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Zeitschrift für Pädagogische Psychologie / German Journal of Educational Psychology, 10 (2), 1996

Testangst und Integrationsprozesse beim Lesen: Konfligierende Befunde
Test anxiety and integration processes in reading: conflicting findings

Manuel G. Calvo & Alejandro Jimenez

(Summary)

Zusammenfassung

Das Ziel der vorliegenden Arbeit bestand darin zu prüfen, ob Testangst Prozesse der Informationsinterpretation beim Lesen beeinträchtigt. Probanden mit entweder hoher oder niedriger Testangst lasen Texte unter den folgenden drei Bedingungen: (a) Selbstgesteuertes Lesen und Rückspringen beim Lesen möglich, (b) nur selbstgesteuertes Lesen (kein Rückspringen) und (c) Lesen mit vorgegebener Geschwindigkeit (kein Rückspringen und keine Variation des Lesetempos). Es wurden zwei Formen regressiver Fixierung (zwischen und innerhalb der Sätze) beim Lesen erfaßt, und zwei Arten von Verständnisfragen (detailbezogen vs. integrativ) verwendet.. Es ergaben sich diskrepante Befunde: (a) hochängstliche Probanden verzeichneten mehr Rückspring-Bewegungen als Probanden mit niedriger Testangst, was die Hypothese der Integrationsprozesse begünstigt; (b) im Unterschied dazu fand sich, daß das Lernverständnis beider Gruppen auch dann vergleichbar ausfiel, wenn integrative Fragen gestellt wurden und kein Rückspringen möglich war. Dieser Befund stützt eher eine Konzeptualisierung des mangelnden Selbstvertrauens. Gemäss der erstgenannten Hypothese setzen testängstliche Personen das Rückspringen als kompensatorischen Mechanismus ein, während sie gemäß der letztgenannten Hypothese das Rückspringen eher im Sinne metakognitiver Kontrolle einsetzen. Insgesamt gesehen korrespondierte Testangst mit niedriger Effizienz, ein Befund, der sich nicht mit basalen Defiziten in der Kapazität des Arbeitsgedächtnisses erklären läßt.

Zeitschrift für Pädagogische Psychologie / German Journal of Educational Psychology, 10 (2), 1996, © Verlag Hans Huber AG, Bern

Summary

The aim was to examine whether test anxiety impairs processes of integration of information across sentences during reading. Subjects high or low in test anxiety read texts under three conditions: (a) reading regressions and self-paced reading allowed, (b) self-paced reading (no regressions), and (c) fixed-pace reading (no regressions or self-paced reading). Two kinds of regressive fixations during reading, - between- and within-sentence -, were measured; and two types of comprehension questions - detail and integrative -, were used. There were discrepant results: (a) high-anxiety subjects made more regressive movements, especially between-sentence regressions, than low-anxiety subjects, which is favourable to the integration-processes hypothesis; in contrast, (b) the fact that comprehension performance was equivalent for both anxiety groups, even with integrative questions, when regressive fixations were not allowed, supports a lack-of-confidence conceptualisation. For the former hypothesis, anxious subjects resort to reading regressions as a compensatory mechanism for comprehension; for the latter, anxious subjects use regressions as a metacognitive control. In general, anxiety was associated with low efficiency, which was not caused by a basic deficit in working memory capacity.

Zeitschrift für Pädagogische Psychologie / German Journal of Educational Psychology, 10 (2), 1996, © Verlag Hans Huber AG, Bern


Heuristische versus algorithmische Orientierung als kognitiver Stil Eine Untersuchung über die Verhaltenswirksamkeit des individuellen kognitiven Stils bei der Lösung vonMathematikproblemen
Heuristic versus algorithmic orientation as a cognitive style. Effects of the individual cognitive style in solving mathematical problems

Hans Ulrich Hofmann

(Summary)

Zusammenfassung

Heuristische versus algorithmische Orientierung im Sinne eines kognitiven Stils läßt sich mit einem Fragebogen messen, den Groner & Groner (1990) entwickelt haben. Die vorliegende Arbeit geht der Frage nach, ob und in welchem Ausmaß sich diese Einstellungsdimension auch auf der Verhaltensebene auswirkt. 113 Schülerinnen und Schüler des 8. und 9. Schuljahres beantworteten den Fragebogen zur heuristischen Einstellung und lösten anschließend drei Mathematikprobleme. Ihre Lösungsprotokolle wurden analog zum Fragebogen auf verwendete Heuristiken und Algorithmen untersucht und bewertet. Die Korrelation der heuristischen Werte aus dem Fragebogen und den Mathematikproblemen erbrachte einen signifikanten Zusammenhang. Unterschiede wurden zwischen den Geschlechtern und den beiden untersuchten Schuljahren gefunden. Abschließend wird untersucht, inwieweit das Konstrukt des heuristischen versus algorithmischen Denkstils als individuelle Einstellungsdimension neue Gesichtspunkte einbringt.

Zeitschrift für Pädagogische Psychologie / German Journal of Educational Psychology, 10 (2), 1996, © Verlag Hans Huber AG, Bern

Summary

«Heuristic» versus «algorithmic orientation» has been proposed as a cognitive style by Groner & Groner (1990), operationalized by a scale of heuristic versus algorithmic orientation. The present paper investigates to what extent this orientation is related to problem solving behavior. The heuristic orientation questionnaire was presented to 113 students of grade 8 and 9, who also were asked to solve three mathematical problems. Their records of solutions were analysed and scored with respect to the number of heuristics and algorithms actually applied by the students. The correlation between the scores of the questionnaire and the mathematical problems was significant (p <.01) and also dependent on sex and grades. As an essential result the concept of the heuristic versus algorithmic cognitive style brings in a new point of view.

Zeitschrift für Pädagogische Psychologie / German Journal of Educational Psychology, 10 (2), 1996, © Verlag Hans Huber AG, Bern


Berufliche Interessen bei Jugendlichen
Vocational interests in young adults

Joachim Hasebrook & Markus Gremm

(Summary)

Zusammenfassung

Aktuelle Tendenzen auf dem Arbeitsmarkt üben einen hohen Qualifizierungsdruck auf Jugendliche aus und erfordern eine bessere pädagogische und psychologische Betreuung in Phasen der Berufsorientierung. Ein Kernkonzept ist dabei die Fähigkeits- und Interessendiagnostik. Es werden zwei Befragungen mit insgesamt 426 Schülerinnen und Schüler zu verschiedenen Aspekten beruflicher Interessen undEinstellungen geschildert. Eine wesentliche Fragestellung der Untersuchung ist, ob sich Strukturen innerhalb dieser Interessen und Einstellungen finden lassen. Interessen und Einstellungen werden für Haupt- und Realschüler sowie Gymnasiasten und Fachoberschüler der Sekundarstufe II getrennt erhoben. Die Ergebnisse zeigen, daß die Interessensstruktur der Haupt- und Realschüler relativ einfach gegliedert und nicht der Situation auf dem Arbeitsmarkt angemessen ist. Gymnasiasten haben ein noch einfacheres Bild betrieblicher Ausbildungen, verfügen dafür aber über eine stark vernetzte Interessenstruktur hinsichtlich akademischer Berufe. Praktische Folgerungen und Verwendungsmöglichkeiten derErgebnisse werden diskutiert.

Zeitschrift für Pädagogische Psychologie / German Journal of Educational Psychology, 10 (2), 1996, © Verlag Hans Huber AG, Bern

Summary

Recent tendencies of the job market force young adults to acquire a high qualification in order to get adequate jobs. Therefore, improvements in edcuational and psychological counselling are required. A core concept of career counselling is the assessment of vocational interests and abilities. 426 pupils participated in two studies designed to identify structures within job related interests and aptitudes. The results show that the interests of pupils from secondary schools are poor structured and do not fit the situation on the job market. Pupils of high schools have even simpler images in mind when judging about jobs in crafts and industries. Academical jobs, however, they describe in complex and highly interrelated patterns. Conclusions from these findings for practical use are discussed.

Zeitschrift für Pädagogische Psychologie / German Journal of Educational Psychology, 10 (2), 1996, © Verlag Hans Huber AG, Bern


Die Qualität sozialer Interaktionen bei der Ausführung von Lerntestaufgaben als Indiz für vermutetes Lernpotential bei Kleinkindern
The quality of social interaction during the performance of learning potential tasks with preschoolers

Geerdina Maria Van der Aalsvoort

(Summary)

Zuammenfassung

In diesem Artikel wird beschrieben, wie die Qualität sozialer Interaktionen während der Durchführung eines semistandardisierten Lerntests untersucht wurde. Mittels einer «one-shot-case-study» wurde festgestellt, daß die Art der sozialen Interaktion zwischen Erzieherin und Kleinkind mit dem wahrgenommenen Lernpotential von Kleinkindern zusammenhing, und daß der Eindruck, den die Erzieherin von dem Kind hat, die Interaktion mit dem Kleinkind beeinflußt. Die untersuchte Gruppe bestand aus Kleinkind-Erzieher-Paaren von Kinderbetreuungsstätten. Als Auswahlkriterium für die Teilnahme der Kinder galt, daß sie wenig zielgerichtetes Spielen mit Entwicklungsmaterial zeigten. Die Kinder wurden von den Erzieherinnen selektiert. Insgesamt nahmen 30 Kleinkinder an dieser Untersuchung teil, 20 Jungen und 10 Mädchen im Alter von 32 bis 42 Monaten aus Kinderkrippen und Kindertagesstätten. Außer der Intelligenz der Kinder wurde die Berufserfahrung der Betreuerinnen festgestellt. Die Beurteilung von Lernverhalten und dieSprachbeherrschung dienten als unabhängige Variablen. Abhängige Variable war die soziale Interaktion. Wenn man beide Gruppen vergleicht, kann man feststellen, daß weder Intelligenz noch Berufserfahrung einen signifikanten Unterschied aufwiesen. Die Ergebnisse zeigten, daß Erzieherinnen im allgemeinen den Kindern, die mehr Anlaß zur Sorge gaben, weniger halfen als den anderen, und daß jene Kinder häufiger nichtaufgabenbezogenes Verhalten zeigten. Diese Kinder wurden von der Erzieherin häufiger korrigiert und erhielten weniger emotionelle Unterstützung. Es handelte sich hierbei immer um weniger intelligente Kinder. Auch zeigten sich geschlechtsspezifische Zusammenhänge im Verhalten der Kinder. Verbale und nonverbale Stimulanz während der Lösung der Aufgaben fand häufiger bei Jungen und bei intelligenteren Mädchen statt.

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Summary

In this study the learning potential of 30 preschoolers aged 32 to 43 months (20 boys and 10 girls) was assessed when performing learning potential tasks with their preschool teachers. The preschoolers were selected because of their low interest in developmental games, the main goal being to identify whether qualitative differences between task situations would occur, and if so, whether these differences were related to the teacher evaluation and/or gender specific. Videotapes of the task performance were made. The intelligence of the preschoolers and the professional experience of the teachers were measured. Independent variables were working site (day-care or day nursery) and evaluation. The social interaction during the performance of a cognitive task was the dependent variable. Several instruments were used to measure the social interaction. The results showed that the poorly evaluated preschoolers showed more off-task behavior. Their behavior was more often directly regulated, whereas the subjects experienced less help and positive verbal emotional support from their teacher. Gender specific relationships were found in the social interaction. Verbal and nonverbal support was found more often with the boys, and with the more intelligent girls.

Zeitschrift für Pädagogische Psychologie / German Journal of Educational Psychology, 10 (2), 1996, © Verlag Hans Huber AG, Bern


wwwadmin@hanshuber.com, 30. Juni 1997