(Summary)
Zusammenfassung
Achtundvierzig Studierende nahmen an einem einstündigen Experiment teil, in dem sie während einer Lernphase Wissen über die Beziehungsstruktur in einem komplexen, computersimulierten System erwerben sollten. Dazu konnten sie in das System eingreifen und die Effekte dieser Eingriffe analysieren. In einer anschließenden Anwendungsphase war auf der Basis dieses Wissens das System auf vorgegebene Zielwerte zu bringen. Als Leistungsmaße galten die Menge richtig erkannter Beziehungen (= Wissenserwerb in der Lernphase) sowie die erreichte Annäherung an die vorgegebenen Zielwerte (= Anwendungsleistung). Untersucht wurde, inwieweit zwei Motivationsfaktoren, nämlich «Spaß/Interesse an der Aufgabe» und «Erfolgszuversicht vs. Mißerfolgsbefürchtung», bei dieser Aufgabe Einfluß auf den Erwerb und die Anwendung von Wissen haben und über welche Prozeßvariablen dieser Einfluß vermittelt wird. Bei einer pfadanalytischen Modellüberprüfung zeigte sich zunächst ein rein kognitiver Pfad von der Systematik der verwandten Lernstrategie («Strategiesystematik») über die Menge erworbenen Wissens am Ende der Lernphase auf die Anwendungsleistung. Daneben hatte der Motivationsfaktor «Erfolgszuversicht vs. Mißerfolgsbefürchtung» auf den Wissenserwerb einen direkten Einfluß sowie einen, der über die Prozeßvariable «Strategiesystematik» vermittelt war. Weiterhin hatte dieser Motivationsfaktor einen Einfluß auf die Anwendungsleistung, der über die Prozeßvariable «anstrengungsfreie Konzentration» vermittelt war.
Zeitschrift für Pädagogische Psychologie, Band 12, 1998, Heft 1, © Verlag Hans Huber, Bern
Forty-eight students participated in an experiment in which they had to learn the structure of a complex, computer-simulated system. Subjects manipulated the system and they could analyze the result. By doing so they could increase their knowledge about the system, that is, they could learn the relations underlying the system. In the subsequent application phase they could use this knowledge to reach specified goal values for the system. Performance was measured both in terms of the number of correct relations («structure score», a measure of knowledge acquisition in the learning phase) and how close subjects got to the goal values («solution error», a measure of knowledge application). We examined the impact on two motivational factors («interest in the task» and «confidence of success vs. fear of failure») on both performance measures and by what processes these influences may be mediated. A path-analysis showed a path in which a more systematic strategy leads to more knowledge in the learning phase, which in turn leads to better performance in the application phase. However, the motivational factor «confidence of success vs. fear of failure» had a direct impact and two indirect influences on knowledge application. The two indirect impacts on performance were mediated by strategy systematicity, and «effortless concentration» respectively.
Zeitschrift für Pädagogische Psychologie, Band 12, 1998, Heft 1, © Verlag Hans Huber, Bern
(Summary)
Zusammenfassung
Der Artikel betont die Bedeutung qualitativer Analysen bei der Erforschung kognitiver Lernaktivitäten. Zur Anregung und Unterstützung selbstregulativer Strategien kam ein kooperatives Lehr-/Lernarrangement zur Anwendung. 44 Studierende wurden Lernpaaren zugeordnet, die studienbezogene Lernaufgaben bearbeiten und dabei laut über ihre Aktivitäten berichten sollten. Die Analyse der Beobachtungsprotokolle erfolgte mit Hilfe eines Kategoriensystems. Inhaltsanalysen lassen eine substantielle Anzahl von Aussagen zu aktuellen (meta)kognitiven Vollzügen der Überwachung und Diagnose erkennen. Die dyadischen Aktivitäten scheinen das Auftreten solcher Prozesse zu begünstigen. Dagegen kommen Hinweise auf die Nutzung vorhandener Wissensbestände und Strategien zur objektiven Feststellung von Lern(zwischen)zuständen seltener zum Vorschein. Die Implikationen der Befunde für die Durchführung von Fördermaßnahmen werden diskutiert.
Zeitschrift für Pädagogische Psychologie, Band 12, 1998, Heft 1, © Verlag Hans Huber, Bern
The article points out the significance of procedures of qualitative studies when doing research in the field of cognitive strategies. To activate and identify (meta)cognitive regulations, 44 subjects were assigned to pair-groups. The subjects were taught to think aloud about their self-regulative activities. The learning-procedures were empirically evaluated with the help of thinking aloud protocols. For the analysis of these protocols a category system was developed. The content analysis shows that there are a considerable number of statements refering to monitoring and state diagnosing activities. There is some evidence that dyadic processing activities can enhance such metacognitive patterns. Interestingly a small proportion of utterance refer to objective testing or checking learning-results. Implications of the findings for the realisation of training programs are discussed.
Zeitschrift für Pädagogische Psychologie, Band 12, 1998, Heft 1, © Verlag Hans Huber, Bern
(Summary)
Zusammenfassung
In dieser Studie wird geprüft, wie bestimmte Darstellungsweisen in Massenmedien die Beurteilung gesellschaftlicher Entwicklungen beeinflussen. Zu diesem Zweck lasen N = 138 Schüler Artikel zum Thema «Gewalt in der Schule», die eine von drei Tendenzen (Zunahme vs. Stagnation vs. Abnahme der Gewalt) ausführten. Eine Hälfte der Stichprobe las einen Bericht, der den jeweiligen Trend an einem Einzelbeispiel veranschaulichte, während die andere Hälfte den Trend als statistische Zusammenfassung dargestellt bekam. Veränderungen im Vergleich zu einer Kontrollgruppe ergaben sich vor allem für die Leser, die den Artikel gelesen hatten, der eine Abnahme der Gewalt beschrieb: Erwartungsgemäß führte die Rezeption dieser positiven Entwicklung dazu, daß Ausmaß und Bedeutung des Themas anschließend niedriger eingeschätzt wurden als nach der Lektüre des Artikels mit negativer Entwicklung. Der vermutete Darstellungseffekt zeigte sich darin, daß diese Diskrepanz in den Urteilen innerhalb der Bedingung «lebendiger Einzelfall» teilweise größer war als nach der Lektüre der statistischen Zusammenfassung. In einem weiteren Schritt zeigte sich, daß auch nach einem Debriefing die Unterschiede in den Urteilen erhalten blieben, die durch die Variation der Tendenz entstanden waren: Besonders die Leser des Berichts über eine Abnahme der Gewalt schätzten Bedeutung und Ausmaß des Problems weiterhin niedriger ein, obwohl dieser Artikel insgesamt eher als unglaubwürdig beurteilt wurde. Die Ergebnisse werden diskutiert im Hinblick auf die Frage nach der Bedeutung der Negativität und der Erwartungswidrigkeit für die persuasive Wirkung von Informationen.
Zeitschrift für Pädagogische Psychologie, Band 12, 1998, Heft 1, © Verlag Hans Huber, Bern
This study deals with the impact of certain kinds of presentation in mass media on students' judgment of social developments. N = 138 students read a newspaper article on the issue «violence in school» which presented one of three tendencies (increasing vs. stagnating vs. decreasing amount of violence). The articles were written as single case descriptions or as statistical summaries. Changes in judgments (compared to a control group) were obtained for subjects who read the «decreasing»-article. Reading about this positive trend leads to lower estimations of the relevance and extent of the problem than the other trends do. This discrepancy in judgments was higher when students read the «single case»-article than after reading the more statistical summary. In a second step it was shown that even after a debriefing of the manipulation, the differences due to the tendencies remain stable: Students who read «decrease»-articles persevere in their low estimation of the relevance and the magnitude of violence in schools, in spite of the low trustworthiness of this articles. The results are discussed with regard to the relative importance of negativity/positivity and expectancy disconfirmation on the persuasive effects of information.
Zeitschrift für Pädagogische Psychologie, Band 12, 1998, Heft 1, © Verlag Hans Huber, Bern
(Summary)
Zusammenfassung
Ausgehend von dem in der Literatur häufig thematisierten «Underachievement-Syndrom» werden «hochbegabte Underachiever» der 4. Jahrgangsstufe mit gleich alten «höchstbegabten Achievern», «hochbegabten Achievern», «durchschnittlich begabten Achievern» sowie «durchschnittlich begabten Overachievern» unter Kontrolle der Variablen «Geschlecht» und «sozio-ökonomischer Status» hinsichtlich der Variablengruppen «Persönlichkeit», «Selbstkonzept», «Schulanpassung» und «Entwicklung» verglichen, wobei sowohl die Selbstauskünfte der Kinder als auch Beurteilungen ihrer Eltern und Lehrkräfte herangezogen werden. Dabei sind «hochbegabte Underachiever» als Schulkinder mit einem IQ-Prozentrang > 96 und einem Leistungs-Prozentrang < 50 definiert. Die Selbsteinschätzung der Persönlichkeit, die Selbstkonzeptvariablen, die Persönlichkeitsfremdeinschätzung durch Eltern und Lehrkräfte und die Beurteilung des Entwicklungsverlaufs durch die Eltern zeichnen ein überwiegend problematisches Bild und bestätigen die Gültigkeit des allgemeinen «Underachievement-Syndroms» auch für «hochbegabte Underachiever» im Grundschulalter.
Zeitschrift für Pädagogische Psychologie, Band 12, 1998, Heft 1, © Verlag Hans Huber, Bern
The starting point of the study is the often described «underachievement syndrome». To shed some light on the «underachieving syndrome» of gifted children, five groups of fourth-graders of elementary schools were investigated: «underachieving gifted», «high achieving excellently gifted», «high achieving gifted», «average achieving non-gifted» and «high achieving non-gifted». Control variables were «gender», «socio-economic status», and «grade point average». Gifted underachievers were defined as students with an intelligence-percentile > 96 and an achievement percentile < 50. Data concerning personality, self-concept, development, school, and social adjustment were collected from the children, their parents, and their teachers. Results show that the underachieving gifted children display more problems in nearly all investigated variables, and are described by their parents and teachers as being more problematic. Thus, the general underachievement syndrome also applies to gifted underachievers in elementary schools.
Zeitschrift für Pädagogische Psychologie, Band 12, 1998, Heft 1, © Verlag Hans Huber, Bern
(Summary)
Zusammenfassung
Zwei zweite Klassen einer Grundschule, die in den relevanten Merkmalen vergleichbar waren, nahmen an einem Quasi-Experiment teil. Während die eine Klasse ein Training des induktiven Denkens erhielt, erhielt die andere ein Aufmerksamkeitstraining. Danach wurden beide Klassen in der Gedächtnisstrategie des Kategorisierens oder Clusterns unterwiesen. Das Denktraining führte zu höheren Leistungen im CFT sowie in allen drei Variablen der Gedächtnisleistung, und zwar sowohl unmittelbar nach der Unterrichtsstunde als auch zehn Wochen später. Der Effekt des Denktrainings auf die Gedächtnisvariablen war nach zehn Wochen sogar noch angestiegen.
Zeitschrift für Pädagogische Psychologie, Band 12, 1998, Heft 1, © Verlag Hans Huber, Bern
Two second classes of a primary school which were comparable to each other with respect to relevant variables, participated in a quasi-experiment. Whereas one class received a training to reason inductively, the other was given an attentional training. After that, both classes were instructed to use the memory strategy of categorizing or clustering. The reasoning training led to higher performance with Cattell's CFT as well as with the three memory variables, both immediately after instruction and ten weeks later. Actually, the effect of the reasoning training on the memory variables had even increased ten weeks later.
Zeitschrift für Pädagogische Psychologie, Band 12, 1998, Heft 1, © Verlag Hans Huber, Bern