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Zeitschrift für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, Nr. 4, 1997


Originalarbeiten / Original communication

Die fraktale Dimension als Bildbearbeitungsparameter im CT bei Anorexia nervosa vor und nach Therapie
The fractal dimension as an imaging parameter in CT scans of patients with anorexia nervosa obtained before and after therapy

F. Hentschel, Ch. Besthorn und M. H. Schmidt*

Abteilung für Neuroradiologie und Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie* am Zentralinstitut für seelische Gesundheit, Mannheim (Direktor: Prof. Dr. Dr. F. Henn)

(Summary)

Zusammenfassung

Das Wachstum des Gehirns folgt einem selbstorganisierendem Prozeß, so daß die Hirnstrukturen einem hochrekursivem Vielteilchensystem entsprechen. Die quantitative Analyse rekursiver, selbstähnlicher Strukturen ist mittels der fraktalen Dimension als sogenannte synergistische Diagnostik im Schnittbild möglich.
Mit Hilfe der «boxcountingdimension» ermittelten wir von 10 Patienten mit bekannter Anorexia nervosa (ICD 10, Pkt. 50.0) die fraktale Dimension der Hirnoberflächenkontur in einer CT-Bildebene nach Filterung der Bilddaten und Separierung bei definiertem cut-off. Die Differenz vor und nach erfolgreicher Therapie war signifikant unterschiedlich. Die fraktale Dimension korrelierte mit den Körpergewichtsveränderungen bzw. den Volumenänderungen des Gehirnes und den extrazerebralen intrakranialen Liquorräumen, aber nur gering mit dem Ventrikelvolumen vor und nach Therapie.
Das Ergebnis wird methodenkritisch als eine Möglichkeit der Bildnachbearbeitung erörtert, deren diagnostische Bedeutung durch weitere Untersuchungen zu prüfen ist.

Schlüsselwörter

Anorexia nervosa, Gehirn, Fraktale Dimension, «Synergistische Diagnostik», Computertomographie, anorexia nervosa

Zeitschrift für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, Band 25, 1997, Heft 4, © 1997; Verlag Hans Huber AG, Bern

Summary

The fractal dimension as an imaging parameter in CT scans of patients with anorexia nervosa obtained before and after therapy. Brain development is a self-organizing process and hence the brain structures correspond to a highly recursive system consisting of a multitude of parts. Quantitative analysis of recursive, self-similar structures is possible in CT scans as what is termed synergistic diagnostic using the fractal dimension.
In 10 patients with anorexia nervosa (ICD-10, F50.0) we determined the fractal dimension of the cerebral cortex contour in a CT image using the "boxcounting method" after filtering of the data and separation with a defined cut-off. There was a significant difference between the results from CTs obtained before and after therapy. There was a high correlation between the fractal dimension and body weight, brain volume and sulcal cerebrospinal fluid volume, but only a low correlation with ventricular volume.
The findings suggest that the qualification of the fractal dimension may be useful as one of postprocessing methods on CT scans. Futher studies will be necessary to assess its importance for diagnosis.

Keywords

anorexia nervosa, brain, fractal dimension, synergistic diagnostic, computertomography

Zeitschrift für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, Band 25, 1997, Heft 4, © 1997; Verlag Hans Huber AG, Bern


Mannheimer Beobachtungsskalen zur Analyse der Mutter-Kind-Interaktion im Kleinkindalter
Mannheim Rating Scales for the analysis of mother-child-interaction in toddlers

M. Dinter-Jörg, M. Polowczyk, J. Herrle, G. Esser, M. Laucht, M.H. Schmidt

Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters des Zentralinstituts für Seelische Gesundheit, Mannheim (Ärztlicher Direktor: Prof. Dr. Dr. M.H. Schmidt)

(Summary)

Zusammenfassung

Im Rahmen einer prospektiven Längsschnittstudie zur kindlichen Entwicklung von Geburt bis zum Alter von 11 Jahren wurden die Mannheimer Beobachtungsskalen zur Analyse der Mutter-Kind-Interaktion im Kleinkindalter entwickelt. Die zehnminütigen Interaktionen von 352 Müttern mit ihren zweijährigen Kindern wurden im Labor videographisch erfasst und computerunterstützt mikro- und makroanalytisch ausgewertet. Die Beobachtungsskalen für Mutter und Kind bestehen aus einer Kombination von sekundengenau erfassten basalen Verhaltenskategorien und Verhaltensdimensionen, die je nach Komplexität im 5-Sekunden- bis einminütigem Intervall analysiert wurden. Die Überprüfung der Interraterreliabilität erfolgte an 16 Mutter-Kind-Dyaden und erbrachte gute Ergebnisse. Als Faktoren, die das Interaktionsgeschehen beeinflussen können, erwiesen sich die psychosoziale Risikobelastung und das Geschlecht des Kindes als bedeutsam. Mütter und Kinder mit hoher psychosozialer Belastung zeigen ein deutlich verändertes Interaktionsverhalten. Die Beziehung von Müttern und Töchtern wirkt harmonischer als die Beziehung von Müttern und Söhnen.

Schlüsselwörter

Prospektive Längsschnittstudie zur kindlichen Entwicklung, Mannheimer Beobachtungsskalen, Mutter-Kind-Interaktion, Interraterreliabilität, Psychosoziale Risikobelastung, Interaktionsverhalten

Zeitschrift für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, Band 25, 1997, Heft 4, © 1997; Verlag Hans Huber AG, Bern

Summary

Mannheim Rating Scales for the analysis of mother-child-interaction in toddlers. As part of a prospective study on child development from birth to age 11 the Mannheim
Rating Scales for the Analysis of Mother-Child Interaction in Toddlers was constructed. Ten-minute interactions of 352 mothers and their toddlers were videotaped in the laboratory and evaluated with micro- and macroanalytic techniques. The instrument consists of a combination of second-by-second codings and dimensional ratings of 5-second to 1-minute periods. Interrater reliability, assessed by having two raters analyze 16 mother-child dyads, proved satisfactory. Psychosocial risk factors and the child's sex had a significant influence on the interaction process. Mothers and children at high psychosocial risk showed different patterns from those at low rist. Interactions of mothers and daughters seemed to be more harmonious than interactions of mothers and sons.

Keywords

prospective longitudinal study on child development, Mannheim Rating Scales, mother-child-interaction, interrater-reliability, psychosocial risk factors, interaction pattern

Zeitschrift für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, Band 25, 1997, Heft 4, © 1997; Verlag Hans Huber AG, Bern


Psychische Auffälligkeiten von Kindern und Jugendlichen in Deutschland - Ergebnisse einer repräsentativen Studie: Methodik, Alters-, Geschlechts- und Beurteilereffekte
Behavioral and emotional problems in children and adolescents in Germany. Results of a representative study: Age, gender and rater effects

M. Döpfner1, J. Plück1, W. Berner1, J. M. Fegert3, M. Huss3, K. Lenz3, K. Schmeck2, U. Lehmkuhl3, F. Poustka2, G. Lehmkuhl1

Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters der Universität zu Köln (Direktor: Prof. Dr. G. Lehmkuhl)1
Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters der Johann Wolfgang Goethe Universität, Frankfurt (Direktor: Prof. Dr. F. Poustka)2
Abteilung für Psychiatrie, Neurologie und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters des Virchow-Klinikums der Humboldt Universität zu Berlin (Leiterin: Prof. Dr. U. Lehmkuhl)3

(Summary)

Zusammenfassung

Methodik: Die Studie über Psychische Auffälligkeiten und Kompetenzen von Kindern und Jugendlichen in Deutschland (PAK-KID-Studie) wird vorgestellt. Sie ist die erste bundesweite, repräsentative epidemiologische Untersuchung zu diesem Themenkomplex bei Kindern und Jugendlichen im Alter von vier bis 18 Jahren in Deutschland. Bei Kindern im Alter von vier bis zehn Jahren wurden ausschliess die Eltern mit dem Elternfragebogen über das Verhalten von Kindern und Jugendlichen (CBCL 4-18), einer von der Arbeitsgruppe «L» Deutsche Child Behavior Checklist entwickelten deutschsprachigen Fassung der Child Behav-ior Checklist von Achenbach, befragt. Ab dem Alter von elf Jahren wurden neben den Eltern auch die Kinder und Jugendlichen selbst mit dem Fragebogen für Jugendliche (YSR) befragt, einer entsprechenden deutschsprachigen Fassung des Youth Self-Report der Child Behavior Checklist von Achenbach. Insgesamt wurden N = 2856 Elternfragebogen und N = 1798 Fragebogen für Jugendliche analysiert.
Ergebnisse:Hinsichtlich zentraler soziodemographischer Merkmale erweist sich die Stichprobe als repräsentaiv. Auf allen Problemskalen liegt das Selbsturteil von Kindern und Jugendlichen im Alter von elf bis 18 Jahren über der Einschätzung der Eltern. Nach Einschätzung der Eltern nehmen internale Auffälligkeiten (sozialer Rückzug, körperliche Beschwerden, Angst/Depression) und dissoziale Verhaltensweisen mit dem Alter der Kinder eher zu, während aggressive Verhaltensweisen und Aufmerksamkeitsprobleme eher einem abnehmenden Trend folgen. Im Selbsturteil der Jugendlichen beschreiben sich Mädchen auf allen Skalen zur Erfassung internaler Auffälligkeiten im Vergleich zu Jungen als auffälliger im Elternurteil ist dieser Effekt nicht durchgängig nachweisbar. Bei Aufmerksamkeitsproblemen, bei aggressiven und bei dissozialen Verhaltensweisen werden über die gesamte Altersspanne hinweg Jungen im Vergleich zu Mädchen von den Eltern als auffälliger eingeschätzt.

Schlüsselwörter

Psychische Auffälligkeiten, Kinder und Jugendliche, Epidemiologie, Child Behavior Checklist

Zeitschrift für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, Band 25, 1997, Heft 4, © 1997; Verlag Hans Huber AG, Bern

Summary

Behavioral and emotional problems in children and adolescents in Germany. Results of a representative study: Age, gender and rater effects. Method: A study on behavioral and emotional problems and competence in children and adolescents in Germany (PAK-KID study) is described. It is the first nationwide representative survey of this kind of chil-dren and adolescents aged 4 to 18 years in Germany. For children aged 4 to 10 years the parents completed the German version of Achenbach's Child Behavior Checklist (CBCL 4-18) developed by the Arbeitsgruppe Deutsche Child Behavior Checklist. Children and adolescents aged 11 years and older filled out the German version of the Youth Self-Report that is part of Achenbach's CBCL in addition to the parents completing the German version of the CBCL. A total of 2856 parent questionnaires and 1798 self-report questionnaires completed by children and adolescents were analyzed.
Results: The sample was representative with respect to the main sociodemographic variables. On all problem scales children and adolescents aged 11 to 18 years reported significantly more problems than their parents did. The frequency of internalizing problems (social withdrawal, somatic complaints, anxiety/depression) and delinquent behavior of children and adolescents reported by parents increased with the children's age, whereas aggressive behavior and attention problems decreased with age. Girls reported significantly more problems than boys on all internalizing scales of the Youth Self-Report. The effect was not totally replicated in the parent reports. In the parent reports, boys had more attention problems and more aggressive and delinquent behavior than girls.

Keywords

behavioral and emotional problems, children and adolescents, epidemiology, Child Behavior Checklist

Zeitschrift für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, Band 25, 1997, Heft 4, © 1997; Verlag Hans Huber AG, Bern


Aus Klinik und Praxis

Distanzstörung als massives Problem bei geistiger Behinderung und ihre Therapie: Kasuistik
Lack of distance - A mayor problem in mental retardation and its treatment. A case study

H. Süss-Burghart

Kinderzentrum München des Bezirks Oberbayern, München (Direktor: Prof. Dr. v. Voss)

(Summary)

Zusammenfassung

Obwohl «Distanzstörung» ein bei auffälligen und geistig behinderten Kindern gut bekanntes Problemverhalten ist, gibt es keine exakte Definition dieser Verhaltensproblematik und nur ungenaue Hinweise auf die Genese und Aufrechterhaltung der Störung. Bei einem 143 Jahre alten geistig behinderten Mädchen mit häufiger, provokativ-aggressiver Kontaktsuche operationalisierten wir das Störverhalten nach der Beobachtung von Topographie und Häufigkeit in unterschiedlicher Situation.
Die Therapie begannen wir mit einem kognitiven Diskriminationstraining von «bekannten» und «fremden» Erwachsenen, wofür wir u.a. Szenenbilder verwendeten. Mit einer In-vivo-Therapie wurde diese Unterscheidung in Alltagssituationen weitergeübt und vor allem eindeutige Reaktionen auf Kontakte mit «bekannten» und «fremden» Erwachsenen trainiert. Richtige Reaktionen (Kontaktaufnahmen mit «bekannten» Erwachsenen Abwenden bei «fremden» Erwachsenen) wurden sofort sozial und materiell verstärkt Fehler (d.h. Kontaktaufnahme mit «fremden» Erwachsenen) mit Time-Out bestraft. In den In-vivo-Therapiedurchführungen konnte distanzloses Verhalten völlig abgebaut werden der Therapieerfolg generalisierte ausserdem gut auf Alltagssituationen - was wir mit Wiederholung der Baseline prüften - und hatte auch stabile Effekte auf das Verhalten des Kindes im häuslichen Umfeld und in der Schule.

Schlüsselwörter

Distanzstörung, geistige Behinderung, kognitives Diskriminationstraining, In-vivo-Therapie

Zeitschrift für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, Band 25, 1997, Heft 4, © 1997; Verlag Hans Huber AG, Bern

Summary

Lack of distance - A mayor problem in mental retardation and its treatment. A case study. Although "lack of distance" (indiscriminately friendly, attention-seeking behavior) is a wellknown problem behavior in children with psychiatric disorders and in those with mental retardation there is no exact definition of this behavior disorder and there are only vague indications as to its origins and how it is maintained. For a 14-year-old mentally retarded girl with frequent provocative-aggressive attention-seeking behavior we operationalized the disturbed behavior after observation of the phenomenology and frequency in different situations.
Treatment began with training in cognitive discrimination of "known" adults and strangers, as part of pictures showing social interaction were used. This discrimination was then practiced with in-vivo therapy in everyday situations in particular, unambiguous reactions to contacts with "known" adults and strangers were practiced. Correct responses (contact with "known" adults, turning away from strangers) were immediately reinforced socially and materially, and mistakes (i.e. making contact with strangers) were punished with time-out. In the course of these in-vivo sessions, behavior lacking distance ceased. Furthermore, the success of the therapy generalized well in everyday situa-tions, which was assessed by another baseline assessment, and the effect on the girl's behavior in the home environment and at school was also stable.

Keywords

lack of distance, mental retardation, cognitive discriminating training, in-vivo-therapy

Zeitschrift für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, Band 25, 1997, Heft 4, © 1997; Verlag Hans Huber AG, Bern


wwwadmin@hanshuber.com , 15. Dezember 1997