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Zeitschrift für Pädagogische Psychologie, Heft 1/2, 1999


Themenschwerpunkt, Evaluation kognitiver Trainings: Eine Standortbestimmung
Special Topic, Evaluation of Cognitive Trainings: The Present State of Affairs

M. Hasselhorn

Göttingen

Zeitschrift für Pädagogische Psychologie/German Journal of Educational Psychology, 1-2/1999; 1-3; Hans Huber AG, Bern


Die Verbesserung räumlicher Fähigkeiten durch computer- unterstützte Fördermaßnahmen: Zwei Evaluationsstudien
Fostering Spatial Abilities by Computer-Aided Training Programs

E. Souvignier

Universität Frankfurt am Main

(Summary)

Zusammenfassung

In zwei Trainingsexperimenten mit jeweils N = 29 lernbeeinträchtigten Schülern wurden Wirksamkeit und differentielle Effekte computerunterstützter Fördermaßnahmen zur Verbesserung räumlicher Fähigkeiten untersucht. Im Vergleich zwischen den Computerspielen Tetris und Block-out sowie einem computerunterstützten Lernprogramm mit graphischer Animation ergaben sich keine Unterschiede (Experiment 1). Die beiden Computerspiele und ein computerunterstützter Lehrgang in technischem Zeichnen erwiesen sich als wirksamer zur Verbesserung räumlicher Fähigkeiten als die Beschäftigung mit Textverarbeitungs- und Rechenprogrammen (Experiment 2). Differentielle Analysen ergaben, daß bei dem computerunterstützten Lehrgang in technischem Zeichnen vor allem Schüler mit guten Trainingsleistungen von diesem Programm profitierten. Bei der Förderung mit den Computerspielen zeigte sich ein solcher Zusammenhang zwischen Trainingsleistung und Trainingsgewinn nicht. Die Ergebnisse dieser Untersuchungen unterstreichen, daß räumliche Fähigkeiten einerseits durch die Interaktion mit multimedialen Lernumgebungen gefördert werden, daß sie andererseits aber auch eine notwendige Voraussetzung zur erfolgreichen Nutzung solcher Umgebungen sind.

Summary

In two experiments with each N = 29 students with general learning difficulties, effectiveness and differential effects of computer-aided training programs on spatial ability were tested. Comparing video games and a learning program, that used graphic animation in manifold ways, no differences in effectiveness were found (Experiment 1). Video games and a computer-aided course in technical drawing showed to be significantly more effective than working with text and calculating programs (Experiment 2). Analyzing differential effects results suggested that students who performed well in the technical drawing course took most benefit from that training. A correlation between performance in dealing with the training program and improvement of spatial abilities was not found in the sample of students, who took part in a training with video games. The results of these two experiments underline that on one hand, spatial abilities can be improved by interacting with multimedia. On the other hand, for using visual instructional aids in an efficient way, spatial abilities are a necessary precondition.

Keywords

Spatial abilities, evaluation, cognitive training programs, computer aided instruction

Zeitschrift für Pädagogische Psychologie/German Journal of Educational Psychology, 1-2/1999; 4-16; Hans Huber AG, Bern


Das Interventionsprogramm CASE von Adey und Shayer im Lichte bisheriger Evaluationen
The Intervention Program CASE by Adey and Shayer in the Light of Previous Evaluations

U. Burrmann

Universität Potsdam

(Summary)

Zusammenfassung

Das CASE-Programm ist ein 2jähriges Interventionsprogramm zur Förderung der Denkentwicklung, insbesondere des Übergangs vom konkret-operationalen zum formal-operationalen Denken, von Schülerinnen und Schülern der Sekundarstufe 1. Die Schülerinnen und Schüler absolvieren 30 naturwissenschaftliche «Denkstunden». Die Prinzipien des Programms basieren auf Theorien und empirischen Studien von Piaget, Wygotski und Feuerstein. Ergebnisse haben gezeigt, daß CASE-Schülerinnen und Schüler im Vergleich zu Nicht-CASE-Schülerinnen und Schülern signifikant größere Zugewinne in ihrer kognitiven Entwicklung (gemessen mit Piaget-Aufgaben unmittelbar nach Beendigung des Interventionsprogramms) und in ihren Schulleistungen beim Staatlichen Abschluß-Examen (GCSE-Examen in Naturwissenschaften, Mathematik und Englisch 2 bzw. 3 Jahre nach Beendigung der Interventionsperiode) machen. Gegenwärtig beschäftigen sich verschiedene Studien mit möglichen Nebeneffekten des CASE-Programms.

Summary

CASE is a 2-year intervention program which aims to promote the cognitive development of secondary school students, especially the transition from concrete operational to formal operational thinking. The students are taught 30 «Thinking Science lessons» by their science teachers. The key principles are based on theories and empirical studies by Piaget, Vygotsky and Feuerstein. Results have shown that CASE students make significant gains, in comparison to matched non-CASE students, on Piagetian measures of cognitive development immediately after the intervention programme, and subsequently on their academic results on the General Certificate of Secondary Education (GCSE examinations taken 2 or 3 years after the intervention period) in Science, Mathematics, and English. Present studies investigate possible side-effects of CASE.

Keywords

Intervention program, cognitive development

Zeitschrift für Pädagogische Psychologie/German Journal of Educational Psychology, 1-2/1999; 17-23; Hans Huber AG, Bern


Erprobung eines modifizierten Denktrainings an entwicklungsverzögerten Vorschulkindern
Evaluation of a Modified Version of a Cognitive Training with Developmentally Retarded Kindergarten Children

S. Hübner, W. Hager, M. Albert & K. Flade

Georg-August-Universität Göttingen

(Summary)

Zusammenfassung

Eine hinsichtlich einiger in der Literatur diskutierter essentieller Komponenten wirksamer Förderprogramme modifizierte Version des Denktrainings für Kinder I von Klauer (1989a) wird mit einem Kontrolltraining verglichen, um zu ermitteln, ob es trotz der Modifikationen noch wirksam im Sinne der Ziele des Trainingsautors ist (Verbesserung des induktiven Denkens). Trainiert werden Schulkindergartenkinder, die aus den verschiedensten Gründen von der regulären Einschulung zurückgestellt worden sind. Zur Erfassung der Trainingserfolge werden sowohl psychometrische abhänge Variablen als auch Konzeptbildungsaufgaben eingesetzt, die das Ableiten und Anwenden von Regeln erfordern. Es ergaben sich unter beiden Programmen substantielle Anstiege vom Vor- zum Nachtest bei den psychometrischen AVn, während sich ein differentielles Muster bei den Konzeptbildungsaufgaben nachweisen ließ. Allerdings erreichte nur ein Teil der entsprechenden Vergleiche zwischen den Programmen statistische Signifikanz. Insgesamt muß daher bilanziert werden, daß die Umsetzung der die Modifikation des Denktrainings leitenden Überlegungen noch nicht befriedigend gelungen ist.

Summary

The original version (Klauer, 1989) of the Cognitive Training for Children by Klauer and Phye (1994) is enhanced by some components which seem essential for the effectiveness of training programs. To answer the question if the program is effective despite of the various modifications, the modified program is compared to a control program. The assessment of its aims rests on some subtests of a conventional intelligence test (CFT) and on concept formation tasks especially devised to gain insight into the children's ability to derive and to apply rules, since the main objective of the program is to enhance inductive reasoning. Both programs lead to substantial pretest-posttest improvements for the psychometric subtests, whereas the results for the task of concept formation give differential patterns for both programs, although not all comparisons between the programs reach statistical significance. Overall, the results indicate that the modifications do not work as well as intended, especially when the results of a follow-up study are taken into account.

Keywords

Cognitive training, evaluation, concept formation tasks, improvement of reasoning

Zeitschrift für Pädagogische Psychologie/German Journal of Educational Psychology, 1-2/1999; 24-36; Hans Huber AG, Bern


Läßt sich durch gleichzeitige Motivförderung das Training des induktiven Denkens optimieren?
Does Simultaneous Motive Modification Optimise the Teaching of Inductive Reasoning?

S. Fries, B. Lund & F. Rheinberg

Universität Potsdam

(Summary)

Zusammenfassung

In einer Trainingsstudie wurde untersucht, wie die motivationale Optimierung eines kognitiven Trainings seine Wirksamkeit auf kognitive und motivationale Maße beeinflußt. Das Denktraining II (Klauer, 1991) wurde mit Übungen aus Motivförderprogrammen (Rheinberg & Krug, 1999) angereichert. Im resultierenden «Integrierten Training» werden die motivationalen Übungen der realistischen Zielsetzung, der günstigen Attribution sowie der günstigen Selbstbewertung direkt auf das kognitive Material angewandt. Die 102 Schüler (Alter 11 bis 13 Jahre) der 6. Klassenstufe einer Gesamtschule wurden 4 Bedingungen zugeordnet: Integriertes Training; Originaldenktraining (Klauer 1991); reine Motivförderung (Rheinberg & Krug, 1993) und Wartekontrollgruppe. Bei der Leistungssteigerung im induktiven Denken war das Integrierte Training den anderen Bedingungen klar überlegen. Außerdem wies nur das integrierte Training einen Effekt in der vorhergesagten Richtung beim Leistungsmotiv der Schüler auf. Die Ergebnisse zeigen, daß die Kombination eines kognitiven Trainings mit einem Motivtraining eine kognitive Förderung erzielen kann, die jene des rein kognitiven Trainings übertrifft, und daß darüber hinaus mit einem derartigen Trainingsprogramm auch positive motivationale Effekte erzielt werden können.

Summary

In a training study we investigated how a motivational optimisation of a cognitive training influences its effectiveness both on cognitive as well as on motivational measures. We enriched a training on inductive reasoning (Klauer, 1991) by adding typical motive modification exercises (Rheinberg & Krug, 1999). The goal of these exercises is to lead the children towards realistic goal setting, an assertive style of attribution and a positive evaluation of themselves. Within the resulting «integrated training» these exercises are applied to the cognitive material. A total of 102 sixth grade children (age 11–13) were divided into 4 groups: 43 were trained with the integrated training; 20 received the original training of Klauer (1991); 22 received a pure motive modification (Rheinberg & Krug, 1999); and 17 children served as a control group. Inductive reasoning skills were measured using the CFT 20 (Weiß, 1987). The integrated training was clearly superior to the other conditions with respect to this measure. There was also an effect of the conditions on the achievement motive of the children, but only the integrated training showed the predicted effects. The results indicate, that the combination of a cognitive training with simultaneous motive modification can result in a better cognitive and also in a motivational improvement.

Keywords

Inductive reasoning, achievement motivation, cognitve training, motive modification

Zeitschrift für Pädagogische Psychologie/German Journal of Educational Psychology, 1-2/1999; 37-49; Hans Huber AG, Bern


Die motivationale Erweiterung einer lernstrategisch orientierten Intervention im frühen Schriftspracherwerb
The Motivational Enhancement of a Strategic Oriented Learning Intervention in Early Literacy Acquisition

G. Mannhaupt, K. Hüttinger, D. Schöttler & V. Völzke

Westfälische Wilhelms-Universität Münster

(Summary)

Zusammenfassung

Seit der Etablierung unterrichtsorientierter Lernforschung gelten strategisch orientierte Lerninterventionen als vielversprechende Beiträge zur Überwindung der Kluft zwischen Grundlagenforschung und Unterrichtspraxis. Zur Realisation des «Lernen Lernens» wird die Berücksichtigung gegenstandsimmanenter motivationaler Aspekte als eine Möglichkeit diskutiert. Vor diesem Hintergrund erfolgte eine motivationale Erweiterung einer erfolgreichen, lernstrategisch orientierten Intervention. Sie bestand aus der Aneignung der Handlungspläne der phonologischen Wortanalyse und der Kontrollhandlung des Lesens nach Galperin. Außerdem wurde der Gebrauchswert der Schrift als motivationale Orientierung in den Vordergrund gestellt. Durchgeführt wurde die Intervention über das zweite Schulhalbjahr der ersten Klasse in einem quasi-experimentellen Non-Treatment-Kontrollgruppen-Design mit Prä-, Posttest sowie Follow-up. Trotz insgesamt erhöhten Förderaufwands zeigen sich keine Effekte. Die Befunde werden vor dem Hintergrund vorliegender übereinstimmender und divergierender Befunde diskutiert.

Summary

Since the establishing of instructional research, strategic oriented learning interventions are seen as promising contributions to close the gap between basic research and the improvement of every day schooling practice. As one way of improvement, «learning to learn» is discussed. This can be fostered by offering an object immanent motivational orientation in addition to strategic learning elements. Taking into account these thoughts, a motivational enhancement of a successful strategic oriented intervention was undertaken. The content of this intervention consisted of the acquisition of the phonological analysis strategy and the control strategy of the reading action. In addition the use of writing in every day practice was offered as motivational orientation. The intervention took place in the second half of the first grade within a quasi-experimental design with a non-treatment control group, pre-, posttest, and a half-year follow-up. Although increased effort in comparison to the reference study, the study reported does not show any cognitive effects. These findings are discussed in consideration of existing divergent and convergent results.

Keywords

Learning strategies, dyslexia, intervention

Zeitschrift für Pädagogische Psychologie/German Journal of Educational Psychology, 1-2/1999; 50-59; Hans Huber AG, Bern


Zur Messung von Übungs- und Trainingserfolg auf der Grundlage von EEG-Parametern
On Measuring the Effect of Practice and Training on the Basis of EEG Parameters

E. Sommerfeld, W. Krause, B. Schack, C. Markert, R. Pies & H. Tietze

Friedrich-Schiller-Universität Jena

(Summary)

Zusammenfassung

Übung bzw. Training reduziert im allgemeinen die Bearbeitungszeit zur Lösung eines Problems. Diese Zeiteinsparung wird oft auf eine Verringerung kontrollierter Prozesse zugunsten automatisierter Teilprozesse zurückgeführt. Doch welche Prozeßeigenschaften zeigen einen solchen Lerneffekt an? Einen möglichen Weg zur Beantwortung dieser Frage sehen wir in der Analyse prozeßbegleitender funktionaler Kooperationen zwischen Hirnregionen und ihrer Veränderung durch Übung. In 2 EEG-Studien wird die Annahme getroffen, daß sich hoher kognitiver Aufwand für Kontroll- und Steuerprozesse im Arbeitsgedächtnis in besonders starken Synchronisationen zwischen Regionen des Frontal- und des Parietalbereiches widerspiegelt. Die Erwartung, daß eine Aufwandsreduktion durch Übung mit einer Verringerung solcher Synchronisationen einhergeht, ließ sich auf der Basis einer EEG-Kohärenzanalyse empirisch bestätigen. Gleichzeitig mit einer Verringerung der Stärke dieser interregionalen Synchronisation wurde eine Erhöhung der Stärke der lokalen Synchronisation in parietalen Bereichen gefunden. Das könnte dahingehend interpretiert werden, daß der durch Übung teilweise automatisierte Lösungsprozeß mehr und mehr in parietalen Regionen stattfindet und damit die Exekutive von ihrer Kontrollfunktion entlastet wird.

Summary

Repeated practice on cognitive tasks is known to reduce the processing time required for successful task completion, and this gain in processing speed has often been attributed to task performance becoming automated during the course of practice. It is unclear, however, what processing parameters indicate changes from controlled to more automatic processing. One promising way to answer this question is to look for functional couplings of subsystems during task performance before and after practice. It was hypothesized that the mental effort for controlled processes in working memory will be indicated by strong synchronization between frontal and parietal brain areas, and that it will be reduced over the course of practice. In 2 experiments, EEG coherence was used to assess synchronization. As expected, there was a decrease of interregional synchronization between frontal and parietal areas as a function of practica. Against this, specific parietal areas exhibited strong synchronization at the end of practice. This suggests that the automatization of task performance over the course of practice involves a shift of processing from frontal to posterior cortical areas, increasingly releasing the central executive from its controlling function.

Keywords

Cognitive training, controlled processing, working memory, EEG, coherence

Zeitschrift für Pädagogische Psychologie/German Journal of Educational Psychology, 1-2/1999; 60-73; Hans Huber AG, Bern


Ist Leseschwäche durch ein Automatisierungsdefizit verursacht?
Is Poor Reading Caused by an Automatisation Deficit?

T. Raberger & H. Wimmer

Universität Salzburg

(Summary)

Zusammenfassung

Die vorliegende Studie überprüft die Hypothese von Nicolson und Fawcett (1990), daß leseschwache Kinder an einem allgemeinen Automatisierungsdefizit leiden und nicht – wie die gängige Lehrmeinung (z.B. Shaywitz, 1997) annimmt – an einer spezifisch phonologischen Schwäche. 24 leseschwache Kinder (neun- und zehnjährige) wurden mit 24 normallesenden Kindern beim Balancieren auf jeweils einem Bein verglichen, wobei drei Aufgabenstellungen realisiert wurden: Balancieren ohne Zusatzaufgabe, Balancieren mit verbundenen Augen und Balancieren mit Zusatzaufgabe. Leseschwache Kinder zeigten schlechtere Balancierleistungen vor allem beim Balancieren mit verbundenen Augen. Allerdings war dieses Defizit nicht mehr reliabel, wenn Unterschiede zwischen den leseschwachen und den normallesenden Kindern in bezug auf Unaufmerksamkeit und Überaktivität kontrolliert wurden. Es liegt die Vermutung nahe, daß die ursprünglichen Befunde zum Balancierdefizit leseschwacher Kinder dadurch zustandekamen, daß sich unter den untersuchten leseschwachen Kindern eine Anzahl von Teilnehmern mit zusätzlicher Beeinträchtigung der Aufmerksamkeit und der Aktivitätsregulation befanden.

Summary

The study examined the hypothesis of Nicolson and Fawcett (1990) that reading disabled children suffer from a general automatisation deficit and not from a specific phonological impairment as postulated by the dominant explanation of dyslexia (z.B. Shaywitz, 1997). 24 dyslexic (nine- and ten-year-olds) and 24 normally reading children participated in three balancing task: single-task balancing, dual-task balancing and balancing with a blindfold. Dyslexic children exhibited poorer balancing performance particularly when balancing with a blindfold. However, this deficit was no longer reliabel when differences between the dyslexic and the control group with respect to attentional problems and hyperactivity were controlled for. This findings suggests that the original result of Nicolson and Fawcett may have been due to the inclusion of a number of children in the dyslexic sample with an additional attention deficit/hyperactivity disorder.

Keywords

Dyslexia, dual-task balancing, automatization-deficit

Zeitschrift für Pädagogische Psychologie/German Journal of Educational Psychology, 1-2/1999; 74-83; Hans Huber AG, Bern


Ingenieurin versus Pädagoge: Berufliche Werthaltungen nach Beendigung des Studiums
Female Engineer Versus Male Teacher: Work Values of University Graduates

A.E. Abele, M. Schute & M.S. Andrä

Universität Erlangen-Nürnberg

(Summary)

Zusammenfassung

In der Erlanger Längsschnittstudie zur beruflichen Entwicklung von Akademikerinnen und Akademikern wurden bei N = 1500 Absolvierenden und sämtlicher an der Universität gelehrter Fachrichtungen berufliche Werthaltungen und retrospektive Studienwahlgründe erfragt. Geschlechtsspezifische Unterschiede in beruflichen Werthaltungen sollten insbesondere über Selektionseffekte vermittelt sein, während fachspezifische Sozialisationseffekte potentielle Geschlechtsunterschiede nivellieren. Die Befunde zeigen, daß Selektionseffekte schulischer Interessen (Lieblingsfächer, die geschlechtsspezifisch variieren) auf die Studienfachwahl bestehen. Innerhalb der Fächer unterscheiden sich die Gründe für die Studienfachwahl und auch die Berufsorientierungen bei der Studiumsgestaltung zwischen Frauen und Männern nicht. Bei den beruflichen Werthaltungen bestehen zwischen den Fächern Unterschiede, während innerhalb der Fächer nur minimale Geschlechtseffekte zu beobachten sind. Gefolgert wird, daß (a) Fachunterschiede in beruflichen Werthaltungen bedeutsamer sind als Geschlechtsunterschiede sowie daß (b) innerhalb von Fächern die nach dem Examen bestehenden beruflichen Werthaltungen kein Prädiktor für potentiell geschlechtsdifferente Berufsverläufe sind.

Summary

In the Erlangen longitudinal study on comparative career development N = 1500 female and male university graduates with various majors were asked about their work values and retrospectively about some reasons for choosing their university major. Gender differences in work values should be mediated by gender- and interest-specific university-major selections, but should be reduced by university-major specific socialization processes. The result of this double process should be differences in work values between the majors, but no gender differences in work values within them. The results support these considerations: A significant influence of a person’s favorite school subject on his/her university major was found. Within the university majors the reasons for choosing it and the relevance of occupational orientations within the course of studies do not differ between men and women. Work values differed between the majors, but there were no gender differences within them. It is concluded that in accord with our assumptions (a) work values are more influenced by a person’s major than by his/her gender; and (b) that work values at the time of a person’s university graduation cannot be a reason for gender different occupational career development.

Keywords

Gender differences, study choices, career orientation

Zeitschrift für Pädagogische Psychologie/German Journal of Educational Psychology, 1-2/1999; 84-99; Hans Huber AG, Bern


Psychometrische Eigenschaften und Validität des multidimensionalen Prüfungsängstlichkeitsinventars TAI-G
The Psychometric Properties and Validity of the Multidimensional Test Anxiety Inventory TAI-G

J. Musch & A. Bröder

Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

(Summary)

Zusammenfassung

Psychometrische Eigenschaften und Faktorenstruktur des von Hodapp (1991) vorgelegten Prüfungsängstlichkeitsinventars TAI-G wurden an einer Stichprobe von N = 91 Studenten pädagogischer Studiengänge überprüft. Die vier Subskalen «Aufgeregtheit», «Besorgtheit», «Mangel an Zuversicht» und «Interferenz» zeigten hohe innere Konsistenzen und genügten dem Kriterium der Rasch-Skalierbarkeit. Die faktorielle Struktur des Fragebogens konnte repliziert werden. Eine Reihe von signifikanten Beziehungen zwischen den vier Skalen und für die Prüfungsangstforschung bedeutsamen Variablen konnten in der theoretisch zu erwartenden Richtung nachgewiesen werden, was als Beleg für die Validität der Skalen gewertet wird. Die Verwendung des TAI-G zur differenzierten Diagnose von vier Subkomponenten der Prüfungsängstlichkeit kann aufgrund der Ergebnisse der vorliegenden Untersuchung empfohlen werden.

Summary

The psychometric properties and the factor structure of an extended and modified version of the German Test Anxiety Inventory TAI-G (Hodapp, 1991) were investigated in a sample of N = 91 university students attending pedagogical courses of studies. The four subscales «emotionality», «worry», «lack of confidence» and «interference» showed high internal consistencies and satisfied the criterion of Rasch scalability. The factor structure of the questionnaire could be replicated. A number of significant relationships of the four scales to important test anxiety variables could be established in the theoretically expected direction, substantiating the validity of the scales. The use of the TAI-G for a differentiated diagnosis of four subcomponents of test anxiety can be recommended on the basis of the results of the present investigation.

Keywords

Test anxiety, German TAI-G, emotionality, worry

Zeitschrift für Pädagogische Psychologie/German Journal of Educational Psychology, 1-2/1999; 100-105; Hans Huber AG, Bern


wwwadmin@huberag.ch, 4. März 1999