Verlag Hans Huber


Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie Nr. 3, 2001

Contents/Inhalt

Breitenbach, E., Lenhard, W.:
Aktuelle Forschung auf der Suche nach neurobiologischen Korrelaten der Lese-Rechtschreibstörung
Current research in neurobiological correlatesof development dyslexia
Zuammenfassung
Summary
Graf Schimmelmann, B., Schulte-Markwort, M., Richter, R.:
Die tagesklinische Behandlung in der Kinder- und Jugendpsychiatrie
Day treatment in child and adolescent psychiatry
Zusammenfassung
Summary
L. Baving und M. H. Schmidt
Evaluierte Behandlungsansätze in der Kinder- und Jugendpsychiatrie I
Evaluated treatment approaches in child and adolescent psychiatry I
Zusammenfassung
Summary
L. Baving und M. H. Schmidt
Evaluierte Behandlungsansätze in der Kinder- und Jugendpsychiatrie II
Evaluated treatment approaches in child and adolescent psychiatry II
Zusammenfassung
Summary
S. Bölte und F. Poustka
Die Faktorenstruktur des Autismus Diagnostischen Interviews-Revision (ADI-R): Eine Untersuchung zur dimensionalen versus kategorialen Klassifikation autistischer Störungen
The factor structure of the Autism Diagnostic Interview-Revised (ADI-R): A study on the dimensiional versus the categorical classification of autistic disorders
Zusammenfassung
Summary
Ch. Göpel und A. Marcus
Erste Erfahrungen mit Amisulprid, einem in Deutschland neuen, atypischen Neuroleptikum in der Behandlung von Jugendlichen mit psychischen Erkrankungen
Preliminary results using amisulpride, a novel, atypical neuroleptic in the treatment of adolescents with mental disorder
Zusammenfassung
Summary
K.-J. Neumärker, H. Greil, A. Brümmerhoff, M.W. Bzufka, U. Dudeck, U. Neumärker, W. Rohde, A. J. Fallgatter, B. Jabs, B. Pfuhlmann und A. J. Bartsch
Somatotypspezifische Anthropometrie und Essstörungen
Zusammenfassung
Summary



Zusammenfassungen / Summaries



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Übersichtsarbeiten

Aktuelle Forschung auf der Suche nach neurobiologischen Korrelaten der Lese-Rechtschreib-Störung
Current research on neurobiological correlates of developmental dyslexia

E. Breitenbach und W. Lenhard

Institut für Sonderpädagogik I ­ Universität Würzburg


(Summary)

Zusammenfassung

Fragestellung: Im vorliegenden Übersichtsartikel werden Schwerpunkte der aktuellen Forschung zu neurobiologischen Korrelaten der Lese-Rechtschreibstörung (LRS) aufgezeigt.
Methodik: Es wurden etwa 120 Artikel ausgewertet, die überwiegend in den letzten sechs Jahren erschienen sind.
Ergebnis: Es lassen sich drei Schwerpunkte unterscheiden. Der erste Forschungsschwerpunkt thematisiert ungewöhnliche Asymmetrien der Plana temporalia und Auffälligkeiten des Corpus callosum. Die Vertreter des zweiten Ansatzes analysieren abnorme Aktivierungsmuster des linkshemisphärischen Frontal- und Temporallappens. In diesem Zusammenhang wird eine Dysfunktion des linkshemisphärischen Gyrus angularis diskutiert. Die Vertreter der dritten Störung untersuchen Auffälligkeiten im Bereich der Wahrnehmung. Sie vermuten ein globales Defizit der Verarbeitung schneller Reize und finden Korrelate der LRS in Defiziten subkortikaler Systeme der akustischen und visuellen Informationsverarbeitung.
Schlussfolgerungen: Aufgrund wiederholter Negativbefunde erscheint der erste Ansatz als zu unspezifisch. Forschungsbemühungen konzentrieren sich zunehmend auf den zweiten und dritten Schwerpunkt.

Schlüsselwörter

Lese-Rechtschreibstörung, neurobiologische Korrelate, aktuelle Forschung, anatomische Forschung, neurophysiologische Befunde

Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, Band 29, 2001, Heft 3, © 2001 Verlag Hans Huber Bern

Summary

Objective: The present article provides an overview of the main approaches in the current literature on the neurobiological correlates of developmental dyslexia.
Methods: Approximately 120 articles, published mainly within the past six years, were analyzed.
Results: Three topics are of focal interest: first, the point of unusual asymmetries of the temporal plana and deviations of the corpus callosum; second, the analysis of abnormal patterns of activation of the left hemispherical frontal and temporal lobes. In this context, a dysfunction of the angular gyrus is discussed. The third approach postulates that global deficits of subcortical systems concerning the temporal procession of acoustic and visual information play a major role in the cause of dyslexia.
Conclusions: The first approach is not specific enough with regard to negative results, whereas the second and third seem particularly promising.

Key words

Reading and spelling disorder, neurobiological correlates, current research, anatomical findings, neurophysiological findings, perception

Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, Band 29, 2001, Heft 3, © 2001 Verlag Hans Huber Bern


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Die tagesklinische Behandlung in der Kinder- und Jugendpsychiatrie
Day treatment in child and adolescent psychiatry

B. Graf Schimmelmann, M. Schulte-Markwort und R. Richter

Abteilung für Psychiatrie und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters (Direktor: Prof. Dr. P. Riedesser),
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf

(Summary)

Zusammenfassung

Fragestellung: Die Geschichte der Tagesklinik in der Kinder- und Jugendpsychiatrie ist sehr kurz. Entsprechend beschäftigen sich Tageskliniken weiterhin mit Konzepten, Outcome-Studien sowie Indikationen und Kontraindikationen tagesklinischer Behandlungen.
Methoden: Die englisch- und deutschsprachige Literatur zwischen 1960 und 2000 wurde auf empirische Studien zur tagesklinischen Behandlung in der Kinder- und Jugendpsychiatrie hin ausgewertet. Outcome-Studien werden referiert und diskutiert.
Ergebnisse: Die Ergebnisse empirischer Studien sind heterogen und lassen bislang kaum Rückschlüsse auf Indikationen und Kontraindikationen tagesklinischer Behandlungen zu. Insgesamt sind für sehr unterschiedliche Störungsbilder positive Behandlungsergebnisse dokumentiert worden. Die elterliche Mitarbeit im therapeutischen Prozess wird weitgehend übereinstimmend als prädiktiv für ein positives Behandlungsergebnis angesehen.
Schlussfolgerungen: Über randomisierte kontrollierte Outcome-Studien hinaus ist in künftigen Studien zu evaluieren, für welche Patienten in einer gegebenen regionalen Versorgungslandschaft mit welchen Therapiezielen und -ergebnissen sowie mit welchen Kosten von Tageskliniken ein Beitrag zur Versorgung geleistet werden kann.

Schlüsselwörter

Tagesklinische Behandlung, teilstationäre Behandlung, Indikation, Outcome-Studien, Kinder- und Jugendpsychiatrie

Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, Band 29, 2001, Heft 3, © 2001 Verlag Hans Huber Bern

Summary

Objectives: The history of day treatment in child and adolescent psychiatry in Germany is brief. Accordingly, day treatment programs deal primarily with programming, outcome studies and indications/contraindications.
Methods: This article reviews the English- and German-language literature between 1960 and 2000 relevant to the outcome of day treatment in child and adolescent psychiatry. Outcome studies are discussed.
Results: Outcome studies do not yet allow decisions about for whom day treatment does or does not exactly work. Nonetheless, evidence from the literature suggests that day treatment does work for many different disorders in child and adolescent psychiatry. The predictive value of parental involvement in therapy for outcome is supported by several studies.
Conclusions: In addition to randomized controlled outcome studies, effectiveness studies of single day treatment programs are useful and should deliver the data on the kinds of children, treatment goals and results for which a program in a specific regional mental health care system is effective.

Key words

Day treatment, indication, outcome studies, child and adolescent psychiatry

Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, Band 29, 2001, Heft 3, © 2001 Verlag Hans Huber Bern


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Evaluierte Behandlungsansätze in der Kinder- und Jugendpsychiatrie I
Evaluated treatment approaches in child and adolescent psychiatry I

L. Baving1 und M. H. Schmidt2

1 Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg
2 Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters, Zentralinstitut für Seelische Gesundheit, Mannheim

(Summary)

Zusammenfassung

Fragestellung: Prinzip der evidenzbasierten Medizin ist es, bei klinischen Entscheidungen über die Behandlung von Patienten auch die Ergebnisse empirischer Untersuchungen einzubeziehen. Somit war es Ziel, das Evaluationsniveau psychotherapeutischer, psychopharmakologischer und kombinierter Behandlungsansätze bei verschiedenen psychiatrischen Störungsbildern im Kindes- und Jugendalter (autistische Störungen, hyperkinetische Störungen, Störungen des Sozialverhaltens, Ticstörungen, Enuresis und Enkopresis) zu bestimmen.
Methodik: Für psychotherapeutische sowie psychopharmakologische Behandlungsansätze wurden drei verschiedene Evaluationsniveaus definiert, nämlich A (> 2 kontrollierte, randomisierte Studien zur Überprüfung der Wirksamkeit), B (1 kontrollierte, randomisierte Studie) und C (offene Studien und Kasuistiken). Die mittels einer Literaturrecherche gefundenen empirischen Arbeiten wurden zur Bestimmung des Evaluationsniveaus der jeweiligen Behandlungsansätze herangezogen.
Ergebnisse: Für die meisten der in diesem Artikel dargestellten Störungen liegen einige gut evaluierte Behandlungsansätze vor. Bei autistischen Störungen wurde häufig sowohl für psychotherapeutische als auch pharmakologische Behandlungsansätze die Wirksamkeit hinsichtlich spezifischer Verhaltensbereiche bzw. Symptome untersucht. Am besten evaluiert sind Ansätze zur Behandlung hyperkinetischer Störungen und Störungen des Sozialverhaltens. Für Ticstörungen bei Kindern und Jugendlichen wurden deutlich mehr Studien über pharmakologische als über psychotherapeutische Interventionen durchgeführt.
Schlussfolgerungen: Hier stellen sich vor allem Fragen des Wirksamkeitsvergleiches und der differentiellen Indikation einzelner Behandlungsansätze sowie der Evaluation kombinierter Behandlungsansätze.

Schlüsselwörter

Evidenzbasierte Medizin, Evaluation, kontrollierte Studie, Pharmakotherapie, Psychotherapie

Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, Band 29, 2001, Heft 3, © 2001 Verlag Hans Huber Bern

Summary

The principle of evidence-based medicine is to integrate data concerning the efficacy of interventions into clinical practice. This article assesses the level of evaluation of psychosocial, psychopharmacological and combined interventions for mental disorders in childhood and adolescence (autistic disorders, hyperkinetic disorders, conduct disorders, tic disorders, enuresis, and encopresis).
Methods: Three different levels of evaluation were defined for both psychosocial and psychopharmacological interventions: A (> 2 randomized controlled studies), B (1 randomized controlled study), and C (open studies and case studies). The level of evaluation was judged on the basis of original papers found in a comprehensive literature search.
Results: For most disorders presented in this article there are several A-level treatments. The efficacy of both psychosocial and psychopharmacological interventions that target specific problem behaviors or symptoms, respectively, has been repeatedly demonstrated with regard to autistic disorders. Many studies have evaluated treatment approaches for hyperkinetic disorders and conduct disorders. With regard to the treatment of tic disorders in children and adolescents, far more studies evaluated the efficacy of pharmacotherapy than of psychotherapy.
Conclusions: Further research should compare the efficacy of different treatment approaches, examine specific and differential treatment effects and investigate combined treatment approaches.

Key words

Evidence-based medicine, evaluation, controlled study, pharmacotherapy, psychotherapy

Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, Band 29, 2001, Heft 3, © 2001 Verlag Hans Huber Bern


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Evaluierte Behandlungsansätze in der Kinder- und Jugendpsychiatrie II
Evaluated treatment approaches in child and adolescent psychiatry II

L. Baving1 und M. H. Schmidt2

1 Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg
2 Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters, Zentralinstitut für Seelische Gesundheit, Mannheim

(Summary)

Zusammenfassung

Fragestellung: Prinzip der evidenzbasierten Medizin ist es, bei klinischen Entscheidungen über die Behandlung von Patienten auch die Ergebnisse empirischer Untersuchungen einzubeziehen. Somit war es Ziel, das Evaluationsniveau psychotherapeutischer, psychopharmakologischer und kombinierter Behandlungsansätze bei verschiedenen psychiatrischen Störungsbildern im Kindes- und Jugendalter (schizophrene Störungen, affektive Störungen, phobische und andere Angststörungen, Zwangsstörung, posttraumatische Belastungsstörung, Anorexia nervosa und Bulimia nervosa) zu bestimmen.
Methodik: Für psychotherapeutische sowie psychopharmakologische Behandlungsansätze wurden drei verschiedene Evaluationsniveaus definiert, nämlich A (> 2 kontrollierte, randomisierte Studien zur Überprüfung der Wirksamkeit), B (1 kontrollierte, randomisierte Studie) und C (offene Studien und Kasuistiken). Die mittels einer Literaturrecherche gefundenen empirischen Arbeiten wurden zur Bestimmung des Evaluationsniveaus der jeweiligen Behandlungsansätze herangezogen.
Ergebnisse: Hier ist die Anzahl kontrollierter Studien im Kindes- und Jugendalter vergleichsweise gering, insbesondere bezüglich pharmakotherapeutischer Behandlungsansätze. Gut evaluiert ist die (kognitive) Verhaltenstherapie zur Behandlung depressiver Störungen, phobischer und Angststörungen und posttraumatischer Belastungsstörungen.
Schlussfolgerungen: Hoher Evaluationsbedarf besteht bezüglich der medikamentösen Behandlung schizophrener und affektiver Störungen. Für psychotherapeutische Behandlungsansätze bei schizophrenen Störungen, Zwangsstörungen und Essstörungen erscheint eine Evaluation hinsichtlich spezifischer Aspekte des Kindes- und Jugendalters sehr wünschenswert. Insgesamt ist der am besten evaluierte psychotherapeutische Behandlungsansatz die (kognitive) Verhaltenstherapie.n und die Kommunikation beeinträchtigter als bei Familien anorektischer Patientinnen erlebt.

Schlüsselwörter

Evidenzbasierte Medizin, Evaluation, kontrollierte Studie, Pharmakotherapie, Psychotherapie

Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, Band 29, 2001, Heft 3, © 2001 Verlag Hans Huber Bern

Summary

Objectives: The principle of evidence-based medicine is to integrate data concerning the efficacy of interventions into clinical practice. This article assesses the level of evaluation of psychosocial, psychopharmacological and combined interventions for mental disorders in childhood and adolescence (schizophrenic disorders, affective disorders, phobias and anxiety disorders, obsessive-compulsive disorder, posttraumatic stress disorder, anorexia nervosa, and bulimia nervosa).
Methods: Three different levels of evaluation were defined for both psychosocial and psychopharmacological interventions: A (> 2 randomized controlled studies), B (1 randomized controlled study), and C (open studies and case studies). The level of evaluation was judged on the basis of original papers found in a comprehensive literature search.
Results: The number of controlled studies examining these disorders in children and adolescents is small, especially with regard to pharmacotherapy. However, the efficacy of (cognitive) behavior therapy for depressive disorders, phobias and anxiety disorders, as well as posttraumatic stress disorder has been demonstrated.
Conclusions: There is still a considerable need to evaluate pharmacological treatment approaches for schizophrenic and affective disorders. Looking at psychosocial interventions in schizophrenic disorders, obsessive-compulsive disorder and eating disorders, specific aspects of treatment for young patients should be examined. Overall, the psychotherapy approach evaluated best is (cognitive) behavioral therapy.

Key words

Evidence-based medicine, evaluation, controlled study, pharmacotherapy, psychotherapy

Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, Band 29, 2001, Heft 3, © 2001 Verlag Hans Huber Bern


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Originalarbeiten

Die Faktorenstruktur des Autismus Diagnostischen Interviews-Revision (ADI-R): Eine Untersuchung zur dimensionalen versus kategorialen Klassifikation autistischer Störungen
The factor structure of the Autism Diagnostic Interview-Revised (ADI-R): A study on the dimensiional versus the categorical classification of autistic disorders

S. Bölte und F. Poustka

Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters des Klinikums der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main

(Summary)

Zusammenfassung

Fragestellung: Ziel dieser explorativen Studie war es zu untersuchen, ob die in erster Linie inhaltsvalide konstruierten Verhaltensbereiche des Autismus nach ICD-10 und DSM-IV (soziale Interaktion, Kommunikation und begrenzte, repetitive, stereotype Verhaltensmuster) mit statistisch generierten Verhaltensdimensionen konsistent sind.
Methodik: Aus dem Autismus Diagnostischen Interview-Revision (ADI-R) gewonnene Daten von N = 262 Probanden mit Autismus oder autistischen Zügen wurden in einer Hauptkomponentenanalyse mit Varimax-Rotation und Faktorenextraktion nach dem Scree-Kriterium verrechnet.
Ergebnisse: Die Dimensionierung der Algorithmusitems des ADI-R ergab nur eine vage Übereinstimmung der latenten Variablen mit den postulierten Verhaltensbereichen nach ICD-10 und DSM-IV. Eine 3-Faktorenlösung mit 46,1% Varianzaufklärung ergab zwei sozio-kommunikative und eine sprachbezogene Dimension. Die Items zur Erfassung repetitiven, stereotypen Verhaltens luden nur schwach auf diesen Faktoren.
Schlussfolgerungen: Die faktorenanalytische Vorgehensweise legt eine von ICD-10 und DSM-IV abweichende Organisation des Autismuskonstrukts nahe, in der repetitive, stereotype Symptome der Störung eine eingeschränkte Bedeutung haben.

Schlüsselwörter

Autismus, Diagnostik, dimensional, kategorial, Faktorenanalyse

Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, Band 29, 2001, Heft 3, © 2001 Verlag Hans Huber Bern

Summary

Objectives: This study investigated whether empirically derived dimensions of autistic behavior are consistent with the content-valid construction of the autistic behavior domains according to ICD-10 and DSM-IV (social interaction, communication and repetitive, stereotyped behavior).
Methods: A principal component exploratory factor analysis routine with varimax-rotation and extraction of factors following the Scree criterion was run using data from the Autism Diagnostic Interview-Revised (ADI-R) of N = 262 individuals exhibiting autism or autistic features.
Results: A three-factor solution consisting of two socio-communicative and one language dimension and accounting for 46.1% of the total variance was found to best describe the data. These factors yielded only vague correspondence with the idea of behavior domains described in ICD-10 and DSM-IV. In addition, factor loadings of items representing repetitive, stereotyped patterns were generally weak.
Conclusions: The factor-analytic approach to autism indicates a conception of the disorder divergent from that defined in the contemporary psychiatric classification systems, especially regarding the area of repetitive, stereotyped behavior.

Key words

Autism, diagnostics, dimensional, categorical, factor analysis

Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, Band 29, 2001, Heft 3, © 2001 Verlag Hans Huber Bern


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Aus Klinik und Praxis

Erste Erfahrungen mit Amisulprid, einem in Deutschland neuen, atypischen Neuroleptikum in der Behandlung von Jugendlichen mit psychischen Erkrankungen
Preliminary results using amisulpride, a novel, atypical neuroleptic in the treatment of adolescents with mental disorder

Ch. Göpel1 und A. Marcus

1 Krankenanstalt Mutterhaus der Borromäerinnen, Abteilung für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Trier
Akademisches Lehrkrankenhaus der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz (Leiter: PD Dr. A. Marcus)

(Summary)

Zusammenfassung

Fragestellung: Neben den klassischen Neuroleptika finden bei Jugendlichen zunehmend atypische Neuroleptika zur Behandlung schizophrener und schizoaffektiver Psychosen Verwendung. Seit Beginn des Jahres 1999 ist in Deutschland in der Behandlung akuter schizophrener Psychosen ein neues, offensichtlich wirkungsvolles Neuroleptikum aus der Gruppe der Benzamide verfügbar: Amisulprid. Erste Erfahrungen mit der Anwendung von Amisulprid werden berichtet.
Methode: Zehn gut dokumentierte Behandlungsverläufe bei Jugendlichen unter Behandlung mit Amisulprid werden hinsichtlich Effektivität, unerwünschter Wirkungen und Dosierung berichtet.
Ergebnisse: Erste Erfahrungen im Einsatz von Amisulprid sind insbesondere wegen der erheblich günstigeren Nebenwirkungsprofile bei überzeugender antipsychotischer Wirksamkeit vielversprechend.
Schlussfolgerungen: Amisulprid scheint bei solchen Jugendlichen eine geeignete pharmakotherapeutische Alternative zu sein, die ein erhöhtes Auftreten von Nebenwirkungen unter atypischer neuroleptischer Medikation zeigen. Kontrollierte Studien sind nötig, um die Effektivität und Sicherheit dieser Substanz auch im Jugendalter sicher einschätzen zu können.

Schlüsselwörter

Atypische Neuroleptika, Schizophrenie, Amisulprid, Jugendliche

Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, Band 29, 2001, Heft 3, © 2001 Verlag Hans Huber Bern

Summary

Objectives: In addition to conventional antipsychotic drugs, during the past decade an increasing number of atypical neuroleptics has been introduced in the treatment of juvenile schizophrenic and schizoaffective disorders. In 1999 Germany legalized the benzamide amisulpride for the treatment of acute and chronic schizophrenic symptoms. Preliminary treatment results are reported here.
Methods: Ten adolescent cases are presented with regard to the efficacy, side effects and dosage of amisulpride.
Results: Preliminary results on the use of amisulpride are promising. The rate of side effects is tolerable.
Conclusions: Amisulprise seems to constitute a useful alternative in the treatment of juvenile schizophrenia for those who suffer from intolerable side effects of classical or atypical neuroleptics. Controlled studies are warranted to further clarify its efficacy and safety in the treatment of adolescents.

Key words

Atypical neuroleptics, schizophrenia, amisulpride, adolescents

Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, Band 29, 2001, Heft 3, © 2001Verlag Hans Huber Bern


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Zur Diskussion gestellt

Somatotypspezifische Anthropometrie und Essstörungen

K.-J. Neumärker1, H. Greil2, A. Brümmerhoff1, M.W. Bzufka1, U. Dudeck1, U. Neumärker1, W. Rohde3, A. J. Fallgatter4, B. Jabs4, B. Pfuhlmann4 und A. J. Bartsch4

1 Universitätsklinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters (Direktor: Prof. Dr. K.-J. Neumärker), Universitätsklinikum Charité, Campus Mitte, Medizinische Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin
2 Fachgebiet Humanbiologie, Universität Potsdam (Leitung: Prof. Dr. H. Greil)
3 Institut für Experimentelle Endokrinologie (Direktor: Prof. Dr. W. Rohde), Universitätsklinikum Charité, Campus Mitte, Medizinische Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin
4 Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie (Direktor: Prof. Dr. Dr. h.c. H. Beckmann), Bayerische Julius-Maximilians-Universität, Würzburg

(Summary)

Zusammenfassung

Schlüsselwörter

Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, Band 29, 2001, Heft 3, © 2001 Verlag Hans Huber Bern


wwwadmin@HansHuber.com, 23. August 2001