegen psychischer Erkrankungen oder psychopathologischer Symptome bestand, wurden nicht in die Teilstichprobe aufgenommen). In einem ersten Schritt wurden die Interkorrelationen zwischen den genannten Merkmalen der psychischen Situation bestimmt, um sicherzustellen, dass auch tatsächlich unterschiedliche Aspekte der psychischen Situation erfasst wurden. Nachdem dies sichergestellt werden konnte, wurden Zusammenhänge zwischen den Merkmalen der psychischen Situation und den drei Formen der Selbständigkeit analysiert. In einem weiteren Schritt wurde anhand von multiplen Regressionsanalysen der Zusammenhang zwischen Merkmalen der persönlichen Lebenssituation (etwa Schichtzugehörigkeit, soziale Aktivität, Familienstand) und Dimensionen von Lebenszufriedenheit - erfasst durch die Philadelphia Geriatric Center Morale Scale und den Nürnberger Altersfragebogen - bestimmt. Die Ergebnisse dieser Analysen belegen einen starken Zusammenhang zwischen dem Grad der Selbständigkeit und Dimensionen von Lebenszufriedenheit. Darüber hinaus wird aber auch deutlich, dass sich alleine auf der Grundlage von Formen der Selbständigkeit keine gültigen Aussagen über die Lebenszufriedenheit treffen lassen. Insbesondere familiären Beziehungen und sozialer Aktivität scheint eine hohe kompensatorische Bedeutung für die Aufrechterhaltung oder Wiedergewinnung einer persönlichen zufriedenstellenden Lebensperspektive zuzukommen. Im abschliessenden Kapitel wurden auf clusteranalytischer Basis vier globale Formen des Erlebens der gegenwärtigen Situation unterschieden: "Betonung positiver Aspekte der Lebenssituation", "Ausgeglichene psychische Situation", "Hohe psychische Beanspruchung, die vor allem auf erlebte gesundheitliche Belastungen zurückgeht", "Kumulation psychischer Belastungen und sehr hohe Beanspruchung". Beziehungen zwischen diesen Formen des Erlebens der gegenwärtigen Situation und den drei Formen der Selbständigkeit wurden diskutiert.
Zeitschrift für Gerontopsychologie und -psychiatrie, 8, 1995, Heft 4, S. 237-246 © Verlag Hans Huber, Bern
In the study "Chances and Limits of Independent Life in Old Age" the psychological situation of dependent and frail people was analyzed. "Psychological situation" was defined as individual's subjective perception and evaluation of the current life-situation (including chances and limits) and his/her ability to cope effectiverly with stressful life-events and to establish or restablish a personally satisfying perspective on his/her life. Subjective health status, relationships to family members, positively and negatively evaluated live-events in the last year, satisfaction with the current situation, and the amount of perceived monotony vs. variability in daily living were explored in a sub-sample of 300 participants from the western part of Germany (people suffering from severe cognitive deficits or psychpathological symptoms were excluded). In a first step correlations between these variables were calculated to ensure that different aspects of the psychological situation were examined . In a second step relationships between the different aspects of psychological situation and patterns of independence were analyzed. In our assessment of lifesatisfaction we used two psychometric scales: The "Philadelphia Geriatric Center Morale Scale" (PGC) and the "Nürnberger Alterfragebogen" (NAF). The relationship between the four PGC- and NAF-measures of life satisfaction (Agitation, Attitudes toward Aging, Lonely Dissatisfaction, Subjective Aging) and aspects of the personal life-situation (e.g. social status, social activities, family status) was tested by means of multiple regression anlaysis. The results of these analyses show that patterns of independence in performing activities of daily living can explain for a high amount of variance in dimensions of life-satisfaction. Additionally, there are important psychological variables that migth influence wether people can establish or re-establish a personally satisfying perspective on their lives. Especially "Social Activity" and "Relationships with family members" can help people to cope with stress experienced in cases of handicaps and losses of independence in performing activities of daily living. In the final chapter of this contribution four general forms of perceiving the current life-situation were distinguished by means of clusteranalysis: "Focussing on positive aspects of the current life-situation", "Keeping a personanlly satisfying perspective on a stressful life-situation". "Perceiving a stressful life-situation and bad health status", "Focussing on negative aspects in the current life-situation". Relationships between these forms and patterns of independence were discussed.
Keywords: life satisfaction, stressful life-events, social relationships, subjective health status, activities of daily living
Zeitschrift für Gerontopsychologie und -psychiatrie, 8, 1995, Heft 4, S. 237-246 © Verlag Hans Huber, Bern
Ausgehend von einem transaktionalen Untersuchungsansatz werden Aspekte der Lebensgestaltung und der Hilfe- und Pflegesituation von alten Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen (n=165) und depressiven Verstimmungen (n=119) sowie einer grösseren Vergleichsgruppe (n=818) mit vorwiegend körperlich bedingtem Hilfe- und Pflegebedarf dargestellt. Die Gruppe mit kognitiven Beeinträchtigungen erwies sich im gesundheitlichen Bereich, in den Alltagsaktivitäten und Interessen, der Anzahl und Gestaltung der Sozialkontakte als deutlich eingeschränkt und hatte einen deutlich höheren Hilfe- und Pflegebedarf, für den überwiegend ein Familienangehöriger mit erheblichen zeitlichen, familiären und emotionalen Belastungen aufkam. Die Gruppe mit depressiven Verstimmungen fiel durch multiple gesundheitliche Beschwerden und Schmerzzustände, somatisch und sozial bedingte Interessenveränderungen, sowie Belastungen in den Beziehungen zu nahen Familienangehörigen und Freunden auf. Sie mussten insgesamt mit mehr Schwierigkeiten bei alltäglichen Verrichtungen ohne Hilfe auskommen, weil ihnen bei vergleichbarem Grad an Hilfebedürftigkeit seltener eine helfende Person zur Verfügung stand. Zur Stabilisierung der psychischen und sozialbedingten Störungen und zur Aufrechterhaltung einer selbständigen Lebensführung im Alter wird die Bedeutung gerontopsychologischer Interventionnen und die Anerkennung eines sozial-kommunikativen Betreuungsbedarfs hervorgehoben.
Zeitschrift für Gerontopsychologie und -psychiatrie, 8, 1995, Heft 4, S. 237-246 © Verlag Hans Huber, Bern
Aspects of daily life and the care and help situation of elderly subjects suffering from impaired cognitive ability (n=165) and depressive irritability (n=119) and of a larger comparison group of subjects (n=818) requiring care and assistance owing to mainly physical handicaps are described on the basis of a transactional study. The cognitively impaired group proved to be severely disadvantaged in terms of health, daily activity and both number and kind of social contacts: they also needed considerably more help and care involving in most cases a considerable load in terms of time, family life and emotions on the part of one member of the family. The depressively irritable group was conspicuously prone to multiple health and pain problems, somatically and socially conditioned changes of interest and tension in relationships with close relatives and friends. On the whole, this group had to cope with more difficulties by performing day-to-day activities without assistance because a person was less frequently available to provide assistance for a given degree of impairment. The importance of gerontopsychological intervention and the recognition of a need for socio-communicative help as means for stabilizing the mental and socially conditioned disturbances and enabling an independent life to be led in old age are emphasized.
Keywords: Dementia, Depressive Disorder, Agingpsycholgy, Activities of Daily Living, Dependency
Zeitschrift für Gerontopsychologie und -psychiatrie, 8, 1995, Heft 4, S. 237-246 © Verlag Hans Huber, Bern