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Zeitschrift für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, Nr. 4, 1998


Originalarbeiten / Original communication

Depressive Symptome und biogene Amine als Prädiktoren der Therapieresponse bei schizophrenen Erkrankungen im Kindes- und Jugendalter
Depressive symptoms and plasma monoamine levels as predictors of response to clozapine treatment in adolescents with schizophrenia

Ch. Fleischhaker, E. Schulz und H. Remschmidt

Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters der Philipps-Universität Marburg (Leiter: Prof. Dr. Dr. H. Remschmidt)

(Summary)

Zusammenfassung

Fragestellung: In dieser Studie wurden die ersten sechs Wochen unter konventioneller Neuroleptikabehandlung und die folgenden sechs Wochen nach Umstellung auf das atypische Neuroleptikum Clozapin erfaßt.
Methodik: In wöchentlichen Abständen wurde die Psychopathologie anhand von BPRS, SANS und SAPS erhoben, parallel hierzu erfolgten Blutentnahmen zur Bestimmung der biogenen Amine und der Serumspiegel von Clozapin.
Ergebnisse: Die Serumspiegel des Serotonins und die Plasmaspiegel von Noradrenalin waren signifikant höher während der Behandlung mit Clozapin im Vergleich zur Vorbehandlung mit typischen Neuroleptika. Ein Vergleich der Plasmaadrenalinspiegel in den Gruppen der Responder (n = 7) und Non-Responder (n = 8) auf Clozapin ergab, daß die Therapieresponse auf Clozapin schon anhand der Adrenalinspiegel vor dem Beginn der Behandlung mit Clozapin eindeutig vorhergesagt werden kann. Ebenso ging eine geringe Belastung mit depressiven Symptomen vor Beginn der Behandlung mit Clozapin mit einem besseren Ansprechen der neuroleptischen Behandlung einher. Zusätzlich zeigten Patienten, die auf eine Behandlung mit Clozapin respondierten, erhöhte Plasmawerte von Methoxyhydroxyphenylglycol (MHPG) und Adrenalin im Vergleich zu den gemessenen Konzentrationen dieser biogenen Amine während der Vorbehandlung mit typischen Neuroleptika. Non-Responder bei der Umstellung auf Clozapin zeigten diesen Plasmaspiegelanstieg nicht. In der Gruppe der Non-Responder ergaben sich keine nennenswerten Veränderungen der Catecholamine.

Schlüsselwörter

Schizophrenie, Jugendliche, Biogene Amine, Clozapin

Zeitschrift für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, Band 26, 1998, Heft 4, © 1998; Verlag Hans Huber AG, Bern

Summary

Objectives: The purpose of this study was to assess the relationships between neuroleptic medication, biogenic amines and symptomatology in a sample of adolescents with schizophrenia (ICD-10 critria).
Method: Psychopathological symptoms were rated weekly by means of standard rating scales (BPRS, SANS, SAPS), parallel to weekly blood samplings for measurement of biogenic amines and serum levels of clozapine. These measures were obtained for the 6 weeks of conventional neuroleptic treatment and the subsequent 6-week open-label clozapine trial.
Results: Serum levels of serotonin and plasma norepinephrine were significantly higher during treatment with clozapine than during preteatment with typical neuroleptics. A comparison of the plasma norepinephrine levels in responders (n = 7) and non-responders (n = 8) to those of clozapine revealed that response to clozapine can be predicted on the basis of the epinephrine levels prior to initiation of clozapine treatment. Additionally, plasma concentrations of methoxyhydroxyphenylglycol (MHPG) and epinephrine were both increased in clozapine responders in comparison to the levels measured during pretreatment with typical neuroleptics. Finally, our results demonstrate that depressive symptomatology prior to initiation of clozapine treatment is also predictive of response to this atypical neuroleptic.

Keywords

schizophrenia, adolescents, biogenic amines, clozapine

Zeitschrift für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, Band 26, 1998, Heft 4, © 1998; Verlag Hans Huber AG, Bern


Mögliche pathophysiologische, diagnostische und therapeutische Implikationen neuer Befunde zur Leptinsekretion im Rahmen der Anorexia nervosa
Possible pathophysiological, diagnostic and therapeutic implications of recent findings related to leptin secretion in patients with anorexia nervosa

Ch. Wewetzer1, K. Mauer-Mucke2, A. Ballauff3, H. Remschmidt4, J. Hebebrand3

Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters der Universität Würzburg1, Köln2 bzw. Marburg4
Klinische Forschergruppe der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters der Philipps Universität Marburg3

(Summary)

Zusammenfassung

Fragestellung: Leptin ist ein Hormon, das in Fettzellen gebildet und in die Blutbahn sezerniert wird. Dem Hormon kommt eine wichtige Bedeutung bei der Regulation des Körpergewichts, der Anpassung des Organismus an eine Semistarvation und der Reproduktion zu. Insofern haben klinische Untersuchungen zur Anorexia nervosa Modellcharakter, da über diese Eßstörung weitere Erkenntnisse zur Funktion dieses Hormons gewonnen werden können.
Methodik: Es ist zu prüfen, welche Symptome der Anorexia nervosa auf die im Akutstadium der Erkrankung stark erniedrigten Serumleptinspiegel zurückzuführen sind. Ferner ist zu prüfen, ob eine zu rasche Gewichtszunahme nicht eine physiologische Gegenregulation in Gang setzt, die das Risiko für eine erneute Gewichtsabnahme erhöht.
Ergebnisse: In der vorliegenden Übersichtsarbeit sollen bislang erzielte Ergebnisse zur Leptinsekretion im Rahmen der Anorexia nervosa zusammengefaßt und mögliche diagnostische, pathophysiologische und therapeutische Implikationen dieser Befunde diskutiert werden.

Schlüsselwörter

Körpergewicht, Bulimia nervosa, Menstruation, Fertilität, Amenorrhö

Zeitschrift für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, Band 26, 1998, Heft 4, © 1998; Verlag Hans Huber AG, Bern

Summary

Objectives: Leptin is a hormone synthesized in adipocytes and secreted into the bloodstream. It plays an important role in the regulation of body weight, the adaptation to semi-starvation and in reproductive function. Hence, clinical studies pertaining to anorexia nervosa can serve to further elucidate the functions of this hormone in light of the unique features of this disorder.
Methods: Circulating concentrations of leptin are exceedingly low during the acute stage of anorexia nervosa. Which symptoms result from these diminished concentrations must be clarified. Furthermore, research is required to evaluate whether or not a too rapid weight gain might induce a physiological counter-regulation which would predispose to renewed loss of weight.
Results: This review summarizes findings to date pertaining to leptin secretion in patients with anorexia nervosa. In addition, possible diagnostic, pathophysiological and therapeutic implications are discussed.

Keywords

body weight, bulimia nervosa, menstruation, fertility, amenorrhea

Zeitschrift für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, Band 26, 1998, Heft 4, © 1998; Verlag Hans Huber AG, Bern


Zur Differentialdiagnostik von Sprachverständnisstörungen: Ergebnisse einer explorativen Studie
Differential diagnosis of language comprehension deficits: Results of an explorative study

M. Noterdaeme, A. Breuer-Schaumann, H. Amorosa

Heckscher Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie (Direktor: Prof. Dr. J. Martinius) Außenstelle München-Solln: Abteilung für teilleistungs- und verhaltensgestörte Kinder

(Summary)

Zusammenfassung

Fragestellung: Auffälligkeiten in der Entwicklung der Sprachproduktion werden im Umgang mit einem Kind sehr schnell festgestellt. Dementsprechend führen Schwierigkeiten in der aktiven Sprache rasch zu einer fachlichen Abklärung und Behandlung. Die Einschätzung des Sprachverständnisses dagegen ist sehr viel schwieriger, so daß Defizite in diesem Bereich oft nicht erkannt oder unterschätzt werden.
Methodik: An einer Stichprobe von 100 Kindern, die im Zeitraum 1993 bis 1995 in der Spezialambulanz für teilleistungs- und verhaltensgestörte Kinder der Heckscher Klinik in München-Solln vorgestellt wurden und bei denen klinisch das Symptom einer behandlungsbedürftigen Sprachverständnisstörung festgestellt wurde, untersuchten wir, bei welcher ICD-10-Diagnose das Symptom Sprachverständnisstörung vorlag.
Ergebnisse: Bei 16 Kindern war das Symptom &laqno;Sprachverständnisstörung» im Rahmen einer Intelligenzminderung und bei 3 Kindern im Rahmen einer tiefgreifenden Entwicklungsstörung zu sehen. 81 Kinder erfüllten die klinischen ICD-10-Kriterien einer rezeptiven Sprachentwicklungsstörung, oft in Kombination mit einem hyperkinetischen Syndrom oder einer emotionalen Störung. Nur 42 dieser Kinder erfüllten auch das Kriterium einer Diskrepanz von mindestens einer Standardabweichung zwischen dem Ergebnis des Sprachverständnistests und dem nonverbalen IQ. Der Stellenwert der Sprachtests in der Diagnostik umschriebener rezeptiver Sprachentwicklungsstörungen wird diskutiert.

Schlüsselwörter

Sprachproduktion, Sprachverständnis, Sprachverständnisstörung, Intelligenzminderung, tiefgreifende Entwicklungsstörung

Zeitschrift für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, Band 26, 1998, Heft 4, © 1998; Verlag Hans Huber AG, Bern

Summary

Objectives: Deficits in the expressive language abilities of children are easily observed. Thus these children usually are detected early and receive appropriate professional help. Receptive language abilities are much more difficult to assess, so that deficits either go unnoticed or often are not treated early.
Methods: In a population of 100 children examined between 1993 and 1995 in the outpatient department for speech, language and behavior problems at the Heckscher Klinik in Munich-Solln and diagnosed as having clinically relevant deficits in language comprehension, we determined the ICD-10 diagnostic category into which the symptom &laqno;language comprehension deficit» would best fit.
Results: 16 children exhibited language comprehension deficits that were part of a general mental retardation, three other children were diagnosed as having a pervasive developmental disorder. 81 children fulfilled the clinical ICD-10 criteria of a specific receptive language disorder, often in combination with a hyperkinetic syndrome or an emotional disorder. For 42 of these children this diagnosis also was confirmed by test results showing a discrepancy of one standard deviation between the language comprehension test and the non-verbal IQ. The value of language tests for the diagnosis of specific developmental speech and language disorders is discussed.

Keywords

expressive language abilities, receptive language abilities, language comprehension deficit, mental retardation, pervasive developmental disorder

Zeitschrift für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, Band 26, 1998, Heft 4, © 1998; Verlag Hans Huber AG, Bern


Vergleich von HAWIK-R und den Progressiven Matrizentests (Raven) in einer klinischen Inanspruchnahmepopulation
Comparison of WISC-R and the Progressive Matrices Tests (Raven) in a clinical referral population

J. Wilkes1, A. Weigel2

Abteilung für Kinder- und Jugendpsychiatrie (Leiter: Prof. Dr. R. Castell) der Psychiatrischen Klinik (Komm. Direktor: Prof. Dr. A. Barocka) der Universität Erlangen-Nürnberg1 und Bezirksklinikum Regensburg (Ärztlicher Direktor: Prof. Dr. H.E. Klein)2

(Summary)

Zusammenfassung

Fragestellung: In dieser Arbeit sollen die Ergebnisse zweier häufig angesetzter Testverfahren des HAWIK-R und der Progressiven Matrizen nach Raven (CPM und SPM) verglichen werden.
Methodik: 702 Kinder wurden ambulant sowohl mit dem HAWIK-R als auch mit den Progressiven Matrizen-Tests (CPM oder SPM) getestet.
Ergebnisse: Es ergaben sich hochsignifikante Mittelwertsunterschiede: Der mittlere IQ lag beim CPM um fast 10 Punkte höher als beim HAWIK-R. Unter Verwendung der SPM hingegen lag der mittlere IQ um fast 6 Punkte niedriger als der Mittelwert des HAWIK-R. Die Korrelationen zwischen HAWIK-R und den Matrizen-Tests liegen im mittelhohen Bereich bei jeweils 0,67. Auch durch die aktuelle Neunormierung der SPM ändert sich an der beschriebenen Mittelwertsdifferenz nichts Wesentliches.

Schlüsselwörter

Intelligenzdiagnostik, HAWIK-R, Matrizen-Tests

Zeitschrift für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, Band 26, 1998, Heft 4, © 1998; Verlag Hans Huber AG, Bern

Summary

Objectives: What are the differences between measuring intelligence with the WISC-R or with the Progressive Matrices Tests?
Methods: 702 children were tested as outpatients of the Child and Adolescent Department of the Psychiatric University Hospital Erlangen-Nuremberg by means of the WISC-R and the Progressive Matrices Tests (CPM and SPM).
Results: Highly significant differences in the mean were found. The mean IQ was 10 points higher on the CPM than on the WISC-R but 6 points lower than the WISC-R on the SPM. At 0.67 the correlations between WISC-R and the Matrices Tests were each in the middle high range. Differences between the tests were substantial and remain unchanged despite the recently newly normed SPM.

Keywords

Intelligence diagnostics, WISC-R, Matrices Tests

Zeitschrift für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, Band 26, 1998, Heft 4, © 1998; Verlag Hans Huber AG, Bern


Depersonalisationserfahrungen bei Jugendlichen
Depersonalization in adolescence

M. Roth

Institut für Psychologie, Universität Koblenz-Landau, Abteilung Koblenz

(Summary)

Zusammenfassung

Fragestellung: In der vorliegenden Studie wurde untersucht, wie verbreitet Erfahrungen der Depersonalisation im Jugendalter sind und ferner, inwieweit diese mit dem Selbstwertgefühl und der Selbstaufmerksamkeit Jugendlicher zusammenhängen.
Methodik: Hierzu wurden 352 Jugendliche im Alter zwischen 12 und 16 Jahren anhand standardisierter Fragebögen untersucht.
Ergebnisse: Zusammenfassend zeigen die Ergebnisse: (1) Die Mehrzahl der Jugendlichen zwischen 12 und 16 Jahren weist nur geringe Depersonalisationserfahrungen auf. (2) Es ließen sich deutliche Geschlechtsunterschiede im Altersverlauf feststellen: Bei weiblichen Jugendlichen nehmen Depersonalisationserfahrungen mit dem Alter zu, während sich bei männlichen Jugendlichen ab der mittleren Adoleszenz eine diesbezügliche Abnahme zeigt. (3) Jugendliche mit intensiver Depersonalisationserfahrung unterscheiden sich von den übrigen Jugendlichen der Stichprobe durch eine stärkere Aufmerksamkeitsfokussierung auf ihre eigene Person, nicht jedoch hinsichtlich ihres Selbstwertgefühls. Die Ergebnisse werden vor dem Hintergrund der adoleszenten Identitätsentwicklung diskutiert.

Schlüsselwörter

Depersonalisation, Körperentfremdung, Jugendalter

Zeitschrift für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, Band 26, 1998, Heft 4, © 1998; Verlag Hans Huber AG, Bern

Summary

Objectives: The present study examined how widespread experiences of depersonalization are in adolescence and how they are connected to self-esteem and self-awareness.
Methods: We tested 352 adolescents aged 12 to 16 years by means of standardized questionnaires.
Results: The results show: (1) that the majority of adolescents has had few experiences of depersonalization. (2) We observed clear sex differences in the course of age. Among female adolescents the number of experiences of depersonalization increased with age, whereas among male adolescents the number began to decrease in mid-adolescence. (3) Adolescents whose experiences of depersonalization are intense do not differ from their counterparts in the study with regard to self-esteem; however, their sense of self-awareness is heightened. The results are discussed in respect to the formation of identity in adolescence.

Keywords

depersonalization, out-of-body experience, adolescence

Zeitschrift für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, Band 26, 1998, Heft 4, © 1998; Verlag Hans Huber AG, Bern


Multiple Persönlichkeitsstörung» im Kindes- und Jugendalter
Multiple personality disorder in childhood and adolescence

V. Hocke, A. Schmidtke

Psychiatrische Klinik und Poliklinik der Universität Würzburg (Leiter: Prof. Dr. H. Beckmann) und SKH Großschweidnitz, Abteilung Allgemeine Psychiatrie (Chefarzt: Dr. V. Hocke)

(Summary)

Zusammenfassung

Die Multiple Persönlichkeitsstörung (MPS) (ICD 10, DSM-III-R) oder Dissociative Identity Disorder (DSM IV) wird als dissoziative Störung aufgefaßt. Die Diagnose wird meist erst im Erwachsenenalter gestellt, Beschreibungen der Multiplen Persönlichkeitsstörung im Kindes- und Jugendalter (KJ-Alter) finden sich bisher in der Literatur nur vereinzelt. Für die Störung als ursächlich werden sexueller und körperlicher Mißbrauch in der Kindheit angesehen. Diagnostische Hauptkriterien sind das Existieren mindestens zweier Identitäten in einer Person, deren wechselweise Übernahme der Verantwortung für die Person und Amnesien für Abschnitte des Lebenslaufes, die mit Vergeßlichkeit nicht erklärt werden können.
Fragestellung: Wird die MPS im Kindes- und Jugendalter diagnostiziert? Welche Merkmale kennzeichnen die MPS bei Kindern und Jugendlichen?
Methode: Aus einer Literaturdatenbankanalyse wurden alle erreichbaren Fachpublikationen gesichtet und einzeln ausgewertet.
Ergebnisse: Die Literaturauswertung ergab eine Gesamtzahl von 120 publizierten Fällen im Kindes- und Jugendalter. Die häufigsten klinischen Präsentationssymptome sind affektive und Angstsymptome, akustische Halluzinationen, Amnesien und Verhaltensstörungen. Die Geschlechtsrelation im KJ-Alter errechnet sich mit 5:4 w:m, im Erwachsenenalter wird sie mit 9:1 angegeben. Der soziale und familiäre Hintergrund von Kindern und Jugendlichen mit MPS ist bisher nur ungenügend beschrieben. Die Zahl publizierter Fälle ist in den letzten Jahren gestiegen.
Schlußfolgerung: Die MPS wird im Kindes- und Jugendalter diagnostiziert, die Validität der diagnostischen Kriterien ist kritisch zu sehen.

Schlüsselwörter

Multiple Persönlichkeitsstörung, Dissoziative Identitätsstörung, Sexueller Mißbrauch, Körperlicher Mißbrauch

Zeitschrift für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, Band 26, 1998, Heft 4, © 1998; Verlag Hans Huber AG, Bern

Summary

Multiple Personality Disorder (MPD) (ICD 10, DSM-III-R) or Dissociative Identity Disorder (DSM IV) is seen as a dissociative disorder. The diagnosis is mainly made only in adults. Descriptions of MPD in children or adolescents are rare in scientific literature. Both sexual and physical abuse are seen as the most important etiological factors. The diagnostic criteria include the presence of two or more identities within one person, the alternating control of the person's actions by the different personalities and amnesia with regard to episodes in one's life history which cannot be accounted for by forgetfulness.
Objectives: Is MPD diagnosed in children and adolescents? Which criteria are relevant in this disorder?
Methods: All scientific publications found in an online search were individually analyzed.
Results: The literature survey yielded 120 published cases of MPD in children and adolescents. The main clinical presentations are affective and anxiety symptoms, auditory hallucinations, amnesia and behavioral disturbances. The sex ratio for children and adolescents is 5:4 f:m, resp. 9:1 for adults. Description of the social and familial backgrounds of children and adolescents with MPD is inadequate. The number of MPD cases among children, adolescents and adults has risen in recent years.
Conclusion: MPD is diagnosed in children and adolescents. The diagnostic criteria are inconclusive.

Keywords

multiple personality identity disorder, dissociative identity, disorder, sexual abuse, physical abuse

Zeitschrift für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, Band 26, 1998, Heft 4, © 1998; Verlag Hans Huber AG, Bern


wwwadmin@hanshuber.com , 17. November 1998