Zusammenfassung
Das Wachstum des Gehirns folgt einem selbstorganisierendem
Prozeß, so daß die Hirnstrukturen einem hochrekursivem
Vielteilchensystem entsprechen. Die quantitative Analyse rekursiver,
selbstähnlicher Strukturen ist mittels der fraktalen Dimension
als sogenannte synergistische Diagnostik im Schnittbild
möglich.
Mit Hilfe der «boxcountingdimension» ermittelten wir von 10
Patienten mit bekannter Anorexia nervosa (ICD 10, Pkt. 50.0) die
fraktale Dimension der Hirnoberflächenkontur in einer
CT-Bildebene nach Filterung der Bilddaten und Separierung bei
definiertem cut-off. Die Differenz vor und nach erfolgreicher
Therapie war signifikant unterschiedlich. Die fraktale Dimension
korrelierte mit den Körpergewichtsveränderungen bzw. den
Volumenänderungen des Gehirnes und den extrazerebralen
intrakranialen Liquorräumen, aber nur gering mit dem
Ventrikelvolumen vor und nach Therapie.
Das Ergebnis wird methodenkritisch als eine Möglichkeit der
Bildnachbearbeitung erörtert, deren diagnostische Bedeutung
durch weitere Untersuchungen zu prüfen ist.
Schlüsselwörter
Anorexia nervosa, Gehirn, Fraktale Dimension, «Synergistische Diagnostik», Computertomographie, anorexia nervosa
Zeitschrift für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, Band 25, 1997, Heft 4, © 1997; Verlag Hans Huber AG, Bern
The fractal dimension as an imaging parameter in CT scans of
patients with anorexia nervosa obtained before and after therapy.
Brain development is a self-organizing process and hence the brain
structures correspond to a highly recursive system consisting of a
multitude of parts. Quantitative analysis of recursive, self-similar
structures is possible in CT scans as what is termed synergistic
diagnostic using the fractal dimension.
In 10 patients with anorexia nervosa (ICD-10, F50.0) we determined
the fractal dimension of the cerebral cortex contour in a CT image
using the "boxcounting method" after filtering of the data and
separation with a defined cut-off. There was a significant difference
between the results from CTs obtained before and after therapy. There
was a high correlation between the fractal dimension and body weight,
brain volume and sulcal cerebrospinal fluid volume, but only a low
correlation with ventricular volume.
The findings suggest that the qualification of the fractal dimension
may be useful as one of postprocessing methods on CT scans. Futher
studies will be necessary to assess its importance for diagnosis.
Keywords
anorexia nervosa, brain, fractal dimension, synergistic diagnostic, computertomography
Zeitschrift für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, Band 25, 1997, Heft 4, © 1997; Verlag Hans Huber AG, Bern
Zusammenfassung
Im Rahmen einer prospektiven Längsschnittstudie zur kindlichen Entwicklung von Geburt bis zum Alter von 11 Jahren wurden die Mannheimer Beobachtungsskalen zur Analyse der Mutter-Kind-Interaktion im Kleinkindalter entwickelt. Die zehnminütigen Interaktionen von 352 Müttern mit ihren zweijährigen Kindern wurden im Labor videographisch erfasst und computerunterstützt mikro- und makroanalytisch ausgewertet. Die Beobachtungsskalen für Mutter und Kind bestehen aus einer Kombination von sekundengenau erfassten basalen Verhaltenskategorien und Verhaltensdimensionen, die je nach Komplexität im 5-Sekunden- bis einminütigem Intervall analysiert wurden. Die Überprüfung der Interraterreliabilität erfolgte an 16 Mutter-Kind-Dyaden und erbrachte gute Ergebnisse. Als Faktoren, die das Interaktionsgeschehen beeinflussen können, erwiesen sich die psychosoziale Risikobelastung und das Geschlecht des Kindes als bedeutsam. Mütter und Kinder mit hoher psychosozialer Belastung zeigen ein deutlich verändertes Interaktionsverhalten. Die Beziehung von Müttern und Töchtern wirkt harmonischer als die Beziehung von Müttern und Söhnen.
Schlüsselwörter
Prospektive Längsschnittstudie zur kindlichen Entwicklung, Mannheimer Beobachtungsskalen, Mutter-Kind-Interaktion, Interraterreliabilität, Psychosoziale Risikobelastung, Interaktionsverhalten
Zeitschrift für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, Band 25, 1997, Heft 4, © 1997; Verlag Hans Huber AG, Bern
Mannheim Rating Scales for the analysis of
mother-child-interaction in toddlers. As part of a prospective study
on child development from birth to age 11 the Mannheim
Rating Scales for the Analysis of Mother-Child Interaction in
Toddlers was constructed. Ten-minute interactions of 352 mothers and
their toddlers were videotaped in the laboratory and evaluated with
micro- and macroanalytic techniques. The instrument consists of a
combination of second-by-second codings and dimensional ratings of
5-second to 1-minute periods. Interrater reliability, assessed by
having two raters analyze 16 mother-child dyads, proved satisfactory.
Psychosocial risk factors and the child's sex had a significant
influence on the interaction process. Mothers and children at high
psychosocial risk showed different patterns from those at low rist.
Interactions of mothers and daughters seemed to be more harmonious
than interactions of mothers and sons.
Keywords
prospective longitudinal study on child development, Mannheim Rating Scales, mother-child-interaction, interrater-reliability, psychosocial risk factors, interaction pattern
Zeitschrift für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, Band 25, 1997, Heft 4, © 1997; Verlag Hans Huber AG, Bern
Zusammenfassung
Methodik: Die Studie über Psychische Auffälligkeiten und
Kompetenzen von Kindern und Jugendlichen in Deutschland
(PAK-KID-Studie) wird vorgestellt. Sie ist die erste bundesweite,
repräsentative epidemiologische Untersuchung zu diesem
Themenkomplex bei Kindern und Jugendlichen im Alter von vier bis 18
Jahren in Deutschland. Bei Kindern im Alter von vier bis zehn Jahren
wurden ausschliess die Eltern mit dem Elternfragebogen über das
Verhalten von Kindern und Jugendlichen (CBCL 4-18), einer von der
Arbeitsgruppe «L» Deutsche Child Behavior Checklist
entwickelten deutschsprachigen Fassung der Child Behav-ior Checklist
von Achenbach, befragt. Ab dem Alter von elf Jahren wurden neben den
Eltern auch die Kinder und Jugendlichen selbst mit dem Fragebogen
für Jugendliche (YSR) befragt, einer entsprechenden
deutschsprachigen Fassung des Youth Self-Report der Child Behavior
Checklist von Achenbach. Insgesamt wurden N = 2856 Elternfragebogen
und N = 1798 Fragebogen für Jugendliche analysiert.
Ergebnisse:Hinsichtlich zentraler soziodemographischer Merkmale
erweist sich die Stichprobe als repräsentaiv. Auf allen
Problemskalen liegt das Selbsturteil von Kindern und Jugendlichen im
Alter von elf bis 18 Jahren über der Einschätzung der
Eltern. Nach Einschätzung der Eltern nehmen internale
Auffälligkeiten (sozialer Rückzug, körperliche
Beschwerden, Angst/Depression) und dissoziale Verhaltensweisen mit
dem Alter der Kinder eher zu, während aggressive
Verhaltensweisen und Aufmerksamkeitsprobleme eher einem abnehmenden
Trend folgen. Im Selbsturteil der Jugendlichen beschreiben sich
Mädchen auf allen Skalen zur Erfassung internaler
Auffälligkeiten im Vergleich zu Jungen als auffälliger im
Elternurteil ist dieser Effekt nicht durchgängig nachweisbar.
Bei Aufmerksamkeitsproblemen, bei aggressiven und bei dissozialen
Verhaltensweisen werden über die gesamte Altersspanne hinweg
Jungen im Vergleich zu Mädchen von den Eltern als
auffälliger eingeschätzt.
Schlüsselwörter
Psychische Auffälligkeiten, Kinder und Jugendliche, Epidemiologie, Child Behavior Checklist
Zeitschrift für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, Band 25, 1997, Heft 4, © 1997; Verlag Hans Huber AG, Bern
Behavioral and emotional problems in children and adolescents in
Germany. Results of a representative study: Age, gender and rater
effects. Method: A study on behavioral and emotional problems and
competence in children and adolescents in Germany (PAK-KID study) is
described. It is the first nationwide representative survey of this
kind of chil-dren and adolescents aged 4 to 18 years in Germany. For
children aged 4 to 10 years the parents completed the German version
of Achenbach's Child Behavior Checklist (CBCL 4-18) developed by the
Arbeitsgruppe Deutsche Child Behavior Checklist. Children and
adolescents aged 11 years and older filled out the German version of
the Youth Self-Report that is part of Achenbach's CBCL in addition to
the parents completing the German version of the CBCL. A total of
2856 parent questionnaires and 1798 self-report questionnaires
completed by children and adolescents were analyzed.
Results: The sample was representative with respect to the main
sociodemographic variables. On all problem scales children and
adolescents aged 11 to 18 years reported significantly more problems
than their parents did. The frequency of internalizing problems
(social withdrawal, somatic complaints, anxiety/depression) and
delinquent behavior of children and adolescents reported by parents
increased with the children's age, whereas aggressive behavior and
attention problems decreased with age. Girls reported significantly
more problems than boys on all internalizing scales of the Youth
Self-Report. The effect was not totally replicated in the parent
reports. In the parent reports, boys had more attention problems and
more aggressive and delinquent behavior than girls.
Keywords
behavioral and emotional problems, children and adolescents, epidemiology, Child Behavior Checklist
Zeitschrift für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, Band 25, 1997, Heft 4, © 1997; Verlag Hans Huber AG, Bern
Zusammenfassung
Obwohl «Distanzstörung» ein bei auffälligen
und geistig behinderten Kindern gut bekanntes Problemverhalten ist,
gibt es keine exakte Definition dieser Verhaltensproblematik und nur
ungenaue Hinweise auf die Genese und Aufrechterhaltung der
Störung. Bei einem 143 Jahre alten geistig behinderten
Mädchen mit häufiger, provokativ-aggressiver Kontaktsuche
operationalisierten wir das Störverhalten nach der Beobachtung
von Topographie und Häufigkeit in unterschiedlicher
Situation.
Die Therapie begannen wir mit einem kognitiven
Diskriminationstraining von «bekannten» und
«fremden» Erwachsenen, wofür wir u.a. Szenenbilder
verwendeten. Mit einer In-vivo-Therapie wurde diese Unterscheidung in
Alltagssituationen weitergeübt und vor allem eindeutige
Reaktionen auf Kontakte mit «bekannten» und
«fremden» Erwachsenen trainiert. Richtige Reaktionen
(Kontaktaufnahmen mit «bekannten» Erwachsenen Abwenden bei
«fremden» Erwachsenen) wurden sofort sozial und materiell
verstärkt Fehler (d.h. Kontaktaufnahme mit «fremden»
Erwachsenen) mit Time-Out bestraft. In den
In-vivo-Therapiedurchführungen konnte distanzloses Verhalten
völlig abgebaut werden der Therapieerfolg generalisierte
ausserdem gut auf Alltagssituationen - was wir mit Wiederholung der
Baseline prüften - und hatte auch stabile Effekte auf das
Verhalten des Kindes im häuslichen Umfeld und in der Schule.
Schlüsselwörter
Distanzstörung, geistige Behinderung, kognitives Diskriminationstraining, In-vivo-Therapie
Zeitschrift für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, Band 25, 1997, Heft 4, © 1997; Verlag Hans Huber AG, Bern
Lack of distance - A mayor problem in mental retardation and its
treatment. A case study. Although "lack of distance"
(indiscriminately friendly, attention-seeking behavior) is a
wellknown problem behavior in children with psychiatric disorders and
in those with mental retardation there is no exact definition of this
behavior disorder and there are only vague indications as to its
origins and how it is maintained. For a 14-year-old mentally retarded
girl with frequent provocative-aggressive attention-seeking behavior
we operationalized the disturbed behavior after observation of the
phenomenology and frequency in different situations.
Treatment began with training in cognitive discrimination of "known"
adults and strangers, as part of pictures showing social interaction
were used. This discrimination was then practiced with in-vivo
therapy in everyday situations in particular, unambiguous reactions
to contacts with "known" adults and strangers were practiced. Correct
responses (contact with "known" adults, turning away from strangers)
were immediately reinforced socially and materially, and mistakes
(i.e. making contact with strangers) were punished with time-out. In
the course of these in-vivo sessions, behavior lacking distance
ceased. Furthermore, the success of the therapy generalized well in
everyday situa-tions, which was assessed by another baseline
assessment, and the effect on the girl's behavior in the home
environment and at school was also stable.
Keywords
lack of distance, mental retardation, cognitive discriminating training, in-vivo-therapy
Zeitschrift für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, Band 25, 1997, Heft 4, © 1997; Verlag Hans Huber AG, Bern