|
Contents/Inhalt |
| G. Schulte-Körne, W. Deimel, J. Hülsmann,
T. Seidler und H. Remschmidt Das Marburger Rechtschreib-Training - Ergebnisse einer Kurzzeit-Intervention The Marburg Spelling Training Program-Results of a Short-Term Intervention |
Zusammenfassung Summary |
| M. Huss, A. Iseler und U. Lehmkuhl Interkultureller Vergleich der Conners-Skalen: Lässt sich die US-amerikanische Faktorenstruktur an einer deutschen Klinikstichprobe replizieren? Cross-Cultural Generalizability of the Conners Parent Rating Scales: Can the U.S.-American Factor Structure be Replicated in a German Clinical Sample? |
Zusammenfassung Summary |
| Th. Jans, Ch. Wewetzer, B. Müller, A.
Neudörfl, U. Bücherl, A. Warnke, B. Herpertz-Dahlmann
und H. Remschmidt Der Langzeitverlauf von Zwangsstörungen mit Beginn im Kindes- und Jugendalter: Psychosoziale Adaptation im Erwachsenenalter Long-term Course of Childhood-onset Obsessive-Compulsive Disorder: Social Adjustment at Follow-up |
Zusammenfassung Summary |
| Ch. Klicpera und B. Gasteiger Klicpera Macht Intelligenz einen Unterschied? Rechtschreiben und phonologische Fertigkeiten bei diskrepanten und nichtdiskrepanten Lese/ Rechtschreibschwierigkeiten Does Intelligence Make a Difference? Spelling and Phonological Abilities in Discrepant and Non-discrepant Reading and Spelling Disabilities |
Zusammenfassung Summary |
| S. Klemm, U.-J. Gerhard und B. Blanz Schizophrenierisiko und Bildgebung zum zerebralen Membranmetabolismus Risk for Schizophrenia and Imaging Procedure in Cerebral Membrane Metabolism |
Zusammenfassung Summary |
| H. Remschmidt und J. Hebebrand Das Asperger Syndrom. Eine aktuelle Übersicht Asperger's Syndrome: A Current Review |
Zusammenfassung Summary |
Zusammenfassungen / Summaries
Zusammenfassung
Fragestellung: Das Marburger Rechtschreibtraining wurde mit
einer Gruppe von 10 rechtschreibschwachen Grundschülern (2.4.
Klasse) über einen Zeitraum von drei Monaten als Einzeltraining
durchgeführt.
Ergebnisse: Dabei ergaben sich signifikante Verbesserungen im
Rechtschreib- und Lesetest, jedoch noch nicht im subjektiv eingeschätzten
Leidensdruck.
Schlussfolgerung: Das Marburger Rechtschreibtraining hat sich
nicht nur in einer Langzeit-, sondern auch in einer Kurzzeitintervention
als erfolgreich herausgestellt.
Schlüsselwörter
Lese-Rechtschreibstörung, Therapie, Evaluation
Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, Band 29, 2001, Heft 1, © 2001 Verlag Hans Huber Bern
Objectives: The Marburg Spelling Training Program was administered
to a sample of 10 spelling-disabled primary school pupils (2nd4th
graders) over three months in an individual setting.
Results: Statistical analyses yielded significant improvements
in spelling and reading test performances, but none yet in the
emotional stress caused by the problems.
Conclusion: The Marburg Spelling Training Program has now proven
to be effective not only in long-term, but also in short-term
intervention.
Key words
Dyslexia, therapy, evaluation
Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, Band 29, 2001, Heft 1, © 2001 Verlag Hans Huber Bern
Zusammenfassung
Fragestellung: Im Zuge der internationalen Vernetzung kinderpsychiatrischer
Forschung kommt der Frage der interkulturellen Vergleichbarkeit
von Faktorenstrukturen gängiger Fragebogenverfahren eine
zentrale Bedeutung zu. Die vorliegende Studie prüft, ob die
US-amerikanische Faktorenstruktur (US-Modell) der Conners Parent
Rating Scale (CPRS) an einer deutschen kinderpsychiatrischen Inanspruchnahmepopulation
replizierbar ist.
Methodik: Die Stichprobe von 1394 Kindern und Jugendlichen wird
randomisiert halbiert. An der einen Teilstichprobe wird mittels
explorativer Faktorenanalyse ein deutsches Faktorenmodell (D-Modell)
entwickelt. Dieses wird im Vergleich mit dem nach Conners (1989)
erstellten US-Modell an der zweiten Teilstichprobe mittels konfirmatorischer
Faktorenanalyse (LISREL 8) überprüft.
Ergebnisse: Das D-Modell stimmt mit dem US-Modell in 87% der Pfadbeziehungen
überein. Beide Modelle weisen Einschränkungen der Vorhersagegüte
auf. Das D-Modell hat erwartungskonform etwas bessere Vorhersagewerte
als das US-Modell (GFI = .81; AGFI = .75 versus GFI = .76; AGFI
= .71).
Schlussfolgerungen: Verglichen mit anderen Studien zur interkulturellen
Generalisierbarkeit von Faktorenstrukturen dimensionaler Verfahren
(z.B. De Groot et al., 1994) haben die «goodness of fit»
Indices für die CPRS insgesamt schlechtere Werte. Dies ist
jedoch größtenteils auf Restriktionen im Modell (keine
Mehrfachladungen) zurückzuführen. Interkulturelle Abweichungen
ergeben sich bei der Skala «Impulsivität/Hyperaktivität».
Die übrigen Skalen lassen sich gut replizieren.
Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, Band 29, 2001, Heft 1, © 2001 Verlag Hans Huber Bern
Objective: International networks in child psychiatry research
increasingly rely on the cross-cultural generalizability of commonly
used questionnaire factor structures. The aim of this study is
to analyze whether the U.S. factor structure of the Conners Parent
Rating Scale (CPRS) can be replicated in a German clinical sample.
Method: A German child psychiatry sample of 1394 children children
and adolescents was randomly splitted into halves. One sub-sample
was used to calculate a German factor model by means of exploratory
factor analysis. This model is tested in comparison with he U.S.
model constructed according to Conners (1989) in the second sub-sample
by means of a confirmatory factor analysis (LISREL 8).
Results: 87% of the path relations in the German and U.S.-American
models are identical. Both models show limitations with regard
to their predictive power. As expected, the goodness of fit indices
for the German model are somewhat better than for the U.S. model
(GFI = .81; AGFI = .75 versus GFI = .76; AGFI = .71).
Conclusions: The goodness of fit indices of the CPRS model are
less satisfactory than those of other studies on the cross-cultural
generalizability of factor strucutres of dimensional questionnaires
(i.e., De Groot et al., 1994). However, this is mainly due to
restrictions within the model (no multiple factor loadings). With
respect to the cross-cultural generalizability differences were
found in the impulsiveness/hyperactivity scale. All other sclaes
could be well replicated.
Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, Band 29, 2001, Heft 1, © 2001 Verlag Hans Huber Bern
Zusammenfassung
Fragestellung: In der vorliegenden Untersuchung wurde der Langzeitverlauf
der Zwangsstörung mit Beginn im Kindes- und Jugendalter untersucht,
wobei an dieser Stelle insbesondere Ergebnisse zur psychosozialen
Adaptation im Erwachsenenalter berichtet werden sollen.
Methodik: 55 von 116 Patienten mit einer nach den Kriterien des
DSM-IV diagnostizierten Zwangsstörung im Kindes- oder Jugendalter
wurden mit strukturierten Interviewverfahren persönlich nachuntersucht.
Das mittlere Alter bei Beginn der Zwangsstörung betrug 12,5
Jahre, die mittlere Katamnesezeit 11,2 Jahre.
Ergebnis: Trotz einer deutlichen Belastung mit psychischen Störungen
zum Katamnesezeitpunkt führten 76% der Patienten ihr eigenes
Leben, ohne übermäßig von ihren Eltern abhängig
zu sein. 84% der Patienten hatten keine beeinträchtigenden
schulischen oder beruflichen Schwierigkeiten. Die sozialen Kontakte
von 73% der Patienten wurden als befriedigend beurteilt, jedoch
hatten nur 54% zum Untersuchungszeitpunkt eine Partnerschaft.
Schlussfolgerungen: In Übereinstimmung mit anderen Studien
wurde ein deutlicher Zusammenhang zwischen dem Verlauf der Zwangssymptomatik
und der psychosozialen Adaptation im Erwachsenenalter gefunden.
Beeinträchtigungen scheinen eher im sozialen Bereich und
auf psychosexuellem Gebiet vorzuliegen als im beruflichen Bereich.
Die verhältnismäßig gute psychosoziale Anpassung
weist darauf hin, dass die meisten Patienten trotz ihrer psychischen
Schwierigkeiten Möglichkeiten gefunden haben, ihr Leben zu
meistern.
Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, Band 29, 2001, Heft 1, © 2001 Verlag Hans Huber Bern
Objective: The aim of the study was to investigate the long-term
course of obsessive-compulsive disorder (OCD) with onset in childhood
or adolescence. This presentation focuses on the social adjustment
of the former patients in adulthood.
Methods: Fifty-five out of 116 patients with childhood OCD classified
according to DSM-IV criteria were interviewed personally using
structured interviews. Mean age at onset of OCD was 12.5 years,
and mean follow-up time was 11.2 years.
Results: Despite the evident burden of mental disorder at the
time of the follow-up, 76% led their own lives without being overly
dependent upon their parents. 84% had no problems that impaired
either school or their occupation. 73% were rated as maintaining
satisfying social contacts, but only 54% were in a relationship
at follow-up.
Conclusions: In agreement with other studies we found an association
between the level of psychosocial adjustment and the course of
obsessive-compulsive symptoms. Summing up, social adjustment and
psychosexual functioning seem to be more impaired than occupational
functioning. The relatively good adjustment of our sample indicates
that most patients have found a way of managing their lives, albeit
still suffering from mental disorders.
Key words
Obsessive-compulsive disorders, long-term course, social adjustment
Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, Band 29, 2001, Heft 1, © 2001 Verlag Hans Huber Bern
Zusammenfassung
Etwa 1800 Kinder der 2. bis 4. Klasse Grundschule wurden nach ihrem Leistungsstand im Lesen und Rechtschreiben sowie ihrer nonverbalen Intelligenz in drei Gruppen geteilt: Kinder mit durchschnittlichen Leistungen, und Kinder mit schwachen Leistungen im Lesen und Rechtschreiben, die entweder in Diskrepanz zu ihrer durchschnittlichen bis guten Intelligenz standen oder mit ihr übereinstimmten. Die Leistungen dieser drei Gruppen im phonologischen Rekodieren und orthographischen Wissen wurden verglichen. Im phonologischen Rekodieren unterschieden sich Kinder mit spezifischen und unspezifischen Lese- und Rechtschreibschwierigkeiten kaum voneinander. Beide Gruppen wiesen aber wesentlich größere Schwierigkeiten auf als jüngere Kinder. Auf der anderen Seite zeigten die lese- und rechtschreibschwachen Kinder mit höherer Intelligenz einen gewissen Vorteil bei jenen Aufgaben, die besondere Anforderungen an das orthographische Wissen stellten. Allerdings waren diese Unterschiede nicht in allen Klassenstufen nachweisbar, sondern nahmen in den höheren Klassenstufen ab. Auch in den phonologischen Bewusstheitsaufgaben sowie bei anderen phonologischen Aufgaben zeigten sich deutliche Unterschiede zwischen durchschnittlichen und schwachen Schülern, aber kaum Unterschiede zwischen Kindern mit diskrepanten und nicht-diskrepanten Lese- und Rechtschreibschwierigkeiten.
Schlüsselwörter
Diskrepante Lese- und Rechtschreibschwierigkeiten, orthographisches Wissen, phonologische Fertigkeiten, phonologische Bewusstheit
Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, Band 29, 2001, Heft 1, © 2001 Verlag Hans Huber Bern
Objectives: In an investigation involving, 1800 second-to-fourth
graders, the children were divided into three groups according
to their reading and spelling achievement and the results of a
nonverbal intelligence test: children with average achievement
in oral reading and spelling, and those with poor achievements
in both which were either discrepant or non-discrepant to their
good-to-average scores on the intelligence test.
Methods: Results for all three groups on a number of spelling
tests were compiled to assess two component spelling skills: phonological
recoding and application of orthographical knowledge.
Results: Children with either specific or nonspecific reading
and spelling disabilities performed at the same level of phonologial
recoding, while both groups were worse than younger children of
average ability at the same spelling level. Chidlren with IQ-discrepant
reading and spelling disabilities hat, on the other hand, a certain
advantage over children with the same number of difficulties in
spelling but a lower IQ on tasks rquiring a knowledge of orthography.
Though particularly evident in the lower grades, this advantage
declined with advancing grade level. Additional comparison of
the three groups in tests of phonological awareness and other
phonological skills revealed a similar pattern of great differences
between the two groups of poor readers and spellers and the average
children, but slight non-significant differences between children
with IQ-discrepant and non-discrepant reading and spelling disbilities.
Key words
Discrpeancy definition, reading and spelling disabilties, orthographical knowledge, phonological skills phonological awareness
Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, Band 29, 2001, Heft 1, © 2001 Verlag Hans Huber Bern
Zusammenfassung
In den letzten Jahrzehnten gewannen neurobiologische Forschungszugänge zur Ätiopathogenese der schizophrenen Störung an Bedeutung. Im Rahmen eines Vulnerabilitäts-Stress-Modells werden hirnstrukturelle und -funktionelle Alterationen bei schizophren Erkrankten und Personen mit einem genetischen Schizophrenierisiko sowie die daraus entwickelten Hypothesen zur Neuroentwicklungs- bzw. Neurodegenerationsstörung vorgestellt. Auf das neurobiochemische Paradigma zur Störung des Metabolismus der Membranphospholipide wird anschließend näher eingegangen. Einen Zugang zu Indikatoren dieses möglichen Endo-Phänotypes liefern 31Phosphor-Magnetresonanz-Spektroskopische Untersuchungen. Die Chancen und Grenzen dieser Methode sowie bislang gewonnene Befunde werden erläutert. Abschließend wird diskutiert, dass bestimmte prä-, peri- und postnatale Einflüsse auf den zerebralen Lipidmetabolismus und damit auf die Hirnentwicklung möglicherweise im Zusammenhang zu hirnstrukturellen und -funktionellen Veränderungen bei schizophrenen Störungen stehen.
Schlüsselwörter
Zerebraler Membranmetabolismus, Schizophrenierisiko, 31Phosphor-Magnetresonanz-Spektroskopie (31P-MRS)
Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, Band 29, 2001, Heft 1, © 2001 Verlag Hans Huber Bern
In recent years neurobiological research on the etiology of schizophrenia has became increasingly important. In terms of a vulnerability-stress model, structural and functional cerebral alterations in schizophrenics and subjects with a genetic risk for schizophrenia are presented together with hypotheses for distrubances of neurodevelopment or neurodegeneration developed from these implications. A detailed description follows of a neurobiochemical paradigm on the disturbance of metabolism of membrane-phospholipids. 31Phosphorous Magnetic Resonance Spectroscopy allows the detection of indicators of this possible endo-phenotype. The possibilities and limitations of this method are explained, as are findings up to the present. Finally, it is discussed that specific pre-, peri- and postnatal influences on the cerebral metabolism of lipids, and thus on cerebral development, may be related to structural and functional cerebral changes in schizophrenia.
Key words
Cerebral membrane metabolism, risk for schizophrenia, phosphorous magnet resonance spectroscopy
Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, Band 29, 2001, Heft 1, © 2001 Verlag Hans Huber Bern
Zusammenfassung
Das Asperger-Syndrom (AS) ist gekennzeichnet durch eine ausgeprägte Kontakt- und Kommunikationsstörung, die meist im Vorschulalter evident wird, sowie durch eine qualitative Beeinträchtigung des Interaktionsverhaltens, mangelndes Einfühlungsvermögen, motorische Auffälligkeiten und (inkonstant) ausgeprägte Sonderinteressen. Es wird zu den tiefgreifenden Entwicklungsstörungen gerechnet. Als Ursache werden genetische Faktoren angenommen im Verein mit umschriebenen Hirnfunktionsstörungen und neuropsychologischen Ausfällen, die alle auf eine Einschränkung nonverbalen Lernens hinweisen, wobei sich das Intelligenzniveau meist im Normbereich bewegt. Die Behandlung stützt sich auf verhaltenstherapeutische Vorgehensweisen zur Einübung sozialer Fertigkeiten sowie die angemessene schulische Förderung und Beschäftigung, unter Berücksichtigung der individuellen Besonderheiten des Einzelfalles. Eine medikamentöse Behandlung kann angezeigt sein, wenn besondere Symptome wie Hyperaktivität und Unruhe, aggressives Verhalten, Schlafstörungen oder depressive Verstimmungen auftreten.
Schlüsselwörter
Asperger-Syndrom, autistische Psychopathie (Persönlichkeitsstörung), tiefgreifende Entwicklungsstörung
Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, Band 29, 2001, Heft 1, © 2001 Verlag Hans Huber Bern
Objectives: Asperger's Syndrome is a pervasive developmental disorder that manifets itself at pre-school age. It is characterized by qualitative impairments of social interaction, deficits in empathy, motor disturbances, and restricted repetitive and stereotyped patterns of behavior, interests and activities. A genetic etiology is assumed in context with brain dysfunctions and neuropsychological deficits which are all focused upon nonverbal learning, even though the general intellectual level is within the normal range. Treatment must take into account the individual aspects of each case and is based mainly on behavior therapy, group training of social skills, vocational training and adaptation, and if necessary, on medication. Medical treatment is indicated in the presence of special symptoms such as hyperactivity, aggressive behavior, sleep disorders, or depression.
Key words
Asperger's Syndrome, autistic psychopathy, personality disorder, pervasive developmental disorder
Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, Band 29, 2001, Heft 1, © 2001 Verlag Hans Huber Bern