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Contents/Inhalt |
| G. Nummer und I. Seiffge-Krenke Können Unterschiede in Stresswahrnehmung und -bewältigung Geschlechtsunterschiede in der depressiven Symptombelastung bei Jugendlichen erklären? Can differences in recognition of and coping with stress explain gender differences in depressive symptoms of adolescents? |
Zuammenfassung Summary |
| B. Gasteiger Klicpera und C. Klicpera Viktimisierung durch Gleichaltrige als Entwicklungsrisiko Victimization by peers as a developmental risk factor |
Zusammenfassung Summary |
| G. Schulte-Körne, W. Deimel und H. Remschmidt Zur Diagnostik der Lese-Rechtschreibstörung On the diagnostics of dyslexia |
Zusammenfassung Summary |
| S. Walitza, U. Schulze und A. Warnke Unterschiede zwischen jugendlichen Patientinnen mit Anorexia und Bulimia nervosa im Hinblick auf psychologische und psychosoziale Merkmale Differences between female patients with anorexia nervosa and bulimia nervosa in respect to psychological and psychosocial features |
Zusammenfassung Summary |
| K. Becker und M.H. Schmidt «Es hätte mich nichts davon abhalten können, Gott und die Welt nicht!» - Kasuistik einer 14-jährigen Imitationssuizidentin «There was nothing which could stop me!» Case report of an imitation suicide by a 14-yearold girl |
Zusammenfassung Summary |
| K. Reitzle, A. Warnke, C. Wewetzer und H.
Müller Agranulozytose bei einem Kind mit Schizophrenie unter Clozapintherapie - klinisches Bild und Therapie, eine Kasuistik Agranulocytosis in a schizophrenic child receiving clozapine therapy - clinical picture and therapy, a case report |
Zusammenfassung Summary |
Zusammenfassungen / Summaries
Zusammenfassung
Die vorliegende Längsschnittstudie untersucht den differentiellen Beitrag von Belastung, Bewältigung und sozialen Beziehungen zur Erklärung depressiver Symptombelastung im Jugendalter. 101 weibliche und 89 männliche Jugendliche nahmen an vier jährlichen Erhebungswellen teil, in denen depressive Symptome, Alltagsbelastungen, Konflikte mit Eltern und Freunden, der Copingstil sowie das Selbstkonzept untersucht wurden. Im Alter von 14 Jahren wurden bei weiblichen im Vergleich zu männlichen Jugendlichen ein höheres Ausmaß an Alltagsstressoren, mehr Konflikte in der Beziehung zur Mutter sowie mehr vermeidendes Coping festgestellt; männliche Jugendliche wiesen zu allen Messzeitpunkten weniger depressive Symptome und ein positiveres Selbstkonzept auf. Regressionsanalysen ergaben, dass depressive Symptombelastung bei weiblichen Jugendlichen in der späten Adoleszenz konsistent durch alltägliche Belastungen und vermeidendes Coping in der frühen und mittleren Adoleszenz vorhergesagt werden konnte. Bei männlichen Jugendlichen hingegen trug lediglich das Ausmaß an Konflikten in der Beziehung zu Freunden in der frühen Adoleszenz zur Erklärung der depressiven Symptombelastung in der späten Adoleszenz bei.
Schlüsselwörter
Depressive Symptome, Stress, Coping, Geschlechtsunterschiede
Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, Band 29, 2001, Heft 2, © 2001 Verlag Hans Huber Bern
A four-year longitudinal study explored the different contribution of low self-esteem, different types of stressors, conflict in close relationships and avoidant coping to the explanation of depressive symptomatology in adolescents. One hundred and ninety adolescents, 101 females and 89 males, participated in four annual assessments using diverse instruments. ANOVAs repeated measurements revealed a higher stress level, more conflicts with mothers and more avoidant coping in females as compared to males at the age of 14 years. Males showed fewer depressive symptoms and higher positive self-esteem at all times. Multiple regression analysis revealed that stress and avoidant coping in early and mid-adolescence explained a significant proportion of depressive symptoms among females in late adolescence. Among males, only the level of conflicts with friends in early adolescence contributed to their level of depressive outcome in late adolescence.
Key words
Depressive symptoms, stress, avoidant coping, gender differences
Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, Band 29, 2001, Heft 2, © 2001 Verlag Hans Huber Bern
Zusammenfassung
Das Phänomen der Viktimisierung unter Schülern ist in den letzten Jahren immer stärker in den Mittelpunkt des Interesses gerückt. In der vorliegenden Übersicht werden aktuelle Forschungsergebnisse zu diesem neuen Thema zusammengetragen. Von Viktimisierung betroffen sind etwa 10% der Schüler, die regelmäßig von einem oder mehreren ihrer Mitschüler verbal oder physisch attackiert werden. Die Ursachen sind sowohl im sozialen Kontext zu suchen als auch in einem individuellen Mangel an sozialen Fähigkeiten, aber auch in den sozial-kognitiven Attributionsmustern der Kinder. Als weiterer wichtiger Risikofaktor ist die Eltern-Kind-Beziehung zu betrachten. Die Stabilität der Viktimisierung ist relativ hoch. Kurzfristige Folgen bestehen in einer negativen Stimmung und einem geringeren Selbstbewusstsein, längerfristig fühlen sich die Kinder zudem oft einsam, hilflos und traurig. Neuere Untersuchungen belegen einen Zusammenhang zwischen Viktimisierung und der Entwicklung von depressiven Verstimmungen. Als protektive Faktoren wirken sowohl eine bestimmte Nonchalance in konkreten Situationen, aber vor allem der Schutz durch wenigstens einen guten Freund. Therapeutische Folgerungen sollten sowohl auf der individuellen als auch der Klassenebene gezogen werden. Für die Kinder selbst wäre ein Training in bestimmten Bereichen sozialer Kompetenz hilfreich, wichtig wäre aber auch die Beratung der Eltern, und schließlich die Beratung der Lehrer, damit die Dynamik in der Klasse unterbrochen werden kann. Für die Forschung wäre es notwendig, auch über diese Form der Viktimisierung bei klinischen Stichproben Näheres zu erfahren.
Schlüsselwörter
Viktimisierung, depressive Störungen, soziale Kompetenz, Aggression
Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, Band 29, 2001, Heft 2, © 2001 Verlag Hans Huber Bern
The phenomenon of victimization in the peer group has received considerable attention in recent years. This review examines the current state of research in this area. About 10% of all students are affected by peer victimization and are repeatedly verbally or physically attacked by one or more of their fellow students. The causes are to be sought in the social context as well as in individual deficits in social skills, but also in the social-cognitive attributional patterns of the children. The parent-child relationship is another important risk factor. The stability of victimization is relatively high. Its short-term consequences consist of a negative mood and low self-esteem. In the long-term children feel lonely, helpless and sad. Recent research underscores a connection between victimization and the development of depressive disorders. Protective factors are composure in conflict situations, and especially the availability of at least one good friend. Therapeutic interventions are to be considered at the individual level as well as at the level of the classroom unit. Training in certain areas of social competence would be helpful for the children, but consultation for their parents and teachers is important in order to interrupt certain group dynamic processes in the classroom. Future research should address the topic of peer victimization in clinical samples.
Key words
Victimization, depressive disorders, social competence, aggression
Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, Band 29, 2001, Heft 2, © 2001 Verlag Hans Huber Bern
Zusammenfassung
Das ICD-10 fordert für die klinische Diagnose der Lese-Rechtschreibstörung die Verwendung von Tabellen, die die Korrelation von Rechtschreibung bzw. Lesen und Intelligenz berücksichtigen (Regressionsmodell). Im vorliegenden Beitrag werden die Konsequenzen für die Interpretation psychometrischer Tests zur Diagnostik der Lese-Rechtschreibstörung erörtert. Außerdem wird eine Tabelle vorgestellt, mit Hilfe derer diagnostische Entscheidungen unter Berücksichtigung des Regressionsmodells getroffen werden können. Darüber hinaus wird eine Abschätzung der zu erwartenden Prävalenz auf Grund einer Computer-Simulation mitgeteilt.
Schlüsselwörter
Lese-Rechtschreibstörung, Diagnostik, Regression, psychometrische Tests
Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, Band 29, 2001, Heft 2, © 2001 Verlag Hans Huber Bern
The ICD-10 calls for the use of tables that account for the correlation between intelligence and spelling or reading, respectively (regression model) in the diagnosis of dyslexia. In this paper we discuss the consequences that arise from this recommendation with respect to the interpretation of psychometric tests. In addition, a table is presented that contains the data required to make diagnostic decisions based on the regression model. Furthermore, an expected prevalence rate was calculated using randomized computer data.
Key words
Dyslexia, diagnostics, regression model, psychometric tests
Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, Band 29, 2001, Heft 2, © 2001 Verlag Hans Huber Bern
Zusammenfassung
Fragestellung: Die Studie widmet sich der Frage, inwieweit
sich jugendliche Patientinnen mit Anorexia und Bulimia nervosa
in psychologischen Merkmalen und Lebensverhältnissen unterscheiden.
Methode: Die Krankengeschichten von 140 Patientinnen (110 mit
Anorexia nervosa und 30 mit Bulimia nervosa), die in den Jahren
1982 bis 1992 in der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie
der Universität Würzburg stationär behandelt wurden,
wurden im Rahmen einer retrospektiven Studie ausgewertet. Alle
Patientinnen erfüllen die Kriterien nach ICD-10 für
Anorexia- oder Bulimia nervosa. Daten aus der Basis-Dokumentation
und aus der multiaxialen Klassifikation (MAS) wurden herangezogen,
standardisierte Verfahren wie der Anis-32, MMPI, BDI, HAWIK-R
und HAWIE kamen zur Auswertung.
Die Ergebnisse zeigen signifikante Unterschiede zwischen den beiden
Stichproben. Das häufigste Alter bei erster stationärer
Aufnahme war bei anorektischen Patientinnen 14,5 und bei bulimischen
Patientinnen 16,5 Jahre. Die störungsspezifischen Symptome
betreffend unterschieden sich die beiden Stichproben hinsichtlich
ihres Essverhaltens im Faktor Bulimie des Anis-32. Beim Vergleich
der Persönlichkeitsmerkmale beschrieben sich die anorektischen
Patientinnen im MMPI weniger psychopathisch als die Bulimia nervosa
Patientinnen. Im BDI war die depressive Symptomatik bei Anorexia
nervosa als klinisch relevant einzustufen. Andere Charakteristika
der anorektischen Patientinnen waren ein überdurchschnittlicher
IQ, Überfürsorglichkeit innerhalb der familiären
Beziehungen, vermehrte Trennungsängste und Kontaktstörungen
in der Schule. Im Vergleich dazu zeigten die bulimischen Patientinnen
häufiger Leistungs- und Disziplinierungsschwierigkeiten in
der Schule, innerhalb der Familie wurde das Kontaktverhalten und
die Kommunikation beeinträchtigter als bei Familien anorektischer
Patientinnen erlebt.
Schlüsselwörter
Anorexia nervosa, Bulimia nervosa, psychologische Merkmale, psychosoziale Merkmale, Jugendliche
Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, Band 29, 2001, Heft 2, © 2001 Verlag Hans Huber Bern
Objectives: We present a retrospective study of 140 patients
(110 with anorexia nervosa, 30 with bulimia nervosa), hospitalized
between 19821992 at the Department of Child and Adolescent
Psychiatry at the University of Wuerzburg, Germany.
Methods: All patients met the ICD-10 criteria for anorexia nervosa
or bulimia nervosa. We collected data from basic documentation
and the multiaxial classification (MAS), using a variety of standard
instruments such as Anis 32, MMPI, BDI, HAWIK-R and HAWIE.
Results: Our findings show significant differences between the
two populations. At the time of their first admission anorectic
patients were somewhat younger than their bulimic counterparts
(14.5 years vs. 16.5 years, respectively). With regard to the
typical symptoms of either disorder, the two populations differ
in their eating behavior on the factor bulimia described by Anis-32.
A comparison of personality features reveals that anorectic patients
scored lower than bulimic patients on the MMPI scales, especially
on psychopathology, but higher on depression in the BDI. Other
characteristics of anorectic patients include a higher-than-average
IQ, more enmeshment and overprotectiveness in family relations,
more separation anxiety and insufficient communication skills
at school. By contrast, bulimic patients demonstrated poorer scholastic
performance and more discipline problems at school, while communication
among family members was impaired.
Key words
Anorexia nervosa, bulimia nervosa, psychological features, psychosocial features, adolescents
Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, Band 29, 2001, Heft 2, © 2001 Verlag Hans Huber Bern
Zusammenfassung
Wir berichten über eine 14-jährige Patientin, die
fünf Tage nach dem Eisenbahnsuizid
ihres neu erworbenen Freundes den Suizid als Problemlösemechanismus
bei vorher nicht vorhandener Suizidalität imitierte und dessen
Methode kopierte. Theorien zu Ursachen von Suizidalität im
Allgemeinen und in der Adoleszenz im Besonderen werden diskutiert.
Schlüsselwörter
Suizidalität, Imitationssuizid, Adoleszenz, Kasuistik, Krise, Werther-Effekt
Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, Band 29, 2001, Heft 2, © 2001 Verlag Hans Huber Bern
We present the case of a 14-yearold girl who imitated the railway suicide of her boyfriend as a problem-solving strategy. Theories about the etiology of suicide behavior, particularly among vulnerable adolescents, are discussed.
Key words
Suicide, imitation, adolescent, case report, crisis, Werther effect
Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, Band 29, 2001, Heft 2, © 2001 Verlag Hans Huber Bern
Zusammenfassung
Fragestellung: Clozapin ist aufgrund des 1- bis 3%igen Risikos
medikamentös induzierter Agranulozytose besonderen Verordnungsrichtlinien
unterworfen. Bislang gibt es keine Falldarstellung, dass unter
der Behandlung einer Schizophrenie im Kindesalter unter Clozapintherapie
eine Agranulozytose auftrat. Die kasuistische Darstellung widmet
sich der Frage, wie das klinische Bild sich darstellen kann und
welche Behandlungsschritte zu ergreifen sind.
Methodik: Dargelegt wird die Kasuistik eines bei Behandlungsbeginn
12-jährigen Kindes mit schizophrener Psychose. Beschrieben
wird die psychotische Symptomatik vor Behandlungsbeginn und im
Behandlungsverlauf. Dargelegt werden die notwendigen diagnostischen
Schritte zur Feststellung der Agranulozytose und die einzelnen
Schritte zur Therapie.
Schlussfolgerung: Unter Clozapinmedikation kann auch beim Kind
mit schizophrener Psychose eine Agranulozytose ausgelöst
werden. So sind auch im Kindesalter die von der Herstellerfirma
vorgegebenen Kontrolluntersuchungen unbedingt einzuhalten. Eine
Agranulozytose kann auch erst nach 15 Wochen der Clozapinmedikation
auftreten. Die Behandlung mit granulozytenstimulierendem Faktor
unterstützt entscheidend Erholung und Normalisierung des
Blutbildes.
Schlüsselwörter
Clozapintherapie, Agranulozytose, kindliche Schizophrenie, Kasuistik
Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, Band 29, 2001, Heft 2, © 2001 Verlag Hans Huber Bern
Objectives: The indication of clozapine therapy is governed
by special guidelines due to a 1%3 % risk of clozapine-induced
agranulocytosis. Up to now there has never been a report of such
a case in a child with schizophrenia. The case report presented
here is concerned with the clinical features and the treatment
of clozapine-induced agranulocytosis in childhood schizophrenia.
Methods: It deals with the treatment of a 12-yearold boy with
a schizophrenic psychosis. The psychotic symptoms before treatment
and during inpatient treatment are described. The procedures for
the diagnosis and treatment of the clozapine-induced agranulocytosis
are presented.
Results: Clozapine medication may induce agranulocytosis in the
treatment of a child with a schizophrenic psychosis. The highly
specific guidelines governing its use must be followed as well
in the treatment of very early onset schizophrenia. An agranulocytosis
may result following 15 weeks of clozapine medication. The treatment
with granulocyte colony-stimulating factor seems to support normalization
of the blood picture.
Key words
Clozapine treatment, clozapine-induced agranulocytosis, childhood schizophrenia, case report
Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, Band 29, 2001, Heft 2, © 2001Verlag Hans Huber Bern