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Contents/Inhalt |
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S. Bölte, S. Adam-Schwebe, E. Englert,
K. Schmeck und F. Poustka Zur Praxis der psychologischen Testdiagnostik in der deutschen Kinder- und Jugendpsychiatrie: Ergebnisse einer Umfrage Test-usage in German child and adolescent psychiatry: report on a survey |
Zusammenfassung Summary |
| L. Baving und M.H. Schmidt Testpsychologie zwischen Anspruch und Wirklichkeit am Beispiel der Intelligenzdiagnostik Psychological Tests between Aspirations and Reality in Intelligence Diagnostics |
Zusammenfassung Summary |
| P. Melchers und G. Lehmkuhl Neuropsychologische Diagnostik im Kindes- und Jugendalter Neuropsychological Diagnostics in Childhood and Adolescence |
Zusammenfassung Summary |
| U. Hemminger, E. Roth, S. Schneck, T. Jans
und A. Warnke Testdiagnostische Verfahren zur Überprüfung der Fertigkeiten im Lesen, Rechtschreiben und Rechnen. Eine kritische Übersicht Methods of Diagnostic Testing to Assess Skills in Reading, Writing and Arithmetic: A Critical Survey |
Zusammenfassung Summary |
| W. Deimel, G. Schulte-Körne und H. Remschmidt Der Göttinger Formreproduktions-Test (GFT) - Ergebnisse einer unselegierten Stichprobe The Göttingen Form Reproduction Test (GFT) - Results of an Unselected Sample |
Zusammenfassung Summary |
| M. Federer, J. Margraf und S. Schneider Leiden schon Achtjährige an Panik? Prävalenzuntersuchung mit Schwerpunkt Panikstörung und Agoraphobie Do Even Eight-Year-Olds Suffer from Panic Disorder? Prevalence Study focussing upon Panic Disorder and Agoraphobia |
Zusammenfassung Summary |
Zusammenfassungen / Summaries
Zusammenfassung
92 ambulante und stationäre kinder- und jugendpsychiatrische Einrichtungen aus dem gesamten Bundesgebiet wurden zu deren Handhabe und Einschätzung testpsychologischer Verfahren befragt. Ein an die leitenden Psychologen gerichteter Fragebogen enthielt 15 offene und geschlossene Items. Alle antwortenden Kliniken verfügten über Tests und setzten diese auch in der Diagnostik ein. Zirka die Hälfte der Einrichtungen berichtete darüber hinausgehend über den obligaten Einsatz bestimmter Einzelverfahren. In einem Drittel der Kliniken erfolgte der Einsatz von Eigenentwicklungen, wobei nur ein kleinerer Teil dieser Tests auch evaluiert und publiziert wurde. Auch die Frage nach der Verwendung computerunterstützter Tests wurde von etwa einem Drittel der Befragten bejaht. Testkompendien, Fachzeitschriften, das Internet oder Kollegen werden verbreitet konsultiert, um sich über psychometrische Verfahren zu informieren. Am häufigsten wurde der Einsatz von Intelligenztests berichtet. Dagegen werden strukturierte Interviews vergleichbar selten durchgeführt. Die Wechsler-Intelligenzskalen für Kinder und Erwachsene, die CFT-Skalen, der d2 und der Scenotest sind Beispiele für verbreitet durchgeführte Einzeltests. Etwa ein Viertel der Befragten berichtete von einer prinzipiellen Ablehnung einzelner Verfahren, darunter projektive Tests und Intelligenztests. Ethische Beweggründe spielten bei Ablehnungen keine Rolle. Vermisst werden sowohl Aktualisierungen und Neunormierungen gängiger Verfahren als auch adäquate Verfahren in bestimmten Bereichen ganz allgemein, zum Beispiel für Lese-, Rechtschreib- und Rechenstörungen. Einzelne Umfrageergebnisse geben auch Anlass zur kritischen Analyse der berichteten kinder- und jugendpsychiatrischen Testpraxis.
Schlüsselwörter
Umfrage, Testdiagnostik
Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, Band 28, 2000, Heft 3, © 2000 Verlag Hans Huber Bern
92 inpatient and outpatient child and adolescent psychiatric institutions all over Germany were surveyed on practice and attitude towards psychological tests. Leading psychologists were contacted by mail and given a 15 item questionnaire. All institutions reported keeping at least a small test-inventory and using psychological tests in diagnostics. Half of the clinics carried out individual tests obligatory in the routine. Additionally, one third applied self-constructed instruments, which in the minority of cases had been psychometrically investigated or published. Computer-aided testing was established in one third of the institutions. Colleagues, test-compendia, scientific journals and the internet are quite often consulted for test-information. Intelligence measures are the most frequently administred test in child and adolescent psychiatry, while structured interviews are applied rarely. Among the highly frequent used individual tests were the Wechsler-Intelligence-Scales for children and adults, the CFT-scales, the projective Sceno-test and the d2-attention endurance test. One forth of the surveyed clinics reported refusal of individual or groups of tests, including projective and cognitive assessments. Thereby, ethic aspects were never mentioned as a reason for rejection. A range of diagnosticians reported to miss adequate measures for diverse constructs, e.g. learning disabilities. Furthermore, new norms and up-dates for regularly used instruments were often demanded. Some single survey-results also give reason for critically reviewing aspects of test-usage in German child and adolescent psychiatry.
Key words
Survey, psychological testing
Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, Band 28, 2000, Heft 3, © 2000 Verlag Hans Huber Bern
Zusammenfassung
Fragestellung: Die US-amerikanischen Standards zur Sicherung
der Qualität psychologischer Testdiagnostik erschienen 1998
in deutscher Übersetzung unter dem Titel Standards für
pädagogisches und psychologisches Testen. Für die testpsychologische
Untersuchung von Kindern und Jugendlichen wichtige Intelligenztests
sollen anhand dieser Standards bewertet werden.
Methodik: Als relevant erscheinende Standards wurden dargestellt
und diskutiert. Die Intelligenztests HAWIK-R, HAWIK-III, K-ABC,
AID, PSB, I-S-T 70, SPM, CFT 1, CFT 20, SON-R 212-7, SON-R 512-17
CMM-LB, wurden unter Einbezug der Testhandbücher und
von Testrezensionen und empirischen Untersuchungen aus der Literatur
auf ihre Erfüllung der Standards überprüft.
Ergebnisse: Die genannten Intelligenztests unterscheiden sich
erheblich in dem Ausmaß, in welchem sie den Standards entsprechen.
Schlussfolgerungen: Die Standards erscheinen zumindest zum Teil
als relevant für testpsychologische Untersuchungen im Rahmen
kinder- und jugendpsychiatrischer Fragestellungen. Für solche
Untersuchungen eingesetzte Intelligenztests sollten hinsichtlich
ihrer Qualität und Eignung für die zu beantwortende
Fragestellung kritisch reflektiert werden. PSB und I-S-T 70 sollten
generell aufgrund ihrer völlig überalterten Normen nicht
mehr eingesetzt werden.
Schlüsselwörter
Testpsychologie, Standards, Intelligenz, Diagnostik, Kinder
Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, Band 28, 2000, Heft 3, © 2000 Verlag Hans Huber Bern
Objectives: The U.S.-American standards of quality for psychological
diagnostics tests were published in 1998 in German translation
under the title «Standards für pädagogisches und
psychologisches Testen». The relevance of these Standards
for studies of psychological testing in child and adolescent psychiatry
is discussed. Important intelligence tests will be assessed on
the basis of these standards for studies of psychological testing
in children and adolescents.
Methods: Relevant standards were presented and discussed. The
intelligence tests HAWIK-R, HAWIK-III, K-ABC, AID, PSB, I-S-T
70, SPM, CFT 20, CMM-LB, SON-R 212-7, SON-R 512-17 were analyzed
with regard to whether or not they fulfilled the Standards under
inclusion of the test manuals, test reviews, and empirical studies
from the literature.
Results: The intelligence tests listed differ widely in the extent
to which they meet the Standards.
Conclusions: The Standards appear, at least in part, to be relevant
to studies of psychological testing in child and adolescent psychiatry.
The intelligence tests used in such studies should be critically
examined with regard to their quality and whether or not they
are suitable for the issues to be resolved. Given their completely
outdated standard, it is recommended to refrain from further use
of PBS and I-S-T 70.
Key words
Psychological testing, standards, intelligence, diagnostics, children
Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, Band 28, 2000, Heft 3, © 2000 Verlag Hans Huber Bern
Zusammenfassung
Bei einer Vielzahl von Fragestellungen und Störungsbildern sollte neuropsychologische Diagnostik einen festen Stellenwert haben, sowohl in der initialen wie auch in der Verlaufsbeurteilung. Mit Blick auf die Anwendung in der Kinder- und Jugendpsychiatrie ist zunächst eine beschreibende Definition dieses Bereichs psychologischer Diagnostik zu versuchen. Dabei bestehen methodisch grundlegend unterschiedliche Zugangswege, die in ihren Auswirkungen auf Psychometrie wie Interpretation zu erörtern sind. Unabhängig davon, dass die gegenwärtige Verfügbarkeit standardisierter neuropsychologischer Diagnostik nur in einigen Bereichen befriedigen kann, wird eine Darstellung der in klinischer Praxis und/oder Forschung anwendbaren Verfahren versucht. Neben einzelnen Testbatterien werden Einzeltestverfahren für die Bereiche visuelle und auditive Gedächtnisfunktionen, Aufmerksamkeitsfunktionen, sprachassoziierte Funktionen und Exekutivfunktionen besprochen. Der aktuelle Stand neuropsychologischer Diagnostik führt zu wesentlichen Aufgaben ihrer Weiterentwicklung. Dies gilt sowohl für kurzfristig erreichbare Ziele wie Adaptation oder Normierung verfügbarer Instrumente als auch für längerfristige Forschungsaufgaben.
Schlüsselwörter
Neuropsychologie, Testpsychologie, Diagnostik, Psychometrie, Kinder
Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, Band 28, 2000, Heft 3, © 2000 Verlag Hans Huber Bern
Among a number of issues and disorder pictures neuropsychological diagnostics should occupy a solid position, both in the initial assessment, as well as in that of the course. With an eye towards its use in child and adolescent psychiatry, a descriptive definition of this area of psychological diagnostics must be provided. In so doing, several essentially different approaches arise, whose effects on psychometrics and interpretation must be examined. Regardless of the fact that the current availability of standardized neuropsychological diagnostics is satisfactory only in certain areas, the methods used in clinical parctice and/or research are presented. In addition to the individual test batteries, individual test methods for the areas of visual and auditory memory functions, attention functions, functions associated with speech, and executive functions are discussed. The current status of neuropsychological diagnostics generates essential tasks towards its further development. This is true with regard to goals attainable in the short term, such as adaptation or standardization of available instruments, as well as for long-term research tasks.
Key words
Neuropsychology, tests, assessment, psychometrics, children
Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, Band 28, 2000, Heft 3, © 2000 Verlag Hans Huber Bern
Zusammenfassung
Fragestellung: Die Diagnose einer umschriebenen Entwicklungsstörung
schulischer Fertigkeiten kann nur auf der Grundlage individuell
angewendeter standardisierter Testverfahren zur Prüfung von
Schulleistungen und IQ erfolgen. Um dem Untersucher die Auswahl
geeigneter Verfahren zu erleichtern, soll eine kritische Übersicht
deutschsprachiger Verfahren zur Erfassung von Rechtschreib-, Lese-
und Rechenfertigkeiten gegeben werden.
Methodik: Testintention und Gütekriterien der Schulleistungstests
werden zusammenfassend dargestellt. Die Verfahren werden hinsichtlich
ihrer Brauchbarkeit zur Legasthenie- und Dyskalkuliediagnostik
bewertet. Ergänzend werden Vorschläge zur klinischen
Prüfung gegeben.
Ergebnis: Zusammenfassend stehen jenseits des Grundschulbereichs
nicht ausreichend aktuell normierte und den gängigen Gütekriterien
genügende Verfahren zur Verfügung. Insbesondere zur
Prüfung von Rechenfertigkeiten muss jenseits der 4. Klasse
auf Verfahren zurückgegriffen werden, deren curriculare Gültigkeit
zweifelhaft ist. Die letzten Klassenstufen der Haupt- und Realschule
sind dann wieder besser abgedeckt.
Schlussfolgerungen: Es kann ein deutlicher Bedarf an Neukonstruktionen
bzw. Aktualisierungen publizierter Schulleistungstests festgestellt
werden.
Schlüsselwörter
Legasthenie, Dyskalkulie, testdiagnostische Verfahren, Gütekriterien
Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, Band 28, 2000, Heft 3, © 2000 Verlag Hans Huber Bern
Objectives: The diagnosis of a specific developmental disorder
of reading, writing and arithmetic can be made based upon individually
applied standardized methods for testing scholastic achievement
and IQ. To make the choice of suitable methods easier for the
administrator of the test, a critical survey of German-language
methods for assessing skills in reading, writing and arithmetic
is presented.
Methods: Test intention and psychometric properties for scholastic
achievement are summarized. The methods are assessed with regard
to their utility in the diagnosis of congenital alexia and dyscalculia.
Supplementary suggestions for clinical assessment are given.
Results: In summary, beyond the primary school area there is a
lack of current standardized methods that meet the current standards
of quality. Particularly the assessment of arithmetic skills above
those of the 4th grade level require resorting to methods of dubious
curricular validity. Coverage is once again better for the upper
elementary and middle school levels.
Conclusions: There is a need for new constructions, respectively
a need to update published scholastic achievement tests.
Key words
Congenital alexia, dyscalculia, diagnostic testing methods, psychometric properties
Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, Band 28, 2000, Heft 3, © 2000 Verlag Hans Huber Bern
Zusammenfassung
Der Göttinger Formreproduktions-Test (GFT) ist ein vergleichsweise altes Verfahren zur Erfassung der visuo-motorischen Koordination, das in der klinischen Praxis noch oft durchgeführt wird. Anhand einer Stichprobe von 72 unselegierten Zweitklässlern wird gezeigt, dass die Prozentränge im Mittel deutlich zu hoch ausfallen. GFT-Prozentränge sollten also in der klinischen Diagnostik sehr vorsichtig interpretiert werden.
Schlüsselwörter
Göttinger Formreproduktions-Test (GFT), Normdaten, Diagnostik, Schule
Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, Band 28, 2000, Heft 3, © 2000 Verlag Hans Huber Bern
The Göttingen Form Reproduction Test (GFT) is a relatively old method of assessing visuo-motor coordination that is still often performed in clinical practice. Based on a sample of 72 unselected second-graders, it was shown that the mean percent ranks are too high. GFT percent ranks then should be interpreted with extreme caution in the course of clinical diagnosis.
Key words
Göttingen Form Reproduction Test (GFT), normative data, diagnostics, primary school
Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, Band 28, 2000, Heft 3, © 2000 Verlag Hans Huber Bern
Zusammenfassung
Fragestellung: Die vorliegende Studie untersuchte, ob in einer
repräsentativen Stichprobe Achtjähriger Kinder mit Panikstörung
gefunden werden und ermittelte die 6-Monats-Prävalenzen der
DSM-IV Angststörungen in dieser Altersgruppe.
Methode: Eine repräsentative Stichprobe von 826 achtjährigen
Schülern der 2. Klassen in Dresden wurde mit einem zweistufigen
Vorgehen untersucht. Besondere Sorgfalt wurde auf die Erfassung
der Panikstörung gelegt. Die Achtjährigen wurden bereits
im Screening persönlich befragt und mit 230 der Kinder fand
eine diagnostische Einzeluntersuchung mit einem strukturierten
diagnostischen Interview statt.
Ergebnisse: Es ergab sich eine Gesamtprävalenz an Angststörungen
von 9,5%. Eine Panikstörung konnte nicht gefunden werden,
auch keine Agoraphobie. Für die Diagnose einer Agoraphobie
fehlte das DSM-IV Diagnosekriterium, daß agoraphobie-typische
Situationen gefürchtet oder vermieden werden, weil dort Flucht
schwierig oder Hilfe schwer erreichbar wäre. Achtjährige
machen diese kognitive Verknüpfung nicht. An einer Spezifischen
Phobie in agoraphobischen Situationen leiden 2,5% der Kinder (fast
ausschließlich Mädchen). Die Prävalenz der Angststörungen
ist bei den Mädchen deutlich höher als bei den Jungen.
Schlüsselwörter
Kinder-, Epidemiologie, Psychische-Störungen, Angststörungen, Panikstörung, Agoraphobie, Geschlechtsunterschiede beim Menschen
Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, Band 28, 2000, Heft 3, © 2000 Verlag Hans Huber Bern
A representative sample of 826 eight-year-old second-graders in Dresden was examined in a two-stage procedure to ascertain the 6-month prevalence of DSM-IV anxiety disorders. Particular care was taken to assess panic disorder. The eight-year-olds had already been interviewed personally in a screening session and in 230 children an individual diagnostic examination with a structured diagnostic interview was carried out. The total prevalence of anxiety disorder was 9.5%. No case of either panic disorder or agoraphobia was found. For the diagnosis of agoraphobia the DSM-IV diagnostic criterion was lacking in which situations typical to agoraphobia are feared or avoided because escape would be difficult or it would be difficult to reach help. Eight-year-olds do not forge this cognitive link. In agoraphobic situations 2.5% of the children (almost exclusively, girls) suffer from a specific phobia. The prevalence of anxiety disorders is markedly higher among girls than in boys.
Key words
Children, epidemiology, mental disorders, anxiety disorders, panic disorder, agoraphobia, gender differences in humans
Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, Band 28, 2000, Heft 2, © 2000 Verlag Hans Huber Bern