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Zeitschrift für Pädagogische Psychologie, Heft 4, 1999


Gasteditorial: Bühler, Dewey und Pädagogische Psychologie im Kontext
Bühler, Dewey and Educational Psychology in Context

Helmut Skowronek

Universität Bielefeld

Zeitschrift für Pädagogische Psychologie/German Journal of Educational Psychology, 4/1999; 187-190; Hans Huber AG, Bern


Die Integration intuitiven Wissens beim schulischen Lernen
Integration of Intuitive Knowledge in Learning at School

Horst Krist

Psychologisches Institut der Universität Zürich

(Summary)

Zusammenfassung

Aus einer kognitions- und entwicklungspsychologischen Perspektive wird die Bedeutsamkeit des außerschulischen Vorwissens für das schulische Lernen herausgestellt. Als anzustrebendes Instruktionsziel wird die Integration dieses intuitiven Wissens mit dem Schulwissen vorgeschlagen. Auch für den Bereich der Naturwissenschaften, in dem das intuitive Wissen häufig mit dem Schulwissen in Konflikt gerät, erscheint eine auf Wissensintegration abzielende Strategie angemessen. Entwicklungspsychologische Untersuchungen weisen ebenso wie Analysen des Problemlöseverhaltens von Physikexperten darauf hin, daß Fortschritte im physikalischen Verständnis nicht mit der Tilgung vorhandenen Wissens, sondern vielmehr mit der hierarchischen Integration verschiedener Ebenen der Wissensrepräsentation einhergehen. Wo Begriffsveränderung erforderlich ist, sollte sie durch die Herstellung und Festigung sinnvoller Verbindungen zwischen den verschiedenen Wissensbeständen gefördert werden. Instruktionspsychologische Untersuchungen haben gezeigt, daß die teilweise beträchtliche Kluft zwischen intuitivem und schulischem Wissen überbrückt werden kann, wenn man geeignete Schnittstellen zur Verfügung stellt, die konkret genug sind, um das intuitive Wissen zu aktivieren, und abstrakt oder einfach genug, um die konzeptuellen Zusammenhänge transparent zu machen. Solche Schnittstellen liefern insbesondere interaktive Computer-Mikrowelten, gezielte praktische Übungen und konzeptuelle Analogien.

Summary

From a cognitive and developmental perspective, the significance of informal prior knowledge is emphasized with respect to learning at school. Integration of this intuitive knowledge and the formal knowledge learned in school is suggested as the desired goal of instruction. Even in science education, where intuitive knowledge tends to conflict with formal knowledge, the strategy of knowledge integration appears adequate. Both developmental studies and analyses of problem solving behaviour in physics experts suggest that progress in understanding physics does not imply that existing knowledge has become eliminated, but rather that different levels of knowledge representation have become integrated. When conceptual change is required, it should be fostered by establishing and strengthening meaningful connections between the various bodies of knowledge. Psychological research on instruction has shown that the gap that sometimes exists between intuitive and formal knowledge can be bridged if suitable interfaces are used that are both concrete enough to activate intuitive knowledge and abstract or simple enough to make the formal conceptual relations transparent. Such interfaces are provided particularly by interactive computer microworlds, well-directed hands-on experiences, and conceptual analogies.

Keywords

intuitive Physik, kognitive Entwicklung, Naturwissenschaft, Wissensintegration

Zeitschrift für Pädagogische Psychologie/German Journal of Educational Psychology, 4/1999; 191-206; Hans Huber AG, Bern


Schulbezogene Selbstwirksamkeitserwartungen und Prüfungsangst – Eine Mehrebenenanalyse mit latenten Variablen
Perceived Self-Efficacy and Test Anxiety – A Multilevel Approach with Latent Variables

Lars Satow

Freie Universität Berlin

(Summary)

Zusammenfassung

In der vorliegenden Untersuchung wurde die Hypothese überprüft, daß schulbezogene Selbstwirksamkeitserwartungen Veränderungen in der Besorgtheitskomponente der Prüfungsangst über einen Zeitraum von einem Jahr hinweg erklären können. An der Untersuchung nahmen 1346 Schüler der Sekundarstufe von 10 Schulen des Modellversuchs Verbund Selbstwirksamer Schulen zu 2 Meßzeitpunkten teil. Es wurden Mehrebenen-Strukturanalysen durchgeführt, welche die Trennung von Schüler- und Klassenebene erlauben. Sowohl auf Schüler- als auch auf Klassenebene wurden Cross-Lagged-Panel-Strukturgleichungsmodelle überprüft. Die Analysen bestätigten den postulierten Effekt der schulbezogenen Selbstwirksamkeitserwartungen.

Summary

The present article deals with the effect of perceived self-efficacy on test anxiety. It is hypothesized that perceived self-efficacy explains test anxiety change over a one year period. 10 German schools were investigated at 2 points in time. The sample consisted of 1346 students. For data analysis, a multilevel approach with latent variables was chosen. Structural equation models were computed both for student and class level. The results suggest that self-efficacy had a direct effect on the development of test anxiety whereas test anxiety had no direct effect on perceived self-efficacy.

Keywords

Selbstwirksamkeitserwartung, Prüfungsangst, Besorgtheit

Zeitschrift für Pädagogische Psychologie/German Journal of Educational Psychology, 4/1999; 207-211; Hans Huber AG, Bern


Aktives Lernen durch epistemisches Fragen: Generieren versus Kontrollieren im Kontext des Geschichtsunterrichts
Active Learning by Epistemic Questions: Generating vs. Controlling in History Classes

Heinz Neber

Ludwig-Maximilians-Universität München

(Summary)

Zusammenfassung

Durch epistemische Aktivitäten wird Wissen aufgebaut. Das trifft auch auf epistemische Fragen zu, die Schüler im Unterricht an sich selbst oder an andere stellen. Solche Fragen bzw. Aktivitäten erfüllen zwei grundlegende Funktionen: Wissensgenerierung und Kontrolle der Erwerbsprozesse. Im Geschichtsunterricht einer Gymnasialklasse wurden wissensgenerierendes und prozeßkontrollierendes epistemisches Fragen von Schülern in 2 Gruppen vergleichend gefördert und der Wissenserwerb durch multiple-choice Items und durch erklärende Aufsätze überprüft. Die durch Aufsätze gemessene Lernleistung der im wissensgenerierenden epistemischen Fragen trainierten Gruppe war deutlich höher. Dies weist darauf hin, daß solche Fragen stärker zum Erwerb nutzbaren historischen Wissens beitragen als ein Training im prozeßkontrollierenden epistemischen Fragen. Konsequenzen für notwendige erweiterte Untersuchungen, für die Förderung epistemischer Aktivitäten und für Verfahren zur Überprüfung nutzbaren Wissens im Unterricht werden diskutiert.

Summary

Epistemic activities serve to construct knowledge. This also applies to epistemic questions which students ask to themselves or to others in instructional settings. These questions accomplish two basic functions: Generating knowledge and controlling the acquisition process. In a study knowledge-generating vs. process-controlling epistemic questions were promoted and compared in two groups of students in a history class. The knowledge acquired was tested by multiple-choice-items and by explanatory essays. The training in knowledge-generating questioning resulted in higher learning performances as measured by the essay-format. This indicates that this kind of questioning contributes better in aquiring usable historical knowledge than a training in process-controlling epistemic questions. Consequences for more extended studies, for the promotion of epistemic activities in instructional settings, and for methods in assessing usable knowledge are discussed.

Keywords

epistmische Fragen, Wissensgenerierung, kognitives Training, entdeckendes Lernen, Lernen in Geschichte

Zeitschrift für Pädagogische Psychologie/German Journal of Educational Psychology, 4/1999; 212-222; Hans Huber AG, Bern


Soziale Beziehungen, aktuelle und habituelle Befindlichkeit in der Adoleszenz
Social Relationships, State and Trait Affect in Adolescence

Bernhard Schmitz und Susanne Wurm

TU Darmstadt

(Summary)

Zusammenfassung

Der Zusammenhang von sozialen Beziehungen und der emotionalen Befindlichkeit von Jugendlichen wurde im Rahmen einer 8wöchigen Tagebucherhebung mit 162 Jugendlichen im Alter zwischen 12 und 16 Jahren untersucht. Ausgangspunkt war dabei die Annahme, daß die Eltern den Heranwachsenden zeitlich überdauernden sozialen Rückhalt bieten und ihnen dadurch ein besonderer Stellenwert für die habituelle Befindlichkeit der Jugendlichen zukommt. Zudem wurde erwartet, daß sie die zentralen Unterstützungspersonen bei schulischen Belastungssituationen ihrer Kinder darstellen. Den Freunden wurde hingegen eine besondere Funktion im Alltag der Jugendlichen zugeschrieben: Es wurde angenommen, daß sie bedeutsamer sind für die aktuelle Befindlichkeit der Jugendlichen als die Eltern. Die Ergebnisse zeigen, daß die habituelle Befindlichkeit von Jugendlichen gleichermaßen von Eltern und Gleichaltrigen beeinflußt wird und schulische Belastungen nur durch die gemeinsame soziale Unterstützung beider Bezugsgruppen reduziert werden kann. Geschlechtsspezifische Analysen weisen darauf hin, daß in dieser Altersgruppe für Mädchen die Gleichaltrigen, für Jungen dagegen die Eltern bedeutsamer für die aktuelle Befindlichkeit sind. Die vorliegende Studie verdeutlicht zudem die Vorteile eines alltagsnahen, prozeßorientierten und individuumzentrierten Ansatzes gegenüber der üblichen Querschnittmethode.

Summary

The coherence of social relationships and affect in adolescence was carried out over a period of 8 weeks in form of a daily questionnaire of 162 male and female teenagers in the age of 12 to 16. It was started with the assumption that the parents of the youth give them long lasting social support and that they therefore have a special position for the trait affect of the adolescents. Additionally it was expected that the parents provide more essential support to their children in situations of stress in school. In contrast it was attributed to the friends that they have a special function in the daily life of the adolescents: It was assumed that they are of greater importance for the state affect of the youth than the parents. The data suggest that the trait affect of the youth is influenced as much by the parents as the same aged. Stress in school is reduced only through the social support of both related groups. Gender specific analysis show that for girls the peers are of greater importance for the state affect while for boys the parents are more important. Furthermore the study shows the advantages of a research which is close to daily-life, process-oriented and individuum-centered, compared to the conventional cross-sectional analysis.

Keywords

Schule, Tagebuch, Freunde, Befindlichkeit

Zeitschrift für Pädagogische Psychologie/German Journal of Educational Psychology, 4/1999; 223-235; Hans Huber AG, Bern


wwwadmin@huberag.ch Last update: November 10, 1999