EEG-Forschungslabor der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie
der Universität Leipzig (Leiter: Prof. Dr. M.C. Angermeyer)
1 Universität Leipzig, Klinik für Psychiatrie, EEG-Forschungslabor
2 Universität Leipzig, Klinik und Poliklinik für Kinder-
und Jugendpsychiatrie
3 Friedrich-Schiller-Universität Jena, Institut für
Psychologie, Lehrstuhl Allgemeine Psychologie
4 Ärztehaus Mitte, Jena
5 Friedrich-Schiller-Universität Jena, Institut für
Physiologie, Neurophysiologie 1
(Summary)
Zusammenfassung
Fragestellung: 1. Die haptische Wahrnehmungsfähigkeit anorektischer
Patientinnen (AN; n = 13) ist gegenüber gleichaltrigen gesunden Probanden
(KO; n = 13) beeinträchtigt. 2. Die hirnelektrische Aktivität
während haptischer Explorationsanforderungen ist bei anorektischen
Patientinnen im Vergleich zu gesunden Kontrollen im Theta-Band (Power) über
dem rechten parietalen Kortex signifikant geringer ausgeprägt.
Methodik: Die Struktur von 6 Tiefenreliefmustern sollte mit beiden Händen,
bei geschlossenen Augen, erfaßt und zeichnerisch (mit geöffneten
Augen) reproduziert werden. Sowohl während der haptischen Explorationsanforderungen
als auch in anforderungsfreien Ruhesituationen wurde ein 19kanaliges EEG
aufgezeichnet und spektrale EEG-Parameter (absolute Theta-Power) berechnet.
Ergebnisse: Es konnte gezeigt werden, daß die Wahrnehmungsgüte
der anorektischen Patientinnen im haptischen Test gegenüber gesunden
Kontrollpersonen deutlich eingeschränkt war. Die spektrale Leistung
der AN Gruppe im Theta-Band war gegenüber der Kontrollgruppe unter
Ruheanforderungen über Pz und T6 höher und unter haptischen Explorationsbedingungen
über P3, Pz, P4, T6, O1 und O2 geringer ausgeprägt. Dabei zeigte
sich eine geringere Power in der Patientengruppe über dem rechten parietalen
Kortex. Während der haptischen Explorationsbedingungen im Vergleich
zu den Ruhebedingungen zeigte sich bei der Patientengruppe eine global
über dem Kortex verteilte Abnahme der Theta-Leistung. Die Verteilung
der Theta-Aktivität in der AN Gruppe spricht für eine erhöhte
perzeptiv-kognitive Ressourcenbeanspruchung während der Testanforderungen
und für einen gestörten multisensorischen Integrationsprozeß
im rechten Parietallappen.
Schlüsselwörter
Haptische Wahrnehmung, hirnelektrische Aktivität, Anorexia nervosa, rechter parietaler Cortex, haptische Explorationsanforderungen
Zeitschrift für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, Band 27, 1999, Heft 4, © 1999; Verlag Hans Huber AG, Bern
Objectives: We predicted that due to diminished somatosensory integrative
ability, the anorectic patients would have problems reproducing haptic stimuli.
In addition we sought to determine whether EEGs from anorectic patients
(AN) and the healthy controls (CO) would show discrepancies between the
two groups during haptic explorations in theta-power over the right parietal
region.
Method: EEG power (theta-power) data of AN (n = 13) and CO (n = 13) were
analyzed during haptic exploration tasks and rest intervals. The haptic
explorations consisted of palpating the structure of six sunken reliefs
in sequence with both hands, eyes closed. After each exploration the structure
was drawn on a piece of paper.
Results: The reproductions of haptic stimuli submitted by the anorectic
patients were of notably poorer quality than those of the healthy controls.
During rest intervals and haptic explorations, spectral power was generally
lower in the AN group in comparison to the healthy controls. Significant
theta-power differences between groups showed over the right parietal cortex
during haptic explorations. The decrease in EEG power in the anorectic patients
in the theta bands across the right parietal region during haptic exploration
tasks could be interpreted as a minor activation of visuo-spatial regions.
The results of the haptic explorations as well as the EEG-power changes
indicate a cortical dysfunction and deficits in somatosensory integration
processing in anorexia nervosa patients.
Keywords
Somatosensory integrative ability, EEG-power, anorexia nervosa, right parietal cortex, haptic explorations
Zeitschrift für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, Band 27, 1999, Heft 4, © 1999; Verlag Hans Huber AG, Bern
1Heckscher Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie
(Direktor: Dr. F.J. Freisleder) Außenstelle München-Solln: Abteilung
für teilleistungs- und verhaltensgestörte Kinder (Leiterin: Frau
Prof. Dr. H. Amorosa)
2Institut für Soziale Pädiatrie der Ludwig-Maximilians-Universität
München (Direktor: Prof. Dr. H. von Voß)
(Summary)
Zusammenfassung
Fragestellung: In einer Pilotstudie soll die Reliabilität und Validität
des Beobachtungsinstruments «Autism Diagnostic Observation Schedule»
(ADOS) untersucht werden. Es wird überprüft, inwieweit eine differentialdiagnostische
Abgrenzung zwischen Kindern mit einem frühkindlichen Autismus und Kindern
mit einer umschriebenen rezeptiven Sprachentwicklungsstörung möglich
ist.
Methodik: Bei acht autistischen Jungen und acht alters- und IQ-parallelisierten
Jungen mit einer umschriebenen rezeptiven Sprachentwicklungsstörung
wurde das ADOS durchgeführt. Die Reliabilitätsüberprüfung
wurde von acht Rater-Paaren vorgenommen. Die Übereinstimmung zwischen
der diagnostischen Zuordnung anhand des ICD-10-Algorithmus des ADOS und
der unabhängigen klinisch-psychiatrischen Diagnose zweier Expertinnen
wurde als Maß für die Validität des Instruments benutzt.
Ergebnisse: Es stellte sich heraus, daß Rater mit Erfahrung im Bereich
der tiefgreifenden Entwicklungsstörungen eine gute Übereinstimmung
bei der Bewertung der verschiedenen ADOS-Items erreichten. Anhand verschiedener
Einzelitems konnten klare Gruppenunterschiede ermittelt werden. Der ADOS-ICD-10-Algorithmus
konnte die klinische Diagnose eines frühkindlichen Autismus bei fünf
der acht Kinder aus dieser Gruppe bestätigen. Kein Kind mit der klinischen
Diagnose einer rezeptiven Sprachentwicklungsstörung wurde anhand des
Algorithmus der Gruppe der autistischen Kinder zugewiesen.
Schlußfolgerungen: In geschulter Hand ist das ADOS ein reliables Untersuchungsinstrument.
Es kann die differentialdiagnostische Abklärung zwischen frühkindlichem
Autismus und rezeptiver Sprachentwicklungsstörung unterstützen,
zusätzliche Elternangaben sind aber notwendig, um die Diagnose zu sichern.
Schlüsselwörter
Frühkindlicher Autismus, rezeptive Sprachentwicklungsstörung, Diagnose, ADOS
Zeitschrift für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, Band 27, 1999, Heft 4, © 1999; Verlag Hans Huber AG, Bern
Objective: The purpose of our pilot study was to assess the reliability
and diagnostic validity of the Autism Diagnostic Observation Schedule (ADOS).
The usefulness of the schedule in the differentiation between children with
autism and children with a severe specific receptive language disorder is
examined.
Method: Eight boys with early infantile autism and eight age- and IQ-matched
boys with a specific receptive language disorder were examined with the
ADOS. The reliability of the instrument was assessed using the ratings of
eight pairs of raters. The agreement between diagnostic classification based
on the ADOS ICD-10 algorithm and the independent clinical psychiatric diagnosis
of two experts was used as the measure of validity.
Results: The reliability of the different ADOS items proved to be good among
experienced raters. Various ADOS items clearly discriminate both groups.
Using the ADOS ICD-10 algorithm, the clinical diagnosis of infantile autism
could be confirmed for five of the eight children in this group. None of
the children with the clinical diagnosis of a receptive language disorder
was identified as autistic according to the algorithm.
Conclusions: In the hands of experienced raters the ADOS is a reliable diagnostic
instrument. It can support the differentiation between autism and specific
receptive language disorder, but additional parent information is needed
to confirm the diagnosis.
Keywords
Infantile autism, receptive language disorder, diagnosis, ADOS
Zeitschrift für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, Band 27, 1999, Heft 4, © 1999; Verlag Hans Huber AG, Bern
Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie
des Kindes- und Jugendalters, Charité, CVk der Humboldt-Universität
zu Berlin (Direktorin: Prof. Dr. U. Lehmkuhl)
(Summary)
Zusammenfassung
Es werden Ergebnisse einer Expertenbefragung mit Ärzten und Psychologen
aus dem Transplantationsbereich dargestellt.
Fragestellung: Welche Beratungskonzepte haben die Experten? Wie wird die
postoperative Lebensqualität und die psychosoziale Entwicklung jugendlicher
Transplantierter dargestellt?
Methodik: Es wurden Interviews mit vier Ärzten und zwei Psychologen,
die im Bereich Herz- bzw. Lebertransplantationen tätig sind, durchgeführt.
Die Auswertung erfolgte entsprechend der Qualitativen Inhaltsanalyse nach
Mayring.
Ergebnisse: Die Beratung der Patienten vor der Transplantation wird als
sehr schwierig beschrieben, da nicht abzuschätzen ist, inwieweit die
Jugendlichen die Implikationen des Eingriffs antizipieren können. Obwohl
die Lebensqualität sich in medizinischer Hinsicht verbessert, kann
die psychosoziale Entwicklung beeinträchtigt sein. Der Beziehung zwischen
Arzt und Patient kommt im Transplantationsbereich eine besondere Bedeutung
zu.
Diskussion: Bei den Experten besteht ein großer Bedarf an psychologischer
Forschung. Im Bereich der Lebensqualitätsforschung wird der Einsatz
qualitativer Verfahren gefordert. Gleichzeitig machen die Ergebnisse deutlich,
wie wichtig die Entwicklung psychologischer Betreuungskonzepte für
transplantierte Jugendliche ist.
Schlüsselwörter
Transplantation, Lebensqualität, psychosoziale Entwicklung, Beratungskonzepte
Zeitschrift für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, Band 27, 1999, Heft 4, © 1999; Verlag Hans Huber AG, Bern
The following paper presents the results of interviews with transplant experts.
Objective: What counseling concepts do experts use? How do they describe
the quality of life following the transplantation? How do they judge the
psychosocial development of transplanted adolescents?
Method: Four physicians and two psychologists, all working in the field
of heart or liver transplantation, were interviewed. The evaluation was
conducted according to Mayring's Qualitative Content Analysis.
Results: Counseling adolescent patients in the face of a transplantation
is described as very difficult, as it is hard to estimate the extent to
which they can anticipate the implications of surgery. Although from a medical
point of view the quality of life improves, restrictions concerning psychosocial
development persist. The relationship between the physician and the patient
in the field of transplantation appears to be extraordinarily close.
Discussion: It became clear that the experts are highly interested in psychological
research concerning transplantation in adolescents and that they prefer
the use of qualitative methods in quality-of-life research. Additionally,
the results stress the need for the development of psychological counseling
concepts for this group of patients.
Keywords
Transplantation, quality of life, psychosocial development, counseling concepts
Zeitschrift für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, Band 27, 1999, Heft 4, © 1999; Verlag Hans Huber AG, Bern
Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie
der Universitätsklinik Würzburg (Direktor: Prof. Dr. A. Warnke)
(Keywords)
Schlüsselwörter
Enkopresis, Übersicht, diagnostische Methoden, therapeutische Ansätze,
Verlauf
Zeitschrift für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, Band
27, 1999, Heft 4, © 1999; Verlag Hans Huber AG, Bern
Encopresis, review, diagnostic methods, therapeutic approaches, outcome
Zeitschrift für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, Band 27, 1999, Heft 4, © 1999; Verlag Hans Huber AG, Bern
Department of Psychiatry and Behavioral Sciences, University
of Louisville, School of Medicine, Louisville. Child Study Center, Yale
University, New Haven, USA
(Keywords)
Schlüsselwörter
Kinderpsychiatrie in den USA, Geschichte, Child Guidance Center, Amerikanische Gesellschaft für Kinderpsychiatrie, soziale Reformen, Psychoanalyse, Familien-Psychiatrie
Zeitschrift für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, Band 27, 1999, Heft 4, © 1999; Verlag Hans Huber AG, Bern
Child psychiatry in the USA, history, child guidance center, American Academy of Child Psychiatry, social reform, psychoanalysis, family psychiatry
Zeitschrift für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, Band 27, 1999, Heft 4, © 1999; Verlag Hans Huber AG, Bern
1Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie
und -psychotherapie, Universitätsklinikum der RWTH Aachen, Neuenhofer
Weg 21, 52074 Aachen (Direktorin: Univ.-Prof. Dr. B. Herpertz-Dahlmann)
2Kinderklinik, Universitätsklinikum der RWTH Aachen, Sozialpädiatrisches
Zentrum, Pauwelsstraße 30 52074 Aachen (Direktor: Univ.-Prof. Dr.
G. Heimann)
(Summary)
Schlüsselwörter
Wir berichten über eine Patientin mit tuberöser Sklerose, die im Alter von 15 Jahren unter antiepileptischer Medikation mit Oxcarbazepin mehrere rasch wechselnde Episoden (rapid cycling) einer bipolaren Erkrankung entwickelte. Eine Kombinationsbehandlung mit Oxcarbazepin und Valproat bei in dieser Phase erstmals auftretenden Grand-mal-Anfällen erwies sich als nicht ausreichend zur Prophylaxe der affektiven Symptomatik. Eine wesentliche Stabilisierung des klinischen Bildes erfolgte unter zusätzlicher, niedrig dosierter Lithium-Einstellung, die durch wiederholt auftretende Hyperkaliämien erschwert wurde.
Zeitschrift für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, Band 27, 1999, Heft 4, © 1999; Verlag Hans Huber AG, Bern
We present the case of a 15-year-old girl with tuberous sclerosis who
developed rapid cycling bipolar disorder under treatment with the anticonsulvant
oxcarbazepine. Because of first occurrence of grand mal-seizures combined
treatment with Valproate became necessary, but failed to prevent relapses
of bipolar disorder. Mood stabilization was noticed under additional treatment
with lithium, which was complicated by an increase of serum potassium.
Keywords
Organic mood disorder, tuberous sclerosis, lithium, valproate, oxcarbazepine, treatment, case study
Zeitschrift für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, Band 27, 1999, Heft 4 © 1999; Verlag Hans Huber AG, Bern