«Neue» pädagogisch-psychologische Lerntheorien postulieren verschiedene Varianten eines selbstmotivierten, aktiven, konstruktiven, kontextuierten, entwicklungsangemessenen, eigengesteuerten und kooperativen Wissenserwerbs in der Schule. Aus diesen empirisch mehr oder minder bewährten Postulaten werden als pädagogische Folgerungen eine Entschulung, Entsystematisierung und Entsymbolisierung des unterrichtlichen Lernens sowie eine Defunktionalisierung des Lehrers abgeleitet. Diese teils theoretischen, teils modischen Trends werden kritisch diskutiert und im Rahmen multipler Lehr-Lernmodelle im Hinblick auf ihren wissenschaftlichen Wert und ihren praktischen Nutzen beurteilt.
Zeitschrift für Pädagogische Psychologie / German Journal of Educational Psychology, 10 (1), 1996, 1-12 © Verlag Hans Huber AG, Bern
«New» learning theories in an educational psychological
context postulate various forms of school-based knowledge acquisition
that bear the characteristics of being self-motivated, active,
constructive, contextuated, developmentally adequate, self-directed
and cooperative.
These more or less empirically confirmed psychological postulates are
viewed to have the educational consequences of the de-schooling of
classroom learning as well as de-functionalizing teachers. These
partly theoretical and partly fashion-led trends are critically
discussed and evaluated in terms of both their scientific and their
practical value.
Zeitschrift für Pädagogische Psychologie / German Journal of Educational Psychology, 10 (1), 1996, 1-12 © Verlag Hans Huber AG, Bern
In der vorliegenden Studie wurden 147 Jugendliche (83 Mädchen und 64 Jungen) aus neunten und zehnten Klassen der Realschule dazu befragt, wie sie generell das Fach Mathematik wahrnehmen und beurteilen (Wichtigkeit des Faches, Interesse an der Mathematik undBerufsrelevanz) und wie sie sich selbst einschätzen (Leistungsfähigkeit, Leistungserwartungen, Attributionen und Lernaufwand). Obwohl die Leistungen der Mädchen und Jungen nur geringfügig voneinander abweichen, treten deutliche geschlechtsspezifische Unterschiede in der subjektiven Einschätzung der eigenen mathematischen Kompetenzen, in den Leistungserwartungen und Attributionen, im berichteten Lernaufwand sowie der Bewertung des Faches auf.
Zeitschrift für Pädagogische Psychologie / German Journal of Educational Psychology, 10 (1), 1996, 13-25 © Verlag Hans Huber AG, Bern
In the present study 147 students (83 girls and 64 boys, grade nine and ten) were questioned about their general perception and evaluation of mathematics (importance of the subject, interest in mathematics and job related importance of mathematics). They were also asked to assess themselves (competence, expectations for performance, attributions, effort). Although there was only a slight difference in the achievements of boys and girls, there are nevertheless notable gender related differences in the subjective evaluation of one's competence in mathematics, in the expectations for performance and attributions, as well as the recorded learning effort and the assessment of the subject.
Zeitschrift für Pädagogische Psychologie / German Journal of Educational Psychology, 10 (1), 1996, 13-25 © Verlag Hans Huber AG, Bern
Zusammenfassung
Entdeckendes Lernen beruht auf der konstruktivistischen Annahme, daß Wissen durch Lernende generiert wird. Um wissensgenerierende Aktivitäten von Siebtkläßlern im Geschichtsunterricht zu fördern, wurde ein Training in epistemischen Fragen in zwei Versionen durchgeführt: Im Fragen nach historischen Fakten und im Fragen nach sogenannten Objekteigenschaften, nämlich Voraussetzungen (Konditionen) und Zielen (Funktionen) solcher Fakten. Das Training in Objektfragen führte zu deutlicheren kognitiven und affektiven Effekten als das in Faktenfragen. Der Wissenserwerb wurde auch im Transfer ebenso stärker gesteigert wie das spezifische Interesse an den im Unterricht behandelten Themen. Die Ergebnisse tragen zur Erklärung des Generierungseffekts bei und unterstreichen die Bedeutung selbständiger epistemischer Aktivitäten von Schülern.
Zeitschrift für Pädagogische Psychologie / German Journal of Educational Psychology, 10 (1), 1996, 27-38 © Verlag Hans Huber AG, Bern
Learning by discovery is based on the assumption that knowledge is constructed by the learners. A training in epistemic questioning about the topics of five lessons in history was conducted in order to promote the knowledge generation processes of seventh graders. A training in questions for historical facts was compared to a training in questions for conditions and functions as «object»-characteristics of those facts. The promotion of «object»-questions which serve to elaborate facts resulted in higher knowledge levels in training and transfer, and raised students' interests in history more than the training in questions for facts.
Zeitschrift für Pädagogische Psychologie / German Journal of Educational Psychology, 10 (1), 1996, 27-38 © Verlag Hans Huber AG, Bern
Die vorliegende Studie untersucht die Beziehungen zwischen (a) Indikatoren des selbstgesteuerten Lernens, (b) metakognitiven Strategien, (c) motivationalen Orientierungen und (d) gegebenen oder blockierten Handlungsspielräumen bei 251 Lehrer-Student(inn)en. Die Daten wurden mit einem Selbsteinschätzungs-Instrument erhoben. Selbststeuerung (selbsttätiges Verwirklichen eigener Interessen und Wünsche) ist positiv mit intrinsischer Motivation und angenehmen emotionalen Empfindungen korreliert. Regressionsanalysen lassen erkennen, daß metakognitive Strategien und wahrgenommene Handlungsfreiräume die besten Prädiktoren der Selbststeuerung sind. Die Befunddiskussion thematisiert Konsequenzen für die Durchführung weiterführender Studien.
Zeitschrift für Pädagogische Psychologie / German Journal of Educational Psychology, 10 (1), 1996, 39-47 © Verlag Hans Huber AG, Bern
A correlational study examined relationships between (a) self-regulated learning, (b) metacognitive strategies, (c) motivational orientations, and (d) activity latitude for 251 teacher-students. A self-report measure of student self-regulated learning, intrinsic motivation, activity latitude and emotional experiences was administered. Self-regulation was positively related to intrinsic motivation and emotional feelings. Regression analysis revealed that metacognitive strategies and activity latitude emerged as the best predictors of perceived self-regulation. Implications of the results for future studies are discussed.
Zeitschrift für Pädagogische Psychologie / German Journal of Educational Psychology, 10 (1), 1996, 39-47 © Verlag Hans Huber AG, Bern
Ziel des Beitrags ist es, das verbale Interaktionsverhalten von jugendlichen Mädchen und ihren Müttern in Planungsgesprächen zu beschreiben, Unterschiede zwischen Müttern und Töchtern sowie zwischen verschiedenen Dyaden zu ermitteln und auf Unterschiede in der Qualität der Beziehung zurückzuführen. Um zu theoriegeleiteter Kategorisierung und Auswertung zu kommen, wird basierend auf individuationstheoretischen Überlegungen davon ausgegangen, daß im Jugendalter die Beziehung zwischen Müttern und Töchtern sowohl durch Komplementarität als auch durch Gegenseitigkeit gekennzeichnet ist. Wenn sich in sozialen Interaktionen Merkmale von Beziehungen manifestieren, dann müßte sich Komplementarität in Interaktionsasymmetrien, Gegenseitigkeit in Interaktionssymmetrien zeigen. Bei 80 Müttern und jugendlichen Töchtern im Alter zwischen 11 und 20 Jahren wurden Planungsgespräche evoziert und transkribiert. Zur Kodierung wurde das System von Grotevant & Cooper (1985) herangezogen, das nach individuationstheoretischen Gesichtspunkten konstruiert wurde. Symmetrie wurde jeweils auf zwei Ebenen definiert: als Gleichverteilung der Häufigkeiten der Kategorien auf Mutter und Tochter. Hier konnten Asymmetrien festgestellt werden, die meist auf Mutterdominanz hinwiesen. Auf der zweiten Ebene (nicht unterschiedliche Kontingenz in der Reaktion auf eine Partnerinitiative) ergaben sich überwiegend Symmetrien. Clusteranalytisch wurden Dyadengruppen mit unterschiedlichen Symmetrieanteilen ermittelt. Die zahlenmäßig stärkste Gruppe wies deutlich symmetrische Interaktionsmuster zwischen Müttern und Töchtern auf. Die Dyaden in den Clustern unterschieden sich jedoch nicht in den unabhängig gemessenen Beziehungsvariablen. Die Ergebnisse zeigen die heuristische Fruchtbarkeit theoretischer Überlegungen über die Qualität der Eltern-Kind-Beziehung im Jugendalter für die Beschreibung ihrer verbalen Interaktionen.
Zeitschrift für Pädagogische Psychologie / German Journal of Educational Psychology, 10 (1), 1996, 49-60 © Verlag Hans Huber AG, Bern
The contribution aims at the description of verbal interactions between mothers and adolescent daughters in a planning task. Individuation theoretic notions were considered to categorize and analyze the utterances. It was hypothesized that mother-daughter relationships during adolescence are characterized by complementarity as well as by reciprocity. If features of relationship quality are manifested in terms of behavior in social interactions, complementarity should be indicated by an asymmetry of interactional behaviors whereas reciprocity should be indicated by symmetry. 80 mothers and their adolescent daughters (ages 11-20) participated in interactions elicited by a planning task. Based on literal transcripts, units of the conversations were identified and coded according to 14 codes based on an instrument introduced by Grotevant & Cooper (1985) which was constructed within an individuation theoretic framework. Two aspects of asymmetry were analyzed:(a) uneven distribution of frequencies of a given code for mothers and daughters; (b) differences in contingencies of responses to partners' initiatives. As to the first aspect, findings mostly pointed to asymmetry, namely maternal dominance. As to the second aspect, the data rather suggested a symmetrical relationship. Cluster analyses served to determine groups varying in terms of symmetry. The most numerous group was characterized by clearly symmetrical patterns of mother-daughter interactions. The dyads of the clusters, though, could not be discriminated by questionnaire variables measuring the quality of relationship. The results largely show that theoretical notions of the quality of parent-child relationships during adolescence are a useful tool to describe verbal interactions.
Zeitschrift für Pädagogische Psychologie / German Journal of Educational Psychology, 10 (1), 1996, 49-60 © Verlag Hans Huber AG, Bern